Kosmonautin – Erkundungen

Die Nacht war so kurz wie der unerwartet ausgelassene Abend lang war. Intuition führt die kleine Gruppe in eine Pianobar, unweit des quirligen Times Square in einer ruhigen Straße. Im Souterrain eines dieser typischen Backsteinhäuser gelegen. Im Laufe der Nacht entpuppt sich dieser Ort als das seit langem beste Erlebnis.

Musik – erst ruhig, dann laut, wild und schräg. Der Entertainer gibt alles, spielt das Klavier im Stehen. Vollster Körpereinsatz. Und eine gesangsfeste Barcrew mischt während des Singens Cocktails für die ausgelassenen Gäste, unter denen ebefalls Gesangsfreude herrscht und sich das eine oder andere Talent outet. Es wird gelacht, gefeiert und geflirtet. Was für einen Spaß für alle, die es erleben durften. Wer den Ort findet wird ihn lieben.

Nach dem Fest ist vor dem Frühstück. Sie liebt so einiges hier, Bagels zum Beispiel. Auf dem Weg zur Brooklyn Bagel Factory ziert Weihnachtsdekoration so manchen Eingang der Häuser. Der erste Kaffee wird geschlürft, Hunde ausgeführt, zur Arbeitsstelle gehastet. Ihr fällt ein Deckenberg mitten auf dem Gehweg auf, der sich plötzlich bewegt. Wer musste die kalte Nacht darunter verbringen? Wärmestuben oder Kältebusse – gibt es so etwas hier?

Gesang des Lebens Gross ist das Leben und reich! Ewige Götter schenkten es uns, lächelnder Güte voll, uns den Sterblichen, Freudegeschaffenen. Aber arm ist des Menschen Herz! Schnell verzagt, vergisst es der reifenden Früchte. Immer wieder mit leeren Händen sitzt der Bettler an staubiger Strasse, drauf das Glück mit den tönenden Rädern leuchtend vorbeifuhr.

Otto Erich Hartleben

Hoch hinaus will sie heute, dem Welt(t)raum näher sein, sich einen Überblick verschaffen. Von unten entdeckt sie Menschen auf einem angeseilten Steg an einer Hausfassade arbeiten und ein bisschen wie Ameisen wirken. Sie kleben dort ein neues Plakat, auf dem am Ende stehen wird „There’s Magic in All of Us“.

„The Edge“ ist die höchste Aussichtsplattform der westlichen Hemisphere und scheint über den anderen Häusern der Stadt zu schweben. Unter ihr sieht es wie ein nicht endend wollendes Zugbrett aus. Dicht gedrängt ist jeder Quadratmeter bebaut, dazwischen schneiden Straßen tiefe Schluchten zwischen die Wolkenkratzer. Jetzt wie ein Vogel die Flügel ausbreiten und dahingleiten über die Dächer dieser Sehnsuchts-Metropole.

Die Kinder hier oben sind von Natur aus erstaunt, drängen an die übermannshohen Scheiben, um den besten Platz zu erhaschen. Oder sind zögerlich und trauen dieser erstaunlichen Höhe nicht, dem unfassbar weiten Blick oder erschrecken, als sie auf dem kleinen Stück Glas stehen, dass den direkten Blick nach unten freigibt. Wäre da ein kleines Loch, könnten sie einen Kaugummi auf die unter ihnen vorbeifahrenden Autos spucken.

Leider hat für die anderen Besuchern der teure Ticketpreis nur einen Wert – Selbstinszenierung! Für Freunde, sich selbst, für die „sozialen“ Medien wird posiert, gesprungen oder sich auf dem Boden gewälzt. Keinen Augenblick nehmen sie sich die Zeit, in die Ferne zu schweifen. Die Miniatur der Freiheitstatue zu suchen oder die Größe des Central Parks zu erkennen. Wohin sind wir gekommen? Sie konnte einfach nicht anders und musste das für die Nachwelt mit der Kamera festhalten.

der Platz eines Außenseiters ist nicht schlecht man hat einen viel bessern Überblick

Anke Maggauer-Kirsche

Sie verschwindet in den Untergrund der Stadt. Tiefer Fall sozusagen, vom Himmel in die Hölle. Es ist heiß, staubig und laut. Auch einige seltsame Gestalten sind anzutreffen, die meisten harmlos – fragen gar nicht erst nach Geld. Wer hat und will, kann hier den ganzen Tag Dollarscheine oder Quatermünzen verschenken. Aber sicher wird keiner damit gerettet, nur getröstet vielleicht. Brooklyn – Stadt in der Stadt – die Metro führt unter dem Fluss auf die andere Seite. Noch nie war sie hier.

