Hot Hot Spot-On Berlin Zweiter Tag

First we take Manhattan, then we take Berlin – Leonard Cohen

Was gibt es schöneres als am frühen Morgen allein durch die Straßen einer Großstadt zu ziehen. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Zwei Omis laufen vertieft ins Gespräch am Tanzlokal „Oase Deluxe“ vorbei. Sie nehmen keine Notiz vom vollig Zugedröhnten auf der Parkbank, den entweder der Alkohol oder ein anderes Rauschmittel außer Gefecht gesetzt hat. Die Martkschenke liegt schon eine Weile im Dornröschenschlaf und wartet auf Gäste. Nur die Taube hockt munter auf dem Verteilerkasten und hofft auf einen Krümel der letzten Nacht. Es könnte auch eine Ecke in New York sein. Aber heute erobern wir noch einmal Berlin.

Du hast schon so viel mitgemacht
Du lebst am Tag und lebst bei Nacht
Hast oft geweint, denn es war nie leicht
Doch selbst geteilt, warst du noch eins

Ben Zucker

Die guten Cafés öffnen erst später ihre Türen. Das Backwerk stillt den kleinen Hunger und Durst und hat ein WC. Ich bin allein dort, die anderen Kunden nehmen Ihre Ware mit. Kaffee to go mag ich nicht. Durch die Unterführung ist ein nur noch ein Katzensprung zum heutigen Treffpunkt – Hackescher Markt. Der Himmel über Berlin ist an diesem Morgen noch bedeckt. Für die Spot-On-Bilder wäre Sonne besser, vielleicht lässt sie sich später noch blicken. Bevor alle zusammenkommen habe ich schon einen der Händler vor die Kamera bekommen. Zum Preis eines seiner selbst designten Tshirts mit witzigem Spruch. Für das zweite Portrait benötige ich ein bisschen mehr Zeit und Überredungskunst. Ahsti betreut heute den Kiosk seines Onkels. Direkt in der Unterführung zur U-Bahn verkauft er Getränke, Snacks, Zeitungen und Zigaretten. Seine Heimat ist weit weg, sein Englisch noch gebrochen. Er lässt sich überreden, stellt sich für mich ins Licht und raucht. Ich verspreche ihm, die Bilder per Email zu senden wie ich es schon seit Jahren mache.

Ich
Ich bin dann König
Und du
Du Königin
Obwohl sie
Unschlagbar scheinen
Werden wir Helden
Für einen Tag
Wir sind dann wir
An diesem Tag

Annett Louisan

Das Elend und das Glück liegen hier oft nur eine Straßenecke auseinander. Zwischen Sommertrubel, Einkaufsbummel oder Stadtführung finde ich Szenen die aufwühlen. Für den Schlafenden wurde ein Rettungswagen gerufen. Die Gesellschaft schaut also doch hin und bietet ihre Hilfe an.

Was gibt es schöneres als in eine lustige Hausgemeinschaft zu stolpern, die gerade einen Flohmarkt im Innenhof des Mietshauses vorbereitet. Die drei Frauen haben viel Spaß dabei und lassen sich zu einem „Werbefoto“ überreden. Mein Glück. Beim Blick auf das Ergebnis entdecken sie ein Foto von Stefan, ihrem Kumpel, die ebenfalls hier wohnt. Ihn hatte ich kurz vorher auf einer weißen Bank sitzend mit Zigarette in der Hand und friedlichem Blick fotografiert. Das Foto von ihm bekommen die Mädels natürlich auch zugeschickt.

Wenn die Fahrradfahrer uns vom Bordstein fegen
Die Verrückten in der U – Bahn wieder laut mit sich selber reden
Wenn die Stressercliquen dann ihr Zeug verticken
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Wenn die Autofahrer kurz am Amok streifen
Und die Hostelhorden durch die Straßen geifern
Wenn die Gullis stinken und die Pärchen winken
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Christiane Rösinger

Uns zieht es Richtung Alexanderplatz. Im Getümmel der Massen die besonderen Momente zu finden ist wie ein Katz und Maus Spiel. Unbemerkt bleiben, abwarten, das Licht beobachten, den perfekten Moment erwischen. Das Glück ist mit uns, die Sonne zaubert immer wieder Licht und Schatten Spiele, die es einzufangen gilt. Die Minuten vergehen. Irgendwann bin ich im Flow. Hier klopfen das Herz Berlins und das der Fotografin im gleichen Takt. Ein herrliches Gefühl, dass mich eine ganze Stunde erfüllt.

