InSeL LeBeN

Daumen drücken bitte – 28.06.2020

Entspannte Ella

Es bewegt sich was. YEAH! Am Montag wird unser Antrag auf Einreise für den 06. Juli offiziell abgegeben. Wir hoffen, dass dieser gleich genehmigt wird. Da heißt es jetzt bitte alle Daumen drücken und abwarten. Seit gestern steht Deutschland wohl auch auf der Liste, die für Singapore erleichterte Bedingungen haben. Offiziell gibt es dazu aber keinen Hinweis auf den Riegierungsseiten. In Quarantäne müssten wir dennoch, aber eventuell können wir selbst bestimmen, in welchem Hotel. Die ganzen Vorgaben und Regelungen sind ein echter Behördendschungel. Zum Antrag muss man z.B. auch schon eine Mobilfonnummer eines Providers in Singapur angeben. Ein Kollege von Steffen hat uns diese zwei Woche Prepaidkarten gekauft und freischalten lassen. Die Karten wird er dann für uns im Hotel abgeben und wir können von der Gesundheitsbehöre erreicht werden. Auch zwei Fieberthermometer habe ich noch gekauft, jeden Tag müssen wir uns selbst messen und die Daten sind per SMS übermitteln.

Wenn die Genehmigung erteilt wird, bricht wohl eine hektische Woche an. Die ToDo Liste für die knappe Zeit vor dem Abflug ist lang. Ohne konkretes Anreisedatum konnten wir bisher nicht wirklich etwas unternehmen. Flug buchen, Abmeldung vom Wohnort, den Schulen, Koffer packen, geliehene Sachen zurück bringen, Freunde verabschieden…

Schau mir in die Augen.

Wir wären froh, wenn die Warterei endlich ein Ende hat. Auch wenn uns viele vermissen werden und wir natürlich ebenso mit einem traurigen Auge wegfliegen. Das halbe Jahr seit unserer Zusage für das Abenteuer Singapur waren keine einfache Zeit. Corona machte es zusätzlich anstrengend für uns alle. Ich bin sehr stolz auf meine Familie, wie sie das alles gemeistert hat. Wir freuen uns, wenn es jetzt endlich los geht.

Längster Tag im Jahr wurde in die Nacht verlängert. Abschied 1
Versteckspiel mit Katze – Abschied 2
Zum Zweiten Mal – Abschied 3

Mit lieben Freunden noch Zeit verbringen. Zusammen grillen, Filmabend oder beim Brunch mit anschließender Abkühlung am Fluß. Herrlich.

Was zu feiern gibt es jedes Jahr. Hochzeitstag zum Beispiel.
Meine Lieblingsstraße
Der Sommer ist da.
Abendrunde mit Aussicht

Die Weite hier um unser Dorf wird mir sicher fehlen in der Großstadt.

Abtauchen – 17.06.2020

Schwielochsee

Noch immer sind wir in Deutschland und warten auf eine Genehmigung zur Einreise in Singapur. Der Lookdown ist seit 01.06. offiziell beendet, ab 19.06. soll es in Phase 2 weitere Lockerungen geben. Für erste Länder wurden die strengen Quarantäneregelungen bei Einreise nach Singapur aufgeboben (gültiges Visa vorausgesetzt). So zum Beispiel für Australien, Vietnam, Hongkong und Taiwan. Mit unseren vorläufigen Visa benötigen wir noch immer eine extra Genehmigung der Regierung und müssten Stand jetzt sofort zwei Wochen in Quarantäne, wenn wir einreisen. Darauf haben wir ehrlich gesagt keine Lust, auch wenn die Unterbringung in einem Hotel mit Vollverpflegung stattfindet, zwei Wochen in Zimmern eingesperrt zu sein, stelle ich mir nicht einfach vor. Aber wenn es gar nicht anders geht, würden wir es wohl auf uns nehmen.

Die zweite Woche der Pfingstferien nutzten wir darum ausgiebig, um abzutauchen und die Natur zu genießen. Ich erlaubte mir zwei extra Tage allein beim Fotokurs in Leipzig, allein die Hinreise mit dem Zug war sehr interssant. Entlang der Bahnstrecke fielen mir die vielen Abbruchhäuser, Fabriken oder andere Gebäude auf. Sicher ein spannenden Fotoprojekt, die alles zu dokumentieren. Allein die Zeit dazu fehlt.

Alte Post Auerbach – Außer Betrieb, jetzt wohl als Lager genutzt.
Hier speist schon lange Keiner mehr.
Buntes Leipzig
Waffenverbotszone rund um die Eisenbahnstraße
Eiskaffe a lá Vietnam – Sehnsuchtsstiller

So richtig abtauchen konnten wir wirklich in Brandenburg. Ich werde dazu noch einen ausführlichen Text schreiben, den ich auf die Seite stelle. Zumindest vier der fünf Personen konnten die ruhigen Tage auf dem Dorf direkt an der Spree genießen. Der Herr im Haus musste weiterhin unsere Brötchen (oder Fischsemmeln), den leckeren Kuchen und die Bockwurst verdienen. Immerhin war der Arbeitsplatz mit Ausblick ein Plupunkt für ihn.

Besuch kann man auch im Urlaub genießen, Hamburg liegt einfach näher an diesem Ort als an Altdorf. Birgit nahm die Strecke sogar mit dem Motorrad in Kauf. Wir feierten Ellas 12. Geburtstag, schipperten die Spree entlang, hörten den Störchen beim Klappern und den Fröschen beim Quaken zu, beobachteten die Mauersegler und Schwalben beim abendlichen Insektenjagen und tauchten in mehrere der umliegenden Seen ab. Eine Gegend, die einem einmal mehr klarmachte. Weniger ist machmal einfach doch viel Mehr.

Spree vor der Tür
Schattenriesen
Spiegelnde Oase der Ruhe
Hühnersteg
Einer der vielen Seen
Krönchen für die Jüngste
Ziegelkrone für die Haustüre
Fenster in Burg
Shoppingqueen
Fast wie am Meer
Schilf

Brandenburg bleib so wie du bist!

Heimatluft schnuppern – 05.06.2020

Vogtland, nicht Kanada, aber nah dran.

Nach den letzten Anstrengungen mit dem Hausauszug brauchten wir ein paar Tage frei, die Pfingstferien kamen da gerade recht. Wir packten also einige unserer Koffer und alle restlichen Sachen, die nicht mitgenommen werden ins ferne Singapur, und fuhren ostwärts. Die Heimat mit Familie dort lockt uns immer wieder an. Pfingsten in Leipzig bei bestem Wetter zum Baden und für ein wenig Kultur tat einfach gut. Hasen durften wir auch streicheln, der Hans wohnt jetzt bei meiner Schwester.