Den Niederländern verdankt dieser Bezirk seinen Namen. 1634 als Breuckelen gegründet (nach der Stadt Breukelen bei Utrecht), wurde er 1898 nach New York eingemeindet. Ein bisschen eigenständig mögen er und seine Bewohner heute immer noch sein. Bunt und quirlig scheint es hier wohl zuzugehen, wenn es wärmer draußen ist und nicht alle wie heute in die warmen Häuser, Shops, Cafés oder Restaurants flüchten.

Alle strömen nach Dumbo, einem Stadtteil, mit ehemaligen Lagerhäusern und teilweise sogar noch Kopfsteinpflaster. Auch sie möchte einen Blick werfen auf die zum greifen nah wirkende imposante Manhattan Bridge, die sich zwischen den roten Häusern in stahlblau erhebt. 1901 begann der Bau und dauerte 8 Jahre, bis er die beiden Stadtteile Lower Manhattan und Downtown Brooklyn über den Eastriver miteinander verband. Vielleicht sollte sie einmal des nachts hier herkommen, wenn kein Trubel in den Gassen herrscht, und dann ganz alleine dem Rauschen des Verkehrs zuhören.

Kleine Seelen wollen Wolkenkratzer Wolken kratzen sehen.

Andreas Tenzer

Im Bluestone Lane Café muss sie sich aufwärmen und trifft sie zwei junge Mädchen. Sie sprechen ihre Sprache, ein schöner Zufall. Sie sind über die Brooklyn Bridge gelaufen und trauen sich nicht die Metro zu benutzen. Nur Mut gibt sie ihnen mit für den Heimweg. Sie selbst lässt sich von den Beiden den Zugang zur Brücke erklären und macht sich auf den Weg. So ganz allein diese Stadt zu erkunden hat irgendwie etwas. Den Gedanken kann sie ihren Lauf lassen, genau beobachten, verweilen und vom Weg abkommen. Aber ein bisschen Gesellschaft vermisst sie dann doch ab und zu.

Einmal war sie die Brücke von Manhattan aus abgeschritten und am Ende direkt wieder umgekehrt. Heute also der Weg mit dauerndem Blick auf die Skyline, die schon millionenfach abgelichtet wurde. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu jeder Jahreszeit und aus so vielen verschiedenen Perspektiven. Aber das stört sie nicht, denn jedes Individuum hat seinen eigenen Blick.

Es hat sich viel verändert, seit dem letzten Besuch. Damals gab es ein paar wenige Souvenierstände an beiden Enden der Brücke. Überschaubar. Jetzt ist die Brücke zu einer wahren Einkaufsmeile verkommen. Der Blick soll nicht über Fluss und Stadtsilhouette gehen, sondern auf die Auslagen der Händler mit allem was der Tourist als Andenken braucht.

Dazwischen bieten alle fünfzig Meter Stände die neuest Art der Selbstinszenierung an. Eine mit rotem Samt bespannte runde Platte, auf die sich gestellt werden kann. Das Smartphone wird an einer Stange befestigt, die Platte dreht die Person dann eine Minute und das perfekte Video wird sofort produziert, fertig zum Versenden an alle Daheimgebliebenen. Dazu läuft in Dauerschleife ein Ausschnitt aus dem berühmten Alicia Keys Song „Empire State of Mind“ – wohlgemerkt übrigens bei allen Anbietern auf der Brücke.

