InSeL LeBeN

Radeln durch den Stadt(Dschungel)

Immer Sommer auf dem Rad

Nachdem ich schweren Herzens mein gerade erst neu erworbenes EBike in Deutschland zurücklassen musste, freute ich mich trotzdem sehr, als das Fahrrad ohne Motor mit dem Container hier ankam. Die Einfuhr von fremden Akkus ist wohl kompliziert, außerdem gibt es hier wirklich nicht gerade Berge zu erklimmen. Mit dem Rad in Singapur unterwegs zu sein ist schon ein kleines Abenteuer. Ausgewiesene Radweg findet man so gut wie keine. Es gibt viele Wege, die sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. Entlang der Eastcost im Park sind diese Wege dann auch breit genug, dass es funktioniert. In der Stadt macht es nicht wirklich Sinn auf dem Gehweg zu fahren. Zu viele Hindernisse, Umfahrungen wegen Bushaltestellen, Kreuzungen und auf Handys starrende Fußgänger. Da benötigt man auf den Kilometer gerechnet einfach zu viel Zeit. Zum Einkaufen um die Ecke oder zum Fotografieren nutze ich das Rad dennoch gerne. Ein großes Plus ist auch, dass man beim Radfahren keine Maske tragen muss. Einen geeigneten Abstellplatz zu finden ist dann ebenfalls nicht immer einfach. Vor den U-Bahnstationen gibt es Bereiche und auch Ständer, die in unserem Fall dann entweder überfüllt oder zu weit entfernt liegen. Seit COVID entdeckten viele Einheimnische das Radfahren neu und entsprechend voll sind die knappen Fahrradplätze. Aber irgendwo findet sich meistens eine Lücke.

Mit dem Rad durch den Dschungel
Schilder aller Sorten an allen Orten
Hier wäre wenigstens Radfahren erlaubt.

Um an die naturnahen Orte in der Stadt zu kommen, ist ein schnelleres Fahrrad von Vorteil. Die Rennradszene in Singapur ist eine stets wachsende Gemeinde. Die richtigen Freaks fahren dann nachts oder am sehr zeitigen Morgen los, um dem Verkehr zu entgehen. Dann haben sie die langen Stadtautobahnen und mehrspurigen Straßen fast für sich allein. Momentan ist nur eine Gruppengröße von fünf Personen erlaubt, auch beim Radeln. Radläden gibt es viele und sie sind immer gut besucht. Da Steffen sein Rennrad aus Deutschland mitgebracht hatte, machte er sich an zwei Sonntagen auf in den Norden der Stadt, bis zur Grenze nach Malaysia kann man gelangen. Die schönen Fotos machten mich neidisch und so wurde der Plan beschlossen, ein weiteres Rennrad für mich anzuschaffen. Die Firma Giant hat sogar ein Damenmodell im Angebot und wir ergatterten das letzte Stück in meiner Größe beim Händler um die Ecke. Nach zwei Stunden war es zur Abholung bereit, perfekter Service. Für mich dann trotzdem eine echte Umstellung, wenn man so ein Rad noch nie gefahren hat. Quasi von Trabbi auf Porsche umsteigen. Ich muss wohl noch etwas Mut aufbringen, vorallem hinsichtlich Geschwindigkeit. Hier lautet die Devise: immer schön mitfliesen im Verkehr.

Bremsen neu einstellen an der Bushaltestelle

Am Sonntag beschlossen wir zeitig aufzustehen, um die noch etwas ruhigeren Straßen in Richtung Nordwesten zu nehmen. Auch die Mittagshitze umgeht man so zumindest etwas, wenn man es rechtzeitig wieder zurück nach Hause schafft. Linksverkehr ist auch am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, besonders beim Rechtsabbiegen, wenn man dann auf der vierspurigen Straße die Seite wechseln muss. Auch die plötzlich links neben mir auftauchenden Busse, die links abbiegen, während wir geradeaus fahren, sind etwas beängstigend. Aber es fahren alle sehr vorsichtig und wir mit Blinklicht am Sattel.

Papageientreffen im Bishan Park

Sonntags pflegen die Singapurer nicht nur die sportlichen Hobbys. Auch die außergewöhnlichen, wie wir im Bishan Park bestaunen konnten. Dort trafen sich unter einem Pavillon Menschen mit ihren großen und kleinen Papageien, um diese fliegen zu lassen. Die Tiere werden mit dem Auto in Käfigen, Taschen oder einfach direkt auch den Stangen zum Park transporiert. Ich konnte auch sehen, für was Fotostative auch gut geeignet sind. Für die edlen Vögel baute sich eine Besitzerin sogar eine Art Kinderwagen mit Stangen, auf dem sie die Tiere zum Platz fuhr. Mit kleinen Leckereien werden die Tiere trainiert, von den Stangen aus, zuerst auf den Armen der Besitzer zu landen. Die gut trainierten Vögel fliegen dann größere Runden und kommen auf Zuruf wieder zurück. Eine freche Vogeldame konnte der Verlockung nicht wiederstehen und flog zu einem anderen Vogelbesitzer, der am Parkplatz auf Freunde wartete, auf dessen Schulter und neckte ihn. Löcher im Tshirt zeugen von den starken Schnäbeln der Papageien. Auch ein kleines Mädchen hatte ihr zwei kleineren Piepse dabei und übte mit ihnen. Bei Gelegenheit werde ich mit der richtigen Kamera wieder in den Park fahren, dort gibt es auch einen sehr schönen Lotusteich, an dessen Ufer sich Fotografen auf die Jagd nach Motiven versammelten.

Die Kette kommt nur für die frechen Vögel zum Einsatz
Kuscheln nach dem Rundflug
Lotuseffekt

Unser Ziel war der Lower Peirce Reservoir Park, der sich direkt an den Bishan Park anschließt. Hier gab es dann auch endlich einige Affen zu bestaunen, die sich an der Straße aufreihten, um den Vorbeifahrenden etwas Essbares zu entlocken. Große Hinweisschilder weisen allerdings darauf hin, dass die Affen nicht gefüttert werden sollen. Auch die direkten Anwohner haben wohl Schwiertigkeiten mit den tierischen Waldbewohnern. Aber bei einer Bebauung direkt neben der Natur ist dieses Problem quasi vorprogrammiert. Die Affen waren vermutlich eher hier heimisch, als der Mensch.

Endlich auf ruhigen Straßen

Mit den Rädern waren wir schnell am Endpunkt der Ausfahrt angekommen, einem großen Wasserspeicher. Große Bäume und einige Bänke laden zum Verweilen ein, viele wanderten zu diesem schönen Platz, andere fuhren direkt bis zum Parkplatz davor, um einen entspannenten Moment zu genießen. Leider ging es auf der geplanten Route nicht weiter und wir mussten den Weg fast auf gleicher Route zurück fahren.

Gib dem Affen keinen Zucker!
Spektakuläre Kulisse – baden allerdings verboten
Bright Hill Temple

Dem riesigen buddhistischen Tempel und Kloster werden wir einen seperaten Besuch abstatten, allein die Vorbeifahrt war beeindruckend.

Außerem war ich zu einer interessanten Tour mit der Deutschen Gesellschaft unterwegs in Chinatown. Geschichte und Kulinarisches stand auf dem Programm. Dazu wird es noch eine ausführlichere Fotodoku auf der Hauptseite geben.

Die große Tochter feierte ihren 16. Geburtstag. Damit haben wir den Geburtstagsreigen gestartet. Mit Freunden ging es zu einem Escape-Room-Abenteuer und zu Hause gab es Lieblingsessen und Kuchen.

Ausflug nach Chinatown
Wandmalerei Chinatown
Süße Trockenwürste Chinatown Markt
Wenn der Nebelmann kommt – Insektenbekämpfung – Denguefieberkampf
Geburtstagsspätzle
Weihnachten naht

Mit großen Schritten in den Alltag

Mit Schirm und Maske

Der fast normale Alltag hat uns wieder. Schule & Homeoffice für die drei anderen Familienmitglieder und „Urlaub“ für mich. O-Ton Ella! Sie will ja schon seit Jahren in Rente gehen und findet es toll, dass ich jetzt nichts zu tun habe. Kann man so sehen, oder eben mit meinem Blick. Unbezahlte Haushaltsmanagerin ist nicht gerade das Traumziel für viele, beschweren werde ich mich trotzdem nicht. Neben Wäsche, Einkäufen, administrativem Kram, Essen kochen, Bügeln und fast täglichem Brot backen, bleibt natürlich auch die eine oder andere Stunde für die geistigen und geselligen Dinge in Singapur übrig. Den Freitag habe ich jetzt zum Fotografietag erklärt. FF sozussagen offizell ausgerufen. Letzten Freitag war ich in Little India, um die Stimmung dort einzufangen. Sobald ich das Fotoprogramm wieder auf dem Rechner habe, gibt es Bilder & Wörter auf der Hauptseite hier zu sehen.

Saris im Wind – Little India

Zum Friseur mussten wir Großen. Ein Tipp meiner Freundin Sabine führte mich ins Holland Village, dort schneidet Rosemary seit vielen Jahren vor allem ausländischen Einwohnern die Haare. Termine bekommt man gerade ohne Probleme, allein in diesem Viertel gibt es unzählige Friseursalons, die dringend auf Kundschaft warten. Genauso wie die Massage- und Nagelstudios, in denen oft gähnende Leere herrscht. Viele haben angesichts der hohen Mieten bereits aufgegeben und ganz geschlossen.

Kaffee mit Cover, damit er warm bleibt. Perfekter Service.

Immer wieder schmunzel ich über die kleinen Dinge hier in Asien. Der Umhang hatte ein Loch mit Folie. Meine Vermutung, er dient den Kunden/Innen zum Lesen auf dem Mobiltelefon, stimmte. Vermutlich bekommt man in Singapur auch wesentlich günstiger einen Haarschnitt, aber ich was zufrieden mit Rosemary und sie hat eine Neukundin gewonnen. Männer sind meistens etwas anspruchsloser mit diesem Service.

Als wir Bankgeschäfte in einem anderen Einkaufszentrum zu erledigen hatten, hat sich der Herr im Haus einen Haarschnitt und Mittagessen für unter 10 Euro geholt. Überall gibt es Salons, an denen man für 12 $ am Automaten bezahlt und sofort einen Trockenhaarschnitt bekommt. Es schneiden zum Glück noch reale Menschen und keine Roboter.

Viel Soße bitte.

Einen festen Platz für Yoga war immer ein Traum, jetzt habe ich ihn mir erfüllt. Und die Aussicht ist sogar ohne Sonnengrüße entspannend.

Yogastudio eröffnet

Ein amtlicher Termin stand diesen Montag ebenfalls auf dem Plan. Wir fuhren zur Deutschen Botschaft, um in unseren Pässen den Wohnort ändern zu lassen. Mit Termin, Check-In, Fiebermessen, Besucherausweis, Handy im Schließfach einsperren und Sicherheitskontrolle betraten wir dann für ca. 30 Minuten deutschen Boden. Jetzt sind wir offizielle Einwohner in Singapur. Auch auf die Liste der auswärtig Lebenden haben wir uns eingetragen, im Notfall ist dieser Service sicher nicht verkehrt.

Finanz-Zentrum
Hallo Deutschland
Deutsche Schule 1970 – geiler Schulbus
Mercedeswerk Singapur 1977

Da Brot, Brötchen und gute Backwaren hier teuer sind, backe ich viel selbst. Machte mir immer schon Spaß und Freude, die Liebsten mit eigenem Brot zu beliefern. Backzutaten gibt es hier wenigstens ausreichend zu kaufen. Obwohl mir Freunde erzählten, dass auch hier während des Lockdowns ein Mangel an Brotbackmischungen und Hefe herrschte. Am Wochenende entdeckten wir wieder eher durch Zufall einen gut sortierten „Backladen“, in dem jedes Bäcker- und Konditorherz höher schlägt. Hier kann man sich die Komplettausstattung kaufen, wenn man eine kleine Bäckerei eröffnen möchte. Wir haben erstmal ein paar Kleinigkeiten mitgenommen, wichtige Zutaten für die geliebten Muffins.

Große Auswahl
Gleich getestet.

Auf meinen Streifzügen durch die Stadt erkunde ich immer gleich die kleinen Quartiere, die sich oft um einen Supermarkt / Shoppingmal bilden. Dort finden sich kleine Geschäfte, Restaurants, Cafés und Hawkercenter. Motive finden sich quasi an jeder Straßenecke, die Kamera werde ich demnächst öfter einpacken.

Dieser Laden ist leider geschlossen; die Dekoration steht noch.
So sieht es am Nachmittag vor den Räumen der Schülerhilfe aus. Kumon heißen die hier.
In Peking überall zu finden, hier habe ich länger gesucht nach den Mops.
Das Beast gönnt sich eine Pause zum Rauchen und Kaffee trinken vor dem Hausaltar.
Lieferant in Regenmontur – die Füße werden nass.
Das Grün und der Beton – eine Hassliebe vermute ich.
Baumhäuser in der Großstadt

Einzug ins neue Leben

Harry Potter in Singapur

Nach genau 3 Monaten beendeten wir das Leben aus dem Koffer. Was für eine Freude, als der Container endlich wieder vor der Tür stand und die Umzugsfirma innerhalb von einem Tag alle 277 Teile in die Wohnung schleppte. Ein Glück hat hier fast jedes Haus einen Aufzug.

Die Betten waren schnell aufgebaut, die Suche nach der Bettwäsche dauerte etwas länger, aber bis zum Abend des nächsten Tages, war alles fertig für den Einzug in die Wohnung. Eine Woche später sieht es jetzt wohnlich aus, fast alles ist an seinem Platz, nur das Büro braucht noch Sortierung.

Herzögliches Wappen – wir wohnen quasi royal 🙂
Wichtige Sachen: Werkzeug für den Herzog, Nähkästchen für die Herzogin

Das Backpapier hatte ich im Container mitgeschickt, obwohl es hier natürlich auch welches gibt. Damals in Indien war es Mangelware. Jetzt komme ich eine Weile hin mit dem Vorrat. Das erste Brot in der neuen Wohnung schmeckte besonders gut.

Frisch aus dem Ofen – köstlich
Mittagspause

Den lustigsten Kommentar gab es zu unserem Mittagessen in der Umzugspause. „Sieht aus wie Biomüll“ meinte Julia. Der Hühnchenreis mit Gemüse wird hier klassisch in beschichtes Papier verpackt. Dazu ein Beutelchen Currysoße. Schmeckt prima, früher war es bestimmt ein Bananenblatt. Für zwei große Portionen zahlt man nur 9,80 $ (ca. 6 €).

Das Fahhrad ist unbeschadet angekommen.
Viele Recyclingkartons
Ausblick am Morgen
Ausblick am Abend

Neues Land – neue Stecker! Wieder einmal müssen wir Geld für Verteilerleisten und Verlängerungsschnüre oder andere Kabel ausgeben, um die mitgebrachten Geräte anzuschließen.

Kabelsalat in der Wohnung
Die Wasserversorgung scheint ähnlich chaotisch zu sein 🙂
Auszeit im Café KARA

Die Umgebung unserer neuen Bleibe erkunden wir erstmal zu Fuß. Gleich um die Ecke gibt es einen Supermarkt, ein nettes Café, in dem man sich Frozen Yogurt mit Toppings selbst zusammenstellen kann. Auch der deutsche Laden ist hier, eine kleine Apotheke für deutsche Produkte. Die Preise sind wirklich astronomisch, aber die Verkäuferin ist sehr nett. Kommt man kurz vor Ladenschluss (17 Uhr) bekommt man auch mal Brötchen oder Brezeln geschenkt, wenn noch welche übrig sind. Für die eine odere andere Kleinigkeit aus der Heimat eine gute Alternative.

Kakao

Im Supermarkt nebenan findet man eigentlich auch alles. Der Kakao wird praktischerweise gleich in großen Dosen verkauft. Da spart man sich ein Glas/Dose. Bei der Luftfeuchte in den Tropen muss alles luftdicht verpackt sein. Paar Kartoffelchips über Nacht unverpackt liegen lassen, keine gute Idee. Sind dann eher weich als knusprig.

Hefeteig

Dafür geht das Backen mit Hefeteig richtig gut. Einfach auf den Balkon stellen, wenn es mal schnell gehen soll. In der Wohnung läuft noch öfter die Klimaanlage, beim Auspacken der Kisten und räumen der Sachen schwitzt man sonst unerträglich schnell.