Ella mit Hans, Hase mit Riesenfüßen
Karli in Leipzig
Morgenlicht

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig hatte ich zuletzt 2003 zu einem Open Air Konzert besucht und danach nur aus dem Busfenster bei einer Stadtrundfahrt bestaunt. 2013 wurde es pünktlich zum 200. Jahrestag der berühmten Schlacht Napoleons nach aufwendigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet. Von der schwarzen Patina der letzten Jahrzehnte ist weder innen noch außen etwas zu sehen. Beeindruckend schauen die riesigen Statuen von oben herab. Den Blick über Leipzig und das Umland konnten wir nur von der unteren Plattform in 57 Metern Höhe schweifen lassen. Die obere in 91 Metern Höhe war wegen Corona-Auflagen für die Besucher gesperrt.

Völkerschlachtdenkmal Leipzig
Cool Gang mit neuem Mitglied
Rundblick in fast 60 Metern Höhe

Quelle: https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/tourismus/sehenswuerdigkeiten/voelkerschlachtdenkmal/

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 war Leipzig Schauplatz der Völkerschlacht. Die verbündeten Heere Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens errangen dabei den entscheidenden Sieg über Napoleon und dessen Alliierte auf deutschem Boden. Die Bilanz: 600.000 beteiligte Soldaten aus über zwanzig Völkern, 100.000 tot oder verwundet und eine Typhus-Epidemie in Leipzig, die zehn Prozent der Einwohner das Leben kostet.

Bereits ein Jahr nach der verheerenden Schlacht hatte der Dichter Ernst Moritz Arndt die Idee zu einem Denkmal, das die Gefallenen ehren sollte. 1894 gründet der Leipziger Architekt Clemens Thieme den Deutschen Patriotenbund mit dem Ziel, Spenden für die Errichtung des Denkmals zu sammeln. 1898 reichte die Summe aus, der Grundstein konnte gelegt werden.

1913 wurde das Völkerschlachtdenkmal als Nationaldenkmal eingeweiht.

Bevor es dann in der zweiten Woche in den Spreewald geht, gab es für die Jüngste eine kleine Überraschung zum baldigen Geburtstag. Sie wollte unbedingt in einem Tinyhouse wohnen. In Schöneck gibt es zur Ferienunterkunft ausgebaute Seecontainer. Zwei Nächte gönnten wir uns in dieser schon außergewöhnlichen Unterkunft. Der Ausblick besonders am Abend war einladend, nur der Sessellift störte etwas die Optik. Aber die meisten Gäste kommen wahrscheinlich als Biker oder Skifahrer, um sich dort die Hänge hinunter zu stürzen. Die Inneneinrichtung bot alles was das Herz begehrte, minimalistisch aber sehr praktisch und dank schönem Wetter machte es wirklich auch zu viert auf engem Raum Spaß. Jetzt wissen wir auch, wie viel Platz in einem großen Container ist. Wer dieses Erlebnis auch einmal möchte, kann hier schauen: www.berg-heim.de

Drop In Please
Abendrot über Schöneck
Reklame!
Vorsperre Muldenberg – Natur pur

Ach ja, der Flugverkehr zwischen Singapur und China wurde wieder aufgenommen, der strenge LockDown in der Stadt zum 01. Juni gelockert. Wir hoffen, dass wenigstens Steffen demnächst eine Einreiseerlaubnis bekommt. Bis Mitte August hoffen wir dort alle endlich anzukommen.

Kreatives Kind

Leer gefegt in 2 Tagen – 23.05.2020

Die Tür ging auf, fünf russische Umzugsmänner stürmten ins Haus und ruck zuck war der komplette Hausstand eingepackt. So schnell waren sie, dass wir nicht mal Zeit hatten, die Zeitschriften vom Tisch zu räumen und diese jetzt im Hab&Gut irgendwann auf die Reise nach Singapur gehen werde. 280 Kisten (die Möbelstücke inklusive) standen am Ende auf den Packlisten. Pro Person 70, schon irgendwie viel, was wir so in den letzten Jahren angesammelt haben. Ein Teil kommt gar nicht mit und wurde in einem Lagerraum verstaut, wer braucht schon Ski, Winterjacken oder eine Campingausrüstung im heißen tropischen Singapur. Wenn der Transporter für unsere Sachen pünktlich gekommen wäre, dann hätten alle einen halben Tag eher in Feierabend gehen können. Die Mannschaft hat es mit Humor genommen, Mittagsschlaf gehalten und uns bei den anderen schweren Gütern geholfen. Als der Monstertruck dann innerhalb von einer Stunde beladen war, atmeten wir alle auf. Mal sehen, wann wir die vielen Kisten wieder auspacken dürfen.

Bestes Umzugswetter
Kinderzimmer 1 verpackt
Kinderzimmer 2 verpackt
Ein Meer an Kisten und Paketen, sieht aus wie das DHL Verteilzentrum.
Sehr lang und viel Platz, das Auto noch hinein vielleicht?
Gut verpackt und verladen. Kind darf fliegen.

Jetzt heißt es aus Koffern leben, immerhin haben wir viele davon. Einige der alten Exemplare waren gut erhalten, andere eher nicht, da musste für jeden noch ein Neuer her. Auch den Friseur konnten wir endlich wieder besuchen und den Wuchs der letzten Wochen trimmen lassen. Natürlich nur mit Maske, Händedesinfektion und Handschuhe für die Friseure. Das Lachen erkennt man zum Glück auch an den Augen und der Stimme.

Farbenvielfalt
Vorher gab es noch schnell ein Styling von Ella
Erste Abschiedsgeschenke

Mit den lieben Freundinnen aus dem „Dorf“ ein letztes Kaffeekränzchen im Haus gehalten. Endlich haben wir eine Kuckucksuhr, die dann im fernen Asien an die Zeit in Baden-Württemberg erinnern wird. Kuchen und Schokolade werden sicher noch vor der Abreise vertilgt. Den großen Hausputz verteilen wir auf ein paar Tage, schließlich muss man sich hier im Ländle auch nach den Öffnungszeiten des Wertstoffhofes richten. 😉

Jetzt konnten wir ein paar Tage die vogtländlische Luft genießen. Im Schoß der Familie gutes Essen & Wein genießen, die Natur nicht zu vergessen.

