Kein Halt mehr in Tanglin

Wo seid ihr nun, Städte, mühsam aufgeschichtet, Häuser, über gähnenden Gassen aufgetürmt, getürmte Kirchen, aufstarrend ins Blau, Paläste, Kuppeln, qualvoll emporgerissen? Und ihr, junge Menschen, gebäumte, aufstürmende Kinder, die leeren Hände steil emporgeworfen, emporgeworfen die heißen, vorzeitigen Gesichter, die schreienden Münder aufgewölbt, wo bist du, beraubte, entwurzelte Jugend mit der großen, rührenden Gebärde ins Leere hinein?

Maria Waser
(1878 – 1939)

Die Baumaschinen empfangen mich schon an der Haltestelle, an der ich meinen Bus verlasse. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die „Church of the Blessed Sacrament“ deren hellblaue Dächer von der Straße aus gut sichtbar sind. Direkt daneben der Sri Muneeswaran Tempel, dessen Geschichte bis ins Jahr 1932 zurückreicht. Zwischen dem Commonwealth Drive und der alten ehemaligen Bahntrasse nach Malaysia, die sich jetzt Green Corridor nennt und zum Wander- und Radweg umfunktioniert wurde, stehen Wohnblocks für mehr als 3.600 Haushalte. TANGLIN HALT.

Die ersten Wohnungen wurden in den 1960er Jahren errichtet, bis 1972 waren alle bezogen. Das Wohngebiet gehört damit zu einem der ersten in Singapur, die vom HDB (Home Development Board) Wohnraum für viele Menschen schafften. Markthalle, zwei Foodcourts, viele kleine Geschäfte, Theater, Communitycenter, ein großer Sportcomplex, Kirche, Tempel, Moschee – alles vorhanden und dankbar angenommen von den Bewohnern.

Bis 2024 wurde die Frist nun verlängert, dann rücken die Abrissbagger endgültig an, alles wird dem Erdboden gleich gemacht, Neues soll entstehen. Höher, moderner, teurer. Viele der alten Bewohner sind bereits ausgezogen und weitere werden es müssen. Umsiedlung in andere HDB Wohnkomplexe. Nach 70 Jahren hier fällt das nicht jedem leicht. Gerade die Älteren hadern mit diesem Schicksal, die Jüngeren finden Gefallen an den neuen Wohnprojekten, die hier entstehen werden. Zweimal durchstreifte ich die Gegend mit der Kamera. Ich mag diese morbide Stimmung, die den Häusern anhaftet. Jede Haustür verbirgt seine Familiengeschichte. Jedes Stockwerk seine kleine Gemeinschaft, die sich jetzt auflösen wird.

Ein frischer Wind entwurzelt nicht.

Raymond Walden

Mit Entwurzelungen bin ich vertraut. Prägen quasi mein Leben. Die Oma als Sudetendeutsche vertrieben aus Tschechien, der Opa als Ostpreuße vertrieben aus Polen. Die Mutter verlässt mit 18 die Heimat und bleibt am Studentenort für immer. Tante und Onkel brechen die Zelte in der alten Heimat im Osten ab und folgen den beiden Kindern in den Südwesten. Auch wir suchen unser Glück im „goldenen“ Westen. Die längste Zeit meines Lebens habe ich im Haus der Bäckerei verbracht, danach gab es Umzüge im 2 – 6 Jahrestakt. Ich mag den frischen Wind, der immer wieder in mein Leben bläst. Und doch schwingt da eine kleine Sehnsucht nach Beständigkeit mit, einen Platz zu finden der Heimat sein kann. Oder ist das Vagabundenleben zu sehr verwurzel und mein Schicksal?

Es gibt ein Bleiben im Gehen,
ein Gewinnen im Verlieren,
im Ende einen Neuanfang.

Aus Japan

In Rückblick waren die Veränderungen in meinem Leben immer die Erfahrungen wert, die mit ihnen einhergingen. Ohne diese Umbrüche wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Zum Wachsen an den neuen Umständen und Aufgaben gesellten Rückschläge und Widerstände. Leben nennt sich das wohl. Je älter man wird, desto schwieriger akzeptiert der eine oder andere Veränderungen. Eine meiner Omas musste im betagten Alter ihr Zuhause verlassen. Auch wenn sie danach näher bei der Familie lebte, die Sehnsucht nach ihrem Dorf war schwer zu überwinden.