Hofkatze gefunden

Letzten Sonntag wagten wir uns auf die Räder. Endlich wieder Luft um die Nase (wenn auch sehr warme) und den Radius erweitern. Die Route sollte Richtung Marina Bay und dann in den East Cost Park gehen. Bei 35 Grad ist es tatsächlich anstrengend, selbst wenn es durchgängig flach ist. Die kleinen Hügel hier reichen mir persönlich, hier braucht ich nicht wirklich Berge. Außerdem kann man beim Radfahren auf die Maske verzichten, eine weiterer Punkt, mehr Rad zufahren hier.

Skyline Singapur
Am Kanal des Singapur Flusses entlang
Auf dem Weg zum Merlion
Der neue Apple Store schwimmt jetzt.
Leuchtturm?
Der Strand ist wieder sauber.

Nach 22,5 km waren am Ziel angekommen und gönnten uns eine Erfrischung, bevor wir den Rückweg wieder antraten. Auf den insgesamt 45 km haben wir viele schöne Stellen gesehen. Der Strand ist auch wieder sauber, nur die gefüllten Müllsäcke warten noch auf den Abtransport. Das nächste Mal wollen wir Richtung Naturreservate ins Grüne und sollten unbedingt Sonnencreme einpacken. Getränke kann man hier zum Glück überall kaufen, soviel kann ich gar nicht trinken, wie es verdunstet.

Wenn es regnet.
Keiner muss nass werden

Viele Fußwege sind überdacht, gerade zu den MRT Stationen oder Bushaltestellen, damit alle trocken am Ziel ankommen. Sollte es dann auf dem Weg zur Schule doch eine Straße geben, die überquert werden muss, kann man sich einen Schirm auf der einen Seite nehmen und auf der anderen wieder abstellen. Sehr praktisch.

Straße ohne Überdachung, aber mit Sharalla-Station
Hippies gibt es weltweit.
Gute Nacht aus Singapur


Bald ist Weihnachten 🙂

Nach mehr als 3 Monaten werden wir endlich unser Hab & Gut wiederbekommen und das ist wirklich fast wie Weihnachten. So viele volle Kisten und Boxen auspacken. Die Wohnungsübergabe fand heute schon statt, alle Schlüssel gehören nun uns. Jetzt fehlen nur noch die Anschlüsse für Gas, Wasser und Internet. Die Waschmaschine wird morgen angeliefert. Bis Montag ist alles fertig, so dass die Packer unsere ca. 45 Kubikmeter Umzugsgut in die Wohnung verfrachten können. Hoffentlich passt alles hinein.

Ein wolkiger Morgen

Mit bestem Wetter sind die Mädels in den ersten Schultag gestartet. Aufgregung lag in der Luft und beide freuten sich auf die Erlebnisse dort. Freunde sind sicher schnell gefunden und der Unterricht im Klassenzimmer alle Mal besser, als immer nur am Laptop. Obwohl die Schule in digitaler Beziehung sehr gut ausgerüstet ist. Jeder Schüler muss einen eigenen Laptop mitbringen. Überall gibt es Beamer, Arbeitsblätter und Hausaufgaben werden digital bearbeitet. Herausfordernd aber wohl zukunftsweisend, wo die Reise hingeht. Hier geht fast nichts mehr mit Papier, da erschrickt man regelrecht, wenn einer doch noch mal ein Formular ausgefüllt haben möchte. Für fast alles gibt es Apps oder eine Webseite! Das Passwortprogramm leistet sehr gute Dienste gerade.

Ready for GESS
Früher Klinik – Heute Café

Am Sonntag trafen wir uns im „My Awesome Café“ mit einem Freund zum späten Frühstück. Das Café nahm Reservierungen an, was in Zeiten von Covid eine gute Idee ist, bevor man ewig anstehen muss oder gar keinen Platz bekommt. Entpsrechend voll war es, wir hatten einen Tisch direkt an der Straße, was in Singapur aber wenig stört, ist ja immer warm und nach Regen sah es nicht aus. Das Café liegt in China Town und nebenan befindet sich der älteste buddhistische Tempel der Stadt. Auch die Nachbarschaft ist einen kleinen Spaziergang wert, denn hier findet man noch einige der alten sog. Stadthäuser. Im Erdgeschoss gibt es darin meistens ein Geschäft oder ein Lokal oben befindet sich die Wohnung. Bunt bemalt, teilweise verziert mit dekorativen Fliesen und die Eingänge sind alle mit der ewig langen Veranda überdacht. Schützt vor Hitze und Regen.

Deko im Café
Hinterhofgeschichten
Stadthaus mit Wandmalerei
Im kleinen Park vor dem Tempel

Der Tempel Thian Hock Keng (天福宫) in Singapur, übersetzt „Palast des himmlischen Glücks“, auch bekannt als der Tianfu-Tempel, ist einer der ältesten und wichtigsten Tempel der Hoklo-Chinesen in Singapur. Er ist der Anbetung von Mazu („Ma Cho Po“), einer chinesischen Meeresgöttin, gewidmet. Er wurde 1821 angelegt und 1939–1942 gründlich umgebaut. 1821 errichteten eingewanderte Chinesen aus der Provinz Fujian an der Stelle des heutigen Tempels eine kleine Gebetsstätte als Dank für ihre geglückte Anreise nach Singapur: sie war gewidmet der Meeresgöttin Mazu, der Patronin der Seefahrer. Die Statue der Schutzgottheit Mazu wurde von Amoy (heute Xiamen) in der Provinz Fujian verschifft und kam im April 1840 in Singapur an. Der Tempel wurde von chinesischen Handwerkern in traditioneller Hokkien-Tempelarchitektur erbaut. Bei der Konstruktion wurde kein einziger Nagel verwendet und alle Materialien wurden aus China importiert, einschließlich der Eisenholzpfosten, die als Hauptstützen des Gebäudes dienen. Quelle: Wikipedia

Der Platz für die Räucherstäbchen
Eingangstür und Bodenmosaik

Viele Tempelanlagen sind momentan geschlossen, dieser hatte wieder geöffnet und wir konnten nach dem CheckIn und Temperaturcheck eintreten. In der großen Gebetshalle sind Fotoaufnahmen verboten. Wir kauften Räucherstäbchen und zündeten diese an. Glück in der Schule und allgemein im Leben kann man immer gut gebrauchen. Nebenan gibt es noch eine Art Glücksbrunnen. Dort muss man sechs Glocken läuten und dann versuchen, Münzen in einen Eimer zu werfen. Das Kleingeld im Geldbeutel war nach dem Besuch natürlich weg und ein oder zwei Münzen landeten sogar im Eimer, der Rest liegt mit den vielen anderen im Brunnenwasser.

Glücksstäbchen
Ein Sack voll Glück

Im Monat August wird in vielen Ländern außerdem das Geisterfest gefeiert.

Das Geisterfest (chinesisch 中元節 / 中元节, Pinyin Zhōngyuánjié) ist ein traditionelles Fest, das von Chinesen in vielen Ländern begangen wird. Es fällt auf den 15. Tag des 7. Monats nach dem chinesischen Mondkalender, also zumeist der Vollmondtag im August.

Nach der chinesischen Tradition wird der 7. Monat auch Geistermonat genannt, weil nach dem Volksglauben Geister und Seelen der Toten aus der Unterwelt auf die Erde kommen. Das Geisterfestival ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Zeremonien während des Geistermonats. Dazu gehören das Aufstellen von Speisen vor den Häusern und Verbrennen von Höllengeld als Opfergabe für die Geister und Seelen. Vielfach lässt man auch Papierboote und Laternen auf dem Wasser schwimmen, die den Geistern und Seelen die Richtung weisen sollen. Die Wurzel des Geisterfestes liegen in buddhistischen Ullambana und daoistischen Traditionen. Für Buddhisten ist es eines der wichtigsten Feste des Jahres. In Japan wird das Pendant des Geisterfestes Obon-Fest (auch O-Bon) genannt, aber heute nach dem westlichen Kalender am 15. Juli gefeiert. In Thailand wird das Festival auch Por-Tor-Festival genannt und u. a. auf Phuket gefeiert. Wie in anderen Ländern auch werden Speisen aufgestellt, hier vor allem rote Kuchen in Schildkrötenform. Quelle: Wikipedia

Auch im Thian Hock Keng Tempel wurden Opfergaben für die Seelen und Geister aufgestellt. Nicht nur auf dem Altar im Hauptgebetsraum. In den Seitengängen waren extra Tische aufgestellt worden, an denen Familien ihre Opfergaben ablegen konnten. Hier auf diesem Tisch sind Papiergeld, Essen & Getränke, Räuchestäbchen und sogar ein Hemd aus Papier zu sehen. Das Verbrennen der Gegenstände scheint momentan allerdings nicht erlaubt zu sein, die dafür vor dem Tempel aufgestellten Öfen waren außer Betrieb.

Die angenehm ruhige Atmosphäre in den Tempeln mitten in der sonst hektischen Großstadt ist eine wahre Freude. Ich sollte öfter hineingehen.

Ein Laden für Backzutaten – Himmel auf Erden

Außerdem wollte ich mir diese Woche noch die wohl letzte verbleibende Bahnstation an der alten Bahnstrecke nach Malaysia anschauen, die durch die Stadt führte, bevor sie 2011 stillgelegt wurde. Es soll ein Schnellzug auf einer neu errichteten Strecke fahren, das Projekt liegt aber gerade auf Eis. Malaysia hat die alten Gleise abgebaut und wiederbekommen. Singapur baut hier einen Teil des insgseamt 120 km langen Grünen Korridors, der sich um die gesamte Stadt ziehen wird und als Freizeitweg vielen Menschen Erholung bieten wird. Sei es zum Laufen, Radfahren oder einfach ein bisschen Entpannung in der Natur. Das alte kleine Bahnhofsgebäude soll wohl erhalten bleiben und als Ausstellungsort dienen, um dort Besucher über die Geschichte des Eisenbahnkorridors zu informieren. Ein kleiner Bericht ist hier zu sehen: https://www.channelnewsasia.com/news/singapore/new-sky-park-built-above-bukit-timah-canal-rail-corridor-11859700?fbclid=IwAR10suTmBIw97bM30QHcBqGdOAUghlsW8ddsTUBaP_1nFhIb8Qwnn2cbwKM

Alte Eisenbahnbrücke
Bukit Timah Station
Bahnhofsgebäude
Weichenstellwerk im Hintergrund, wasserdichte Kameratasche im Vordergrund

Was mir sonst bei meinen kleinen Streifzügen noch ins Auge gesprungen ist:

Werbung für einen neuen Wohnkomplex, es wird hier überall gebaut.
Für die Belohung werde ich Ausschau nach dem Pieps halten.
Der Name ist Programm, es roch tatsächlich etwas streng an dieser Straßenecke.
Erinnerte mich an Indien, schön, dass das alte Baum nicht weichen musste.

Ferien Vorbei!

Schatten nur unter Wasser

Am Montag beginnt die Schule für Charlotte & Ella, nach gefühlt einer Ewigkeit dürfen sie wieder real am Unterricht teilnehmen. Die Schule ist gut vorbereitet, um alle Hygieneauflagen zu erfüllen. Maskenpflicht besteht den ganzen Tag dort, auch im Unterricht, Einzeltische und Schichtsysteme für die Pausen und die Essensausgabe wurde eingerichtet. Troztdem überwiegt die Freude, endlich neue Freunde kennenzulernen und nicht immer nur online Aufgaben zu bearbeiten. Die private Schulführung war sehr interessant, der Campus ist riesig. Allerdings sind hier von der Grundschule bis zum Abitur alle Schüler in einem Gebäude untergebracht und zusätzlich in einen Deutschen und einen IB Bereich unterteilt. Jetzt heißt es nur noch Rucksäcke packen für die beiden.

Damit uns nicht langweilig wird, sind wir letzten Donnerstag noch einmal umgezogen. Das neue Übergangsquartier liegt näher an der Schule, so dass die Mädels nicht durch die ganze Stadt fahren müssen.

Umzug mal wieder
Begrüßung im nächsten Apartment für die Queen Mama
Der Kaffeeautomat steht in der Tiefgarage
Kennzeichnung im Aufzug
Brötchen backen geht jetzt besser – ein richtiger Ofen ist vorhanden

Als letzten Höhepunkt des Ferienprogramms hatte ich uns Karten für den Singapore Flyer, das gigantische Riesenrad, besorgt. Da die Touristen momentan nicht einreisen dürfen, gibt es jede Menge Angebote für viele Attraktionen in der Stadt. Den Eintrittspreis in Höhe von 33,- € für uns alle zusammen zahlt man sonst in etwas pro Person. Unsere Zeitspanne lag zwischen 19 – 21 Uhr für die halbstündige Fahrt in luftige 165 Meter Höhe. Der Eingangsbereich war nicht sehr gefüllt, viele Geschäfte und Restaurants hatten geschlossen. Die Schlange vor uns war etwas länger als erwartet, dennoch verging die Wartezeit recht schnell. Aufgrund der maximalen Anzahl von 5 Personen pro Kabine, stiegen wir dann allein in diese ein.

Fotofreunde unterwegs
Eingang

Langsam schob sich die Kabine gen Himmel und die Aussicht über die Stadt wurde von Minute zu Minute spektakulärer. Auf der einen Seite zog sich eine Lichterkette, der in der Bucht vor Singapur gelegenen Schiffe, entlang. Irgendwo dazwischen musste auch das Schiff mit unserem Container dümpeln und auf die Einreise in den Hafen warten. Am höchsten Punkt angekommen bestaunten wir das Lichtermeer in bunten Farben der Hochhäuser und Gebäude um die Marina Bay. Das gigantisch hohe Marina Bay Sands Hotel überragte alles und sendete seine Lichtstrahlen über die Stadt. Lichter spiegelten sich im Wasser des Beckens und wir kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Höhepunkt
Wieder unten angekommen.

Ein wirklich gelungener Abschluss der Ferien hier in Singapur. Jetzt geht es frisch ausgeruht an die neuen Aufgaben: Schule, Büro (homeoffice) und Umzug in die finale Wohnung (hoffentlich bald).

IKEA vibes

Die ersten heftigen Regengüsse haben wir mittlerweile ebenfalls hautnah miterlebt. Ein Schirm hilft da nur bedingt. Und einige bleiben wohl immer auf der Strecke. Es gibt hier an einigen Straßenecken und in den U-Bahnstationen sogar Schirmautomaten zum Ausleihen. Der Regen bring immer etwas Abkühlung in die Stadt und sorgt für Pflanzenwachstum überall. Danach wird es schnell wieder feucht wie im Dampfbad.

Sieht aus wie im Herbst

City In A Garden.

Momentan nennt sich Singapur noch „Stadt der Gärten“, aber die Regierung möchte bis 2030 die Stadt noch grüner gestalten, um dann vielleicht mit dem Slogan „Stadt in einem Garten“ werben zu können. Einen guten Überblick zu geplanten „grünen Projekten“ gibt dieser Artikel hier: https://www.faube.com/singapurs-gruene-plaene/

Botanischer Garten

Schon die erste Fahrt vom Flughafen ins Hotel zeigte uns, wie grün es hier wirklich ist. Die Straßen sind gesäumt von mächtigen Bäumen, die ihre Schatten fast über die gesamte Straßenbreite werfen. Ein Blätterdach, dass gerade in dieser tropischen Hitze jederzeit herzlich Willkommen ist. Zwei Wochen konnten wir nur einen Blick von oben auf das Grün entlang des Singapurflusses neben dem Hotel werfen. Vögel zwitscherten und ab und zu verirrte sich sogar ein Schmetterling in den 10. Stock.

Nach zwei Wochen genossen wir es dann endlich, die grüne Stadt zu Fuß, per Bus oder Bahn erkunden zu dürfen. Ab und zu nehmen wir ein Taxi, besonders für die weiteren Strecken. Allerdings ist das Busfahren hier so einfach und günstig, dass es uns bis jetzt wenig stört, kein eigenes Auto mehr zu haben. Die Kosten dafür sind extrem teuer, denn die Regierung erhebt hohe Steuern und eine Lizenz wird verlost. Parkplätze sind gerade an den Wochenenden rar gesät und ein eigenes Auto bedeutet hier tatsächlich Luxus.