Große Leere in allen Räumen
Heimat
Am See
Beine mal hochlegen!

Wer es einmal geschafft hat, seine Sehnsucht Vorfreude zu nennen,

der kann nie wieder richtig unglücklich sein.

© Peter Hohl

Die letzte Woche im Haus – 12.05.2020

Kind in der Kiste

Die letzte Woche im Haus ist angebrochen. Nächsten Dienstag wird es hier schon sehr leer sein, nur die restlich verbliebenden Sachen für das Lager müssen dann noch weggebracht werden. Müll entsorgt, Fenster geputzt und Böden gereinigt natürlich auch. Viel Arbeit steht also an, aber gemeinsam schaffen wir das. Auch Freunde bieten Hilfe an, was uns sehr freut. Ella verabschiedete sich von ihrem Kleiderschrank und nahm für ein letztes Foto darin Platz. Er hat einen neuen Besitzer gefunden, wie auch der Gefrierschrank und das Fahrrad von Lotte, das es noch bis Dresden schaffen muss.

Coole Oma & Enkeltöchter

Wir freuten uns, endlich die Mama & Oma bei uns zu haben, genossen die Fürsorge und das gute Essen. Auch als Aushilfslehrerin machte sie einen tollen Job und könnte wirklich in der Hausaufgabenbetreuung anfangen. Die Kinder vermissen sie jetzt schon wieder, aber die Zeit bis zu den Pfingstferien verfliegt wahrscheinlich so schnell, und dann gibt es ein Wiedersehen im Vogtland.

Bier oder Kleid – das ist hier die Frage

Wenigstens einen Ausflug schafften wir in der letzten Woche, wir gönnten uns ein paar Stunden in der Tübinger Altstadt, ein Eis, einen Kaffee auf der Parkbank und Bücher aus meiner Lieblingsbuchhandlung. Flair und Atmosphäre kommen ohne die vielen schönen Cafés und Straßenrestaurants allerdings nicht wirklich auf. Seltsam still war es noch immer in den Gassen dort.

Der einzige Tisch in Tübingen stand zur Deko und Verkauf da.
Noch einen Sitzplatz gefunden
Lagerfeuerromantik

Bevor die Mama wieder nach Hause fuhr (endlich gibt es auch einen Direktzug von Stuttgart nach Leipzig), wurde das gesammelte Holz im Garten verbrannt. Freunde kamen und leisteten uns schön mit Abstand verteilt um den Feuerkorb Gesellschaft. Zu jedem Holz gab es eine Geschichte zu erzählen. Rinde aus Weimar, vom Baum der dort gefällt wurde, Fundhölzer von der Ost- und Nordsee, ein rustikaler Weihnachtsstern wurde gleich wieder aus dem Feuer gerettet und findet jetzt Platz im Garten der Freunde. 🙂 Wir haben viel gelacht an diesem schönen Abend.

Die ersten Sommerwolken sind da.
Die letzten Eisblumen tauten schnell wieder weg.

Im Haus sortierten wir noch die Rezeptsammlung aus, um dabei auch einige alte Schätze zu finden. Oma Rosel hatte viele nützliche Haushaltstipps aus den Zeitungen von damals ausgeschnitten. Wir bekamen Hunger auf den Nusskuchen, den sie immer gebacken hatte, wenn wir zu Besuch dort waren und die selbst eingelegten sauren Gurken aus ihrem Keller. So eine Rezeptsammlung macht erst richtig Spaß, wenn sie Generationen überdauert und gepflegt wird.

Alte Zeitschrift
Nährmittel Kuchen

Und zum Muttertag in diesem Jahr gab es ein sehr schönes Wiedersehen mit Binia und ihren Töchter in Stuttgart. Die hatten wir 2014 in Peking verabschiedet und freuten uns jetzt, dass sie hier wegen der Corona-Pandemie gestrandet sind. Manchmal haben die seltsamen Zeiten momentan auch etwas Gutes. Es wird sicher nicht das einzige Treffen bleiben, bis wir alle in unsere neuen bzw. alten Zuhauses zurückkehren können.

Momentan Mitte!

Der Mai ist da. – 04.05.2020

Schon im fünften Monat ist dieses Schaltjahr und irgendwie habe ich das Gefühl, das Jahr hat noch gar nicht richtig begonnen. Die wenigen Unternehmungen, die zwischen Umzugschaos und Nervenaufreibung stattfinden, können nicht darüber hinwegtäuschen, gefühlt noch im Januar zu verweilen. Keine Reisen, wenig Besuch von Familie und Freunden, keine Geselligkeit. Dafür stapeln sich wieder Kisten und Kartons im Haus, die neuen Mieter messen schon wie Wände und Fenster aus. Die letzten beiden Wochen hier in der Reihenhausidylle brechen an. Wehmütig werde ich dabei nicht, noch überwiegt die Freude auf das neue Zuhause. Ein Umzug bedeutet immer einen Neuanfang, auch wenn dieser mit Stolpersteinen gepflastert ist und nicht so einfach über die Bühne gehen wird, als geplant.

Wir schaffen das trotzdem und die Freude wird dann hoffentlich umso größer sein, wenn das Ziel erreicht ist.

Ein Sorgenfresser ist immer eine gute Anschaffung

Singapur ist von der zweiten Infektionswelle überrollt worden, die vielen in engen Wohnheimen lebenden Wanderarbeiter haben den Virus innerhalb der letzten vier Wochen fleißig untereinander verteilt. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an der Eindämmung, Ausgangsbeschränkungen und Quarantäneanordnungen werden extrem kontrolliert und bei Verstößen mit hohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen geahndet. Der Look Down gilt bis zum 01. Juni. Weiterhin sind wir zum Abwarten verdammt.

Zu klein hinter dem Ohr
Passt

Inzwischen werden wir von lieben Freunden mit schönen Masken versorgt und haben uns an die Dinger gewöhnt. Zum Glück müssen wir sie nur beim Einkaufen tragen. Aber schon der Besuch beim Optiker heute war sehr speziell. Betreten mit Maske, Brillen holt nur die Mitarbeiter aus dem Regal, Anprobe hinter einer Glasscheibe dann ohne Maske möglich. Alle Brillengestelle werden nach der Benutzung wieder gereinigt. In zwei Wochen darf ich zum Frisör, das wird dann sicherlich auch ein Erlebnis.

