Pflanzenkraft

Was nicht gesehen werden kann und jenseits des Denkens ist,
was ohne Ursache oder Teile ist,
was weder wahrnimmt noch handelt,
was unwandelbar ist, alldurchdringend, allgegenwärtig,
feiner als das Feinste,
das ist das Ewige, von dem die Weisen wissen,
dass es die Quelle von allem ist.
So wie eine Spinne ihren Faden ausspinnt
und ihn in sich zurücknimmt,
so ist die ganze Schöpfung aus dieser Kraft heraus gewoben
und kehrt in sie zurück.
So wie Pflanzen in der Erde wurzeln,
so werden alle Dinge aus dieser allgegenwärtigen Energie unterhalten.
So wie ein Haar aus eines Menschen Kopf wächst,
so entsteht alles aus dieser unendlichen Intelligenz!

Upanishaden
auch Upanischaden, Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda, im Sanskrit bedeutet upaniṣad wörtlich „das Sich-in-der-Nähe-Niedersetzen“, gemeint ist „sich zu Füßen eines Lehrers (Guru) setzen“, aber auch eine geheime, belehrende Sitzung; niedergeschrieben zwischen 700 und 200 v. Chr.

Wenn wir unsere Erde mit offenen Augen betrachten: Welch ein herrlicher Planet mit seinen Tieren, Pflanzen, Bergen, Seen, Meeren… Fast alles, was uns betrübt, kommt nicht von der Erde, sondern von den Menschen. In der Natur können wir – und unser Herz und die Seele – frei aufatmen. Geht mehr in die Natur, lernt sie lieben! Dann hat Betrübnis nur noch wenig Platz in Euren Herzen.

Werner Braun

Bilder eines Morgenspaziergangs im Botanischen Garten Singapur im Oktober 2020.

Versteckte Perlen

Wenn von den eichen erste morgenkühle
Die feuchten perlen uns ins antlitz blies
So knirrte auf dem pfad der spitze kies
Erinnerte die schweigenden Gefühle.

Und auch die eigene stimme schien dir rauh
Wenn du im takt verwandter pulse bangen
Vernahmst die enger zu den deinen drangen
Und laues schmiegen trocknete den tau.

Stefan George 1868 – 1933

Seit langer Zeit liegt es vergessen, hinter Dickicht aus dschungelgrünem Pflanzenwirrwarr. Fast undurchdringlich. Zu Beginn seiner Zeit stand es frei und überstrahlte die Gegend mit seinem Prunk und seiner Pracht. Ein Sultan und seine vierte Frau residierten hier einst. Die weitere Geschichte kann nachgelesen werden, aus der Zeit gefallene Fotografien belegen die Exsistenz der einstigen Schönheit. Das blaue Ziegeldach wetteiferte mit dem Himmel, bis es nach einem verherrenden Feuer einstürzte und in tausende Scherben zerbrach.

Vielleicht findet sie noch eine versteckte Perle im verlassenen und kühlen Gemäuer, unter Scherben und Holzsplittern. Zwischen dem Wildwuchs, der sich Fassenden und Wände, Dächer und Fenster zu eigen gemacht hat und das ehrwürdige Haus jetzt fest umschlingt. Sie folgt dem kleinen Trampelpfad, lauscht den Geräuschen der Natur, genießt die ersten Regentropfen auf der Haut als willkommene Abkühlung in der Hitze des Morgens. Pflanzen bieten ihre Früchte und Samen in prachvollen Farben und Formen dar.

Zwischen dem Blattwerk zeigt sich ihr eine kleine Behausung, fast gänzlich verschlungen vom Urwald. Löcher im Mauerwerk zeigen einstige Fenster und Türen, spärlich dringt ein wenig Sonnenlicht ins Innere. Keine Perlen zur sehen. Fasziniert betrachtet sie die Versuche einiger Pflanzen, an den Wänden eine Art natürliche Tapete zu kreieren. Lange Wurzeln bahnen sich ihren Weg durch die verlassenen Räume, krallen sich an den Dachkanten fest, winden sich um Mauerecken, verschwinden durch eine Spalt wieder ins Freie.

Endlich

Die Tapete an der Wand
ist grau geworden
dort, wo Fotos hingen
erzählen Flecken Geschichten von
Liebe, Freundschaft, Abenteuer.
Unser Leben
verblasst im Glanz
der Zeit.
Vergessen.