Riesenpalme

Jeder Einwohner Singapurs sollte laut den Verantwortlichen nicht weiter als 200 m von einem Park entfernt wohnen, ein ehrenwertes Ziel. Parks gibt es hier wirklich sehr viele in der Stadt und diese sind so schön angelegt, dass sich der Besuch darin gleich mehrfach lohnt. Tropische Pflanzen- und Tierwelten locken die Bewohner und Touristen immer wieder gerne in die aufwändig angelegten Grünanlagen und die etwas außerhalb liegenden Naturreservate. Nach unserem Zoobesuch ging es am Wochenende in den Botanischen Garten, der etwa ein Viertel der Ausmaße des Centralparks von New York besitzt und keinen Eintritt kostet (mit Ausnahme des Orchideengartens). Picknick, Flannieren, Sport treiben, Fotografieren, Pflanzen und Tiere beobachten, fast alles ist hier erlaubt. Fahrräder müssen allerdings draußen bleiben und BBQ sollte man wohl auch eher nicht veranstalten.

Konzertinsel am Seerosensee
Tropische Idylle
Palme in Statuenformat
Vorhangtunnel

Wir machten es uns nach einem kleinen Rundgang auf einer der großen Wiesen gemütlich und suchten Abkühlung im Schatten der hohen Bäume. Kleine Kinder tobten an uns vorbei, die sich trotz der hohen Temperaturen nicht vom Fangespielen abhielten ließen. Picknickdecken wurden ausgebreitet und bei einigen sah es so aus, als wollten sie den ganzen Tag hier im Park verbringen. Keine schlechte Idee, beim nächsten Besuch werden wir uns besser mit Verpflegung und Büchern ausstatten und gegen späten Nachmittag kommen, wenn die größte Hitze durchgezogen ist. Auf jeden Fall lohnt es sich, noch die anderen Bereiche im Park zu erkunden.

Fort Canning Park

Bevor wir ein bisschen weiter aus der direkten Innenstadt wegziehen, wollen wir uns den Fort Canning Park anschauen, der nur einen Katzensprung zum derzeitigen Apartment entfernt liegt. Über einen Hügel (Bukit Larangan) gezogen wurden 18 Hektar bepflanzt und Wegen angelegt. Hier gibt es einen Christlichen Friedhof, einen Leuchtturm, einen Bunker, den Spicegarden, einen Wasserspeicher und die Reste der Festung Fort Canning.

Uns beeindruckten die riesigen Bäume, die hier teilweise bereits 1825 angepflanzt wurden und der beeindruckende Ausblick auf die Stadt.

Die Bildhauer haben sich sehr viel Mühe gegeben.
Blätterdächer über uns
Baum oder Haus
Leuchtturm ohne Meer
Alte Polizeiwache mit bunten Fensterläden
Zunge raus

Für eine Wanderung werden wir dann vielleicht erst einmal ohne die Kinder losziehen und einen der Trails im Naturreservat begehen. Ich muss nur noch einen Esel zum Wassertransport organisieren. Soviel kann keiner schleppen, wie man hier schwitzt.

Heiße Nächte

Clarks Quay

Mit ersten Freunden hier gönnten wir uns nach deren Quarantäneende ein Abendessen am berühmten Clarks Quay. Eine Art Restaurantmeile, die gerade an den Wochenenden sehr beliebt ist bei Touristen und Einheimischen. Auch ohne die Touristen war das Viertel am vergangenen Freitag recht gut besucht, aber alle trugen Masken und hielten sich weitgehend an die Abstände. In jedem Lokal muss man sich wie immer erst per QR-Code einchecken und die Hände desinfizieren. Um 22:30 Uhr ist Schluß, daran halten sich alle Restaurants und Kneipen sehr genau. Keiner möchte in diesen schwierigen Zeiten seine Lizenz verlieren. Der Abend war gesellig, der erste Singapur-Sling schmeckte köstlich und der Taxifahrer, der uns nach Hause brachte, sprach sogar deutsch. Sehr interessant, denn am folgenden Abend fuhren wir mit einem weiteren, der ebenfalls ein paar Wörter deutsch konnte. Sie arbeiteten beide in ihrer Jugend in Deutschland für Firmen in Wiesbaden und Schweinfurt.

Keine Rivercruises momentan.

Zusammen mit den Kindern wollten wir die nächtliche Kulisse an der Marina Bay genießen und fuhren noch einmal zum Raffles Place. Die U-Bahn-Stationen sind derart groß, dass man wirklich den Ausgang kennen sollten, um nicht an einer völlig flaschen Straße aus dem Untergrund aufzutauchen. Sobald man sich länger vor einem Übersichtsplan aufhält, kommt ein netter Singapurer und fragt, ob Hilfe erforderlich ist. Wir fanden dann den richtigen Ausgang und waren wirklich beeeindruckt von der erleuchten Stadt.

Hochhäuser rundherum
Kunstvolle Erleuchtung
Spiegelkugeln bei Nacht
Marina Bay Sands Hotel

An vielen Gebäuden wird gerade die Flagge von Singapur oder Sprüche zum Nationalfeiertag projeziert. Auch unter dem Flagschiff des gigantischen Hotels strahlt die rot-weiße Flagge. Einige Fotografen standen mit Stativ auf der Plattform des Merlions, das werde ich sicher demnächst auch machen. Motive gibt es rundherum.

Brückenpoesie
Theaterinsel – Konzertsaal in Form einer Stinkfrucht

Ferienprogramm

Mit Mango-Lassi in Little India

Bevor die Mädchen am 17. August wieder in die Schule gehen dürfen, starten wir zusammen ein kleines Ferienprogramm. Singapur bietet dafür genug Auswahl: Strände, Zoo, Einkaufstempel, historische Stadtviertel, Kunst und Natur. Alles werden wir in den kommenden Tagen nicht schaffen. An die ständige Hitze haben wir uns noch nicht richtig gewöhnt, nach drei Stunden draußen sind wir meistens platt und brauchen dringend eine Abkühlung. Der Pool hier ist eine willkommene Oase, die wir gerne für eine Stunde nutzen. Parallel dürfen nur fünf Familien dort verweilen, bis jetzt haben wir immer einen Platz bekommen.

East-Coast-Beach

Am letzten Samstag machten wir uns zu viert in Richtung Osten der Stadt auf. Mit dem Bus ist es eine ganze Ecke zu fahren, der Strand sollte dort sehr schön sein. Mit angeschlossenem großzügigen Park zum Radfahren, Picknick oder sonstigen Sport. In einer Facebook-Gruppe hatte ich die Tage davor bereits Fotos gesehen, dass der Strand derzeit voller Müll liegt, den es hier immer wieder durch Sturm anspült. Auch liegen vor der Küste unzählige Tanker und Containerschiffe, die auf die Löschung im Hafen warten. Die Badesachen ließen wir also zu Hause, zum Baden geht man hier an andere Strände. Und es bewahrheitete sich dann auch, der ganze Strand war extrem verschmutzt durch Unmengen an Plastikmüll, Treibholz und anderes Treibgut. Überall lagen schon gefüllte Müllsäcke zum Abtransport bereit, die freiwillige Helfer zusammengetragen hatten. Einige Leute waren auch jetzt unterwegs und entsprechend ausgerüstet, um den Strand zu säubern. Familien oder Gruppen bis fünf Personen ist es erlaubt, größere Aktionen sind momentan verboten. An diesen nehmen manchmal bis zu 200 Personen teil. Die Problematik wird dadurch verschärft, dass momentan nur wenige Arbeiter der Stadt diese Aufgaben erledigen können. Diese werden für essentiell wichtige Aufgaben benötigt und viele befinden sich nach den Covid-Tests in Quarantäne oder dürfen nicht aus Malaysia einreisen. Der Grenzverkehr zum Nachbarland ist noch stark eingeschränkt und somit fehlen nicht nur Arbeiter für die Stadtverwaltung, sondern auch Putzkräfte, Büromitarbeiter, Verkäuferinnen u.a.

Sicherer CheckIn auch am Strand erforderlich
Ein kleines Paradies
Ein paar Meter weiter sieht es dann so aus.
Noch einiges zu tun.

Für den nächsten Besuch werde ich mich dann entsprechend ausrüsten mit Gummihandschuhen, Müllsäcken und einer Grillzange oder einem Greifer. Es liegt noch genug dort für die nächsten Tage. Leider wird der Müll durch den Wind auch im gesamten Park verteilt. Trotzdem war es schön, zu sehen, dass ganze Familien mitgeholfen haben, den Strand wieder sauber zu bekommen. Laut Einschätzung von Experten ist es allerdings eine wahre Sisyphos-Aufgabe, denn in den kommenden Jahren werden an den Stränden in Asien noch 20mal mehr angespülter Müll als bisher erwartet. Wenn die Menschen in nicht aufhören, den Müll in die Flüsse und Meere zu entsorgen, wird es eine endlose Aufgabe bleiben.

Es gab keine Dusche in diesem WC!

Außerdem wollte ich in dieser Woche endlich etwas Kunst erleben, Singapur hat eine extrem hohe Dichte an Museen und Galerien, die immer mit wechselnden Ausstellungen locken. Da muss man immer schnell sein, um keine zu verpassen. Dank einem Tipp von Miriam bin ich auf die Fotogalerie „DECK“ aufmerksam geworden. Diese befindet sich nur ein paar Haltestellen von unserer Unterkunft entfernt und wurde aus alten Seecontainern errichtet. Also schnappte ich mir die Mädels und wir fuhren los. Es gab dort nur eine Ausstellung der Künstler Fitri Ya’akob und Rifdi bin Rosly mit dem Titel „Ein Selbst, das ich einmal kannte“ zu sehen. Die Schau war sehr interessant, wenn auch etwas kleiner als erwartet. Auch die Bücherei und das Café hatten leider geschlossen. Vermutlich wegen den nicht gerade strömenden Besuchern momentan. Die Kunst hat es auch hier schwer. Das Ambiente der Container war trotzdem sehr schön und wir nutzen die Stille dort für ein paar Fotoaufnahmen.

So sehen wir uns gerade selbst, immer nur mit Maske.
Gepunktet
Bücherwurm

Beim Einkaufen finden sich immer wieder lustige Momente, die den Alltag in Singapur versüßen. Asien tickt eben in jeder Hinsicht ein wenig anders. Bisher sind wir überall sehr freundlich empfangen worden, alle sind sehr hilfsbereit und keiner drängelt oder hupt hier. Warteschlangen empfinden die Singapurer nicht als Problem, wo sich Warteschlangen bilden, verspricht das Essen gut zu schmecken.

Japaner backen mit Reismehl, eine neue Erfahrung
Drei Wochen ohne Roggenbrot waren lang genug 😉
Vollschutz für den Einkauf
Sogar einen Unverpacktladen haben wir entdeckt.
Taubenfütterung verboten
Dabei kennen sie sogar die Regeln
Reichlich Auswahl an Bezahlmöglichkeiten

Da momentan keine Touristen nach Singapur einreisen dürfen, hat die Regierung ein umfangreiches Werbeprogramm für Aktivitäten innerhalb der Stadt aufgelegt. Viele Attraktionen sind günstiger zu bekommen, Eintrittspreise wurden reduziert. So haben wir uns eine Jahreskarte für den Zoo zugelegt. Diese beinhaltet gleich vier verschiedene Parks. Neben dem normalen Zoo dürfen wir nun ebenfalls an der Nachtsafari und der Riversafari teilnehmen, sowie in den großen Vogelpark so oft gehen, wie wir möchten.

Am Eingang sehr wenige Besucher

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln benötigen wir etwa eine Stunde bis zum Zoo, der im nordwestlichen Bereich liegt, umgeben von viel Natur mit Wäldern und Wasserreservaten. Unter der Woche scheint hier wenig los zu sein, am Eingang war kaum jemand. Die Besucherzahlen sind allerdings momentan reglimentiert, wir haben vorab eine Zeit für den Besuch buchen müssen. Ebenso die Shows im Zoo müssen vorab gebucht werden, die heben wir für einen weiteren Termin auf. Weitläufig ist das Gelände, die Tiere haben viel Platz und eine wirklich ganzjährige Ausgangsmöglichkeit. Außer den Pinguinen, die hinter Glas versteckt waren. Einige der Gehege werden gerade umgebaut, der Zoo nutzt diese besucherarme Zeit dafür.

Die Affen hatten teilweise so große Gehege, dass wir keinen entdecken konnten. Dafür bestaunten wir die Kletterkünste der kleinen und großen Orang-Utans, die sich wie Tarzan von Liane zu Liana schwangen und Fangen spielten. Nach drei Stunden hatten wir von der erdrückenden feuchten Hitze genug und die Hälfte des Parks erkundet. Schnell noch vor der Abfahrt die inneren Wasservorräte auffüllen, denn in den Verkehrsmitteln ist Essen & Trinken verboten, 500$ Strafe will keiner bezahlen.

Unterwasserballerina
Achtung am Getränkeautomat – ein Waran
Einer der Wasserspeicher von Singapur
Es ist heiß unter der Maske
Gigantische Vegetation

Am Sonntag ist hier der Nationalfeiertag, an dem es Paraden und Feuerwerk verteilt in der gesamten Stadt gibt. Und da der Feiertag auf einen Sonntag fällt, ist der Montag obligatorisch dann für alle frei.

1 aus 26 & Essen um die Welt

Wer in Singapur eine Bleibe suchen muss, hat die Qual der Wahl, zumindest wenn genug Geld vorhanden ist. Während die normale Bevölkerung meistens in sogenannten HBD Wohnungen leben oder die etwas Besserverdiener außerhalb dieser Wohnsiedlungen Apartments oder Häuser erworben haben, wohnen viele der Ausländer in Condominiums. Das sind entweder Hochhäuser mit Apartments oder kleine Häuser in einer Siedlung oder Wohnblocks mit geringer Stockanzahl. Alle diese Condominiums haben fast immer einen großen Pool, ein Fitnessstudio und einen Sicherheitsdienst am Eingang. Häuser sind eher rar hier und eins mit gutem Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel und guter Ausstattung zu finden unbezahlbar, zumindest für uns. Also beschränkten wir unsere Suche auf Apartments und zwei Häuser. Insgesamt standen 26 verschiedene Optionen zur Besichtung an und wir waren 2 komplette Tage allein und einen halben Tag mit den Kindern und Mrs. Angelin unterwegs.

Baden an der Hauptstraße
Oder lieber Ausblick?
Mit Blick auf den höhsten Berg Singapurs
Außergwöhnlicher Wäscheplatz
Aussicht vom 37. Stock – Höher geht immer.
In diesem Schlafzimmer sollte man keine Höhenangst haben.

Wohnungssuche bedeutet leider immer auch einige Kompromisse einzugehen. Alle Wünsche und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen ist unmöglich, da hätte die Suche noch ewig gedauert. Nachdem vier Lokationen in die engere Wahl kamen, konnten sich die Kinder noch ein Bild machen und mitentscheiden. Einen Tod stirbt man aber immer. Entweder die Bäder sind alt, die Zimmer zu klein, die Lage zu weit weg vom ÖPNV, eine laute Straße oder Baustelle direkt daneben, usw. Unser Tod heißt jetzt: keine Haustiere erlaubt. Ella wird sich wohl eine Dauerkarte im Katzencafé organisieren müssen. Dafür ist die Wohnung jetzt ziemlich perfekt. Groß genug, nicht weit von der Schule entfernt. Ins Office, wenn es denn irgendwann wieder erlaubt ist, dort zu arbeiten, geht auch noch gut. Und Nahversorgung mit Lebensmitteln, Restaurants, Cafés in Laufdistanz. Es gibt einen Pool und ein kleines Fitnessstudio, eine sehr grüne Außenanlage mit kleinem Koiteich und Schildkrötentümpel. Sogar Fahrräder können wir in der Tiefgarage abstellen. Ab 18. August dürfen die Möbel kommen und wir uns einrichten. Das Schiff durchquert gerade das Rote Meer.

Blick vom Balkon, sieht aus wie Urlaub hier.
Die Stadt liegt nah, dennoch ist er herrlich ruhig hier.
Koi.Oase

Unsere Maklerin Angelin war eine wirklich sehr kompetente und nette Frau, erfahren seit 27 Jahren im Geschäft, in ihrer Jugend ist sie für Singapur Airlines als Stewardess um die ganze Welt geflogen. Wir mochten uns, sie fand es toll, dass wir mit ihr im Hawker-Center essen gegangen sind. Das wollen nicht alle der ausländischen Familien. Für die Kinder organisierte sie vegetarisches Essen (Charlotte), Cupcakes und koreanisches Eis.