Cool Gang – Sport frei!
Veganer Schokoaufstrich

Unsere Große versucht ihre vegetarische Ernährung ein bisschen mehr vegan zu gestalten. Der Frühstücksbrei wird mit Hafermilch gekocht. Das Nutella durch eine Variante ohne Milch und Palmöl ersetzt. Schmeckt anders, aber sehr gut. Tiere mag sie schon seit zwei Jahren nicht mehr essen, die Tierprodukte sollen weniger werden. Wir sind die stillen Nutznießer und lassen uns gerne überraschen von ihren Kompositionen aus der Küche.

Tempo runter

Auch im Ort gibt es umwelttechnisch etwas Neues. Pünktlich zum Tag des Lärms wurden entlang der Ortsdurchfahrt neue Geschwindigkeitsschilder montiert. Ab jetzt heißt es langsamer und leiser. Die Anwohner der Straße hatten das schon lange herbei gesehnt. Erstaunlich schnell haben sich alle daran gewöhnt und halten sich größtenteils daran.

Abstand beim Wandern und Pausieren

Nach fünf Monaten haben wir einen Teil der Familie wieder gesehen. Zum langen Wochenende über den 1. Mai waren Sie angereist. Auf den Wanderwegen der Umgebung waren zwar viele Leute unterwegs, aber Abstand zu halten machbar.

Mutti & Töchter

dritter mai

spürst du es?

ich liebe dir
entgegen
sehnsucht eilt
mir
voran
stummfreudige
küsse
stolpern zu
dir

zeit heimzukehren.

© Cosima Bellersen Quirini
In voller Blüte

Hoffnungsschimmer – 24.04.2020

Zwischen heiß und eiskalt.

Besser könnte ich meine Emotionen gerade nicht auf einem Foto zusammenfassen. Schweißgebadet oder eiskalter Schauer, alles war in den letzten 10 Tagen dabei. Singapur verlängert die noch einmal verschärften Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen bis zum 01. Juni. Damit verschiebt sich unsere geplante Einreise wohl weiter nach hinten im Kalender 2020. Die Kinder können wahrscheinlich das Schuljahr ganz normal (wenn auch im home schooling) beenden und sich vielleicht sogar noch persönlich von ihren Freunden verabschieden. Wir ziehen wie geplant am 18. / 19. Mai aus unserem Haus aus und werden ersteinmal woanders unterkommen.

Ab 22. Mai kann wohl zumindest für Steffen eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise nach Singapur beantragt werden. Es heißt jetzt also weiterhin abwarten, ob diese dann auch tatsächlich genehmigt wird. Dann müsste er innerhalb von 10 Tagen dort einreisen und in eine zweiwöchige Quarantäne gehen. Danach hoffenlich eine neue Bleibe für uns suchen und finden, so dass wir es vielleicht doch schaffen, bis zum Schulstart Mitte August hinterher zu kommen.

Team Thoß

Darum werden wir jetzt die gemeinsame Zeit noch intensiver genießen und schauen etwas optimistischer in die nahe Zukunft. Weiterhin Daumendrücken hilft uns natürlich auch immer noch.

Eine schöne Wanderung führte uns auf die Burg Hohenneuffen vom idyllischen Örtchen Beuren aus. Traumhaftes Wetter, ein nach Bärlauch duftender Wald und eine grandiose Aussicht vom Burghof belohnten den steilen Anstieg.

Hoch hinaus zur Burg
Geschichtsträchtiger Ort
Weitblick

Während die Natur zur vollen Blüte ansetzt, alles wieder mit gelbem Pollen eindeckt und die Allergiker nervt, wachsen auch die Haare bei uns munter weiter. Wer weiß wann wir einen Friseurtermin bekommen. Daher musste zumindest der Mann im Haus endlich ein bisschen getrimmt werden, bevor sich Bart und Kopfhaar noch vereinigen. Für den ersten Herrenhaarschnitt in meinem Leben gar nicht so schlecht gelungen.

Blütenpracht überall
Einmal Schneiden und Legen bitte

Da ab Montag die „Maskenpflicht“ in Baden-Würrtemberg zumindest für den öffentlichen Nahverkehr (klingt auch irgendwie seltsam oder?) und den Einkauf vorgeschrieben ist, haben wir uns dem Thema angenommen und ein paar weitere Varianten ausprobiert. Das Visier gab es von meinem Arbeitgeber, für den Fall das die Brille anläuft beim Tragen eines Mundschutzes. Naja, etwas unbequem und zu schwer für den längeren Gebrauch. Auch die Spiegelung ist nicht opitmal für das Arbeiten am PC.

Space X Expedition am Arbeitsplatz
Das richtige Tragen muss noch geübt werden.

Die Ausräumarbeiten sind in den letzten Zügen. Schränke werden ausgemistet und letzte Kisten für die Einlagerung gepackt. Ebay mit Verkaufsgegenständen geflutet, in der Hoffnung trotz Coronakrise etwas loszubekommen. Bald heißt es Koffer packen für die verbleibenden Wochen in Deutschland.

Fund im Gewürzregal – Lieblingspuzzel meiner Mädels

Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist. Denn der Traum von gestern
ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.

Robert Goddard(1882 – 1945)
Flugleerer Himmel über Altdorf

Nervosität – 14.04.2020

11 ruhige Tage liegen seit dem letzen Update hinter uns. Singapur hat aufgrund der gestiegenen Fallzahlen jetzt ebenfalls verschärfte Maßnahmen für die Stadt und die Einreise verhängt. Zunächst bis zum 04. Mai. Wir dürfen trotz eines bereits temporären Visa nicht einreisen und müssen somit weiterhin abwarten. Hoffen, dass es bald eine Lösung gibt, zumindest für geschäftliche Zwecke das Land wieder betreten zu dürfen. Wir sind nicht die Einzigen, denen es momentan so ergeht und viele Familien weltweit sitzen quasi auf gepackten Koffern.

Yoga hilft

Ich übe mich in Geduld, Yoga hilft ganz gut, dennoch zehrt diese Situation an den Nerven. Wir werden den Auszug wie geplant am 18. Mai starten und bis 31. Mai das Haus komplett leer übergeben. Danach hat sich eine Übergangslösung gefunden, so dass wir bis Ende Juni in Altdorf bleiben können. Die Kinder vielleicht nach Pfingsten noch zwei Wochen Schule mitmachen dürfen und sich hoffentlich im Juli die Lage für einen Start in Singapur entspannt hat. Dort startet der Unterricht ab 19. August, was sich optimistisch anhört.