Hier in diesem Gebiet wird wahrscheinlich nichts mehr so sein wie es jetzt noch ist. Ich gehe gerne ganz bewusst an solche Plätze und versuche einen kleinen Ausschnitt zu dokumentieren. Spannend für mich ist dabei auch die Recherche, viele alte Fotos von Tanglin Halt finden sich zum Beispiel hier: https://mycommunity.org.sg/guided-tours/my-tanglin-halt-heritage-tour/

Dann bereue ich manchmal nicht schon viel früher mit ernsthafter Dokumentation begonnen zu haben. Immerhin erhalte ich hier die Möglichkeit und als Bonbon einige Stimmen der EinwohnerInnen zu bekommen, erfreut mein Herz.

wenn wir weitergehen
sollten wir immer etwas zurücklassen

Anke Maggauer-Kirsche

Eine ältere Frau fragt, was ich hier mache? Fotos, um die Erinnerungen zu bewahren, erkläre ich ihr. Sie ist erfreut und berichtet von ihrem Einzug, da war sie 27 Jahre alt, der Sohn gerade geboren, jetzt ist sie weit über 70 und muss bald ausziehen. Wenn sie die Schlüssel zur neuen Wohnung bekommt, bleiben ihr drei Monate die alte zu verlassen. Die Küche sei zu klein dort, da passt sie nur allein hinein und überhaupt ist das Appartment kleiner. Begeisterung erkenne ich nicht in ihren Worten. Ob sie denn Nachbarn hat, die auch dorthin umziehen werden. Ja, die meisten ziehen in die von der Regierung zugewiesenen neuen Apartments, die nicht so weit entfernt liegen. Dennoch gefiel es hier sehr gut und sie wird es vermissen. Auf ihre alten Tage hatte sie nicht mehr damit gerechnet. Etwas traurig läuft sie in Richtung des kleinen Marktes, ich sehe sie später dort mit anderen älteren Frauen zusammensitzen beim Mittagessen.

Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben, die Geschichte der Zeiten ist die Geschichte der Menschheit.

Wilhelm Raabe

Letztlich hat mir irgenwie immer die Neugierde und mit zunehmendem Alter die Akzeptanz geholfen, mich immer wieder neu einzuleben, anzukommen und irgendwann Abschied zu nehmen. Kontakte zu bewahren und Beziehungen zu Menschen aufrecht zu halten, die mir wichtig sind. Ich kenne mittlerweile mehr Bekannte, die nicht stetig am gleichen Ort gelebt haben, vielleicht eine Art Auswahl, die ich unbewusst treffe oder eine Konsequenz daraus, dass ich mich doch mit Gleichgesinnten umgebe? Wer weiß das schon. Wahrscheinlich sind jetzt einfach sehr viel mehr Menschen unstetig und mobil, als noch in meinen ganz jungen Jahren. Die Perspektive zu wechseln schmerz manchmal, aber sie schärft den Blick auf das was mir wichtig ist.

Auch wenn dieses Wohnviertel demnächst nicht mehr existieren wird, die Menschen und ihre Geschichten bleiben bestehen. Sie werden ihren Kindern und Enkelkindern vom Leben in Tanglin Halt erzählen. Ihr Leben weitergeben und vielleicht auf die alten Tage neue Bekanntschaften machen. Wurzeln verliert man nicht, man kann sie aber ausgraben und neu anpflanzen, manche blühen sogar besser am neuen Standort.

Der Baum der Zukunft lebt von den Wurzeln der Vergangenheit.

Hermann Lahm

Bye Bye Tanglin Halt

Die Dörfer sind vergangen.

Über die Dörfer

Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr. 
Sei nicht die Hauptperson. 
Such die Gegenüberstellung. 
Aber sei absichtslos. 
Vermeide die Hintergedanken. 
Verschweige nichts. 
Sei weich und stark. 
Sei schlau, laß dich ein und verachte den Sieg. 
Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. 
Sei erschütterbar. 
Zeig deine Augen, wink die anderen ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jeden in seinem Bild. 
Entscheide nur begeistert. 
Scheitere ruhig. 
Vor allem hab Zeit und nimm Umwege.
Laß dich ablenken. 
Mach sozusagen Urlaub. 
Überhör keinen Baum und kein Wasser. 
Vergiß die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, mißachte das Unglück, zerlach den Konflikt. 
Bewege Dich in deinen Eigenfarben; bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. 
Geh über die Dörfer. 
Ich komme dir nach.