Für die Nostalgiker gibt es noch echte Polaroids im Angebot und daneben übervolle Mülleimer am Ende eines jeden Tages. Immer wieder fallen ihr kleine durchsichtige Minizelte auf, in denen ein Stuhl steht. Hier wärmen sich die Händler ab und zu auf, wenn der Wind die Temperaturen in den Keller sinken lässt. In einem sitzt ein kleiner Junge und schau ein Video auf dem Smartphone an. Es ist verständlich, dass hier jeder Geld verdienen muss, der in dieser Stadt leben will. Trotzdem kauft sie nichts und produziert kein Video auf der drehenden Platte.

Sensation ist das Bedürfnis der Menge – die Persönlichkeit sucht das Erlebnis.

Salomon Baer-Oberdorf

So schnell sind die Stunden verstrichen, sie wird das Gefühl nicht los, dass die Zeitdimension in dieser dauernd hektischen Stadt eine andere ist als auf ihrem Heimatplaneten. Die Rush Hour wurde wahrscheinlich hier erfunden. Ab spätem Nachmittag schlendern nur noch die Touristen, die Metro saugt viel mehr Menschen in den Untergrund, alle versuchen schnellstmöglich an ihr Ziel zu kommen. Vermutlich tauscht sich die Menge jeden Tag aufs Neue von West nach Ost und von Nord nach Süd aus.

Menschen sind wie Mücken – sie sammeln sich um das Licht. Leider verstehen sie oft nicht künstliches Licht von wahrem zu unterscheiden.

Irina Rauthmann

Kosmonautin – eine Ankunft

Sonne! Es blendet sie sofort beim unweigerlichen Blick nach oben, entlang der Häuserfassaden, die sich endlos dem Himmel entgegen zu strecken scheinen. Schatten und Licht im Wechsel. Die Anreise anstrengend, Raumanzug und Helm behält sie lieber an, es laufen ihr ungeschützte Wesen vor die Füße. Hektisch und wohl mit einem Ziel im Sinn. Gemalte Fische schwimmen an Hauswänden, ein pinker Baum inmitten der futuristischen Gebäude. Faszinierend.

Soviel hat sich verändert, seit ihrem letzten Besuch hier. Ein kleiner fremder Planet, der zu tagelangen Erkundungstouren einlädt. Durch den Helm des Raumanzuges wirkt jeder Blick an den Rändern verschwommen. Lichter vermehren sich zu kleinen und größeren Formen, ein bisschen wie Disco im Kopf.

… Wie wenig Menschen verstehen überhaupt richtig, zu sehen. Sie gehen durch die Welt mit einem ganz oberflächlichen Blick auf die Dinge, und die Bilder, die ihr Auge aufnimmt, sind so schwach und verschwommen, daß alle Einzelheiten verloren gehen und ihr Geist gar keine kräftigen Eindrücke erhält.

Orison Swett Marden

Zeit! Was für ein schönes Gut hast sie im Gepäck, kann sich den Ausblicken hingeben, die sich in alle Richtungen zu vermehren scheinen. Niemand erkennt sie. Freie Auswahl für eine Woche. Gruppen ziehen vorbei, die tatsächlich einen Plan einhalten werden. Wie schön ist es, einfach nur die Umgebung aufzusaugen und die Stimmung dieses frühen Tages in sich zu spüren. Jeder Augenblick wie ein kleiner kostbarer Diamant am Wegesrand.

Haie schweben über ihrem Kopf, welchen Song sie wohl spielen? Einige der Gebäude erkennt sie wieder, und freut sich darüber, das sie erhalten geblieben sind. Geldrausch der Immobilienhaie abgesagt, zumindest für den Moment.

Andere sind neu, blitzblank geputzt und locken mit Attraktionen, öffnen Konsum und Kommerz bereitwillig Türen und Tore.

Das Surrogat Konsum hält die Illusion der Freiheit aufrecht.

Michael Brombeis

Von einer neuen Insel hat sie gehört, die am Uferkai des Hudson Flusses künstlich errichtet wurde. Neugierig, ob ein solches Wagnis auch künstlerisch ansprechend umgesetzt werden kann, entschließt sie sich zu einem kleinen Abstecher. Immerhin locken dort wieder neue Aussichten und Einsichten.