Wandern hilft auch. Weitblick inklusive.
Zeit zu Zweit

Gerne würden wir uns hier in großer Runde von den Freunden verabschieden, aber ob das in Zeiten von Abstandhalten so schön und sinnvoll ist, bezweifeln wir gerade. Am 1. Mai ist eine Wanderung mit ein paar Freunden geplant, die laut den derzeitigen Regeln zwar stattfinden darf, aber wir müssten dann familienweise mit Abstand zueinander laufen. Darauf hat nicht wirklich jeder Lust, die Kinder wahrscheinlich erst recht nicht. Für Wanderungen mit Kindern ist es immer interessanter, wenn die Kinder der Freunde auch mitkommen und sie unterwegs unter sich sein können.

Dinos auf dem Weg
Brücke Nr. 1
Brücke Nr. 2

Nach drei Wochen zu Hause ohne Schule und Freunde sind unsere beiden Mädels am letzten Freitag sogar wieder „freiwillig“ mit zum Wandern gegangen. Nicht dass wir sie sonst zwingen müssten, aber die Lust an dieser Freizeitbeschäftigung ließ in den vergangenen Monaten etwas nach . Da sind wir öfters zu zweit unterwegs gewesen. Die 16,5 km im nördlichen Schwarzwald rund um Wildberg waren dann ein anstrengender Brocken, aber dank einiger Abwechslungen auf dem Weg trotzdem sehr schön, vielleicht bringt uns der „Hella-Glück-Stollen“ ein wenig Glück.

Glück am Karfreitag
Schnell noch Eier gefärbt

Ostern feiern wir immer schon eher klein, da wir keiner Religion angehören. Ein paar Eier bunt zu färben und kleine Geschenke verstecken gehört trotzdem dazu. Dieses Jahr haben wir Kuchen gebacken und spontan die nah wohnende Familie eingeladen. Der Garten war erfüllt von Vogelgezwitscher und Freudenrufe der Kinder, wenn das Osternest gefunden wurde. Ein paar schöne Stunden, die alles vergessen ließen.

Von der Freundin gabs Riesenhase
Happy Easter Kids
Die Damen bei der Handarbeit

Jetzt warten wir wie alle anderen gespannt auf den Mittwoch und die Entscheiungen der Politik, wie es weitergeht in Deutschland. Werden die Schulen noch länger geschlossen bleiben? Dürfen wir auf Lockerungen hoffen. Wir bleiben opitimistisch und lassen den Plan B noch in der Schulblage liegen.

Wir sind
zusammen
gewachsen
Reifen
verlangt oft
schwierige Wege
wir haben
uns
Geduld errungen
und Tiefe
Dankbarkeit
gelernt

© Hans-Christoph Neuert

Durchhalten und Abwarten – 03.04.2020

Keine Menschenseele weit und breit

Am lautesten sind gerade die Vögel im Garten (abgesehen vom Nachbar, der ab und zu sägt oder bohrt oder hämmert oder kärchert), wahrscheinlich verstehen sich die gefiederten Freunde jetzt richtig und diskutieren, was hier eigentlich los ist bzw. nicht los ist. Kein Flugzeuglärm, keine fahrenden Autos, alles ist sehr still mometan.

Wir machen uns Sorgen um den Umzug nach Singapur. Momentan lässt die Regierung niemanden mehr ins Land, selbst unser vorläufiges Visum nützt nichts, es gibt keine Ausnahmen. Nur klinisches Personal dürfte noch ins Land. Wir können nur abwarten und hoffen, dass sich bis zum geplanten Termin unserer Starts dort die Situation wieder ändert.

Kabelsalat

Wir haben das Büro umgeräumt und etwas mehr Platz geschaffen. Im Homeoffice soll eine angenehmere Athmosphäre herrschen, wenn man schon Nachts um 3 aufstehen muss für die ersten Telefonkonferenzen. Respekt an Steffen, der das echt immer schafft und mich dann gut gelaunt und wach um 6 Uhr anlacht, wenn ich aus dem Bett schleiche, um die Kinder nicht aufzuwecken.

Homeoffice
Teamarbeit

Die Mädels sind noch motiviert und erledigen ihre Schulaufgaben selbstständig. Ella hat jetzt ebenfalls eine Online-Lösung von der Schule bekommen und chattet mit den Lehrern und Mitschülern am Laptop. Aber die Osterferien werden trotzdem bereits erwartet, auch wenn wir die in diesem Jahr ohne Urlaub oder Besuch bei der Familie verleben werden. Das „Zu Hause bleiben“ fällt bei den herrlichen Sonnentagen etwas schwer. Wenigstens spazieren gehen oder Sport im Freien sind weiterhin erlaubt. Auch Inliner, Rennrad und Trampolin – ein Glück alles noch verfügbar bei uns. Also kein Jammern.

Sport geht auch zu Hause super
Motive beim Spaziergang

Die freie Zeit vor der Ausgangsbeschränkung nutzte ich bekanntermaßen oft zum Fotografieren, gerne allein, noch lieber zu zweit oder in der Gruppe. Wenn ich allein unterwegs war, dann einfach um zwischen Alltag und Familie ein bisschen Zeit nur für mich zu haben. Am vergangenen Samstag zog ich allein los, um Tübingen während dieser Zeit festzuhalten. Die ganze Serie ist hier auf der Seite unter: http://lebenrolle.de/?p=5979 zu finden. Mein Motto danach: Zusammen ist man weniger allein.

Leergefegte Innenstadt
Einsamer Park

Wenn das Gedankenkarussell nervt, dann helfen einfach kleine Aufmunterungen und Ablenkung am besten. Das neu gedruckte Buch meiner Freundin Miriam erreichte mich diese Woche. Schaut doch auf ihre Webseite zum Buchprojekt (http://www.anders-gleich.de/index.php?lc=de) und unterstützt gerne mit einem Kauf, Bücher kann man prima auch verschenken, Weihnachten kommt wieder. 🙂

Freude am Nachmittag
Backen gegen Seelenfrust
Aus Peking mitgebracht, wenn die Pflicht kommt, bin ich gerüstet.

Die Stille der Einsamkeit ist eine Schatzkiste brillanter Ideen.

© Hubert Joost

Eine ruhige Welt – 24.03.2020

Vielleicht der letzte Schnee für lange Zeit.