Postbote mit Dreirad unterwegs

In Singapur leidet wahrscheinlich keiner Hunger. Überall in der Stadt kann man essen, von nobel bis preiswert. Wir mögen es gerne autentisch und haben keine Angst davor mit den Einheimischen im Hawker Center zu essen. Das sind kleine oder auch größere überdachte Hallen mit einer großen Auswahl an kleinen Garküchen. Hier findes jeder etwas Schmackhaftes, was günstig und gut ist. Vegetarische Gerichte zu finden ist mit unter etwas schwieriger. Die Bevölkerung liebt Fisch und Fleisch. Aber Reis mit Gemüse, Nudelsuppe oder indisches Linsencurry gibt es meistens auch. Hier in der Nähe gibt es auch ein kleines Hawker Center, also probierten wir dort einige Gerichte aus. Tisch reserviert man sich am besten mit einem Päckchen Taschentücher, dann schwärmt jeder zu seinem Lieblingsstand und holt sein Essen. Auch die frisch gepressten Obstsäfte sind ein wahres Geschmackserlebnis.

Ein lustiger Abend nach der Wohnungssuche.
Erfrischend fruchtig.
Dumpling Lover
Immer wieder aufregende Architektur

Für den Samstagabend hatten wir uns mit Michael, einem Freund aus Deutschland verabredet. Er schlug ein indisches Restaurant in Little India als Treffpunkt vor. Perfekt, drei Fliegen mit einer Klappe, essen, Sightseeing, Freund treffen. Der Stadtteil ist quasi die Heimat für viele der Inder, die in Singapur leben und arbeiten. Hier gibt es alles, was sie brauchen. Einen Tempel zum Beten, Straßenmärkte mit Gemüse, Obst und Klamotten, Restaurants mit Gerichten aus der Heimat, Kaufhäuser mit indischen Produkten und Juweliergeschäfte für die Frauen.

Vegetarische Kost vom Feinsten
Nachtisch

Das Essen war sehr autentisch, noch etwas zu scharf für uns, daran gewöhnen wir uns sicher bald wieder, aber richtig gut. Schwarzer Dahl, Okragemüse, Naanbrot und Tandoorifleisch, Dazu ein Tigerbier, nach 3 Wochen ohne einen Tropfen Alkohol schmeckte das super. Zum Nachtisch gab es eine Art Karottensüßspeise und gebackene Zuckerbälle. Wir fühlten uns wie in Bangalore und genossen jeden Bissen. Nach dem Festmahl ging es noch ein bisschen die Hauptstraße entlang und in einige der Seitengassen. Es roch nach Räucherstäbchen, Jasminblüten und Chapati. Indien in Kleinformat, ich komme bald wieder.

Leibspeise in Bangalore für die Kinder – süße Chapati
Blumenschmuck

Noch ein paar Eindrücke aus der Stadt, die während der letzten Tage entstanden sind.

Viel PS – für max. 90 km/h in Singapur
Bushaltestelle
Götterschrein im Restaurant
Moskitobekämpung – immerhin der Gurt ist sehr deutsch.
Einfache Mahlzeit im Hawker Center
Heißer Arbeitsplatz für diese ältere Frau
Futter für die Tauben vor dem Bäckerstand
Hier gibt es Cupcakes
Blick nach oben – Queens Peak
Asien mag Farben
Ab nach Hause!

Hallo Singapur – 29.07.2020

Merlion – Der Touristenmagnet – momentan leer!

Um Punkt 12 Uhr gestern zeigten unser Apps an, dass die Quarantäne beendet ist. Voller Spannung und Aufregung betraten wir eine halbe Stunde später die Freiheit. Ein so schönes Gefühl, endlich wieder unbeschwert draußen zu sein. Die Maske immer zu tragen ist hier ein notweniges Übel, man schwitzt schon nach ein paar Minuten sehr darunter. Aber das müssen wir wahrscheinlich noch eine ganze Weile in Kauf nehmen hier in Singapur.

Unser Weg führte ein paar Straße entlang zur MRT (U-Bahn) an der Orchard-Road. Diese Straße ist bekannt für viele Shoppingmalls der teuren Marken und für die spektakuläre Dekoration an Weihnachten. Wir besorgten Bargeld und Fahrkarten für den ÖPNV. Dieser ist hier sehr günstig und wirklich einfach zu bedienen. Selbst unsere Kinder schaffen das, dank der Citymapper App überhaupt kein Problem. Einfach an der nächstgelegenen Haltestelle das gewünschte Ziel eingeben und in den entsprechenden Bus einsteigen.

Wir sind übrigens nicht in Shanghai 🙂
Achtung Gegenverkehr
Safe Entry

Kinderleicht sind auch die ständigen Check-Ins und Outs an allen Geschäften, öffenlichen Plätzen oder in den U-Bahnhöfen. Hierzu muss man einen QR-Code scannen, sich anmelden mit seiner Nummer und Einwohnernummer (merkt sich das System dann) und auf CheckIn drücken. Teilweise wird zusätzlich die Temperatur gemessen, in den großen Malls mit einer Bildschirmkamera, vor den Restaurants mit dem kontaktlosen Fieberthermometer. Geht zügig, wenn nicht viel los ist an den Eingängen. Am Wochenende bilden sich wahrscheinlich längere Schlangen.

Spiegelspiel

Raffles Place war unser erster Stopp. Im Herz das Finanz- und Bankenzentrums ragen entsprechend viele Hochhäuser in den Himmel. Der Platz ist mit lauter dekorativen Kunstwerken geschmückt. Momentan sind viele der unzähligen Menschen, die hier sonst arbeiten, im Homeoffice. Entspannt konnten wir über den riesigen Platz laufen. Der Hunger zog uns weiter, wir fanden einen netten Vietnamsen und stärkten uns bei Tee, Nudeln, Reis mit Gemüse und Hühnchen. Ella genoß ihr super großes Sandwich. Nebenan lag ein kleines Hawker-Center (Food-Mall), die wir erst danach entdeckten. Der Kaffee von einem der kleinen Stände war erquickend und köstlich. Und die Transportmöglichkeit des Kaffeebechers mussten wir einfach testen, um festzustellen, dass die gar nicht so schlecht ist.

Bauarbeiten in luftiger Höhe
2 Kaffee und 2 Kaltgetränke – 3,80 €
Minibeutel

Nach der Stärkung machten wir uns auf, den Touristenmagneten zu besuchen. Kurz mussten wir uns unterstellen, weil sich wieder einer der heftigen Regenschauer vom Himmel ergoß. Die Wetterlage ist wohl typisch für den Juli mit Regen und Wolken, allerdings sind die Temperaturen mit 27/28 Grad wohl untypisch kalt. Manche Einheimische laufen mit dicken Jacken herum. Wir frieren noch nicht.

Hier starten die Ausflugsschiffe zu Hafenrundfahrten
Gähnende Leere in der berühmten Restaurantmeile
Kunst Pieps
Pause mit Tauben – Füttern verboten
Marina Sands Bay

Normalerweise ist dieser Platz vollgestopft mit Touristen aus aller Welt, die vom Pier gegenüber des imposanten Hotels ein Foto machen wollen. Heute hatten wir die Aussicht fast ganz für uns allein. Ein seltenes Privileg, was COVID ermöglicht. Die vielen Restaurants und Geschäfte haben teilweise geschlossen mangels Gästen. Im SevenEleven gab es dafür Toblerrone für unter 1€, da konnten wir nicht widerstehen.

Schön Händewaschen bitte!
Nationalmuseum

Vor dem Nationalmuseum laufen die Vorbereitungen zum Nationalfeiertag auf Hochtouren. Am 09. August feiert Singapur seinen 55. Geburtstag. Der junge Staat wurde 1965 gegründet mit der Unabhänigkeit von Malaysia. Normalerweise gibt es jährlich ein großes Fest mit Parade und Feuerwerk, Flugshow und vielen Aktionen. Dieses Jahr wird es wohl kleiner ausfallen, um Menschenmassen zu vermeiden. Am Gebäude des Nationalmuseums wird eine Lichtshow installiert. Feuerwerk wird vermutlich ebenfalls gezündet. Wir werden bestimmt diesen Abend an einem der Plätze verbringen und ein bisschen die Atmosphäre genießen.

Fiebermessung

Zur Abkühlung sind wir in der klimatisierten Orchard Plaza eine kleine Runde gelaufen und zufällig auf einen Stand mit Schweizer Backwaren gestoßen. Das Brot ließen wir uns nach diesem Tag schmecken, wenn auch ohne Belag. Käse und Wurst sind wie überall in Asien wenig populär und nur bei den „Westlern“ beliebt. Entsprechend rar sind die Läden, entsprechen teuer diese Produkte.

In Singapur herrscht Linksverkehr!
Abstand wahren bitte.
Abtauchen – endlich dürfen wir in den Pool

Quaranteam-Kreuzworträtsel

Negativ – 26.07.2020

Ein letzter Sonntag in Quarantäne, sogar über negative Ergebnisse freuen wir uns heute. Der Test brachte was zu vermuten war, keiner ist erkrankt oder hat etwas eingeschleppt. Somit steht dem offiziellen Ende des Eingesperrtseins am Dienstagmittag nichts mehr im Weg.

Hexe Ella

Da kann Eine schon eine Freudenrunde auf dem Hexenbesen drehen oder eine Andere ein Freudenlied auf der Gitarre spielen. Es wird jetzt auch wirklich langsam Zeit, dass wir uns die Beine vertreten können und unter Menschen kommen, wenn auch mit Maske und Abstand.

Balkon-Konzert

Derweil erkunden wir Singapur im Internet und freuen uns, dass viele Attraktionen bereits wieder geöffnet haben und dazu noch satte Prozente auf die Eintrittskarten gewähren. Die Regierung hat eine große Kampagne initiiert, um die Einheimischen zu animieren, die Museen, Vergnügungsparks, die Zoos usw. zu besuchen. Da lohnt sich dann einen Vormittag zu investieren, um Jahreskarten für vier Zoos zu erwerben. Für 2 Erwachsene und 1 Kind zahlen wir 150 € für ein ganzes Jahr und können so oft gehen wie wir wollen. Auf die Nachtsafari freuen wir uns schon jetzt.

https://www.visitsingapore.com/see-do-singapore/action-seekers/

Einer der wirklich tollen Image-Videos, die Lust auf Singapur machen sollen. Ich denke, wir haben hier genug zum Anschauen und Ausprobieren.

Ein kulinarisches Fest gab es gestern Abend. Ich hatte indisches Naanbrot gebacken und ein Restaurant in der Nähe lieferte sehr köstliche indische Beilagen dazu. Allein der Duft warf mich nach Bangalore zurück. Das Linsencurry hätte von Sonja sein können, die uns damals dort immer mit indischen Gerichten verwöhnte. Butterhühnchen-Masala, Paneer-Masala, Linsencurry und ein Kartoffelgericht mit ganz leichter Schärfe erfreute unsere Gaumen.

Indische Küche
Erbsen und Okra – gute Kombination

Ohne das Internet wären wir wohl nicht so bequem durch die Quarantäne gekommen. Lebensmittel und fertige Mahlzeiten kann man hier wirklich kinderleicht online bestellen. Die App zeigt einem sogar an, wie der Fahrer sich der Wohnung nähert. Sogar Trinkgeld kann man direkt über die App an den Fahrer/In bezahlen. Ella ist immer ganz begeistert und wartet auf dem Balkon, bis das Fahrzeug unter uns ankommt.

Fast da!

Selbst unseren Container, der am 23. Juli von Rotterdam aus gestartet ist, können wir per Internet verfolgen. Die Mary Maersk fährt gerade in die Straße von Gibraltar ein. Am 18. August soll die Fracht dann in Singapur ankommen. Ich kannte so eine Schiffsverfolgung nur aus Hamburg. Bei Birgit kommen die dicken Pötte auf der Elbe immer direkt am Haus vorbei. Als ich zu Besuch dort war, kam ab und zu ein Anruf von unten (Mama), „Es kommt was Großes!“ – dann ging es auf den Balkon und es kam was Großes. Mama weiß dank App immer, welche Schiffe nach Hamburg einlaufen. Die Großen verdunkeln dann schon mal das Wohnzimmer. Mary Maersk war zu ihrer Fertigstellung 2013 das größte Containerschiff der Welt. Da wäre es auch dunkel geworden 🙂

Viele Schiffe unterwegs.

Auch ein wenige Fernsehen vertreibt uns die Langeweile ab und zu. Berichte über Singapur sind natürlich immer gerne Willkommen. Dieser vom Weltspiegel hat mich sehr gefreut. Der Trend „Urban Gardening“ kommt in Asiens Städten an.

https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/singapur-auf-dem-weg-zur-agrar-nation-100.html

Die Beeren vermissen wir hier jetzt schon, besonders zum Frühstück oder zum Backen später sicher ebenfalls. Das mit dem Erdbeeranbau werde ich definitiv versuchen. Tomaten und Kräuter sind ebenfalls eine gute Idee. Samen gibt es hier zu kaufen und wenn wir genug Platz im Freien haben, bin ich gespannt, ob der grüne Daumen funktioniert.

Sonnenaufgang am Sonntag

5 to go! – 23.07.2020

Sehnsucht

Der wesentliche Sinn des Lebens ist Gefühl.

Zu fühlen, daß wir sind, und sei es durch den Schmerz.

Es ist die ›sehnsuchtsvolle Leere‹, die uns dazu treibt,

zu spielen – zu kämpfen – zu reisen – zum leidenschaftlichen Tun

George Gordon Byron (1788 – 1824)

Da hat Herr Byron weise Worte gefunden, die unsere Lage momentan so wundervoll poetisch umschreibt. Ausgezogen, um Neues zu entdecken, zu reisen. Wir haben gekämpft für dieses neue Leben hier in Asien, einige Steine wurden uns in den Weg gelegt, der größte davon wohl COVID-19. Der uns jetzt zu zwei weiteren Wochen sehnsuchtsvoller Leere verdammt. Hinter Fenstern, ab und an einem Blick vom Balkon, durch den Türspalt, wenn eine Lieferung eintrifft. Was tun wir unseren Kindern an! Die Zeit vergeht gefühlt langsamer, als wenn der normale Alltag einen gefangen hält. Trotzdem haben wir schon neun Tage geschafft. Keiner ist krank geworden, keiner dreht hier in der Isolation durch. Einzelhäftlinge müssen echte Qualen erleiden (das sollte verboten werden). Genießen wir einfach diese Langsamkeit in den restlichen Stunden in Apartment 8 (Glückszahl in Asien!!!). Machen wir das Beste daraus, zum Beispiel Lachen über …

Käse als Cappuccino Toping kannte ich bisher nicht

Putzen die Wohnung mit …

MOP für 2,44 € – etwas klapprig.

… Spiel & Spaß

Wer gewinnt?
Belohnung zum Bergfest

… mit Backen.

Die ersten Brötchen schmecken super.

Erste Ideen reifen in mir, was ich mit meiner Zeit hier in Singapur anfangen werden. Die Fotografie gerät auch unter diesen Bedingungen nicht in Vergessenheit. Jeden Tag versuchen wir uns an unserem Foto für das Kreuzworträtsel bei Instagram. Und die Nacht in der Stadt weckt Sehnsucht nach Fotoworkshops. Motive, Lichter und angenehme Temperaturen sind für diese Tageszeit optimal.

Futuristische Kulisse

Morgen müssen drei von uns zum Coronatest. Zumindest sehen wir dann wieder etwas von der Stadt. Und Ella bekommt zum Ausgleich einen Besuch im Cat Café nächsten Mittwoch. Ich werden berichten.

Neue Telefonkarten wurden angeliefert für die Mädchen, damit sie sich beim Betreten von Restaurant, Cafés und Läden registrieren können. Auch die Wohnungssuche wird fleißig vorbereitet. Ab Donnerstag werden wir uns Objekte anschauen können. Heute verlässt das Schiff mit unserem Container drauf den Hafen in Rotterdam. Am 18. August soll es in Singapur eintreffen, pünktlich zum Schulstart der Kinder. Aufregende Tage und Wochen erwarten uns ganz bald.

Gute Nacht aus Singapur

10 to go! – 19.07.2020

Morgenkaffee

Es ist schon Sonntag, nur noch 10 Tage, auf der Zählliste durfte heute ich einen der 14 Tage streichen. Ich sitze auf dem kleinen Balkon und genieße jede Wolke, die sich vor die Sonne schiebt. Dann wird es für die kurzen Momente sogar erträglich hier draußen. Wenn dann noch ein leichter Wind um die Ecke bläst, fehlt eigentlich nur noch das Meeresrauschen. Bis zum Palawan Beach auf Sentosa Island sind es knapp 7 km Fußweg, wäre ein schöne Ziel für einen Sonntagsausflug. Bald wird das möglich sein. Der Verkehr ist heute etwas ruhiger als in der Woche, es fahren dennoch erstaunlich viele Autos durch die Stadt. Trotz der horrenden Kosten scheinen sich doch einige Singapurer ein eigenes Auto zu leisten.