Peter Handke „Über die Dörfer“

Wirklich alt ist der Sri Lankaramaya Buddhist Temple nicht. Errichtet 1952 in der Michael’s Road ist er damit wohl ein bisschen historisch für Singapur und könnte bestimmt viele Geschichten erzählen über die Zeit vor fast 70 Jahren. Hochhäuser warfen wahrscheinlich noch keine Schatten auf die große weiße Pagode, die auf dem Dach des Tempels mit ihrem grellweißen Anstrich gegen den blauen Himmel den Eindruck vermittelt, man befinde sich irgendwo im Himalaya. Berühigend lächelt einem der übergroße Buddha in Lotushaltung zu und lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dies auch die nächsten 70 Jahre noch zu tun. Im Garten steht ein Lebensbaum, dessen Blüten ihm gefallen und vor seinen Abbildern niedergelegt werden. Leise erklingt Gemurmel auf einem kleinen Gebetrsraum, meditative Musik als Hintergrundrauschen verstärkt diese gelöste Stimmung, die einen hier befällt und warm umschließt. Wer könnte diesen friedlichen Ort nicht mögen?

Im Central Sikh Gurdwara Tempel bedarf es konformer Kleidung, da wird keine Ausnahme gemacht. Bestimmt, aber sehr freundlich der Zugang verweigert. Für den nächsten Besuch muss ein langes Tuch ins Gepäck, um den Kopf zu verhüllen, langes Beinwerk ist ebenfalls von Nöten. Die Straße fragt nicht nach deinem Aussehen, erlaubt fast alles, ist geduldig mit seinen Besuchern. An jeder Ecke neue Ansichten, Aussichten, Einsichten.

Kleinigkeiten wecken Interesse, 1088A – eine sehr lange Straße hat der Postbote hier zu beliefern. Die zwei Damen aus Porzellan warten geduldig auf ein neues Zuhause. Wie viele Augenpaare wohl schon auf sie blickten und dann doch weitergingen. Die kleinen Eckrestaurants warten auf Hunrige, Durstige, Neugierige oder Plaudertaschen. Besen und Hüte haben Pause. Der Verkehr fließt wie ein stetiger Fluss an allem vorbei. Die Bauarbeiter ziehen vom Frühstück zur Baustelle zurück, um Träume von großen neuen Wohnungen wahrwerden zu lassen. Die Hütten der kleinen Dörfer sind Geschichte, die Bewohner von damals wären sicherlich erstaunt über diese enormen Veränderungen. Gut, das einige alte Häuser noch immer dem Bauboom trotzen. Ein lustiger Kakadu redet viel, darf nicht fliegen, sein Paradies ist woanders.

Ein Relikt aus alten Zeiten findet sich kurz vor dem Indischen Tempel. Kohlen werden hier gehandelt, die ältere Frau ist schwarz wie ein Mohr (darf nicht mehr geschrieben werden, gibt es eine bessere Bezeichnung?), sie schuftet hier schon seit den 60ern. Staublunge vermutlich inklusive. Die schön gemusterten Bodenfließen sind überzogen mit Ruß. Früher wurde viel mit Kohlen geheizt, auch dort wo ich aufwuchs musste geschippt werden, eimerweise in den Keller, eimerweise wieder in die Wohnung geschleppt. Sie sortiert die Kohlenstücke in tragbare Säcke zum Verkauf. Bald will sie sich zur Ruhe setzen, es wird wohl keine Nachfolge geben, vermutlich. Kohlen braucht fast niemand mehr.

Vertraute Klänge schallen aus dem Sri Vadapathira Kaliamman Temple, Glockengebimmel, Mantras werden gesungen oder gesprochen. Die Schuhe vor dem Eingang stehen wild durcheinander, Tauben picken in den vertreuten Blüten nach Genießbarem. Hanuman, der Affenkönig wirft einen erhabenen ernsten Blick auf jeden, der hier vorbeikommt. Friedlich faltet er seine Hände zum Gebet. Im kleinen Laden nebenan liegen Kekse und Gewürze, die Verpackung erinnert an die Kindheit der Kohlenfrau. Vielleicht hat sie sich hier ab und zu eine Süßigkeit geholt, während ihre Eltern damals die Säcke füllten.