Der Sommer kam
Und Berlin war der schönste Platz auf Erden
Wir hatten das Gefühl, im Mittelpunkt der Welt zu stehen
Dort, wo sich endlich etwas bewegte
Und wir bewegten uns mit
So flogen wir durch die Nacht
Und wir bewegten uns mit

Berlin – Nicolas Binder

Nach diesem Gewimmel und der Überdosis Menschen zog sich unsere Gruppe für einen Kaffee in einen ruhigeren Bereich zurück. Im Humboldt Forum herrschte fast Leere, der schattige Innenhof eignetet sich perfekt für ein Gruppenfoto zum Abschluss des Tages. Allein für die vielen interessanten Museen in Berlin müsste ich am besten zwei Wochen einplanen oder direkt umziehen. Immerhin soll es jetzt einen Expresszug von Stuttgart aus geben, der mich in 4,5 Stunden hier hin bringt.

Come down love
Berlin in the cold

All that fighting
All that snow

Sober night
Byron on my mind
Tell me I’m not going home

And I’ll stop waiting by the phone

Bedroom floor

And silence in my blood
Sorry love I’m running home

I’m a child of sun and the stars I love

Berlin – RY X

Wiedersehen mit Berlin

Berlin, im März. Die erste Deutschlandreise,
Seit man vor tausend Jahren mich verbannt.
Ich seh die Stadt auf eine neue Weise,
So mit dem Fremdenführer in der Hand.
Der Himmel blaut. Die Föhren lauschen leise.
In Steglitz sprach mich gestern eine Meise
Im Schloßpark an. Die hatte mich erkannt.

Und wieder wecken mich Berliner Spatzen!
Ich liebe diesen märkisch-kessen Ton.
Hör ich sie morgens an mein Fenster kratzen,
Am Ku-Damm in der Gartenhauspension,
Komm ich beglückt, nach alter Tradition,
Ganz so wie damals mit besagten Spatzen
Mein Tagespensum durchzuschwatzen.

Es ostert schon. Grün treibt die Zimmerlinde.
Wies heut im Grunewald nach Frühjahr roch!
Ein erster Specht beklopft die Birkenrinde.
Nun pfeift der Ostwind aus dem letzten Loch.
Und alles fragt, wie ich Berlin denn finde?
– Wie ich es finde? Ach, ich such es noch!

Ich such es heftig unter den Ruinen
Der Menschheit und der Stuckarchitektur.
Berlinert einer: „Ick bejrüße Ihnen!“,
Glaub ich mich fast dem Damals auf der Spur.
Doch diese neue Härte in den Mienen …
Berlin, wo bliebst du? Ja, wo bliebst du nur?

Auf meinem Herzen geh ich durch die Straßen,
Wo oft nichts steht als nur ein Straßenschild.
In mir, dem Fremdling, lebt das alte Bild
Der Stadt, die so viel Tausende vergaßen.
Ich wandle wie durch einen Traum
Durch dieser Landschaft Zeit und Raum.
Und mir wird so ich-weiß-nicht-wie
Vor Heimweh nach den Temps perdus …

Berlin im Frühling. Und Berlin im Schnee.
Mein erster Versband in den Bücherläden.
Die Freunde vom Romanischen Café.
Wie vieles seh ich, das ich nicht mehr seh!
Wie laut „Pompejis“ Steine zu mir reden!

Wir schluckten beide unsre Medizin,
Pompeji ohne Pomp. Bonjour, Berlin!

aus: Die paar leuchtenden Jahre

Mascha Kaléko

Hot Hot Spot-On Berlin – Erster Tag

Du bist verrückt mein Kind, Du mußt nach Berlin. Wo die Verrückten sind, dort gehörst Du hin.

Aus Berlin

Was gibt es Schöneres, als an kalten Wintertagen den Sommer zurückzuholen? Mit Bildern im Kopf und auf der Festplatte, mit Gedanken und Wörtern, die aus einem sprudeln, wie das Wasser im Brunnen am Alexanderplatz. Berlin ist heiß in diesen Tagen im August, die Menschen suchen Schatten, sitzen in Cafés und genießen kühle Getränke oder Softeis. Tauben kreisen über ihren Köpfen. Die finden Abkühlung und stillen ihren Durst am Wasserspiel unter dem Fernsehturm, dem die Hitze scheinbar egal ist. Das Metall seiner Aussichtskugel glänzt gegen den azurblauen Himmel und die schon etwas abblätternde weiße Farbe strahlt wie ein Brautkleid.