Kurt Traxl

Einen Katzensprung nebenan, fast unsichtbar, wie von Zauberei verwunschen, wird der Palast sichtbar. Zwei Stockwerke mit Balkonen ringsherum. Sanft und vorsichtig schleicht sie ins Innere. Die Augen müssen sich an die Dunkelheit gewöhnen. Unter den Füßen knirscht es, die Treppenstufen knarzen, Vandalen hinterließen Beweismittel an fast allen Wänden. An einem Türbalken erblickte sie einen Strick, den die Geisterjäger angebracht haben mussten. Sie spürt nur den Geist des Hauses, es blutet und ist schmerzlich verwundet. Liegt im Sterben, eine Rettung erscheint unmöglich. Aufgegeben seit Jahren. Das Bewahren für die Zukunft verspielt. Es schmerzt sie auch diesmal, diesen Verfall zu sehen, der dennoch seine eigene Schönheit besitzt. Der Blick in den vom Nebelregen diffusen Wald brennt sich in ihr Gedächtnis ein. Gedankenspiele, wie es sich hier lebte, welche Musik gespielt, welche Feste gefeiert wurden. Wer hat hier seine Lebenszeit verbracht. Wem ging es gut, wer musste dienen?

Sie spannt den Schirm auf. Das brüchige Dach hat viele Löcher, durch die das Nass hinein tropft und Pfützen bildet. Das alte Parket ist aufgequollen. Eine Weile vor dem verzierten Geländer, an dem die rote Farbe als Patina durchscheint, verweilen und die Stille des Ortes in sich aufsaugen. Lassen sich Perlen finden? Blaue Splitter übersäen den Boden, ein Brocken davon wandert in ihre Tasche. Wer braucht schon Perlen? Die Bilder im Aufnahmegerät sind heute ihre Perlen. Die Natur begräbt hier einen großen Schatz unter sich und vielleicht ist das sogar der beste Plan für diesen Ort.

Danke liebe Gina für deine Gesellschaft.

Um Einfluß quält sich Stolz; der Geiz, daß Geld sich mehre;
Der Höfling im Palast dient schwer um Schein und Ehre!
Der Glückliche lebt sich; in seiner freien Brust,
Da ist sein Stolz, sein Ruhm, sein Reichtum, seine Lust!
Frei wollt ihr alle sein und fesselt euer Leben!
Kehrt zur Natur zurück, nur sie kann Frieden geben!

Siegfried August Mahlmann (1771 – 1826)

Hoch hinauf

Beuren im April

Bereits im April machten wir uns auf den Pfad hoch zur Burgruine Hohenneuffen (745m). Vom Parkplatz an der Therme in Beuren führt der „Hochgefestigt“ Premiumwanderweg hinaus aus dem idyllischen Örtchen hoch zur steinernen Festung, die aufgrund der Pandemie nur eingeschränkt zugänglich war.

Blühendes Baumwunder

Die Wiesen am Einstieg präsentierten sich in sattem grün, mit Löwenzahn weit und breit, die Bäume zeigten uns eine wahre Blütenpracht, an denen sich die Insekten labten und ein herrliches Summen darunter zu hören war. Nur wenige andere Wanderer kreuzten unseren Weg, was wohl auch daran lag, dass der Tag noch recht jung war.

Duftend & Zart
Jetzt wieder geöffnet.
Baumriese

Im Wald angekommen wurden wir von einem anderen Dufterlebnis überrascht. Frühlingszeit –> Bärlauchzeit. Mit einem Bärlauchteppisch war der Waldboden bedeckt und der unverwechselbare Knoblauchduft stieg uns in die Nase. Könnte man tatsächlich Hunger auf eine frische Pizza bekommen. Wir pflückten ein paar Blätter, um daraus Pesto herzustellen, was ganz wunderbar schmeckte.

Bärlauch am Pfad
Lichtspiel mit Ahornblättern

Unsere Stimmung war ausgelassen, wir strebten dem Ziel entgegen und die steilen Wege flachten etwas ab, schlängelten sich um den Fuß der Burg, bis die ersten Außenmauern auftauchten. Ella war nicht zu halten und erreichte als Erste den Eingang in die stattliche Burganlage.