Ums Eck locken zwei weitere Tempel, die eine Art Zirkusarena bilden. Wilde Tiere, farbenfrohe Dekoration inklusive. Im Leong San See Temple wird vielen Buddhastatuen gehuldigt, die alte Dame im Rollstuhl ist bei der angenehm ruhigen Atmosphäre eingenickt. Gegenüber bespricht sich eine Frau im Tierdruckshirt mit dem Tiger vor dem Sakya Muni Buddha Gaya Temple. Der riesenhafte Buddha im Inneren passt auf kein Foto und erschreckt mehr, als beruhigend zu wirken. Sehenswert ist es trotzdem. Heute nur für Einheimische, die Zeit finden und vielleicht den Schatten suchen.

Serangoon endet oder beginnt in Little India. Dörfer sucht man vergeblich. Das letzte Kampong liegt in Pungol. Es wartet schon auf einen Besuch.

Allerlei streift den Blick auf den letzten Metern, ein bunter Strauß voller Nebensächlichkeiten, die dieses Viertel so lebendig erscheinen lassen. Hinter jeder Straßenecke verbirgt sich eine Gasse voller kleiner Geheimnisse. Wer genau hinschaut findet sein Seelenheil. Nie war der berühmte Mix der Kulturen derart greifbar, spürbar, erlebbar, genießbar, wunderbar. Mögen diese Gassen ihren Charme nicht verlieren und für die kommenden Besucher standhaft der Modernisierung trotzen. Sie hätten es verdient.

Genau hinsehen

Fülle ist nicht immer Fülle.
Nur zusammen mit Leere
ist Fülle Erfüllung für uns.
Das Leben braucht den Platz der Leere,
um sich auszubreiten und seine einmalige Gestalt anzunehmen.

Zeit ist nicht Geld, sondern Zeit.
Wenn ich der Zeit erlaube, sich mir zu schenken,
wird sie mich mit Reichtümern überschütten.
Dann wird durch die Zeit
die Ruhe und das Glück des Entdeckens möglich.

Beschäftigung ist nicht Bedeutung.
Was ich ohne Beteiligung meines Wesens tue,
bleibt nur die Tat meiner Hände, meiner Lippen, meines Körpers.

Ein volles Programm ist nicht unbedingt ein erfülltes Programm.
Weniger zu tun kann heißen, mehr getan zu haben,
wenn es von Herzen kam.

Jeder Weg, der zu etwas führt,
führt auch weg von etwas.
Ich übe, im Wenigen die Fülle zu sehen.

© Ulrich Schaffer

Disco in Chinatown

Sie zieht sich die Kopfhörer über die Ohren, stellt alle Parameter der Kamera ein, lässt sich treiben, sich hineinziehen und sich durchschieben. Der Menschenstrom in den engen Gassen könnte sich fast anfühlen, wie damals, als sie tanzten, durch die Nächte. Mit 15, 16, 17 … in den dunklen Räumen der Tanzsäle, Diskotheken, eng und verschwitzt. Musik laut bis zum Anschlag, im Rhythmus wippen, andere Körper spüren, ein Gefühl von Freiheit und Unendlichkeit, diese Nächte sollten nie zu Ende gehen, wurden herbeigesehnt. Bunte Lichter an allen Ecken, Discokugeln drehen sich und werfen Lichtpunkte auf alle Wände. Die Tanzfläche eine Bühne. Beseelt, erschöpft, todmüde nach Stunden der Tanzlust ins Bett fallen mit einem Dauerrauschen in den Ohren und zertanzten Füßen. In den Träumen flackern die Lichter hinter den Augen weiter, die Körper schmiegen sich noch einmal aneinander, die Welt ist schön.