Was gibt es Schöneres an diesem Sommerabend entlang der Spree zu flanieren, einen für diese Stadt typischen Biergarten zu finden und den Menschen beim Flamenco Tanz zuzuschauen. „Gestrandet an der Jannowitzbrücke“ ist der perfekte Ort dafür.

Erst wenn’s zappenduster ist, geht uns ein Licht auf. (Aus Berlin)

Leise drückt sich die Sonne hinter den Horizont. Legt ein schmeichelndes Licht über die Straßen und Häuser. Nur langsam wird diese Nacht in den nächsten Tag hinübergleiten. Berlin schläft nicht.

Wir treffen uns am Potsdamer Platz! Neun Uhr! Geladene Akkus! Leere Speicherkarten! Wasser und bequeme Schuhe! Im Fokus für die nächsten zwei Tage – das Licht. Dominic hat uns am Nachmittag davor erklärt, was wir üben werden und steigt mit uns in den tiefer liegenden U-Bahnhof. Harte Schatten – Licht – Situationen. Natürliches und künstliches Licht. Die Spannung und Vorfreude ist bei allen zu spüren.

Die Leichtigkeit des Sommers ist auch in der Dunkelheit zu sehen. „Sie trinkt im Laufen Ihren Eiskaffee, bevor die Hitze oben auf der Straße alle Eiswürfel dahinschmelzen wird.“ „Ich brauche etwas Abkühlung.“ denkt die ältere Frau, die auf ihrem Rücken eine Werbefahne für Hop-On-Hop-Off-Touren trägt. Es ist wie ein Katz und Maus Spiel mit der lieben Sonne. „Wir treffen uns in fünf Minuten am Ausgang A.“ ließt die Frau mit der roten Tasche auf ihrem Smartphone. Genau im richtigen Augenblick möchte ich sie erwischen, im kurzen Augenblick zwischen Licht und Schatten. Es glückt!

Liebe ist das Licht, das jede Dunkelheit erhellt.

Irina Rauthmann

Das nächste Ziel ist das ganze Gegenteil von Leichtigkeit. Ich kenne diesen Ort und die Ausstellung dazu. Ohne das Museum kann man dieses Denkmal für die ermordeten Juden Europas meiner Meinung nach nicht vollständig verstehen. Es hat eine Kraft, die tief ins Herz geht. Ich stehe umringt von hohen dunklen Betonstelen. Eine erdrückende Gleichzeitigkeit von Licht und Dunkelheit. Die Schatten der Vergangenheit lauern hinter jeder Ecke genau wie die Hoffnung auf eine friedvolle Zufkunft für alle Menschen. Das Licht reicht bis zum Boden und lässt einen Löwenzahn wachsen. Was für ein schönes Bild voller Zuversicht.

„Alles fließt“ – die Spree durchzieht die Stadt wie eine Lebensader. Immer wieder treffe ich auf sie und schaue den Menschen dabei zu, wie sie diesen Fluß genießen. Beim Regierungsviertel haben wir nach einer Stärkung im Biergarten genug Zeit, um das Wasser und die Gebäude in Szene zu setzen. Ich liebe es auf der großen Fußgängerbrücke zu stehen und den vorbeifahrenden Schiffen und Ausflugsbooten zuzuschauen. Die vielen Geschichten, Gedanken und Gefühle der Passagiere fließen in Sekundenschnelle an mir vorbei.

ratio et emotio Die Augen geschlossen, sehe ich Bilder meiner Vergangenheit. Höre die Musik verflossener Landschaften, genieße den Hauch der Zeit. Die Ohren abgeschaltet, die Melodie der Farben, höre die Sonnengeige spielen. Erlebe eine Welle des Lebens, des Klangs rauschender Wandel der Bilder. Den Atem angehalten, rieche ich den Duft der Zeit, den Duft des Ortes. Gestalte eine Welt der Düfte, jeder Schatten, jedes Ereignis ein Geruch des Ganzen. Öffne wieder alle Sinne; alles verwebt sich, alles fließt in einen flüchtigen Eindruck des Göttlichen. Kann Seelenfarben hören, kann das Menschsein spüren, will sehen können, die Liebe des Seins.