Quarantänealltag kehrt langsam ein bei uns, nach dem Frühstück ist Sport angesagt, einer muss immer arbeiten (außer heute), Schule wird auch gelegentlich noch etwas gemacht. Ich kümmere mich um die Lebensmittelbestellungen, nicht immer einfach, aber sehr komfortabel. Gestern war die Bestellung quasi absendebereit, nur die Bezahlung per Kreditkarte stand noch aus. Leider machte unsere Onlinebank just in diesem Moment Wartungsarbeiten, so dass die Bezahlung nicht funktionierte. Nach 3 Stunden ein weiterer Versuch, die Bestellung musste ich nochmal anlegen. Aber da Zeit momentan genügend zur Verfügung steht, nehme ich es mit einem Lächeln hin.

Das Abendessen von einem der unzähligen Restaurant zu bestellen, erwies sich als aufwendiger. Es gibt hier eine App namens „Grab“, über die alles bestellt werden kann. Auch ein Taxi oder Lieferservice von Tür zu Tür. Wer mag kann ein Stück selbst gebackenen Kuchen an eine Freundin damit versenden lassen. In Coronazeiten wird auch dieses Angebot wohl sicher oft genutzt. Wir wollten asiatisch essen. Leider war wieder die Bezahlung das Problem. Unsere hier ausländische Kreditkarten oder unser Paypalaccount funktionieren noch nicht. Dazu benötigen wir erst unsere Anmeldenummern von Singapur zur Identifizierung. „Grab“ bietet aber ein eigenes Bezahlsystem an, quasi ein Konto in der App. Steffens Kollege hat kurzerhand einfach ein paar Dollar auf dieses Konto geschoben und schon konnten wir bezahlen. Den Lieferfahrer konnten wir bis zur Ankunft an der Eingangstür in der App verfolgen.

Willkommenspaket

Ein Highlight der letzten Tage war das Willkommenspaket eines Kollegens von Steffen, welches uns am Donnerstag erreicht. Viele Süßigkeiten, ein paar Zeitungen und ein Puzzle. Sehr aufmerksam! Die sportlichen Aktivitäten beschränken sich auf zwei Räume, auf dem Balkon findet allerdings nur einer Platz. Im Wohnbereich schaffen wir es zu Dritt ein Workout zu tun. Ella erweiterte für ihren Hindernisparcourt dann noch in die Küche und den Gang zu den Schlafzimmern. Kreativität wird belohnt, sie hatte Spaß bei der Aktion.

Slalom geht auch mit Wasserflaschen
Hütchen zum Hüpfen

Einen kleinen Wellnessvormittag haben wir uns ebenfalls gegönnt. Es gibt eine Badwanne und Geschichtsmasken aus dem DM haben wir genügend im Gepäck. Das Hotel stellt sogar Bademäntel bereit, meiner hing direkt neben dem Bügelbrett. 🙂

Die Beauty-Kollektion des Hotels
Eingeweicht

Wir kochen viel selbst, gestern gab es Speisen aus drei Kontinenten. Vegetarische Dumplings gebraten (asiatisch), Salat mit Fetakäse (europäisch) und Maiskolben mit Salz und Butter (mexikanisch/amerikanisch). Ich freue mich darauf, bald selbst die Märkte und Läden nach Lebensmitteln abzusuchen. Dann kann ich hoffentlich viel besser Bioprodukte finden.

Dreierlei

Zum Glück gibt es den Balkon. Wir genießen es, dort zu stehen oder zu sitzen, besonders ab dem Nachmittag, wenn die Sonne hinter unserem Gebäude veschwunden ist. Das Sofa im Wohnzimmer hat ein bewegliches Teil, welches ganz wunderbar draußen hinpasst. Eine kleine Lounge mit Blick in die Wolken. Der Abendhimmel ist oft wunderschön. Auch den ersten Tropenregen hatten wir gestern. Unter uns sehen wir kleine Vögel in den Bäumen, hier nach oben trauen sich nur die Tauben. Insekten haben sich noch gar nicht bis zu uns verirrt.

Im Nachbarhaus können wir in die Wohnungen schauen und haben so einen kleinen Neubürger begrüßt. Die Frau gegenüber schob die letztenTage einen schwangeren Bauch vor sich her, gestern hielt sie das Baby im Arm. Wir vermuten, dass sie gleich nach der Entbindung wieder nach Hause entlassen wurde, da es schon das dritte Kind ist. Einigen Bewohnern haben wir schon zugewunken und sie grüßten alle freundlich zurück.

Dem Himmel ganz nah.
Mini-Lounge
Gute Nacht Singapur

Heute gibt es eine Verlosung. Ella hat einfach immer die besten Ideen.

Eingesperrt – 16.07.2020

„Man muss sich“, sagt er, „die Zelle weit träumen, in die man eingesperrt wird. Sonst hält man es nicht aus. (…)“

Kurt Tucholsky (1890 – 1935
Traumhafte Tropennächte

Zwei Tage, der offiziellen Quarantäne, haben wir jetzt fast geschafft. Heute kam die SMS des Ministeriums für Gesundheit bei uns an und wir dürfen nun drei Mal täglich einen Report per App senden. Das heißt Selfie machen, Temperatur messen, fünf Fragen zum Gesundheitszustand ankreuzen. Da die Kinder noch keine Telefonnummern haben, sind ihre Daten auf Papier zu erfassen. Nur gut, dass wir eine Sekretärin mitgenommen haben, die bei diesen Aufgaben behilflich ist. Perfektes Englisch hilft auch super bei der Bestellung von Lebensmitteln oder mit der Rezeption im Erdgeschoss. Wir dürfen das Zimmer nicht verlassen und die gelieferten Sachen vor der Tür nur mit Maske in Empfang nehmen, selbst wenn nie einer steht, sondern die Sachen einfach nur dort abgestellt wurden.

Alles parat.
Bei Anruf bitte nicht stören.

Die ersten Lebensmittel wurden vom Team des Hotels ins Zimmer gestellt, so dass wir zumindest den ersten Tag nicht verhungert sind. Dann hieß es per App Nachschub bestellen, der Lieferservice für Lebensmittel ist hier sehr einfach und populär. Seit Covid noch mehr nachgefragt und wenn man Pech hat, kommen die Sachen erst zwei Tage später. Ab 50/70 € ist dieser Service kostenlos und die Bezahlung per Kreditkarte funktioniert ohne Probleme. Als die erste Bestellung ankam war es ein bisschen wie Geschenke auspacken. Leider sehr viele Plastiktüten, was ich sehr schade finde. Angeblich wird das Plastik hier verbrannt und die Asche zum Auffüllen von Meer zur Landgewinnung genutzt. Das muss ich noch mal genauer recherchieren. Das Leitungswasser ist abgekocht trinkbar, damit können wir wenigstens die Wasserflaschen ein bisschen reduzieren.

Lieferung von FairPrice
Während der Kapitän arbeitet ..
… macht die Crew Sport.

Wir nutzen die Tage für Sport, Recherche von Wohnungen, Kochen und Telefonieren mit der Heimat. Auch ein bisschen Schule wird noch gemacht. Eine Gitarre wurde angeliefert für Charlotte, die schon einige aus ihrer neuen Klasse hier kennt. Eine gute Idee war auch, die zwei Verteilungen im Koffer mitzunehmen, bei den vielen Geräten, die ständig geladen werden wollen. Steckdosen sind immer zu wenige in den Zimmern und Reiseadapter hatten wir nur zwei. Vielleicht besorgen wir noch eine Yogamatte, damit es nicht so hart ist auf dem Boden, die Temperaturen draußen auf dem Minibalkon, treiben einem sofort die Schweißperlen auf die Stirn. Ohne Klimaanlage würden wir es glaube ich nicht lange aushalten. Der Körper wird sich wohl noch an diese neue Wetterlage gewöhnen müssen.

Ab ins Bett!
Der Blick am Abend in die Stadt ist besonders schön.

Jetzt heißt es durchhalten und die Nerven nicht verlieren. Auch diese Zeit geht vorbei und danach erkunden wir die Stadt umso intensiver.

Es geht endlich los. – 13.07.2020

Tschüß Baden-Württemberg

Die letzte Woche in Deutschland brachte Tränen, Aufregung und Vorfreude. Ein Gefühlspotpourri der Extraklasse. Nachdem der Flug endlich gebucht, eine Unterkunft für die Quarantäne gefunden, ein großes Mietauto bestellt waren, hieß es letzte Einkäufe erledigen, Schulbücher abgeben, Zeugnisse in Empfang nehmen, geliehene Sachen zurückbringen und viele Koffer packen.

Einige dicke Abschiedstränen flossen und es bedurfte tröstender Worte. Wir freuten uns, dass viele noch einmal persönlich vorbeikamen und Tschüß sagten. Auch die Arbeitskollegen legten sich ins Zeug und übergaben mir ein selbst gestaltetes Kochbuch mit den Lieblingsrezepten zum Nachkochen in der Ferne.

Da weint die Mama gleich mit.
Letzte Überquerung der 9. Längengrades in Holzgerlingen

Das letzte Wochenende verbrachten wir noch einmal in der Heimat. Mit den Liebsten zum Essen, Baden und die herrliche Landschaft genießen. Das Koffer-Tetris im Mietwagen – anstrengend, aber erfolgreich. Nach vier Varianten hatten wir die optimale Lösung gefunden und alle acht Koffer verstaut.

Noch eine Weile Leben aus dem Koffer
Talsperre Muldenberg
Weiberhaufen

Das Vogtland zeigte sich für uns noch einmal von seiner besten Seite. Sonne und Wind, die Wolken spiegelten sich im Wasser. Den alten Bahnhof Schönheide Süd hat sich ein Verein zu Herzen genommen. Das Gebäude blieb erhalten, mit kompletter Stellzentrale für die Weichen. Auf dem Gelände sammeln sich bereits restaurierte Schmuckstücke und alte Fahrzeuge, die Bastelarbeit für die nächsten Jahrzehnte bieten.

Bahnhof Schönheide Süd
The Beatles grüßen vom Gleis

Am Montag verließen wir gegen 4 Uhr unsere Heimat im Herzen, um die 370 km nach Frankfurt rechtzeitig zu schaffen. Corona spielt der Flugbranche gerade böse mit, das riesige Terminal war zwar besucht, aber für einen Montagmorgen recht mäßig. Am CheckIn der Singapur Airline trafen wir nur zwei Familien vor uns und ein Pärchen hinter uns. Der Flieger war entsprechent spärlich besetzt. Zur Freude von uns wenigen Passagieren, jeder hatte eine komplette Sitzreihe für sich und der Flug war damit viel entspannter als üblich. Ausgezeichneter Service und ein gutes Filmangebot ließen die 12 h dann wirklich wie im Flug vergehen.

Sonnenaufgang im Vogtland
Weibliche Reisecrew
Unser Kapitän
SQ 025
Kurz nach dem Start
Die Nacht beginnt.

Über dem Meer von Bengalen und dem indischen Festland tobten heftige Gewitter, die Blitze erleuchteten den kompletten Himmel und im Flieger wurde es entsprechend bumpy. Ein Gewitter unter einem zu erleben, ist auch eine besondere Erfahrung.

Kurz vor der Landung

Der Landeanflug war denn noch etwas aufregend. Nicht nur wegen der traumhaften Kulisse aus Lichtern und den Reflektionen im Meer. Für unseren jüngsten Passagier war die lange Reise etwas zu anstrengend, der Kreislauf kollibrierte (Ellas Wortschöpfung). Nach den aufwendigen Einreiseformalitäten waren wir dann froh, endlich im Kleinbus zu sitzen und Richtung erste Unterkunft zu fahren.

Zur Sicherheit zwei Masken auf!
Ankunft in Singapur 07:00 Uhr

Als die Tür des Flughafengebäudes aufging, fühlte ich mich zurück gebeamt ins Jahr 2011, als wir in Bangalore angekommen waren. Tropische Hitze umschließt dich und dieses Gefühl, ein neuer Abschnitt beginnt. Die Bäume entlang der Straße in die City erinnerte mich auch sehr an Indien. Hier ist allerdings alles blitzblank und der Verkehr sehr moderat im Gegensatz zum indischen Trubel damals. Erleichtert saugten wir die ersten Eindrücke der Stadt in uns auf, die nächsten beiden Wochen sehen wir nur einen Miniausschnitt vom Balkon.

Grüne Stadt
Bäume im Himmel
Wenig los an diesem Dienstag.
Blick nach links
Blick nach rechts (mit Fluss)

Das Leben, denkt Schilf, ist eine Geschichte mit vielen Stockwerken. Oder mit Kapiteln, von denen sich eins nach dem anderen geräuschlos schließt.

Juli Zeh „Schilf“

We Are Approved! – 04.07.2020

Der 4. Juli brachte uns GLÜCK und die ersehnten Emails. Um 07:00 Uhr morgens lagen sie im Postfach und wir konnten Jubelschreie ausstoßen. Unserer Einreise steht jetzt hoffentlich nichts mehr im Weg, vom 13. – 15. Juli müssen wir in Singapur ankommen, die Genehmigung erlischt sonst wieder. DANKE an alle, die uns Daumen gedrückt und mitgefiebert haben.

Da heißt es jetzt noch eine Tempowoche hinzulegen und alle restlichen Dinge auf der To-Do-Liste abzuarbeiten. Ohne genaues Ausreisedatum kann man einfach viele Dinge gar nicht erledigen. Unsere Unterkunft für die ersten vier Wochen in Singapur haben wir schon gebucht. Mietwagen, in den acht Koffer passen, ebenfalls gefunden. Am Montag steht nur noch die Flugbuchung an, um zumindest die Organisation der Abreise abzuschließen.

Ein letzter Besuch in Rheinland-Pfalz

Dann werden die Koffer langsam gefüllt, am Freitag nehme ich Abschied im Büro, Schulbücher und geliehene Sachen müssen noch zurück gegeben, letzte Einkäufe erledigt und das Auto der neuen Besitzerin übergeben werden. Charlotte darf sogar noch eine Woche zum Unterricht in die Schule gehen. Nach fast 4 Monaten Homeschooling! Tapfer hat sie das ertragen und sich bis zum Schluss motiviert, uns Mittags verpflegt und meistens gute Laune versprüht.

Wenn alles klappt heben wir am 13. von Frankfurt ab und landen 12,5 h später in unserer neuen Heimat. Auch wenn sicher in dieser letzten Woche hier in Deutschland noch einige Tränen kullern werden, die Freude und Aufregung bei uns steigern sich gerade stündlich.

Am Baggersee
Kleinod Streitköpfle

Die Mädels hatten vorige Woche zum Picknick geladen. Seit dem 01. Juli waren Feiern mit bis zu 20 Personen wieder möglich. In großer Runde wurde ausgiebig von den mitgebrachten Leckereien genascht und gespielt. Auch jede Menge Abschiedsgeschenke finden jetzt noch Platz im Koffer. Eine schöne Feier, nach all der Zeit ohne Freunde und Schule tat es beiden gut noch Tschüß zu sagen.

Warten auf die Freundinnen
Unser Kind liebt Schlafmasken
Viele Geschenke für Lotte
Röstkammer Altdorf – werden wir vermissen
Spezielle Freunde bekommen spezielle Abschiedsgeschenke von uns!

Abschied, die Tür zur Zukunft.

© Manfred Hinrich
Himmel über Altdorf

Daumen drücken bitte – 28.06.2020

Entspannte Ella

Es bewegt sich was. YEAH! Am Montag wird unser Antrag auf Einreise für den 06. Juli offiziell abgegeben. Wir hoffen, dass dieser gleich genehmigt wird. Da heißt es jetzt bitte alle Daumen drücken und abwarten. Seit gestern steht Deutschland wohl auch auf der Liste, die für Singapore erleichterte Bedingungen haben. Offiziell gibt es dazu aber keinen Hinweis auf den Riegierungsseiten. In Quarantäne müssten wir dennoch, aber eventuell können wir selbst bestimmen, in welchem Hotel. Die ganzen Vorgaben und Regelungen sind ein echter Behördendschungel. Zum Antrag muss man z.B. auch schon eine Mobilfonnummer eines Providers in Singapur angeben. Ein Kollege von Steffen hat uns diese zwei Woche Prepaidkarten gekauft und freischalten lassen. Die Karten wird er dann für uns im Hotel abgeben und wir können von der Gesundheitsbehöre erreicht werden. Auch zwei Fieberthermometer habe ich noch gekauft, jeden Tag müssen wir uns selbst messen und die Daten sind per SMS übermitteln.