Little China girl
I could escape this feeling with my China girl
I feel a wreck without my little China girl
I hear her heart beating loud as thunder
Saw the stars crashing
I’m a mess without my little China girl
Wake up in the morning, where’s my little China girl
I hear her heart’s beating loud as thunder
I saw the stars crashing down
I feel tragic like I’m Marlon Brando
When I look at my China girl
I could pretend nothing really meant too much
When I look at my China girl
I stumble into town
Just like a sacred cow
Visions of swastikas in my head
Plans for everyone
It’s in the white of my eyes
My little China girl
You shouldn’t mess with me
I’ll ruin everything you are
You know it
I’ll give you television
I’ll give you eyes of blue
I’ll give you a man who wants to rule the world
And when I get excited
My little China girl says,
„Oh baby just you shut your mouth.“
She says, „Sh.“
She says, „Sh.“
She says
She says
And when I get excited
My little China girl says,
„Oh baby just you shut your mouth.“
And when I get excited
My little China girl says,
„Oh baby just you shut your mouth.“
She says, „Sh.“
She says
Little China girl
Little China girl
Little China girl
Little China girl
Little China girl

David Bowie
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It was a theme she had
On a scheme he had
Told in a foreign land
To take life on earth
To the second birth
And the man was in command
It was a flight on the wings
Of a young girl’s dreams
That flew too far away
Don’t push too far your dreams are china in your hand
Don’t wish too hard because they may come true
And you can’t help them
You don’t know what you might have set upon yourself
China in your hand
Come from greed
Never born of the seed
Took a life from a barren hand
Oh eyes wide
Like a child in the form of man
A prophecy for a fantasy
The curse of a vivid mind
Don’t push too far your dreams are china in your hand
Don’t wish too hard because they may come true
And you can’t help them
You don’t know what you might have set upon yourself
China in your hand
Whoa your hand
Your hand
Don’t push too far your dreams are china in your hand
Don’t wish too hard because they may come true
And you can’t help them
You don’t know what you might have set upon yourself
But you shouldn’t push too hard no no
Don’t push too far your dreams are china in your hand
Don’t wish too hard because they may come true
and you can’t help them
You don’t know what you might have set upon yourself
Because they’re only dreams
And you shouldn’t push too hard no no

T’Pau
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Yesterday I got so old
I felt like I could die
Yesterday I got so old
It made me want to cry
Go on, go on
Just walk away
Go on, go on
Your choice is made
Go on, go on
And disappear
Go on, go on
Away from here
And I know I was wrong
When I said it was true
That it couldn’t be me and be her
Inbetween
Without you
Without you
Yesterday I got so scared
I shivered like a child
Yesterday away from you
It froze me deep inside
Come back, come back
Don’t walk away
Come back, come back
Come back today
Come back, come back
What can’t you see
Come back, come back
Come back to me
And I know I was wrong
When I said it was true
That it couldn’t be me and be her
Inbetween without you
Without you
Without you
Without you
Without you
Without you
Without you
Without you

The Cure
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It was down in Chinatown
That I met the opium Queen
Baby face girl from Shanghai
Never smile and never cry

She now rules the underworld down in Chinatown
She runs all the opium den down in Chinatown

Bring her your gold, bring her your worries
And when life gets a bit too dreary to stand
Give a ring to the Queen of Chinatown

Go down, go down
To the Queen of Chinatown
She’ll pick you up when you’re feeling down
Go down, go down
To the Queen of Chinatown
And she’ll soon blow your blues away

It was down in Chinatown
When I met the opium Queen
Baby face girl from Shanghai never smiled and never cried
When love isn’t what it sounds go to Chinatown
When your friends have let you down got to Chinatown

When life is pain, when love is sorrow
And it gets more than you can possibly stand
Give a ring to the Queen of Chinatown

Go down, go down
To the Queen of Chinatown
She’ll pick you up when you’re feeling down
Go down, go down
To the Queen of Chinatown
And she will blow your blues away

It was down in Chinatown
When I met the opium Queen
Baby face girl from Shanghai
Never smiled and never cried

Go down, go down
To the Queen of Chinatown

When your life gets a bit dreary
When you’re down
When you’re feeling low
Give a ring to the Queen of Chinatown

Go down, go down
To the Queen of Chinatown
She’ll help you out
She’ll pick you up
She’ll sniff your blues away

Go down, go down
To the Queen of Chinatown
She’ll pick you up when you’re feeling down
Go down, go down
To the Queen of Chinatown
And she will blow your blues awayIt was down in Chinatown that I met the opium Queen
babyface girl from Shanghai never smile and never cry.
She now rules the underworld down in Chinatown
she runs all the opium den down in Chinatown.
Bring her your gold bring her your worries
and when life gets a bit too dreary to stand
give a ring to the Queen of Chinatown.
Go down
go down
to the Queen of Chinatown
she’ll pick you up when you’re feeling down.
Go down
go down
to the Queen of Chinatown
and she’ll soon blow your blues away.

