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Der Stand der Dinge am 19.02.2020

Die finale Genehmigung Seitens der Firma ist nun endlich da! Juhu. Jetzt können die Teams in Singapur endlich mit dem Visaantrag und dem Antrag auf Arbeitserlaubnis voran gehen. Ein weiterer Schritt in Richtung Ziel ist gemacht, noch viele weitere liegen vor uns.

30 Kisten sind im Haus gepackt, die ersten Sachen verkauft. Am Samstag müssen wir von Henri Abschied nehmen. Unsere Camper wird ins Münsterland umziehen und dort einer anderen Familie hoffentlich viele schöne Reisen und Abenteuer bescheren. Wir hatten einige sehr schöne Erlebnisse mit ihm und werden uns gerne daran zurück erinnern.

Das Corona-Virus hält die asiatische Welt weiterhin in Atem. Aktuell gibt es 81 bestätigte Erkrankte in Singapur. Die Regierung dort schickt alle Rückkehrer aus China für zwei Wochen in Quarantäne. Dafür wurden auch Kinosäule und Sporthallen als Notunterkünfte umfunktioniert. Es sind dragonische Strafen, bis hin zum Entzug der Arbeitserlaubnis, angedroht worden, für die Leute, die sich nicht an die Quaratänemaßnahmen halten. Die Millionenstadt ist mit großflächiger Überwachungstechnik ausgestattet und nutzt alle Möglichkeiten die „Gesetzesbrecher“ zu identifizieren.

Der private Konsum in China machte bis zum Virusausbruch 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Eine interessane Zahl aus dem Zeitartikel vom 19.02.2020 „Wer in Quarantäne ist, fällt am Fließband aus.“

Was mich gerade sonst noch beschäftigt:

Ich schaue alle in den Mediatheken verfügbaren Dokumentationen zu Singapur an. Auch wenn der eigene Eindruck dann sicher ein anderer sein wird. Ich habe eine Seite gefunden, die den Sonnenauf- und -untergang in Singapur anzeigt. Sehr konstant die ganze Angelegenheit. Im Juni geht die Sonne um 07:00 Uhr auf und um 19:09 Uhr unter. Die Schwankungen dieser Zeiten betragen max. 20 Minuten über das Jahr gesehen. https://www.sunrise-and-sunset.com/de/sun/singapur/singapore

Fotos vom Auszug in Peking im Juni 2014 waren auch wieder interessant. Wie viele LKWs standen damals vor der Tür? Zwei, also haben wir Platz für unsere Möbel, die mitkommen sollen.

Letzter Tag in Peking – ausgerechnet ein Corona-Bier

Es geht wieder los.

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Wenn das Leben neue Pläne für einen bereithält, ändern sich auch sofort die Gewohnheiten. Nie würde mich eine Statistik über Virenerkrankte so interessieren wie in diesen Tagen und vermutlich den kommenden Wochen. Mehrmals täglich wird diese Seite aktualisiert, man kann den Erkrankten quasi beim Sterben zuschauen, wenn die Zahlen wieder gestiegen sind. Ein Horror! Corona hat unsere Pläne gleich am Anfang durcheinander gewirbelt und eingetrübt. Auch in der Stadt, die wir wohl ab Frühsommer unser neues Zuhause nennen werden , gibt es Infektionen mit dem Coronavirus. Derzeit sind 50 Personen erkrankt, was bei einer Einwohnerzahl von 5.703.600 gerade einmal 0,0008766 % Betroffene bedeutet. Bis jetzt gibt es keine Todesfälle in der Stadt, aber die Alarmstufe steht bereits auf Orange.

Ich denke an die vielen Menschen in China, auch an unsere Zeit in Peking. Wir wären dort jetzt wie Tausende gefangen in der Wohnung, in Angst und Sorge um die Kinder und einen selbst. Berichte lese ich gerade sehr viele, die alle wenig Mut und Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage machen. Fast 1400 Menschen sind dem Virus bereit erlegen, so viele Schicksale und Hinterbliebene, die um ihre Angehörigen trauern.

Singapur 2011 bei Tag
Singapur 2011 bei Nacht

Ich kenne die Stadt bzw. den Staat Singapur eigentlich nur aus den Medien, gerade einmal 4 Stunden durfte ich sie 2012 bei einem kurzen Aufenthalt auf dem Rückweg von Australien nach Indien beschnuppern. Heiß ist es dort, kein Wunder der Äquator liegt quasi um die Ecke und tropisches Klima ist damit vorprogrammiert. Schirm und Wasserflasche gehören dort dann sicher demnächst zur Standardausrüstung beim Verlassen der Unterkunft. Wer sich selbst einen kleinen Einblick verschaffen möchte, dem lege ich diese Doku ans Herz: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/laender-menschen-abenteuer/Wunderwelt-Singapur-Geisterjaeger-und-Himmelsstuermer,lma1834.html

Momentan beginnen die Vorbereitungen mit den für uns bereits bekannten Aktivitäten. Visa-Anträge ausfüllen, neue Passbilder machen lassen, Schulab- und -anmeldungen für die Kinder, Kündigungen schreiben, Fahrzeuge verkaufen, Haus aussortieren. Gefühlt türmt sich da der Mount Everest vor einem auf. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es machbar ist, wäre es zum Verzweifeln. Noch haben wir gut 3 1/2 Monate Zeit und am Ende wird hoffentlich alles gut.

Reisepläne, um eine neue Bleibe zu suchen, werden so weit wie möglich verzögert. Die Besorgnis um die weitere Ausbreitung des Virus schreckt uns gerade ab, in Richtung Asien aufzuberechen. Aber allzu lange können wir damit auch nicht warten. Zweifel kommen auf, ob die Entscheidung überhaupt richtig war. Wir können nur darauf vertrauen, dass die Regierungen in China und Singapur ihr Bestes geben, um der Lage Herr zu werden. Verrückmachen ist für uns jetzt keine Option, besorgt sein reicht fürs Erste auch schon.

Im Keller wird gestapelt und geradelt.

Die beiden üblichen Fragen tauchten bei den vielen Gesprächen mit der Familie, Freunden und Kollegen ebenfalls wieder auf. „Was sagen denn eure Kinder dazu?“ – natürlich waren sie beide in den Entscheidungsprozess eingebunden und finden es im Großen und Ganzen aufregend. Allerding sind Tränen wohl ebenfalls erwarten und es wäre schlimm, wenn keine fließen würden. „Und was machst du dann dort?“ – das wird sich zeigen, ich werde berichten, es wird sicher nicht langweilig …

Wer leben will, muß das Fieber riskieren.

Friedrich Hebbel
(1813 – 1863)