Wenn die Genehmigung erteilt wird, bricht wohl eine hektische Woche an. Die ToDo Liste für die knappe Zeit vor dem Abflug ist lang. Ohne konkretes Anreisedatum konnten wir bisher nicht wirklich etwas unternehmen. Flug buchen, Abmeldung vom Wohnort, den Schulen, Koffer packen, geliehene Sachen zurück bringen, Freunde verabschieden…

Schau mir in die Augen.

Wir wären froh, wenn die Warterei endlich ein Ende hat. Auch wenn uns viele vermissen werden und wir natürlich ebenso mit einem traurigen Auge wegfliegen. Das halbe Jahr seit unserer Zusage für das Abenteuer Singapur waren keine einfache Zeit. Corona machte es zusätzlich anstrengend für uns alle. Ich bin sehr stolz auf meine Familie, wie sie das alles gemeistert hat. Wir freuen uns, wenn es jetzt endlich los geht.

Längster Tag im Jahr wurde in die Nacht verlängert. Abschied 1
Versteckspiel mit Katze – Abschied 2
Zum Zweiten Mal – Abschied 3

Mit lieben Freunden noch Zeit verbringen. Zusammen grillen, Filmabend oder beim Brunch mit anschließender Abkühlung am Fluß. Herrlich.

Was zu feiern gibt es jedes Jahr. Hochzeitstag zum Beispiel.
Meine Lieblingsstraße
Der Sommer ist da.
Abendrunde mit Aussicht

Die Weite hier um unser Dorf wird mir sicher fehlen in der Großstadt.

Abtauchen – 17.06.2020

Schwielochsee

Noch immer sind wir in Deutschland und warten auf eine Genehmigung zur Einreise in Singapur. Der Lookdown ist seit 01.06. offiziell beendet, ab 19.06. soll es in Phase 2 weitere Lockerungen geben. Für erste Länder wurden die strengen Quarantäneregelungen bei Einreise nach Singapur aufgeboben (gültiges Visa vorausgesetzt). So zum Beispiel für Australien, Vietnam, Hongkong und Taiwan. Mit unseren vorläufigen Visa benötigen wir noch immer eine extra Genehmigung der Regierung und müssten Stand jetzt sofort zwei Wochen in Quarantäne, wenn wir einreisen. Darauf haben wir ehrlich gesagt keine Lust, auch wenn die Unterbringung in einem Hotel mit Vollverpflegung stattfindet, zwei Wochen in Zimmern eingesperrt zu sein, stelle ich mir nicht einfach vor. Aber wenn es gar nicht anders geht, würden wir es wohl auf uns nehmen.

Die zweite Woche der Pfingstferien nutzten wir darum ausgiebig, um abzutauchen und die Natur zu genießen. Ich erlaubte mir zwei extra Tage allein beim Fotokurs in Leipzig, allein die Hinreise mit dem Zug war sehr interssant. Entlang der Bahnstrecke fielen mir die vielen Abbruchhäuser, Fabriken oder andere Gebäude auf. Sicher ein spannenden Fotoprojekt, die alles zu dokumentieren. Allein die Zeit dazu fehlt.

Alte Post Auerbach – Außer Betrieb, jetzt wohl als Lager genutzt.
Hier speist schon lange Keiner mehr.
Buntes Leipzig
Waffenverbotszone rund um die Eisenbahnstraße
Eiskaffe a lá Vietnam – Sehnsuchtsstiller

So richtig abtauchen konnten wir wirklich in Brandenburg. Ich werde dazu noch einen ausführlichen Text schreiben, den ich auf die Seite stelle. Zumindest vier der fünf Personen konnten die ruhigen Tage auf dem Dorf direkt an der Spree genießen. Der Herr im Haus musste weiterhin unsere Brötchen (oder Fischsemmeln), den leckeren Kuchen und die Bockwurst verdienen. Immerhin war der Arbeitsplatz mit Ausblick ein Plupunkt für ihn.

Besuch kann man auch im Urlaub genießen, Hamburg liegt einfach näher an diesem Ort als an Altdorf. Birgit nahm die Strecke sogar mit dem Motorrad in Kauf. Wir feierten Ellas 12. Geburtstag, schipperten die Spree entlang, hörten den Störchen beim Klappern und den Fröschen beim Quaken zu, beobachteten die Mauersegler und Schwalben beim abendlichen Insektenjagen und tauchten in mehrere der umliegenden Seen ab. Eine Gegend, die einem einmal mehr klarmachte. Weniger ist machmal einfach doch viel Mehr.

Spree vor der Tür
Schattenriesen
Spiegelnde Oase der Ruhe
Hühnersteg
Einer der vielen Seen
Krönchen für die Jüngste
Ziegelkrone für die Haustüre
Fenster in Burg
Shoppingqueen
Fast wie am Meer
Schilf

Brandenburg bleib so wie du bist!

Heimatluft schnuppern – 05.06.2020

Vogtland, nicht Kanada, aber nah dran.

Nach den letzten Anstrengungen mit dem Hausauszug brauchten wir ein paar Tage frei, die Pfingstferien kamen da gerade recht. Wir packten also einige unserer Koffer und alle restlichen Sachen, die nicht mitgenommen werden ins ferne Singapur, und fuhren ostwärts. Die Heimat mit Familie dort lockt uns immer wieder an. Pfingsten in Leipzig bei bestem Wetter zum Baden und für ein wenig Kultur tat einfach gut. Hasen durften wir auch streicheln, der Hans wohnt jetzt bei meiner Schwester.

Ella mit Hans, Hase mit Riesenfüßen
Karli in Leipzig
Morgenlicht

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig hatte ich zuletzt 2003 zu einem Open Air Konzert besucht und danach nur aus dem Busfenster bei einer Stadtrundfahrt bestaunt. 2013 wurde es pünktlich zum 200. Jahrestag der berühmten Schlacht Napoleons nach aufwendigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet. Von der schwarzen Patina der letzten Jahrzehnte ist weder innen noch außen etwas zu sehen. Beeindruckend schauen die riesigen Statuen von oben herab. Den Blick über Leipzig und das Umland konnten wir nur von der unteren Plattform in 57 Metern Höhe schweifen lassen. Die obere in 91 Metern Höhe war wegen Corona-Auflagen für die Besucher gesperrt.

Völkerschlachtdenkmal Leipzig
Cool Gang mit neuem Mitglied
Rundblick in fast 60 Metern Höhe

Quelle: https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/tourismus/sehenswuerdigkeiten/voelkerschlachtdenkmal/

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 war Leipzig Schauplatz der Völkerschlacht. Die verbündeten Heere Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens errangen dabei den entscheidenden Sieg über Napoleon und dessen Alliierte auf deutschem Boden. Die Bilanz: 600.000 beteiligte Soldaten aus über zwanzig Völkern, 100.000 tot oder verwundet und eine Typhus-Epidemie in Leipzig, die zehn Prozent der Einwohner das Leben kostet.

Bereits ein Jahr nach der verheerenden Schlacht hatte der Dichter Ernst Moritz Arndt die Idee zu einem Denkmal, das die Gefallenen ehren sollte. 1894 gründet der Leipziger Architekt Clemens Thieme den Deutschen Patriotenbund mit dem Ziel, Spenden für die Errichtung des Denkmals zu sammeln. 1898 reichte die Summe aus, der Grundstein konnte gelegt werden.

1913 wurde das Völkerschlachtdenkmal als Nationaldenkmal eingeweiht.

Bevor es dann in der zweiten Woche in den Spreewald geht, gab es für die Jüngste eine kleine Überraschung zum baldigen Geburtstag. Sie wollte unbedingt in einem Tinyhouse wohnen. In Schöneck gibt es zur Ferienunterkunft ausgebaute Seecontainer. Zwei Nächte gönnten wir uns in dieser schon außergewöhnlichen Unterkunft. Der Ausblick besonders am Abend war einladend, nur der Sessellift störte etwas die Optik. Aber die meisten Gäste kommen wahrscheinlich als Biker oder Skifahrer, um sich dort die Hänge hinunter zu stürzen. Die Inneneinrichtung bot alles was das Herz begehrte, minimalistisch aber sehr praktisch und dank schönem Wetter machte es wirklich auch zu viert auf engem Raum Spaß. Jetzt wissen wir auch, wie viel Platz in einem großen Container ist. Wer dieses Erlebnis auch einmal möchte, kann hier schauen: www.berg-heim.de

Drop In Please
Abendrot über Schöneck
Reklame!
Vorsperre Muldenberg – Natur pur

Ach ja, der Flugverkehr zwischen Singapur und China wurde wieder aufgenommen, der strenge LockDown in der Stadt zum 01. Juni gelockert. Wir hoffen, dass wenigstens Steffen demnächst eine Einreiseerlaubnis bekommt. Bis Mitte August hoffen wir dort alle endlich anzukommen.

Kreatives Kind

Leer gefegt in 2 Tagen – 23.05.2020

Die Tür ging auf, fünf russische Umzugsmänner stürmten ins Haus und ruck zuck war der komplette Hausstand eingepackt. So schnell waren sie, dass wir nicht mal Zeit hatten, die Zeitschriften vom Tisch zu räumen und diese jetzt im Hab&Gut irgendwann auf die Reise nach Singapur gehen werde. 280 Kisten (die Möbelstücke inklusive) standen am Ende auf den Packlisten. Pro Person 70, schon irgendwie viel, was wir so in den letzten Jahren angesammelt haben. Ein Teil kommt gar nicht mit und wurde in einem Lagerraum verstaut, wer braucht schon Ski, Winterjacken oder eine Campingausrüstung im heißen tropischen Singapur. Wenn der Transporter für unsere Sachen pünktlich gekommen wäre, dann hätten alle einen halben Tag eher in Feierabend gehen können. Die Mannschaft hat es mit Humor genommen, Mittagsschlaf gehalten und uns bei den anderen schweren Gütern geholfen. Als der Monstertruck dann innerhalb von einer Stunde beladen war, atmeten wir alle auf. Mal sehen, wann wir die vielen Kisten wieder auspacken dürfen.

Bestes Umzugswetter
Kinderzimmer 1 verpackt
Kinderzimmer 2 verpackt
Ein Meer an Kisten und Paketen, sieht aus wie das DHL Verteilzentrum.
Sehr lang und viel Platz, das Auto noch hinein vielleicht?
Gut verpackt und verladen. Kind darf fliegen.

Jetzt heißt es aus Koffern leben, immerhin haben wir viele davon. Einige der alten Exemplare waren gut erhalten, andere eher nicht, da musste für jeden noch ein Neuer her. Auch den Friseur konnten wir endlich wieder besuchen und den Wuchs der letzten Wochen trimmen lassen. Natürlich nur mit Maske, Händedesinfektion und Handschuhe für die Friseure. Das Lachen erkennt man zum Glück auch an den Augen und der Stimme.

Farbenvielfalt
Vorher gab es noch schnell ein Styling von Ella
Erste Abschiedsgeschenke

Mit den lieben Freundinnen aus dem „Dorf“ ein letztes Kaffeekränzchen im Haus gehalten. Endlich haben wir eine Kuckucksuhr, die dann im fernen Asien an die Zeit in Baden-Württemberg erinnern wird. Kuchen und Schokolade werden sicher noch vor der Abreise vertilgt. Den großen Hausputz verteilen wir auf ein paar Tage, schließlich muss man sich hier im Ländle auch nach den Öffnungszeiten des Wertstoffhofes richten. 😉

Jetzt konnten wir ein paar Tage die vogtländlische Luft genießen. Im Schoß der Familie gutes Essen & Wein genießen, die Natur nicht zu vergessen.

Große Leere in allen Räumen
Heimat
Am See
Beine mal hochlegen!

Wer es einmal geschafft hat, seine Sehnsucht Vorfreude zu nennen,

der kann nie wieder richtig unglücklich sein.

© Peter Hohl

Die letzte Woche im Haus – 12.05.2020

Kind in der Kiste

Die letzte Woche im Haus ist angebrochen. Nächsten Dienstag wird es hier schon sehr leer sein, nur die restlich verbliebenden Sachen für das Lager müssen dann noch weggebracht werden. Müll entsorgt, Fenster geputzt und Böden gereinigt natürlich auch. Viel Arbeit steht also an, aber gemeinsam schaffen wir das. Auch Freunde bieten Hilfe an, was uns sehr freut. Ella verabschiedete sich von ihrem Kleiderschrank und nahm für ein letztes Foto darin Platz. Er hat einen neuen Besitzer gefunden, wie auch der Gefrierschrank und das Fahrrad von Lotte, das es noch bis Dresden schaffen muss.

Coole Oma & Enkeltöchter

Wir freuten uns, endlich die Mama & Oma bei uns zu haben, genossen die Fürsorge und das gute Essen. Auch als Aushilfslehrerin machte sie einen tollen Job und könnte wirklich in der Hausaufgabenbetreuung anfangen. Die Kinder vermissen sie jetzt schon wieder, aber die Zeit bis zu den Pfingstferien verfliegt wahrscheinlich so schnell, und dann gibt es ein Wiedersehen im Vogtland.

Bier oder Kleid – das ist hier die Frage

Wenigstens einen Ausflug schafften wir in der letzten Woche, wir gönnten uns ein paar Stunden in der Tübinger Altstadt, ein Eis, einen Kaffee auf der Parkbank und Bücher aus meiner Lieblingsbuchhandlung. Flair und Atmosphäre kommen ohne die vielen schönen Cafés und Straßenrestaurants allerdings nicht wirklich auf. Seltsam still war es noch immer in den Gassen dort.

Der einzige Tisch in Tübingen stand zur Deko und Verkauf da.
Noch einen Sitzplatz gefunden
Lagerfeuerromantik

Bevor die Mama wieder nach Hause fuhr (endlich gibt es auch einen Direktzug von Stuttgart nach Leipzig), wurde das gesammelte Holz im Garten verbrannt. Freunde kamen und leisteten uns schön mit Abstand verteilt um den Feuerkorb Gesellschaft. Zu jedem Holz gab es eine Geschichte zu erzählen. Rinde aus Weimar, vom Baum der dort gefällt wurde, Fundhölzer von der Ost- und Nordsee, ein rustikaler Weihnachtsstern wurde gleich wieder aus dem Feuer gerettet und findet jetzt Platz im Garten der Freunde. 🙂 Wir haben viel gelacht an diesem schönen Abend.

Die ersten Sommerwolken sind da.
Die letzten Eisblumen tauten schnell wieder weg.

Im Haus sortierten wir noch die Rezeptsammlung aus, um dabei auch einige alte Schätze zu finden. Oma Rosel hatte viele nützliche Haushaltstipps aus den Zeitungen von damals ausgeschnitten. Wir bekamen Hunger auf den Nusskuchen, den sie immer gebacken hatte, wenn wir zu Besuch dort waren und die selbst eingelegten sauren Gurken aus ihrem Keller. So eine Rezeptsammlung macht erst richtig Spaß, wenn sie Generationen überdauert und gepflegt wird.

Alte Zeitschrift
Nährmittel Kuchen

Und zum Muttertag in diesem Jahr gab es ein sehr schönes Wiedersehen mit Binia und ihren Töchter in Stuttgart. Die hatten wir 2014 in Peking verabschiedet und freuten uns jetzt, dass sie hier wegen der Corona-Pandemie gestrandet sind. Manchmal haben die seltsamen Zeiten momentan auch etwas Gutes. Es wird sicher nicht das einzige Treffen bleiben, bis wir alle in unsere neuen bzw. alten Zuhauses zurückkehren können.

Momentan Mitte!

Der Mai ist da. – 04.05.2020

Schon im fünften Monat ist dieses Schaltjahr und irgendwie habe ich das Gefühl, das Jahr hat noch gar nicht richtig begonnen. Die wenigen Unternehmungen, die zwischen Umzugschaos und Nervenaufreibung stattfinden, können nicht darüber hinwegtäuschen, gefühlt noch im Januar zu verweilen. Keine Reisen, wenig Besuch von Familie und Freunden, keine Geselligkeit. Dafür stapeln sich wieder Kisten und Kartons im Haus, die neuen Mieter messen schon wie Wände und Fenster aus. Die letzten beiden Wochen hier in der Reihenhausidylle brechen an. Wehmütig werde ich dabei nicht, noch überwiegt die Freude auf das neue Zuhause. Ein Umzug bedeutet immer einen Neuanfang, auch wenn dieser mit Stolpersteinen gepflastert ist und nicht so einfach über die Bühne gehen wird, als geplant.