Amanda Lear
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We walked these streets like kings, our faces in the wind
And everywhere we were, we made the city sing
We sang „forever young,“ we had our fingers crossed
And when the city sleeps, it dreams of us
Yeah, it still does
Oh, love, it changes shapes; it glows in many shades
We won’t be gone as long as our echoes resonate
We need no photographs; the past’s not only past
I find us everywhere and that’s how the magic lasts
Cause everywhere we’ve been, we have been leaving traces
They won’t ever disappear
We were here, we were here, we were really here
And the rains get rough, but time can’t wash us off
We won’t ever disappear
We were here, it was really love
Everywhere we’ve been, we have been leaving traces
They won’t ever disappear
We were here, we were here, we were really here
And the rains get rough, but time can’t wash us off
We won’t ever disappear
We were here, it was really love
It’s only little things: footmarks and fingerprints, a treasure hunt through town
It’s full of evidence, our monuments are all around
Everything’s on the move; the paint is wet, all colors are new
But if you look carefully, you’ll see us shining through
Cause everywhere we’ve been, we have been leaving traces
They won’t ever disappear
We were here, we were here, we were really here
And the rains get rough, but time can’t wash us off
We won’t ever disappear
We were here, it was really love
Everywhere we’ve been, we have been leaving traces
Everywhere we’ve been, we have been leaving traces
And the rains get rough, but time can’t wash us off
We won’t ever disappear
We were here, it was really love
We were here, we were here, we were really here
We were here, we were here, we were really here
We were here, we were here, we were really here
We were here, we were here, we were really here
We were here, we were here, we were really here
We’re in the air, we’re in the water
From the rooftops down to the pier
I’ll never walk these streets alone
We were here, we were here, we were really here
Engraved into waves; invisible ink on the walls
We were here, we were here, we were really here

B.O.Y.
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HAPPY CHINESE NEWYEAR SINGAPORE

Unterm Radar

„Sie war für das Verschwinden wie gemacht, schmal wie ein Hemd, die Füße einer Schülerin. Sie konnte lange hinter Bäumen stehen, in Gräben oder unter Hecken kauern. Verschwand am Mergelschacht im Schilf, schob sich in P. Bs. Gerstenfeld und tauchte in den langen Halmen unter. Streunte über Sandwege und Trampelpfade, lief bis zum Hünengrab und legte sich ins Heidekraut. Das einzige, was Marrert Fs. Versteck manchmal verriet, war eine kleine Wolke Qualm. Sie paffte Zigarettenstummel, die sie im Gasthof von den Tischen sammelte, wenn Sönke es nicht sah. Halb gerauchte Juno, Gold Dollar oder Ernte 23, die in den Aschenbechern liegen blieben.“

„Sie tauchte meistens in der Mittagsstunde unter, sie machte es wie alle, die in Brinkebüll für eine Zeit verschwinden wollten. Die nicht gesehen werden wollten, wenn sie um Häuser oder Scheunen schlichen, wo sie nichts verloren hatten, oder mit langem Schritt ein fremdes Feld vermaßen, als ob es ihnen schon gehörte, Ihre Räder leise aus dem Schuppen schoben, zwei leere Eimer an den Lenker hängten und zum Süderende fuhren, um schnell die reifen Fliederbeeren abzupflücken, bevor es jemand anderes tat. Man musste warten, bis das Dorf wie ein betäubtes Tier zusammensackte. Bis in den Küchen und den Stuben nach und nach die Tageszeitungen zu Boden glitten und tief geatmet wurde auf den Eckbänken und Sofas. Die Brinkebüller Kinder lernten früh, dass man das leise Schnarchen hören musste, bevor man auf den Strümpfen durch die Diele huschen konnte, zum Heuboden hinauf, wo die versteckten Comic-Hefte lagen oder die blinden, jungen Hunde, die man eigentlich nicht haben durfte.“