© Oliver Lösch

Das Licht bei der James Simon Galerie zaubert Scherenschnittschatten für mich. Sommer in seiner perfekten Art und Weise. Der Asphalt strahlt die Hitze des Tages in alle Ecken des Gebäudes. Man wünscht sich einen Regenschauer herbei, der den Staub von den Straßen wäscht und die Luft erfrischt. Drei Frauen aus Halle lassen sich auf meine Kamera ein, bevor sie zu einer Bootstour aufbrechen. Sie lachen und strahlen eine Leichtigkeit aus, die ich im Südwesten der Republik immer vermisse. Das Mädchen aus Shanghai tanzt für uns auf den Stufen des Museums. Sie lässt der Freude freien Lauf. frei sein- in Berlin Worte mit Bedeutung.

Nur einen einzigen Schritt kostet es dich, diesen Sommer zu erleben. Geh‘ hinaus und schon bist du mittendrin in diesem Sommer!

© Irina Rauthmann

Oman – Land der Weiten Milde

Ankunft – Mutrah – Al Alam Palast – Al Bustan Strand

Die Welt ist in Aufruhr – sie auch. Die Menschen lassen sich spalten – sie nicht. Die Worte werden aggressiver – ihre nicht. Die Zukunft ist ungewiss – das macht ihr Angst. Diese will sie nicht zu mächtig werden lassen, die Angst, die Wut, die Sprachlosigkeit. Sie kennt ein altes Heilmittel: REISEN!

Ein erstes Mal gibt es nicht mehr so oft in ihrem Leben, die bereits gelebten Jahre bringen das mit sich. Ein Land, dass sie noch nicht kennt, soll es sein. Ein Land, welches sich in vielerlei Hinsicht und Ansicht, in Kultur und Sprache, Landschaft und den Menschen dort, unterscheidet zum ihr bekannten. Welches vielleicht neue Erfahrungen und Begegnungen verspricht. Was die unbeschriebenen Seiten in ihrem Reisetagebuch mit Geschichten und Erlebnissen, mit Bildern und mit Worten füllen wird.

Von Weihrauchduft wird sie am Flughafen umströmt, dezent und sofort weiß sie sich in einer anderen Welt. Von den fünf Millionen Einwohnern sind fast die Hälfte Immigranten (vorwiegend aus Indien). Bunt gemischt ist die Warteschlange am Einreiseschalter. Der Officer stempelt ihren Pass und lächelt, als sie ihm sagt, sie reise zum ersten Mal in dieses Land. Draußen ist es noch dunkel aber angenehm warm an diesem Dezembermorgen. Die Sonne wird in einer Stunde orangerot hinter der Bergkette aufgehen und jeden der kommenden Tage in ein zauberhaft weiches Licht tauchen. Wie eine immer wieder sie umhüllende schützende Decke, die Geist und Körper milde stimmen soll.

Ein wirksames Heilmittel gegen Angst ist Milde.

Der Strand ist noch recht verwaist frühmorgens, das Meer träumt leise die letzten Nachtwellen an die Küste. Eine Krähe sucht ihr Frühstück in den Überresten der letzten Nächte. Punkt acht wird Kaffee gemacht im kleinen Bistro, der in einer großen silbernen Kanne sehr süß und orientalisch gewürzt serviert wird. In die kleinen Becher passt genau die richtige Menge, um nicht sofort überschwemmt zu werden von diesem ungewöhnlichen Geschmack.

Seiful ist Fischer und stammt aus Sri Lanka. Mit seiner Frau und Kindern lebt er in der Nähe von Maskat und verdient sein Einkommen mit dem Boot, auf dem er für sie Platz nimmt. Das Foto schick sie direkt an ihn, er lächelt und winkt, als sie zurück in Richtung Badebucht läuft.

Mutrah – einst die offizielle Hauptstadt – zieht sie sofort in ihren Bann. Der Morgen ist gerade erst aus dem Bett gekrochen und der verhangene Himmel täuscht Kühle vor, die sie nicht spüren kann. Im fernen Land ist Winter bei 25 Grad, denn die Sommer warten immer öfter mit dem Zweifachen davon auf. Noch ist es ruhig in den Straßen und vor den bereits geöffneten Geschäften. Wer Zeit hat, holt sich einen Tee oder Kaffee, raucht eine Zigarette oder erzählt sich die Neuigkeiten. Hier sind vor langer Zeit die Seefahrer angekommen, mit ihren voll beladenen Daus, den Segelschiffen dieser Region. Sie brachten Waren aller Art und Sklaven. Der Souk, das Herz der Stadt, bietet neben Ware heute vor allem Fotomotive und Begegnungen beim Handel. Sie kann es kaum erwarten durch die verwinkelten engen Gassen zu laufen und mit allen Sinnen dieses Geschehen aufzusaugen.