Die Burg wurde zwischen 1100 und 1120 von Mangold von Sulmetingen, der sich später von Neuffen nannte, erbaut.[4] Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie im Jahre 1198, damals im Besitz der Edelfreien von Neuffen, zu denen der Minnesänger Gottfried von Neifen gehörte. Ende des 13. Jahrhunderts ging die Burg an die Herren von Weinsberg, die sie 1301 an das Haus Württemberg verkauften. Ihre Verteidigungsfähigkeit bewies die Burg in den internen Auseinandersetzungen des Heiligen Römischen Reiches (der Reichskrieg), in denen sie 1312 nicht eingenommen werden konnte. (Wikipedia)

Zwei Burgwächter warten auf die Nachzügler
Steiniger Weg zur Aussicht
Hohe Mauern

Die Militärregierungen der Besatzungszonen gründeten 1945/46 die Länder Württemberg-Baden in der amerikanischen sowie Württemberg-Hohenzollern und Baden (so genannt, obwohl es nur den südlichen Teil des Landes umfasste) in der französischen Zone. Als 1948 deutlich wurde, dass für das westliche Deutschland eine Verfassung erarbeitet wurde, ergriffen einige Politiker die Initiative, sie wollten einen Zusammenschluss der Länder im Südwesten. Der Regierungschef von Württemberg-Baden, Reinhold Maier, lud die Regierungen der drei Länder am 2. August 1948 zu einer Konferenz auf den Hohenneuffen ein. Er wollte eine erste Annäherung zustande bringen. Für Südbaden nahm eine Delegation unter Führung von Leo Wohleb teil, der ein kompromissloser Verfechter einer Wiederherstellung des Landes Baden war. Württemberg-Hohenzollern war durch seinen Innenminister Viktor Renner vertreten. In den Delegationen waren Minister, Parteivorsitzende, Abgeordnete und Beamte der drei Länder. (Wikipedia)

Gedenktafel (Quelle. Wikipedia)

Der Tagungsort war mit Bedacht gewählt. Der weite Blick ins Land und vor allem die wenige Kilometer entfernte, einschneidende Zonengrenze zwischen den Kreisen Reutlingen und Nürtingen sollten beeindrucken. Abgeschieden von ihren Regierungen und der Öffentlichkeit wollten die Teilnehmer hier sachlich debattieren, gut bewirtet mit Täleswein. Eine Einigung kam am Schluss zwar nicht zustande, aber dennoch hatte das Treffen Anstöße gegeben, wichtige Weichen wurden gestellt. Diese Dreiländerkonferenz auf dem Hohenneuffen markiert damit den Beginn der jahrelangen Auseinandersetzung um die Bildung des Südweststaates Baden-Württemberg, der 1952 aus der Taufe gehoben wurde. (Wikipedia)

Ein Blick ins Innere der Burgruine war uns verwehrt, nur die Schautafel zum Dreiländertreffen konnten wir durch die Gitterstäbe erhaschen. Gerne hätten wir uns auch die Kasematten angeschaut, vielleicht beim nächsten Mal.

Die Höhenburg macht ihrem Namen alle Ehre.
Aussicht so weit das Auge reicht.

Der Aufstieg lohnte sich dennoch, eine spektakuläre Aussicht erwartete uns von der frei zugänglichen Plattform vor dem Eingang zur Burg. Klare Sicht auf die Hügel und Orte am Rande des Albtraufs. Auch die Brotzeit schmeckte allen, so dass wir den Abstieg gut gelaunt in Angriff nehmen konnten. Gerne hätten wir uns in einem Café oder einer Eisdiele noch Etwas gegönnt, das wurde zu Hause nachgeholt. Die Burgruine ist auf jeden Fall einen Ausflug wert und wenn wieder vollständig geöffnet natürlich auch eine Besichtigung im Inneren der Mauern.

Ich wandere gemächlich
den Fußweg hinauf zur Burg,
und überträume von oben mein Leben

© Elmar Kupke (1942 – 2018)

Planet Winter

Wer bis jetzt in dieser Saison den Winter erleben wollte, musste hoch hinaus, gefühlt auf einen anderen Planeten reisen, um ihn zu sehen. Die Schneedecke begann auf etwa 1000 m Höhe nach Winter auszusehen. Sobald ich angekommen war, versprühte diese Landschaft sofort diesen bannenden Zauber, das Knirschen unter den Füßen erinnerte mich an meine Kindheit, welches Kind liebt nicht diese Geräusch beim Laufen auf frischem Schnee. Weiß verschneit lagen die Wiesen und der Wald vor mir, unberührt, nur der Weg zum Gasthaus auf 1260 m zeigte Spuren anderer Lebewesen.