Hunger kennt man überall – die Tische werden hier reich gedeckt sein, wenn Konto und Geldbörse es hergeben. Speisen, die sie noch nie gekostet hat, aus fernen Ländern von den Menschen mitgebracht. Um der alten Heimat nah zu sein, um Abwechlung auf die Teller der Hunrigen zu bringen. Den Ziegelbau gegenüber nennen sie Chelsea Markt. Hier wurden Oreakekse hergestellt in der damaligen National Biscuit Company. Im Ofen geschmorte Honig-Süßkartoffeln, stundenlang gegartes Fleisch, Fladenbrot, Hummus, scharfe Peperoni … mit Gewürzen verfeinert, dass ihr schon beim Duft der Speisen das Wasser im Mund zusammen läuft. PAUSE!

Entwirf deinen Reiseplan im großen – und laß dich im einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.

Kurt Tucholsky

Diese Stadt erstaunt sie mit jedem Schritt, immer wenn sie um die nächste Ecken bog. Peking, Shanghai, Hongkong – mitten unter Asiaten, das Gewusel in diesen Straßen, fremde Sprachen, interessante Gerüche. Alle schienen versunken in ihrem Treiben, Tun, Tamtam. Einfach mitschwimmen im Strom der Geschäftigen, der hektischen Jungen und stoischen Alten. Oder in eine Ecke stellen und dem Nachmittagsspektakel in China Town beobachten. Einfach nur sein.

Ihr unbekannte Künstler hinterlassen Spuren an Türen, Wänden, auf allem was sich bemalen oder besprühen lässt.

Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen, alle zieht es nach Hause oder in die Geschäfte. Nichts ist dieser Stadt fremd. Stille kann nicht erwartet werden. Pausen scheinen weder die Bewohner noch die Besucher zu kennen. Im brasilianischen Café läuft passende Musik, der Inhaber serviert gut gelaunt einen Wachmacher für sie.

Über das berühmte Katz’s Deli stolperte sie quasi. Welch ein schöner Zufall. Seit 135 Jahren wird hier jüdisches Essen serviert. Wie es hier wohl 1888 ausgesehen haben muss? Welche Menschen sich damals das Lokal leisten konnten und ob es heute noch Speisen gibt, die damals serviert wurden? Einmal wenigstens einen Blick ins Schaufenster werfen. Heute gab es keinen freien Platz, sie wird wiederkommen, mit Freunden und dann in großer Runde schmausen, was die Küche hergibt.

Die Jugendlichkeit Amerikas ist seine älteste Tradition. Dreihundert Jahre alt.

Oscar Wilde

Sie mag die blaue Stunde in dieser Stadt, langsam zieht die Nacht heran, die ersten Lichter tauchen alles in ein wärmendes Licht. Auch wenn nicht alle hier ein gemütliches Heim bewohnen dürfen. Auf harten Bänken oder gar dem noch kalten Boden der Straße schlafen sie und wärmen sich manchmal gegenseitig. Das wenige Hab & Gut im Klammergriff beschützend vor einem nächtlichen Raub. Sie sollte sich dringend etwas Kleingeld besorgen.

Die Nacht ist die Königin der Schatten.

Aus dem Senegal

Jahresschau 2023

Sinnbildlich taten sich viele Abgründe auf, in diesem wie schnelle Wolken vorbeiziehenden Jahr 2023. Schmerz und Leid gab es für viele Menschen auf dieser Erde, die überwiegende Mehrheit war und ist unschuldig daran. Die Verwantwortlichen rechtfertigen dieses Leid aus den unterschiedlichsten Gründen. Eine einzig richtige Wahrheit zu finden ist nicht möglich, auch wenn viele diese Sehnsucht nach einfachen Antworten haben. Es ist und bleibt kompliziert und es muss täglich ausgehandelt werden, wie man selbst damit umgeht. Ich bin dankbar für die vielen guten und ausschlussreichen Gespräche mit Menschen in meinem Umfeld, über Bücher und Podcasts, die Licht ins Dunkle bringen, über ein sicheres Zuhause und meine gesunde Familie. Für das Brot, dass ich backen darf und die Möglichkeiten zu Reisen, um Fotografien mit nach Hause zu bringen. Die Erfahrungen auf Reisen prägten schon immer die Menschen und spornten zu Verständnis und einem versöhnenden Miteinander an. Ich habe die Hoffnung, dass es auch in Zukunft so sein wird, aber ich weiß auch, dass sich immer noch schlimmere Abgründe auftun könnten. Vielleicht ist die Hoffnung stärker und 2024 wird ein friedlicheres Jahr mit Weitsicht und mehr Gefühl auf allen Seiten.