Wir schaffen das trotzdem und die Freude wird dann hoffentlich umso größer sein, wenn das Ziel erreicht ist.

Ein Sorgenfresser ist immer eine gute Anschaffung

Singapur ist von der zweiten Infektionswelle überrollt worden, die vielen in engen Wohnheimen lebenden Wanderarbeiter haben den Virus innerhalb der letzten vier Wochen fleißig untereinander verteilt. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an der Eindämmung, Ausgangsbeschränkungen und Quarantäneanordnungen werden extrem kontrolliert und bei Verstößen mit hohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen geahndet. Der Look Down gilt bis zum 01. Juni. Weiterhin sind wir zum Abwarten verdammt.

Zu klein hinter dem Ohr
Passt

Inzwischen werden wir von lieben Freunden mit schönen Masken versorgt und haben uns an die Dinger gewöhnt. Zum Glück müssen wir sie nur beim Einkaufen tragen. Aber schon der Besuch beim Optiker heute war sehr speziell. Betreten mit Maske, Brillen holt nur die Mitarbeiter aus dem Regal, Anprobe hinter einer Glasscheibe dann ohne Maske möglich. Alle Brillengestelle werden nach der Benutzung wieder gereinigt. In zwei Wochen darf ich zum Frisör, das wird dann sicherlich auch ein Erlebnis.

Cool Gang – Sport frei!
Veganer Schokoaufstrich

Unsere Große versucht ihre vegetarische Ernährung ein bisschen mehr vegan zu gestalten. Der Frühstücksbrei wird mit Hafermilch gekocht. Das Nutella durch eine Variante ohne Milch und Palmöl ersetzt. Schmeckt anders, aber sehr gut. Tiere mag sie schon seit zwei Jahren nicht mehr essen, die Tierprodukte sollen weniger werden. Wir sind die stillen Nutznießer und lassen uns gerne überraschen von ihren Kompositionen aus der Küche.

Tempo runter

Auch im Ort gibt es umwelttechnisch etwas Neues. Pünktlich zum Tag des Lärms wurden entlang der Ortsdurchfahrt neue Geschwindigkeitsschilder montiert. Ab jetzt heißt es langsamer und leiser. Die Anwohner der Straße hatten das schon lange herbei gesehnt. Erstaunlich schnell haben sich alle daran gewöhnt und halten sich größtenteils daran.

Abstand beim Wandern und Pausieren

Nach fünf Monaten haben wir einen Teil der Familie wieder gesehen. Zum langen Wochenende über den 1. Mai waren Sie angereist. Auf den Wanderwegen der Umgebung waren zwar viele Leute unterwegs, aber Abstand zu halten machbar.

Mutti & Töchter

dritter mai

spürst du es?

ich liebe dir
entgegen
sehnsucht eilt
mir
voran
stummfreudige
küsse
stolpern zu
dir

zeit heimzukehren.

© Cosima Bellersen Quirini
In voller Blüte

Hoffnungsschimmer – 24.04.2020

Zwischen heiß und eiskalt.

Besser könnte ich meine Emotionen gerade nicht auf einem Foto zusammenfassen. Schweißgebadet oder eiskalter Schauer, alles war in den letzten 10 Tagen dabei. Singapur verlängert die noch einmal verschärften Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen bis zum 01. Juni. Damit verschiebt sich unsere geplante Einreise wohl weiter nach hinten im Kalender 2020. Die Kinder können wahrscheinlich das Schuljahr ganz normal (wenn auch im home schooling) beenden und sich vielleicht sogar noch persönlich von ihren Freunden verabschieden. Wir ziehen wie geplant am 18. / 19. Mai aus unserem Haus aus und werden ersteinmal woanders unterkommen.

Ab 22. Mai kann wohl zumindest für Steffen eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise nach Singapur beantragt werden. Es heißt jetzt also weiterhin abwarten, ob diese dann auch tatsächlich genehmigt wird. Dann müsste er innerhalb von 10 Tagen dort einreisen und in eine zweiwöchige Quarantäne gehen. Danach hoffenlich eine neue Bleibe für uns suchen und finden, so dass wir es vielleicht doch schaffen, bis zum Schulstart Mitte August hinterher zu kommen.

Team Thoß

Darum werden wir jetzt die gemeinsame Zeit noch intensiver genießen und schauen etwas optimistischer in die nahe Zukunft. Weiterhin Daumendrücken hilft uns natürlich auch immer noch.

Eine schöne Wanderung führte uns auf die Burg Hohenneuffen vom idyllischen Örtchen Beuren aus. Traumhaftes Wetter, ein nach Bärlauch duftender Wald und eine grandiose Aussicht vom Burghof belohnten den steilen Anstieg.

Hoch hinaus zur Burg
Geschichtsträchtiger Ort
Weitblick

Während die Natur zur vollen Blüte ansetzt, alles wieder mit gelbem Pollen eindeckt und die Allergiker nervt, wachsen auch die Haare bei uns munter weiter. Wer weiß wann wir einen Friseurtermin bekommen. Daher musste zumindest der Mann im Haus endlich ein bisschen getrimmt werden, bevor sich Bart und Kopfhaar noch vereinigen. Für den ersten Herrenhaarschnitt in meinem Leben gar nicht so schlecht gelungen.

Blütenpracht überall
Einmal Schneiden und Legen bitte

Da ab Montag die „Maskenpflicht“ in Baden-Würrtemberg zumindest für den öffentlichen Nahverkehr (klingt auch irgendwie seltsam oder?) und den Einkauf vorgeschrieben ist, haben wir uns dem Thema angenommen und ein paar weitere Varianten ausprobiert. Das Visier gab es von meinem Arbeitgeber, für den Fall das die Brille anläuft beim Tragen eines Mundschutzes. Naja, etwas unbequem und zu schwer für den längeren Gebrauch. Auch die Spiegelung ist nicht opitmal für das Arbeiten am PC.

Space X Expedition am Arbeitsplatz
Das richtige Tragen muss noch geübt werden.

Die Ausräumarbeiten sind in den letzten Zügen. Schränke werden ausgemistet und letzte Kisten für die Einlagerung gepackt. Ebay mit Verkaufsgegenständen geflutet, in der Hoffnung trotz Coronakrise etwas loszubekommen. Bald heißt es Koffer packen für die verbleibenden Wochen in Deutschland.

Fund im Gewürzregal – Lieblingspuzzel meiner Mädels

Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist. Denn der Traum von gestern
ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.

Robert Goddard(1882 – 1945)
Flugleerer Himmel über Altdorf

Nervosität – 14.04.2020

11 ruhige Tage liegen seit dem letzen Update hinter uns. Singapur hat aufgrund der gestiegenen Fallzahlen jetzt ebenfalls verschärfte Maßnahmen für die Stadt und die Einreise verhängt. Zunächst bis zum 04. Mai. Wir dürfen trotz eines bereits temporären Visa nicht einreisen und müssen somit weiterhin abwarten. Hoffen, dass es bald eine Lösung gibt, zumindest für geschäftliche Zwecke das Land wieder betreten zu dürfen. Wir sind nicht die Einzigen, denen es momentan so ergeht und viele Familien weltweit sitzen quasi auf gepackten Koffern.

Yoga hilft

Ich übe mich in Geduld, Yoga hilft ganz gut, dennoch zehrt diese Situation an den Nerven. Wir werden den Auszug wie geplant am 18. Mai starten und bis 31. Mai das Haus komplett leer übergeben. Danach hat sich eine Übergangslösung gefunden, so dass wir bis Ende Juni in Altdorf bleiben können. Die Kinder vielleicht nach Pfingsten noch zwei Wochen Schule mitmachen dürfen und sich hoffentlich im Juli die Lage für einen Start in Singapur entspannt hat. Dort startet der Unterricht ab 19. August, was sich optimistisch anhört.

Wandern hilft auch. Weitblick inklusive.
Zeit zu Zweit

Gerne würden wir uns hier in großer Runde von den Freunden verabschieden, aber ob das in Zeiten von Abstandhalten so schön und sinnvoll ist, bezweifeln wir gerade. Am 1. Mai ist eine Wanderung mit ein paar Freunden geplant, die laut den derzeitigen Regeln zwar stattfinden darf, aber wir müssten dann familienweise mit Abstand zueinander laufen. Darauf hat nicht wirklich jeder Lust, die Kinder wahrscheinlich erst recht nicht. Für Wanderungen mit Kindern ist es immer interessanter, wenn die Kinder der Freunde auch mitkommen und sie unterwegs unter sich sein können.

Dinos auf dem Weg
Brücke Nr. 1
Brücke Nr. 2

Nach drei Wochen zu Hause ohne Schule und Freunde sind unsere beiden Mädels am letzten Freitag sogar wieder „freiwillig“ mit zum Wandern gegangen. Nicht dass wir sie sonst zwingen müssten, aber die Lust an dieser Freizeitbeschäftigung ließ in den vergangenen Monaten etwas nach . Da sind wir öfters zu zweit unterwegs gewesen. Die 16,5 km im nördlichen Schwarzwald rund um Wildberg waren dann ein anstrengender Brocken, aber dank einiger Abwechslungen auf dem Weg trotzdem sehr schön, vielleicht bringt uns der „Hella-Glück-Stollen“ ein wenig Glück.

Glück am Karfreitag
Schnell noch Eier gefärbt

Ostern feiern wir immer schon eher klein, da wir keiner Religion angehören. Ein paar Eier bunt zu färben und kleine Geschenke verstecken gehört trotzdem dazu. Dieses Jahr haben wir Kuchen gebacken und spontan die nah wohnende Familie eingeladen. Der Garten war erfüllt von Vogelgezwitscher und Freudenrufe der Kinder, wenn das Osternest gefunden wurde. Ein paar schöne Stunden, die alles vergessen ließen.

Von der Freundin gabs Riesenhase
Happy Easter Kids
Die Damen bei der Handarbeit

Jetzt warten wir wie alle anderen gespannt auf den Mittwoch und die Entscheiungen der Politik, wie es weitergeht in Deutschland. Werden die Schulen noch länger geschlossen bleiben? Dürfen wir auf Lockerungen hoffen. Wir bleiben opitimistisch und lassen den Plan B noch in der Schulblage liegen.

Wir sind
zusammen
gewachsen
Reifen
verlangt oft
schwierige Wege
wir haben
uns
Geduld errungen
und Tiefe
Dankbarkeit
gelernt

© Hans-Christoph Neuert

Durchhalten und Abwarten – 03.04.2020

Keine Menschenseele weit und breit

Am lautesten sind gerade die Vögel im Garten (abgesehen vom Nachbar, der ab und zu sägt oder bohrt oder hämmert oder kärchert), wahrscheinlich verstehen sich die gefiederten Freunde jetzt richtig und diskutieren, was hier eigentlich los ist bzw. nicht los ist. Kein Flugzeuglärm, keine fahrenden Autos, alles ist sehr still mometan.

Wir machen uns Sorgen um den Umzug nach Singapur. Momentan lässt die Regierung niemanden mehr ins Land, selbst unser vorläufiges Visum nützt nichts, es gibt keine Ausnahmen. Nur klinisches Personal dürfte noch ins Land. Wir können nur abwarten und hoffen, dass sich bis zum geplanten Termin unserer Starts dort die Situation wieder ändert.

Kabelsalat

Wir haben das Büro umgeräumt und etwas mehr Platz geschaffen. Im Homeoffice soll eine angenehmere Athmosphäre herrschen, wenn man schon Nachts um 3 aufstehen muss für die ersten Telefonkonferenzen. Respekt an Steffen, der das echt immer schafft und mich dann gut gelaunt und wach um 6 Uhr anlacht, wenn ich aus dem Bett schleiche, um die Kinder nicht aufzuwecken.

Homeoffice
Teamarbeit

Die Mädels sind noch motiviert und erledigen ihre Schulaufgaben selbstständig. Ella hat jetzt ebenfalls eine Online-Lösung von der Schule bekommen und chattet mit den Lehrern und Mitschülern am Laptop. Aber die Osterferien werden trotzdem bereits erwartet, auch wenn wir die in diesem Jahr ohne Urlaub oder Besuch bei der Familie verleben werden. Das „Zu Hause bleiben“ fällt bei den herrlichen Sonnentagen etwas schwer. Wenigstens spazieren gehen oder Sport im Freien sind weiterhin erlaubt. Auch Inliner, Rennrad und Trampolin – ein Glück alles noch verfügbar bei uns. Also kein Jammern.

Sport geht auch zu Hause super
Motive beim Spaziergang

Die freie Zeit vor der Ausgangsbeschränkung nutzte ich bekanntermaßen oft zum Fotografieren, gerne allein, noch lieber zu zweit oder in der Gruppe. Wenn ich allein unterwegs war, dann einfach um zwischen Alltag und Familie ein bisschen Zeit nur für mich zu haben. Am vergangenen Samstag zog ich allein los, um Tübingen während dieser Zeit festzuhalten. Die ganze Serie ist hier auf der Seite unter: http://lebenrolle.de/?p=5979 zu finden. Mein Motto danach: Zusammen ist man weniger allein.

Leergefegte Innenstadt
Einsamer Park

Wenn das Gedankenkarussell nervt, dann helfen einfach kleine Aufmunterungen und Ablenkung am besten. Das neu gedruckte Buch meiner Freundin Miriam erreichte mich diese Woche. Schaut doch auf ihre Webseite zum Buchprojekt (http://www.anders-gleich.de/index.php?lc=de) und unterstützt gerne mit einem Kauf, Bücher kann man prima auch verschenken, Weihnachten kommt wieder. 🙂

Freude am Nachmittag
Backen gegen Seelenfrust
Aus Peking mitgebracht, wenn die Pflicht kommt, bin ich gerüstet.

Die Stille der Einsamkeit ist eine Schatzkiste brillanter Ideen.

© Hubert Joost

Eine ruhige Welt – 24.03.2020

Vielleicht der letzte Schnee für lange Zeit.

Wir sind ganz gut in die zweite Woche unserer intensiven Familienzeit gestartet. Das zeitige Auftstehen für Steffen zehrt schon an seinen Kräften, da hilft wohl in Zukunft nur ein ausgedehnter Nachmittagsschlaf oder zeitiger ins Bett gehen. Meine Mädels haben das Lernen zu Hause gut im Griff und ich kann jetzt sogar wieder schriftliche Division mit Kommazahlen :-), am Nachmittag wird irgendwas im Haus geputzt und zur Belohnung spielen wir immer eine Runde Tischtennis auf dem Esstisch. Mittlerweile werden die Ballwechsel länger und in sechs Wochen kann ich beide wohl im Verein anmelden. Charlotte versorgt uns mit Mittagessen, auch Kuchenbacken ist noch nicht langweilig geworden. Wir vermissen trotzdem alle unsere sozialen Kontakte, da helfen auch Videotelefonate nur bedingt.

Ein bisschen Spaß muss sein.

Nachdem uns der Frühling schon letzte Woche gezeigt hat, dass er im Anmarsch ist, kam am Samstag ein kleines Schneetief angerauscht und zauberte alles kurzfristig in eine weißeWinterwelt. Den Sonntag nutzten wir daher für einen ausgedehnten Waldspaziergang, im glitzernden Sonnenlicht bei strahlend blauem Himmel ein echter Genuss.

Frühlingsboten im Garten
Zauberwald
Blüten überall – der Frühling kommt

Singapur hat ebenfalls wieder gestiegene Zahlen bei den Covid-19 Patienten gemeldet, die neuen Fälle wurden wohl importiert und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie damit weiter verschärft. Uns bleibt weiterhin nur Abwarten wie sich die Lage entwicktelt in den nächsten Wochen. Wohnungen scheint es genug zu geben, wir haben die Zeit genutzt und uns einen ersten Überblick verschafft, die Lage unserer neuen Bleibe eingegrenzt und hoffen bald vor Ort das für uns Passende klarmachen zu können.

Die Versorgungslage in Deutschland ist weiterhin nur bei Toilettenpapier, Mehl und Hefe angespannt. Die Bäcker haben geöffnet, ich habe meinen Ein-Brot-am-Montag-Backtag einfach eingestellt und backe in Singapur dann wahrscheinlich wieder genug. Die Witzbilder sind trotzdem immer eine lustige Abwechslung zwischen all den Zahlen und Fakten in der Krisenzeit.