Wir sind ganz gut in die zweite Woche unserer intensiven Familienzeit gestartet. Das zeitige Auftstehen für Steffen zehrt schon an seinen Kräften, da hilft wohl in Zukunft nur ein ausgedehnter Nachmittagsschlaf oder zeitiger ins Bett gehen. Meine Mädels haben das Lernen zu Hause gut im Griff und ich kann jetzt sogar wieder schriftliche Division mit Kommazahlen :-), am Nachmittag wird irgendwas im Haus geputzt und zur Belohnung spielen wir immer eine Runde Tischtennis auf dem Esstisch. Mittlerweile werden die Ballwechsel länger und in sechs Wochen kann ich beide wohl im Verein anmelden. Charlotte versorgt uns mit Mittagessen, auch Kuchenbacken ist noch nicht langweilig geworden. Wir vermissen trotzdem alle unsere sozialen Kontakte, da helfen auch Videotelefonate nur bedingt.

Ein bisschen Spaß muss sein.

Nachdem uns der Frühling schon letzte Woche gezeigt hat, dass er im Anmarsch ist, kam am Samstag ein kleines Schneetief angerauscht und zauberte alles kurzfristig in eine weißeWinterwelt. Den Sonntag nutzten wir daher für einen ausgedehnten Waldspaziergang, im glitzernden Sonnenlicht bei strahlend blauem Himmel ein echter Genuss.

Frühlingsboten im Garten
Zauberwald
Blüten überall – der Frühling kommt

Singapur hat ebenfalls wieder gestiegene Zahlen bei den Covid-19 Patienten gemeldet, die neuen Fälle wurden wohl importiert und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie damit weiter verschärft. Uns bleibt weiterhin nur Abwarten wie sich die Lage entwicktelt in den nächsten Wochen. Wohnungen scheint es genug zu geben, wir haben die Zeit genutzt und uns einen ersten Überblick verschafft, die Lage unserer neuen Bleibe eingegrenzt und hoffen bald vor Ort das für uns Passende klarmachen zu können.

Die Versorgungslage in Deutschland ist weiterhin nur bei Toilettenpapier, Mehl und Hefe angespannt. Die Bäcker haben geöffnet, ich habe meinen Ein-Brot-am-Montag-Backtag einfach eingestellt und backe in Singapur dann wahrscheinlich wieder genug. Die Witzbilder sind trotzdem immer eine lustige Abwechslung zwischen all den Zahlen und Fakten in der Krisenzeit.

🙂

Neben all den Challenges und Aufrufen zum Teilen von Fotos aus Kindertagen, oder dem 27. Bild auf meiner Kamera, dem Mitsingen, am Fenster musizieren oder Kerzen anzünden rufe ich hiermit auf: Zeigt Solidarität mit den Menschen, die momentan keine Einkünfte haben, die nicht aufgefangen werden von gut gefüllten Staatskassen. Spendet direkt! An Künstler, die ihr kennt. An Hilfsorganisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern oder Projekte im Krisengebieten organisieren. Lasst auch die kleinen Geschäfte und Restaurants um die Ecke wissen, dass ihr in diesen Zeiten zu ihnen haltet.
Und Nachbarschaftshilfe sollte immer selbstverständlich sein, damit muss sich jetzt keiner im Netz profilieren, einfach machen!

Solidarität der Bestrebungen knüpft Euch mit Bindfäden,

Solidarität der Schicksale schnürt Euch mit Stricken,

Solidarität der Verantwortungen schmiedet Euch mit Ketten aneinander.

Arthur Schnitzler

Isolation für alle – 18.03.2020

Morgens geht der erste Blick gerade immer auf diese Webseite. Die Zahlen sind jedesmal erschreckend und wer jetzt immer noch glaubt, wir werden verschont, liegt falsch. Unsere Siuation wird dadurch nicht besser, aber wir machen uns noch keine riesigen Sorgen, dass der Umzug nach Singapur gefährdet ist. Verschieben können wir wohl, die Schule beginnt erst Mitte August dort. Es gibt bereits eine nette Frau in Singapur, die uns mit der Wohnungssuche helfen würde. Die zwei Wochen Quarantäne würden wir dann wahrscheinlich in einem Service-Appartment verbringen können.

Zu Hause hat sich das Homeoffice und Homeschooling Team gut eingerichtet. Steffen arbeitet bereits in der asiatischen Timezone und ist morgens der Erste, der wach ist und Kaffeeduft im Haus verströmt. Ich bin noch täglich im Rathaus und helfe dort bei Fragen und allen anderen Dingen, die weiterhin erledigt werden müssen. Dort ist es sehr einsam, die Kollegen haben Einzelbürobelegung verordnet bekommen und es wird nur noch per Telefon und Email Kontakt gehalten, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Auch Schichtbetrieb wird es geben. Die Kinder erledigen fleißig ihre Schulaufgaben am Vormittag und erweisen sich als vorbildlich beim Erledigen von Haushalt, Kochen, Gartenarbeit. Auch Bastelprojekte und Megapuzzle, Gitarrenkonzert auf der Terrasse und Videos aus Ellas Schule halten sie bei Laune.

Homeoffice mit neuer Tontechnik
Wolkenkuchen für alle
Gartenkonzert mit Applaus von den Nachbarn

Solange es noch keine Ausgangsperren gibt, nutze ich die Nachmittage um eine Runde in der Natur zu drehen. Das schöne Wetter ist für totale Quarantäne einfach zu schön und allein unterwegs kann ich keinen gefährden.

Keine Küsse unter Misteln mehr.

Das Fahrrad hat eine neue Besitzerin gefunden, die sicher genau soviel Spaß damit hat, wie ich in den wenigen Ausfahrten davor. Singapur hat verschärfte Maßnahmen für EBikes erlassen, was eine Mitnahme sinnlos gemacht hat. Und da dort die Kontrollen und Strafen bei jeglichen Verboten ebenfalls sehr streng sind, brauche ich es gar nicht erst versuchen.

Wir sind froh, schon viele Dinge sehr zeitig geregelt zu haben und jetzt nicht in Stress zu kommen, wenn doch noch weitere Einschränkungen beschlossen werden. Viele bürokratische Dinge können wir jetzt per Mail oder Telefon klären. Wer mag kann uns die Daumen drücken, dass es mit dem Umzug nach Singapur doch alles klappt, wie geplant.