Wer die Hauptader des Labyriths verlässt, hat verloren. Sie geht verloren, entfernt sich vom touristischen Teil und steift lieber durch die kleinen Gassen der Anwohner. Die genau hier ihr Brot beim Bäcker kaufen, der ihr einen Einblick gewährt und sie nicht ohne eine Tüte warmer Fladen wieder gehen lässt. Er nimmt kein Geld von ihr, Gäste sind hier eingeladen.

Fünf Söhne und fünf Töchter hat der Taxifahrer, dem sie bei seiner Raucherpause auf ein paar Sätze Gesellschaft leistet. Er trägt eine weiße Thawb, die den Omanis vorbehalten bleibt und wartet auf Fahrgäste, die nach Einkauf und Mittagessen demnächst wieder in Richtung Maskat aufbrechen werden.

Bis zum späten Nachmittag zieht Ruhe ein, die Waren werden mit Tüchern bedeckt, der Muizin ruft zum Mittagsgebet und die Katzen, Hunde und Verkäufer halten ein Nickerchen bis das Treiben am frühen Abend wieder von vorne beginnt.

Die Küstenstraße schlängelt sich in Richtung Südwesten, dort findet sie den Palast des Sultans. Sie muss an die Märchen aus Tausend und einer Nacht denken. An fliegende Teppiche, den kleinen Muck, die goldene Wunderlampe des Aladins.

Haitham bin Tariq bin Taymur al-Sa’id ist seit 2020 in diesem Land der Sultan und ein Mitglied der Bū-Saʿīd-Dynastie, die seit 1746 die Herrscher des Omans stellt. Den Palast ließ Anfang der 1970er Jahre Sultan Qabus errichten. Sie sieht diese familiäre Weitergabe von Macht kritisch. Qabus sorgte während seiner Amtszeit immerhin mit Reformen für mehr Wohlstand im ganzen Land. Die Analphabetenrate wurde dank neuer Schulen und Universitäten massiv gesenkt, die Gesundheitsversorgung verbessert. Die Infrasturktur ist im ganzen Land auf dem neusten Stand und unter dem Titel „Agenda 2040“ kündigte der aktuelle Sultan umfangreiche Reformen zur Diversifizierung und zur Senkung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Öl-Einnahmen des Landes an, dazu zählt unter anderem der Ausbau des Tourismus.

Der Sultan wohnt hier nicht mehr, nur die Staatsgäste werden im Palast empfangen. Ein paar Ecken weiter genießt sie die warmen Strahlen der Nachmittagssonne auf der Dachterasse eines Cafés. Sie mag es sehr, ihren Schatten mit den arabischen Schriftzeichen an der Wand verschmelzen zu lassen. Schade, dass sie es nicht lesen kann.

Diese Übersetzung findet sie passend: „Sie sehen 20 Hügel, sie sind sehr schön.“ Das kann sie in diesem Moment dort bestätigen.

Das Meer riecht nicht überall auf dieser Erde gleich, der Sand fühlt sich immer wieder anders an. Die Menschen begegnem diesem Ort auf unterschiedliche Weise. Sie lässt die Abendstimmung in ihr Herz. Lauscht dieser Ruhe trotz Gesprächen und Kinderlachen. Genießt dieses besondere Licht und möchte es am liebsten in ihre Tasche stecken, um es in traurigen und dunklen Momenten herausholen zu können. Besser hätte der erste Tag hier im Oman nicht verlaufen können.

Oh, schau ins Licht, so oft die Schatten dich umdüstern wollen.

Anna Dix (1874 – 1947)

Passion Paris – Tag 4

Nur produktives Schaffen rettet vor dem modernen Elend. Es wird uns nötigen, über die Fragen, die nie alt werden, nachzudenken: über das Woher? Wie? Warum? Wohin? Es wird uns zwingen, uns mit dem Leben auseinanderzusetzen und nach seinem Sinn zu fragen. Das ist vergebene Liebesmüh, werden die Herren Gelehrten sagen, aber doch Liebesmüh! Euer Schaffen aber ist Insektenarbeit.