🙂

Neben all den Challenges und Aufrufen zum Teilen von Fotos aus Kindertagen, oder dem 27. Bild auf meiner Kamera, dem Mitsingen, am Fenster musizieren oder Kerzen anzünden rufe ich hiermit auf: Zeigt Solidarität mit den Menschen, die momentan keine Einkünfte haben, die nicht aufgefangen werden von gut gefüllten Staatskassen. Spendet direkt! An Künstler, die ihr kennt. An Hilfsorganisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern oder Projekte im Krisengebieten organisieren. Lasst auch die kleinen Geschäfte und Restaurants um die Ecke wissen, dass ihr in diesen Zeiten zu ihnen haltet.
Und Nachbarschaftshilfe sollte immer selbstverständlich sein, damit muss sich jetzt keiner im Netz profilieren, einfach machen!

Solidarität der Bestrebungen knüpft Euch mit Bindfäden,

Solidarität der Schicksale schnürt Euch mit Stricken,

Solidarität der Verantwortungen schmiedet Euch mit Ketten aneinander.

Arthur Schnitzler

Isolation für alle – 18.03.2020

Morgens geht der erste Blick gerade immer auf diese Webseite. Die Zahlen sind jedesmal erschreckend und wer jetzt immer noch glaubt, wir werden verschont, liegt falsch. Unsere Siuation wird dadurch nicht besser, aber wir machen uns noch keine riesigen Sorgen, dass der Umzug nach Singapur gefährdet ist. Verschieben können wir wohl, die Schule beginnt erst Mitte August dort. Es gibt bereits eine nette Frau in Singapur, die uns mit der Wohnungssuche helfen würde. Die zwei Wochen Quarantäne würden wir dann wahrscheinlich in einem Service-Appartment verbringen können.

Zu Hause hat sich das Homeoffice und Homeschooling Team gut eingerichtet. Steffen arbeitet bereits in der asiatischen Timezone und ist morgens der Erste, der wach ist und Kaffeeduft im Haus verströmt. Ich bin noch täglich im Rathaus und helfe dort bei Fragen und allen anderen Dingen, die weiterhin erledigt werden müssen. Dort ist es sehr einsam, die Kollegen haben Einzelbürobelegung verordnet bekommen und es wird nur noch per Telefon und Email Kontakt gehalten, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Auch Schichtbetrieb wird es geben. Die Kinder erledigen fleißig ihre Schulaufgaben am Vormittag und erweisen sich als vorbildlich beim Erledigen von Haushalt, Kochen, Gartenarbeit. Auch Bastelprojekte und Megapuzzle, Gitarrenkonzert auf der Terrasse und Videos aus Ellas Schule halten sie bei Laune.

Homeoffice mit neuer Tontechnik
Wolkenkuchen für alle
Gartenkonzert mit Applaus von den Nachbarn

Solange es noch keine Ausgangsperren gibt, nutze ich die Nachmittage um eine Runde in der Natur zu drehen. Das schöne Wetter ist für totale Quarantäne einfach zu schön und allein unterwegs kann ich keinen gefährden.

Keine Küsse unter Misteln mehr.

Das Fahrrad hat eine neue Besitzerin gefunden, die sicher genau soviel Spaß damit hat, wie ich in den wenigen Ausfahrten davor. Singapur hat verschärfte Maßnahmen für EBikes erlassen, was eine Mitnahme sinnlos gemacht hat. Und da dort die Kontrollen und Strafen bei jeglichen Verboten ebenfalls sehr streng sind, brauche ich es gar nicht erst versuchen.

Wir sind froh, schon viele Dinge sehr zeitig geregelt zu haben und jetzt nicht in Stress zu kommen, wenn doch noch weitere Einschränkungen beschlossen werden. Viele bürokratische Dinge können wir jetzt per Mail oder Telefon klären. Wer mag kann uns die Daumen drücken, dass es mit dem Umzug nach Singapur doch alles klappt, wie geplant.

Freitag, der 13.03.2020

Singapur verbietet von Sonntag an allen Ausländern die Einreise, wenn sie in den vergangenen 14 Tagen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien waren. Das gilt auch für Transit-Aufenthalte in dem südostasiatischen Stadtstaat. Das Ganze gilt nicht für Menschen, die dauerhaft dort leben oder lange einen Pass des Staates haben. Sie sollen sich nach der Einreise in heimische Quarantäne begeben. Quelle: Stern

„Schaltjahre sind Katastrophenjahre“, besagt der Aberglaube. In diesen Jahren sollte man keine Häuser bauen und keine Ehe schließen. Am Schalttag geborene Kinder müssen nicht nur damit klarkommen, nur alle vier Jahre ihren richtigen Geburtstag feiern zu können, sondern auch, von Geistern heimgesucht zu werden. Und zu allem Überfluss wird es so richtig kalt, besagt eine Bauernregel. Müssen wir 2020 also mit dem Schlimmsten rechnen? Quelle: MDR

Jetzt erwischt uns die Pandemie mit voller Kraft, ab Dienstag sind die Schulen bekanntlich geschlossen, 5 Wochen zu Hause bleiben. Eine Kraftprobe, die viele Menschen in China schon viel länger dort aushalten. Kinder und Mann werden also zu Hause bleiben, ich darf im Rathaus Dienst tun, die Urlaubssperre war zu erwarten. Immerhin haben wir Arbeit und werden bezahlt, da geht es anderen nicht so gut. Also kein Jammern bitte.

Die Reisepläne zur Wohnungssuche in Singapur liegen jetzt auf Eis. Würden wir einreisen wollen, müssten wir zwei Wochen in Quarantäne dort. Macht also keinen Sinn, wenn ich nur eine Woche dort hin will. Aussitzen und gesund bleiben lautet die Devise. Kaum waren die Schul- und Kitaschließungen bekannt, wurden die Supermärkte hier erneut gestürmt. Ich vermute es wird keiner verhungern in den nächsten Wochen. Warum seit einer Woche das Toilettenpapier überall ausverkauft ist, bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Wenn es das Weinregal wäre, … 🙂 mal sehen wie es in fünf Wochen dort aussieht. Katzenfutter war auch noch reichlich vorhanden.

13.03.2020 – Toilettenpapier ausverkauft
Die verpackten Seifenkisten-Flitzer sahen schon etwas makaber aus diese Woche.
Humor nicht vergessen in Krisenzeiten

Das Haus wir leer(er) – 01.03.2020

Nachdem wir in den letzten Wochen versucht haben, dem Chaos im Keller Herr zu werden, ist ein großer Teil jetzt geschafft. Dank lieber Freunde, die mit großem Auto dienen und beim Ein- und Ausladen helfen konnten, war das Umziehen der Sachen, die eingelagert werden, doch schnell geschafft.

Wenn Fotografen die Wände leeren.
Großer Bus bedarf einer Einweisung

Über 50 Kisten und zwei Schränke, viele gerahmte Fotografien, ein Schlitten, ein Fahrrad, eine Puppenstube und noch ein paar andere Dinge passten in den Transporter. Wer weiß, ob wir uns freuen, wenn wir die irgendwann alle wieder auspacken müssen.

Von leer zu voll dauerte es knapp 4 Stunden.
Lagerarbeiter – noch lachen sie
Alles hineingepasst und noch etwas Luft.

Das Wochenende im Vogtland war trotz der vielen Plackerei ganz lustig. Obwohl hier noch kein Corona-Fall nachgwiesen wurde, gab und gibt es wohl Hamsterkäufe in den Geschäften. Auch hier keine Chance mehr an Handdesinfektionsmittel zu kommen. Dafür gab es Alternativen für die üblichen Atemschutzmasken. Wir haben uns dann für dieses Modell entschieden, schreckt vermutlich nicht nur Viren ab.

Mach den Gorilla für mich.

Ich vermute ja, dass die Grenzen zwischen West und Ost kurzfristig und heimlich wieder geschlossen wurden. Das Schaubild könnte einen das fast glauben lassen. Quelle: welt.de

Keine Viren im Osten!

Über ein kurzes Winterintermezzo freuten wir uns. Dauerte aber keine Nacht, dann war alles wieder verschwunden. Und der Frühling steht bereits in den Startlöchern. Auch wenn der Februar in diesem Jahr einen Tag länger brauchte, die Temperaturen sprechen eine andere Sprache.

Schnee? Ja!

Corona kommt näher – 24.02.2020

Italien hat es nach Frankreich nun auch mit dem Coronavirus erwischt. 230 Erkrankte, 6 Tote (Stand am 24.02.) – so schnell verbreitet sich dieser hoch ansteckend Virus jetzt in Europa. Ich habe Masken bestellt, beim großen Onlinehändler sind sie schon rar, in der Apotheke nur mit Wartezeiten zu erhalten. Am 11. März sollen sie geliefert werden. Es ist kein Panikkauf, hätte vor der ersten Reise nach Singapur sowieso welche für uns bestellt. Ob die etwas bringen? Hände waschen und Menschenmassen vermeiden wohl eher. Nicht einfach, wenn man in einer Behörde arbeitet und täglich Publikumsverkehr hat. Aber jede Kassiererin im Supermarkt ist wohl noch mehr Viren und Bakterien ausgesetzt. Wir vertrauen einfach darauf, dass Europa und dann wohl bald auch Deutschland auf die Coronapatienten vorbereitet sind und alle besonnen bleiben. Panik hilft keinem, auch wenn ich öfter das Gefühl habe, das sich immer mehr von „Jeder ist sich selbst der Nähste.“ in der Gesellschaft ausbreitet.

Der Keller sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber es ist auch schon viel geschafft. Kartons stapeln sich, die Mülltonne füllt sich, die Säcke für Spenden nach Osteuropa ebenso, man findet immer wieder Dinge, die schon ewig aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Am Freitag werden die ersten Sachen ins Lager gebracht.

Angebote der Speditionen trudeln ein, darum dürfen wir uns jetzt selbst kümmern. Vielleicht wird es die, mit der wir damals nach Indien umgezogen sind. Die kennen wir schon und waren sehr zufrieden.

Das Haus steht zur Weitervermietung bereits im Internet, bald werden die ersten Interessenten zur Besichtigung kommen.

Henri ist weg. So leer auf dem Stellplatz jetzt. Aber er hat sehr nette neue Eigentümer bekommen und wird diese im Sommer nach Portugal fahren.

Abschied

Ach ja, ein bisschen Fasching gab es auch, im Ländle heißt das ja Fasnet.

Perücken verrücken!

Der Stand der Dinge am 19.02.2020

Die finale Genehmigung Seitens der Firma ist nun endlich da! Juhu. Jetzt können die Teams in Singapur endlich mit dem Visaantrag und dem Antrag auf Arbeitserlaubnis voran gehen. Ein weiterer Schritt in Richtung Ziel ist gemacht, noch viele weitere liegen vor uns.

30 Kisten sind im Haus gepackt, die ersten Sachen verkauft. Am Samstag müssen wir von Henri Abschied nehmen. Unsere Camper wird ins Münsterland umziehen und dort einer anderen Familie hoffentlich viele schöne Reisen und Abenteuer bescheren. Wir hatten einige sehr schöne Erlebnisse mit ihm und werden uns gerne daran zurück erinnern.

Das Corona-Virus hält die asiatische Welt weiterhin in Atem. Aktuell gibt es 81 bestätigte Erkrankte in Singapur. Die Regierung dort schickt alle Rückkehrer aus China für zwei Wochen in Quarantäne. Dafür wurden auch Kinosäule und Sporthallen als Notunterkünfte umfunktioniert. Es sind dragonische Strafen, bis hin zum Entzug der Arbeitserlaubnis, angedroht worden, für die Leute, die sich nicht an die Quaratänemaßnahmen halten. Die Millionenstadt ist mit großflächiger Überwachungstechnik ausgestattet und nutzt alle Möglichkeiten die „Gesetzesbrecher“ zu identifizieren.

Der private Konsum in China machte bis zum Virusausbruch 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Eine interessane Zahl aus dem Zeitartikel vom 19.02.2020 „Wer in Quarantäne ist, fällt am Fließband aus.“

Was mich gerade sonst noch beschäftigt:

Ich schaue alle in den Mediatheken verfügbaren Dokumentationen zu Singapur an. Auch wenn der eigene Eindruck dann sicher ein anderer sein wird. Ich habe eine Seite gefunden, die den Sonnenauf- und -untergang in Singapur anzeigt. Sehr konstant die ganze Angelegenheit. Im Juni geht die Sonne um 07:00 Uhr auf und um 19:09 Uhr unter. Die Schwankungen dieser Zeiten betragen max. 20 Minuten über das Jahr gesehen. https://www.sunrise-and-sunset.com/de/sun/singapur/singapore

Fotos vom Auszug in Peking im Juni 2014 waren auch wieder interessant. Wie viele LKWs standen damals vor der Tür? Zwei, also haben wir Platz für unsere Möbel, die mitkommen sollen.

Letzter Tag in Peking – ausgerechnet ein Corona-Bier

Es geht wieder los. – 12. Februar 2020

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Wenn das Leben neue Pläne für einen bereithält, ändern sich auch sofort die Gewohnheiten. Nie würde mich eine Statistik über Virenerkrankte so interessieren wie in diesen Tagen und vermutlich den kommenden Wochen. Mehrmals täglich wird diese Seite aktualisiert, man kann den Erkrankten quasi beim Sterben zuschauen, wenn die Zahlen wieder gestiegen sind. Ein Horror! Corona hat unsere Pläne gleich am Anfang durcheinander gewirbelt und eingetrübt. Auch in der Stadt, die wir wohl ab Frühsommer unser neues Zuhause nennen werden , gibt es Infektionen mit dem Coronavirus. Derzeit sind 50 Personen erkrankt, was bei einer Einwohnerzahl von 5.703.600 gerade einmal 0,0008766 % Betroffene bedeutet. Bis jetzt gibt es keine Todesfälle in der Stadt, aber die Alarmstufe steht bereits auf Orange.

Ich denke an die vielen Menschen in China, auch an unsere Zeit in Peking. Wir wären dort jetzt wie Tausende gefangen in der Wohnung, in Angst und Sorge um die Kinder und einen selbst. Berichte lese ich gerade sehr viele, die alle wenig Mut und Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage machen. Fast 1400 Menschen sind dem Virus bereit erlegen, so viele Schicksale und Hinterbliebene, die um ihre Angehörigen trauern.

Singapur 2011 bei Tag
Singapur 2011 bei Nacht

Ich kenne die Stadt bzw. den Staat Singapur eigentlich nur aus den Medien, gerade einmal 4 Stunden durfte ich sie 2012 bei einem kurzen Aufenthalt auf dem Rückweg von Australien nach Indien beschnuppern. Heiß ist es dort, kein Wunder der Äquator liegt quasi um die Ecke und tropisches Klima ist damit vorprogrammiert. Schirm und Wasserflasche gehören dort dann sicher demnächst zur Standardausrüstung beim Verlassen der Unterkunft. Wer sich selbst einen kleinen Einblick verschaffen möchte, dem lege ich diese Doku ans Herz: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/laender-menschen-abenteuer/Wunderwelt-Singapur-Geisterjaeger-und-Himmelsstuermer,lma1834.html

Momentan beginnen die Vorbereitungen mit den für uns bereits bekannten Aktivitäten. Visa-Anträge ausfüllen, neue Passbilder machen lassen, Schulab- und -anmeldungen für die Kinder, Kündigungen schreiben, Fahrzeuge verkaufen, Haus aussortieren. Gefühlt türmt sich da der Mount Everest vor einem auf. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es machbar ist, wäre es zum Verzweifeln. Noch haben wir gut 3 1/2 Monate Zeit und am Ende wird hoffentlich alles gut.

Reisepläne, um eine neue Bleibe zu suchen, werden so weit wie möglich verzögert. Die Besorgnis um die weitere Ausbreitung des Virus schreckt uns gerade ab, in Richtung Asien aufzuberechen. Aber allzu lange können wir damit auch nicht warten. Zweifel kommen auf, ob die Entscheidung überhaupt richtig war. Wir können nur darauf vertrauen, dass die Regierungen in China und Singapur ihr Bestes geben, um der Lage Herr zu werden. Verrückmachen ist für uns jetzt keine Option, besorgt sein reicht fürs Erste auch schon.

Im Keller wird gestapelt und geradelt.

Die beiden üblichen Fragen tauchten bei den vielen Gesprächen mit der Familie, Freunden und Kollegen ebenfalls wieder auf. „Was sagen denn eure Kinder dazu?“ – natürlich waren sie beide in den Entscheidungsprozess eingebunden und finden es im Großen und Ganzen aufregend. Allerding sind Tränen wohl ebenfalls erwarten und es wäre schlimm, wenn keine fließen würden. „Und was machst du dann dort?“ – das wird sich zeigen, ich werde berichten, es wird sicher nicht langweilig …

Wer leben will, muß das Fieber riskieren.

Friedrich Hebbel
(1813 – 1863)