„Das betäubte Dorf bemerkte nicht, wenn Marret F. verschwand, es sah sie nur auf ihrem Weg zurück, mit Gräsern un den Haaren oder Sand an ihren Kleidern. Sie kam mit Steinen in den Taschen, Schneckenhäusern, Scherben, Holzstücken und Bucheckern, Ahornsamen oder Klatschmohnkapslen, kleinen Knochen, manchmal toten Vöglen, Mäusen, Feldhamstern, und nichts von dem, was Marret in den Feldern rund um Brinkebüll gefunden hatte, durfte weg. Die Pflanzen legte sie mit Löschpapier in Sönkes großen Shell-Atlas, der Rest kam in ihr Schap, den ausrangierten Küchenschrank, der staubig an der Wand im Kuhstall stand. Die toten Tiere sorgten regelmäßig für Geschrei, weil Sönke sie im Stall nicht haben wollte. Er warf sie auf den Mist, sobald er sie entdeckte, und Marret schrie, weil diese Tiere erst verschwinden durften, wenn sie gezeichnet und beschriftet worden waren. Sie mussten in ihr Book, ein blaues Schulheft, großkariert, mit breitem Rand.“

„Wippsteert ist gleich Bachstelze. (Singvogel, Zugvogel) Am 21. September 1964 an der Brücke bei Wischers Heck gefunden, Schon länger tot. (Brummer)“ „Sie schrieb in Schönschrift, unterstrich die Überschrift zweimal mit Lineal und ließ dabei die Unterschleifen aus, das hatten sie bei Lehrer Steensen so gelernt. Es konnte Stunden dauern, bis sie fertig war mit ihrem Zeichnen und Beschriften, manchmal Tage. Weil E. sie nicht mit den toten Tieren in die Küche ließ, zog Marret sich den alten Schemel in den Stall und saß, das blaue Heft im Schoß, den Rücken an ihr Schap gelehnt. Summte, malte, schnörkelte und unterstrich, als gäbe es um sie herum nichts anderes zu tun, als stünden nicht Eimer, Besen, Forken, als müsste Sönke F. nicht wütend über ihre ausgestreckten Beine steigen, sie sah ihn gar nicht. Sie merkte wohl auch nicht, dass ihre toten Tiere manchmal schon schlecht rochen.“

„Marret schien hinter einer Wand aus Glas zu leben. Man musste rufen oder winken, um sie zu erreichen, und manchmal war das Glas auch noch beschlagen. Sie sah und hörte nichts, wenn sie im Stall auf ihrem Schemel hockte, in Kleiderschränken saß oder im Brennholzschuppen, wo sie immer die Lesezirkelhefte las, Quick, Stern und Bunte, und den Filmstars und den Schlagersängerinnen, die auf den Titelbildern waren, Zahnlücken oder Bärte malte, Brillen, Lockenköpfe. Sie hörte nicht, dass H.G., der Mappenmann, fast jede Woche gegen die Kommode trat und fluchte, wenn er ihr Gekritzel sah. Weil er sich wieder das Gemecker von den nächsten Abonennten anhören konnte. Wer wollte denn Curd Jürgens ohne Schneidezähne sehen und Heidi Brühl mit Backenbart und Brille?“

„Es brachte nichts, sich aufzuregen, gar nichts. Das wusste D. K. mittlerweile auch. Sie wippte nur noch mit dem Fuß, die Arme vor der Brust verschränkt, wenn Marret F. in ihren Laden kam und summend Richtung Tiefkühltruhe schlenderte. Sich ein Vanilleeis aus der Gefrierbox angelte und summend wieder aus der Ladentür spazierte. ‚Ik heff keen Geld‘, sie zahlte nie, und D. sagte dazu gar nichts mehr. Sie stemmte sich aus ihrem Stuhl und schwankte auf den schweren Beinen von der Kasse bis zur Truhe, um den Deckel wieder richtig zuzumachen, dann nahm sie ihren roten Stift und schrieb die 20 Pfennig in ihr Kontobuch. E. würde beim nächsten Mal bezahlen. Man braucht über Marrets Macken nicht zu reden, ‚dor ward dat uk nich anners vun‘. Mehr sagte E. nicht, wenn jemand über ihre Tochter schimpfen oder klagen wollte. Für E.F. war das schon viel, sie sprach ja nicht, wenn sie nicht musste. Manchmal, wenn im Laden keine andere Kundschaft war, spielte D.K. Wunschkonzert mit Marret, dann tauschten sie ein Lied gegen ein Eis. Marret durfte durch den Laden tanzen wie eine Schlagersängerin, und D. wünschte sich fast jedes Mal dasselbe: Schuld war nur der Bossa Nova. Das Lied war wie gemacht für sie, weil D.K. immer gerne klärte, wer an etwas schuld war.“