Freitag, der 13.03.2020

Singapur verbietet von Sonntag an allen Ausländern die Einreise, wenn sie in den vergangenen 14 Tagen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien waren. Das gilt auch für Transit-Aufenthalte in dem südostasiatischen Stadtstaat. Das Ganze gilt nicht für Menschen, die dauerhaft dort leben oder lange einen Pass des Staates haben. Sie sollen sich nach der Einreise in heimische Quarantäne begeben. Quelle: Stern

„Schaltjahre sind Katastrophenjahre“, besagt der Aberglaube. In diesen Jahren sollte man keine Häuser bauen und keine Ehe schließen. Am Schalttag geborene Kinder müssen nicht nur damit klarkommen, nur alle vier Jahre ihren richtigen Geburtstag feiern zu können, sondern auch, von Geistern heimgesucht zu werden. Und zu allem Überfluss wird es so richtig kalt, besagt eine Bauernregel. Müssen wir 2020 also mit dem Schlimmsten rechnen? Quelle: MDR

Jetzt erwischt uns die Pandemie mit voller Kraft, ab Dienstag sind die Schulen bekanntlich geschlossen, 5 Wochen zu Hause bleiben. Eine Kraftprobe, die viele Menschen in China schon viel länger dort aushalten. Kinder und Mann werden also zu Hause bleiben, ich darf im Rathaus Dienst tun, die Urlaubssperre war zu erwarten. Immerhin haben wir Arbeit und werden bezahlt, da geht es anderen nicht so gut. Also kein Jammern bitte.

Die Reisepläne zur Wohnungssuche in Singapur liegen jetzt auf Eis. Würden wir einreisen wollen, müssten wir zwei Wochen in Quarantäne dort. Macht also keinen Sinn, wenn ich nur eine Woche dort hin will. Aussitzen und gesund bleiben lautet die Devise. Kaum waren die Schul- und Kitaschließungen bekannt, wurden die Supermärkte hier erneut gestürmt. Ich vermute es wird keiner verhungern in den nächsten Wochen. Warum seit einer Woche das Toilettenpapier überall ausverkauft ist, bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Wenn es das Weinregal wäre, … 🙂 mal sehen wie es in fünf Wochen dort aussieht. Katzenfutter war auch noch reichlich vorhanden.

13.03.2020 – Toilettenpapier ausverkauft
Die verpackten Seifenkisten-Flitzer sahen schon etwas makaber aus diese Woche.
Humor nicht vergessen in Krisenzeiten

Das Haus wir leer(er) – 01.03.2020

Nachdem wir in den letzten Wochen versucht haben, dem Chaos im Keller Herr zu werden, ist ein großer Teil jetzt geschafft. Dank lieber Freunde, die mit großem Auto dienen und beim Ein- und Ausladen helfen konnten, war das Umziehen der Sachen, die eingelagert werden, doch schnell geschafft.

Wenn Fotografen die Wände leeren.
Großer Bus bedarf einer Einweisung

Über 50 Kisten und zwei Schränke, viele gerahmte Fotografien, ein Schlitten, ein Fahrrad, eine Puppenstube und noch ein paar andere Dinge passten in den Transporter. Wer weiß, ob wir uns freuen, wenn wir die irgendwann alle wieder auspacken müssen.

Von leer zu voll dauerte es knapp 4 Stunden.
Lagerarbeiter – noch lachen sie
Alles hineingepasst und noch etwas Luft.

Das Wochenende im Vogtland war trotz der vielen Plackerei ganz lustig. Obwohl hier noch kein Corona-Fall nachgwiesen wurde, gab und gibt es wohl Hamsterkäufe in den Geschäften. Auch hier keine Chance mehr an Handdesinfektionsmittel zu kommen. Dafür gab es Alternativen für die üblichen Atemschutzmasken. Wir haben uns dann für dieses Modell entschieden, schreckt vermutlich nicht nur Viren ab.

Mach den Gorilla für mich.

Ich vermute ja, dass die Grenzen zwischen West und Ost kurzfristig und heimlich wieder geschlossen wurden. Das Schaubild könnte einen das fast glauben lassen. Quelle: welt.de

Keine Viren im Osten!

Über ein kurzes Winterintermezzo freuten wir uns. Dauerte aber keine Nacht, dann war alles wieder verschwunden. Und der Frühling steht bereits in den Startlöchern. Auch wenn der Februar in diesem Jahr einen Tag länger brauchte, die Temperaturen sprechen eine andere Sprache.

Schnee? Ja!

Corona kommt näher – 24.02.2020

Italien hat es nach Frankreich nun auch mit dem Coronavirus erwischt. 230 Erkrankte, 6 Tote (Stand am 24.02.) – so schnell verbreitet sich dieser hoch ansteckend Virus jetzt in Europa. Ich habe Masken bestellt, beim großen Onlinehändler sind sie schon rar, in der Apotheke nur mit Wartezeiten zu erhalten. Am 11. März sollen sie geliefert werden. Es ist kein Panikkauf, hätte vor der ersten Reise nach Singapur sowieso welche für uns bestellt. Ob die etwas bringen? Hände waschen und Menschenmassen vermeiden wohl eher. Nicht einfach, wenn man in einer Behörde arbeitet und täglich Publikumsverkehr hat. Aber jede Kassiererin im Supermarkt ist wohl noch mehr Viren und Bakterien ausgesetzt. Wir vertrauen einfach darauf, dass Europa und dann wohl bald auch Deutschland auf die Coronapatienten vorbereitet sind und alle besonnen bleiben. Panik hilft keinem, auch wenn ich öfter das Gefühl habe, das sich immer mehr von „Jeder ist sich selbst der Nähste.“ in der Gesellschaft ausbreitet.

Der Keller sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber es ist auch schon viel geschafft. Kartons stapeln sich, die Mülltonne füllt sich, die Säcke für Spenden nach Osteuropa ebenso, man findet immer wieder Dinge, die schon ewig aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Am Freitag werden die ersten Sachen ins Lager gebracht.

Angebote der Speditionen trudeln ein, darum dürfen wir uns jetzt selbst kümmern. Vielleicht wird es die, mit der wir damals nach Indien umgezogen sind. Die kennen wir schon und waren sehr zufrieden.

Das Haus steht zur Weitervermietung bereits im Internet, bald werden die ersten Interessenten zur Besichtigung kommen.

Henri ist weg. So leer auf dem Stellplatz jetzt. Aber er hat sehr nette neue Eigentümer bekommen und wird diese im Sommer nach Portugal fahren.

Abschied

Ach ja, ein bisschen Fasching gab es auch, im Ländle heißt das ja Fasnet.

Perücken verrücken!