Jakob Bosshart

Die Liebe wohnt in Paris! Das spürt sie mit jedem Schritt in den Straße dieser Stadt, die sich ernsthaft Mühe gibt, diese Liebe nicht zu kitschig und klischeehaft werden zu lassen. Sie mag keine eingefahrenen Vorstellungen und macht sich gerne selbst ein Bild, ob stimmt, „was erzählt“ wird. Angesichts der prachtvollen Architektur, der zahlreichen Angebote für Kunst und Kultur, den geschmackvoll gekleideten Menschen und der köstlichen Küche inklusive dem Wein und natürlich dem berühmten Laissez-faire ihrer Bewohner, verliebt sie sich trotz aller Vorurteile sofort und heftig. Jede Ecke ist liebenswürdig und sie hätte große Lust, sofort auf der Stelle alle Viertel ausgiebig zu erkunden.

Den Louvre und Notre Dame, die Opéra Garnier sowie den Palais de Tokyo hebt sie sich für die nächste Reise auf. Eigentlich mag sie keine Einkaufstempel, aber die Galeries Lafayette Haussmann ist dennoch einen Besuch wert. Das historische Kaufhaus überspannt eine Jugendstilkuppel, auf vier Etage wird angeboten, was viele Herzen begehren. Ihres schlägt dort nicht für den Konsum, nur für die Farben und das Licht. Aus der Ferne beobachtet Sie die extra zum Fotografieren installierte Glasbrücke, an deren Zugang sich eine Menschentraube bildet.

Sonnenlicht und kühle Luft erwartet sie draußen, in den Straßen füllen sich heute nur langsam die Gehwege. Sie kann den Blick schweifen lassen, im Augenblick versinken, den Moment abpassen. Das Herz der Stadt schlägt immer im gleichen Rhythmus, egal ob friedliche Stille oder panische Hektik herrscht. Wer ihn spürt, kann sich treiben lassen und im Takt der Herzen mitschwingen.

Lass die Liebe vorangehen, wenn du von ihr erhört werden willst.

Wer liebt findet sich selbst.

Die Zeit vergeht ohne Mühe, weder Schritte zu zählen noch auf die Uhr zu schauen, kommt ihr in den Sinn. Die Pont Alexandre III wurde nach einem russischen Zaren benannt. Die Erbauer der Brücke und der sich darauf befindenden Statuen waren detailverliebt und lassen sie staunen. Immer wieder blitzt es golden von den Figuren gegen den blauen Himmel, an dem sich Wolken gegenseitig fangen wollen. Der breite Fluß trägt voll besetzte Ausflugsboote unter der Bogenbrücke hindurch. Nichts scheint diese Idylle zu stören, wie aus der Zeit gefallen stehen die Menschen und lassen die Schönheit und den Prunk auf sich wirken. Sie empfindet keine Scham sich ihnen anzuschließen, sucht die versteckten Momente, die das Gefühl in diesem Moment spiegeln.

Man suche die leuchtendsten Augenblicke seines Lebens und analysiere sie, und man wird finden, dass in der Regel die Liebe im Spiele war. Die Liebe setzt dem Leben das Gold auf.

Jakob Bosshart

Fast heimlich muss der beste Platz als Altar für Hochzeitsfotos herhalten. Wem kann man es verwehren, sich in der Stadt der Liebe zu vermählen? Die Welle der Liebe scheint hier unaufhaltsam durch die ganze Stadt zu rollen. „Warum nicht“ denkt sie und verlässt diesen Schauplatz der Liebe.

Immer dann, wenn man spürt, dass Routine sich einschleicht, sollte man etwas Neues machen.

Max Reinhardt

Ein bisschen übertrieben findet sie diese Inszenierungen einzelner schon. Das Ausfsehen erregen ist eine eigenartige Gewohnheit geworden. Sie findet Spaß daran, diese kleinen Schaupiele einzufangen. Die Einheimschen scheinen daran gewöhnt zu sein. Mit scheinbar stoischer Gelassenheit zieht einfach alles an ihnen vorbei. Man muss sie einfach schon für ihre Toleranz ins Herz schließen.

Der Eifelturm rückt immer näher, sie hat ihn fast einmal umrundet. Jetzt ist er zum Greifen nah und lockt sie in seinen Bann. Fein rausgeputzt nach den olympischen Feierlichkeiten strahlt er mit der warmen Nachmittagssonne um die Wette. Sie kann ihm nicht widerstehen und macht sich auf dem Weg zum Champ de Mars.

Mir ist auf der Straße ein sehr armer junger Mann begegnet, der verliebt war. Sein Hut war alt, sein Mantel abgetragen; Wasser rann durch seine Schuhe. Aber Sterne zogen durch seine Seele.

Victor Hugo

Eine gute Freundin sagte ihr einmal „Zeit ist Liebe.“ Es stimmt, Zeit und Liebe habe etwas gemeinsam – sie sind sehr kostbar.