„Marret war verdreiht, schon vor der Klapperlatschenzeit und vor den Untergängen, sie war noch nie normal gewesen. Auch nicht verrückt, sie lag wohl irgendwo dazwischen. Ein Knäuel Mensch, verfilzt, schief aufgerollt. Es gab die Sorte überall, in jedem Dorf. Zwei oder drei, die in sich selbst verknotet waren, keinem entsprachen und bei Ostwind weinten, rohe Rüben von den Feldern aßen oder barfuß liefen, wenn es schneite. Die zahme Elstern in der Stube hielten oder bei Vollmond Zwiebeln, tote Katzen oder Kuhhörner vergruben. Halfbackte, wunderliche Menschen, sehr einsam hinter ihrer Wand aus Glas. Gefangene, die nichts verbrochen hatten. Man sprach mit ihnen wie mit Kindern, Fremden oder Schwerhörigen, laut und nickend, zwinkerte und machte Witze, die sie nicht verstehen konnten. Man mochte ihnen aber nicht begegnen, wenn es neblig oder dunkel war, auf stillen Wegen außerhalb des Dorfes. Sie waren einem nicht geheuer mit ihren seltsamen Geräuschen, dem Flüstern und dem Murmeln, mit ihren Steinen und den toten Tieren in den Taschen. Man wusste nicht, woher die schiefen Lieder kamen, die sie sangen, warum sie lachten oder weinten. Ob sie nicht Dinge sahen oder hörten, von denen die Normalen gar nichts ahnten. Oder sie nicht angeschlossen waren an etwas Größeres und Heimliches.“

„Man quälte die Verdreihten nicht, man nahm sie hin wie Löcher in den Straßen oder das eine unberechenbare Rind, das es in jedem Kuhstall gab. Man kannte sie und hielt ein bisschen Abstand. Marret war wie etwas Flüchtiges, Verwehtes, das ständig seine Form veränderte, Sanddüne, Wolke, Quecksilber, sie hatte keine Grenzen. Keine feste Haut, so kam es E. manchmal vor. Sie hatte lange gesucht nach einem Sinn in dem, was Marret sagte oder tat, nach einer Ordnung, einer Formel, die ihr dieses Kind begreifbar machen sollte. Sie hatte aber aufgehört damit, es brachte nichts.“

„Man flog nur wie ein Brummer krachend an die Scheibe, immer wieder. Ein Kind wie Marret war ein Spiel mit komplizierten Regeln, und man bekam es ohne Anleitung. Also spielte E.F., obwohl sie nichts verstand. Sie würfelte. Gewöhnte sich das Wundern ab, als wäre es ein Laster. Stutzte nicht, als Marret plötzlich unter Betten kroch, Kommoden von den Wänden schob und mit den Händen über Teppiche und Bettvorleger tastete, die dreiteiligen Matratzen aus den Gästebetten hievte, Vorhänge und Gardinen schüttelte, Begonien und Sansevieria aus ihren Übertöpfen hob, im ganzen Haus in Schubladen und Schränken wühlte. Als Nachts das Scharren weiterging, das Möbelrücken in den Fremdenzimmern, das Tasten und das Wühlen bis zum frühen Morgen. Bis es Zeit zum Melken war und Marret ganz allmählich dämmerte, dass von dem schönen fremden Mann nicht mehr zu finden war als eine nachtblaue Krawatte. Er hatte hier nichts mehr verloren.“

„Marret war auch taub, wenn sie an klaren Tagen auf das Meiereidach stieg, bis zu dem Brett am Schornstein, wie die Tauben immer saßen. ‚Nu schnackt se uk noch mit de Vageln.‘ Sie schaute nicht nach unten, und sie hörte nicht, wenn J.M. nach oben brüllte, dass sie ‚gefälligst mol zackzack‘ da runterkommen sollte. Sie sah den Himmel über Brinkebüll, sonst nichts. Das kleine Dorf da unten ging sie gar nichts an und J.M. schon gar nicht. Anfangs hatte er ihr mit der Faust gedroht, jetzt ließ er sie da oben sitzen, solange sie ihm nicht die Dachziegel heruntertrat.“

Fotos: Sandra Thoss;

Text: Dörte Hansen „Mittagsstunde“