Die Sonne strahlte, ein herrlicher Tag versprach ungetrübte Stunden und zog uns magisch hinaus aus der wohlig warm geheizten Hütte in Tirol. Fotografenherzen schlagen bei diesem Wetter gleich schneller und auch ich wollte diese Lichtstimmung nutzen, um einige Motive festzuhalten. Für mich fühlte es sich an, als ob es solche Winter in Zukunft wohl noch seltener zu erleben geben wird. Spät zog er dieses Jahr ein in den Bergen, die Skigebiete warteten sehnsüchtig auf den Schnee für die Touristen, die das ersehnte Geld für viele Menschen in dieser Region bringen würden. Frisch verschneite Wälder bekomme ich in den letzten Jahren nur in dieser Region vor die Kamera. Die Reise zum Planet Winter ist schon ein Luxus geworden, wenn es vor der eigenen Haustüre diese Naturschauspiele nicht mehr zu bestaunen gibt. Die Erderwärmung macht auch vor Europa keinen Halt, die Sommer viel zu heiß, die Winter spät und kurz. Manchmal viel zu heftig, wie im letzten Jahr, da lag die Hütte nach unserer Abreise unter knapp zwei Metern Schnee begraben.

Zwei Schlitten im Schlepptau machten wir uns auf den Weg und jeder Schritt brachte uns höher hinauf, dem Licht des Tages entgegen. Es waren nur wenige Wanderer unterwegs, die mussten erst vom Tal herauf auf unsere Höhe, um weiterzugehen auf das Almplateau am Langkampfen.

Der Moment, wenn man aus dem Wald tritt und sich der Blick über dieses ganz wundervolle Fleckchen Erde ausbreitet – unbeschreiblich schön. Die Schneedecke weich wie Watte, der Himmel in einem überschwänglichen Blau, Schattenspiele der kahlen Bäume, Stille und eisige Luft. So stelle ich mir Winter vor, ja es ist natürlich sehr kitschig, aber wer braucht diesen Kitsch nicht hin und wieder in seinem Leben?

Nach einer zünftigen Stärkung erkundeten wir das weitläufige Plateau. Tief in den Schnee getrampelte Wege zogen uns in ihren Bann. Im Sommer sind wir hier schon gewandert, im Winter ist es beschwerlicher, aber die Ausblicke um so beeindruckender. Ich konnte mich nicht satt sehen.

Der Winter geht nicht, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Aus Finnland

Ich wünschte die Winter würden wieder so wie in meinen Kindheitstagen sein. Mit knackigem Frost, viel Schnee, Zeit zum Rodeln und Langlauf im Wald. Es wird wohl ein Traum bleiben. Unser Planet wird wärmer, der Winter macht sich rar. Im hinterher zu reisen ist wohl eine Alternative, fühlt sich dennoch nicht so richtig gut an. Genau wie das Skifahren auf künstlich beschneiten Pisten. Einsicht, dass es der Natur nicht gut tut, dieser Wahnsinn an Pistenkilometern, Wasserspeichern für die Schneekanonen, Liftanlagen und viel zu vielen Menschen, die diesen Zirkus befeuern. Auf der anderen Seite sind diese Regionen genau auf diese Einnahmequelle angewiesen und haben noch keine Alternative parat, dieses zu ändern. Die kleineren Skibetriebe, die oft in Familienhand sind, trifft es zu erst, sie liegen zu tief und sind nicht mehr schneesicher, dass es sich lohnen würde zu investieren. Ein Dilemma, was sich früher auf viele Gebiete verteilt hat, stapelt sich jetzt in den großen Skiarenen. Verkehrschaos bei An- und Abreise inklusive.

Auf der Suche nach anderen Motiven erkundete ich die Umgebung mit der Nahlinse. Meditation mit der Kamera beruhigt Seele und Gemüt, Zeit zum Abschalten und Eintauchen in die sonst nicht so spannenden Gegenstände.

Die Hütte ist ein kleines Juwel in den Bergen, ich bin sehr gerne hier und vergesse die Zeit. Freue mich über die Abgeschiedenheit und die gemeinsamen Stunden mit meinen Lieben. In der kleinen Kapelle nebenan bestaune ich jedesmal die göttlichen Altarfiguren, die Malereien an der Decke und dieses Jahr die Eiskristalle auf der Außenmauer.

Machs gut du Zauberort, bewahre deine Schönheit, deine Reinheit und Unschuld. Wir werden uns wiedersehen, ganz bestimmt, ob mit oder ohne Schnee.

Achtung: Fotomontage!