Der Stand der Dinge am 19.02.2020

Die finale Genehmigung Seitens der Firma ist nun endlich da! Juhu. Jetzt können die Teams in Singapur endlich mit dem Visaantrag und dem Antrag auf Arbeitserlaubnis voran gehen. Ein weiterer Schritt in Richtung Ziel ist gemacht, noch viele weitere liegen vor uns.

30 Kisten sind im Haus gepackt, die ersten Sachen verkauft. Am Samstag müssen wir von Henri Abschied nehmen. Unsere Camper wird ins Münsterland umziehen und dort einer anderen Familie hoffentlich viele schöne Reisen und Abenteuer bescheren. Wir hatten einige sehr schöne Erlebnisse mit ihm und werden uns gerne daran zurück erinnern.

Das Corona-Virus hält die asiatische Welt weiterhin in Atem. Aktuell gibt es 81 bestätigte Erkrankte in Singapur. Die Regierung dort schickt alle Rückkehrer aus China für zwei Wochen in Quarantäne. Dafür wurden auch Kinosäule und Sporthallen als Notunterkünfte umfunktioniert. Es sind dragonische Strafen, bis hin zum Entzug der Arbeitserlaubnis, angedroht worden, für die Leute, die sich nicht an die Quaratänemaßnahmen halten. Die Millionenstadt ist mit großflächiger Überwachungstechnik ausgestattet und nutzt alle Möglichkeiten die „Gesetzesbrecher“ zu identifizieren.

Der private Konsum in China machte bis zum Virusausbruch 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Eine interessane Zahl aus dem Zeitartikel vom 19.02.2020 „Wer in Quarantäne ist, fällt am Fließband aus.“

Was mich gerade sonst noch beschäftigt:

Ich schaue alle in den Mediatheken verfügbaren Dokumentationen zu Singapur an. Auch wenn der eigene Eindruck dann sicher ein anderer sein wird. Ich habe eine Seite gefunden, die den Sonnenauf- und -untergang in Singapur anzeigt. Sehr konstant die ganze Angelegenheit. Im Juni geht die Sonne um 07:00 Uhr auf und um 19:09 Uhr unter. Die Schwankungen dieser Zeiten betragen max. 20 Minuten über das Jahr gesehen. https://www.sunrise-and-sunset.com/de/sun/singapur/singapore

Fotos vom Auszug in Peking im Juni 2014 waren auch wieder interessant. Wie viele LKWs standen damals vor der Tür? Zwei, also haben wir Platz für unsere Möbel, die mitkommen sollen.

Letzter Tag in Peking – ausgerechnet ein Corona-Bier

Es geht wieder los. – 12. Februar 2020

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Wenn das Leben neue Pläne für einen bereithält, ändern sich auch sofort die Gewohnheiten. Nie würde mich eine Statistik über Virenerkrankte so interessieren wie in diesen Tagen und vermutlich den kommenden Wochen. Mehrmals täglich wird diese Seite aktualisiert, man kann den Erkrankten quasi beim Sterben zuschauen, wenn die Zahlen wieder gestiegen sind. Ein Horror! Corona hat unsere Pläne gleich am Anfang durcheinander gewirbelt und eingetrübt. Auch in der Stadt, die wir wohl ab Frühsommer unser neues Zuhause nennen werden , gibt es Infektionen mit dem Coronavirus. Derzeit sind 50 Personen erkrankt, was bei einer Einwohnerzahl von 5.703.600 gerade einmal 0,0008766 % Betroffene bedeutet. Bis jetzt gibt es keine Todesfälle in der Stadt, aber die Alarmstufe steht bereits auf Orange.

Ich denke an die vielen Menschen in China, auch an unsere Zeit in Peking. Wir wären dort jetzt wie Tausende gefangen in der Wohnung, in Angst und Sorge um die Kinder und einen selbst. Berichte lese ich gerade sehr viele, die alle wenig Mut und Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage machen. Fast 1400 Menschen sind dem Virus bereit erlegen, so viele Schicksale und Hinterbliebene, die um ihre Angehörigen trauern.

Singapur 2011 bei Tag
Singapur 2011 bei Nacht

Ich kenne die Stadt bzw. den Staat Singapur eigentlich nur aus den Medien, gerade einmal 4 Stunden durfte ich sie 2012 bei einem kurzen Aufenthalt auf dem Rückweg von Australien nach Indien beschnuppern. Heiß ist es dort, kein Wunder der Äquator liegt quasi um die Ecke und tropisches Klima ist damit vorprogrammiert. Schirm und Wasserflasche gehören dort dann sicher demnächst zur Standardausrüstung beim Verlassen der Unterkunft. Wer sich selbst einen kleinen Einblick verschaffen möchte, dem lege ich diese Doku ans Herz: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/laender-menschen-abenteuer/Wunderwelt-Singapur-Geisterjaeger-und-Himmelsstuermer,lma1834.html

Momentan beginnen die Vorbereitungen mit den für uns bereits bekannten Aktivitäten. Visa-Anträge ausfüllen, neue Passbilder machen lassen, Schulab- und -anmeldungen für die Kinder, Kündigungen schreiben, Fahrzeuge verkaufen, Haus aussortieren. Gefühlt türmt sich da der Mount Everest vor einem auf. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es machbar ist, wäre es zum Verzweifeln. Noch haben wir gut 3 1/2 Monate Zeit und am Ende wird hoffentlich alles gut.

Reisepläne, um eine neue Bleibe zu suchen, werden so weit wie möglich verzögert. Die Besorgnis um die weitere Ausbreitung des Virus schreckt uns gerade ab, in Richtung Asien aufzuberechen. Aber allzu lange können wir damit auch nicht warten. Zweifel kommen auf, ob die Entscheidung überhaupt richtig war. Wir können nur darauf vertrauen, dass die Regierungen in China und Singapur ihr Bestes geben, um der Lage Herr zu werden. Verrückmachen ist für uns jetzt keine Option, besorgt sein reicht fürs Erste auch schon.

Im Keller wird gestapelt und geradelt.

Die beiden üblichen Fragen tauchten bei den vielen Gesprächen mit der Familie, Freunden und Kollegen ebenfalls wieder auf. „Was sagen denn eure Kinder dazu?“ – natürlich waren sie beide in den Entscheidungsprozess eingebunden und finden es im Großen und Ganzen aufregend. Allerding sind Tränen wohl ebenfalls erwarten und es wäre schlimm, wenn keine fließen würden. „Und was machst du dann dort?“ – das wird sich zeigen, ich werde berichten, es wird sicher nicht langweilig …

Wer leben will, muß das Fieber riskieren.

Friedrich Hebbel
(1813 – 1863)