Spannend fand ich in diesem Jahr ganz besonders:

„Die Psychotische Gesellschaft“ von Ariadne von Schirach – Hier ein Auszug:

„Die Wiederaneingnung des Lebens und des Zusammenlebens ist so leicht und so schwer wie ein erster Kuss, wie ein fester Entschluss oder ein Lachen nach langer Traurigkeit. Sie ist das Wiederaufnehmen eines Gespächs, das nicht mehr nur von einzelnen Auserwählten, sondern von uns allen und zugleich im bewussten Austausch mit allem, was mit uns ist, geführt werden muss. Wir selbst sind die Zukunft, die wir suchen, ihre Eltern und ihre Kinder zugleich. Und obwohl man sich gewisse Dinge nicht aussuchen und das, was geschehen ist, nicht ungeschehen machen kann, ist es tatsächlich möglich, neu und anders zu träumen. Von Dingen, die uns verbinden, begeistern, erheben. Und die es verdammt nochmal wert sind. Der poetischen Dimension des eigenen Daseins gewahr zu werden ist nur ein anderer Ausdruck für einen mündigen Umgang mit unserer angeborenen Schöpfungskraft. Wir können unseren geplünderten Planeten wieder in eine echte Heimat verwandeln, sein Für-uns in ein Mit-uns. Doch das ist tatsächlich co-creation, Mit-Schöpfung. Wir sind wirklich nicht allein hier. Wir leben mit der Natur, den Tieren, den Pflanzen und all dem, was wir bislang gedacht, gemacht und versäumt haben. Dieses Wissen ist das Wesen unsere Verantwortung. Denn wir Menschen sind die Hüter der Erde.“

Die Dokumentation. „Rebellinnen – Fotografie. Underground DDR“ – noch zwei Tage verfügbar in der Mediathek der ARD

Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer berichten über die Schwierigkeiten als Künstelerinnen in der DDR zu arbeiten und zu leben. Nicht ohne Tränen konnte ich diesen Geschichten lauschen und staunen, was trotz Repressalien und Gefängnisstrafe möglich war.

Die Podcastfolgen:

„Das Politikteil – An Israel spaltet sich die Linke“ von Zeit Online – Eva Menasse eine streitbare Gästin!

„Alles Gesagt?“ von Zeit Online – die Folgen mit Hadija Haruna Oelker (Wie schön ist die Differenz?); Luise Pusch (Warum ist Deutsch eine Männersprache?); Alena Buyx (Warum ist Leben nicht das höchste Gut?) und Ferdinand von Schirach (Was ist ein gelungenes Leben?)

Mein fotografischer Jahresrückblick:

JANUAR

Da der Schnee fehlte gab es Kultur in Salzburg. Die echten Mozartkugeln wurde nach eigenen Angaben 1890 vom Salzburger Konditor Paul Fürst kreiert und nach dem fast 100 Jahre zuvor verstorbenen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart benannt. Der ursprüngliche Name war Mozart-Bonbon. Die nach dem Originalrezept von Hand zubereiteten Original Salzburger Mozartkugeln werden bis heute von der Konditorei Fürst hergestellt und nur in deren Geschäften verkauft sowie im Internet zum Versand angeboten. Mangels Schutzrechten der Firma Fürst gibt es zahlreiche Nachahmerprodukte, die vor allem industriell produziert werden. Quelle: Wikipedia. Echte Mozartkugeln erkennt man übrigens an der blau-silbernen Verpackung.

FEBRUAR

Ein Besuch in Leipzig, quasi ein Muss in jedem Jahr, der Familie zuliebe, und der Fotografie und weil es eine Stadt ist, die man immer wieder neu entdecken kann.

MÄRZ

Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten. Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne und Töchter der Erde. Denn das wissen wir: Die Erde gehört nicht dem Menschen – der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint.

Chief Noah Seattle (1786 – 1866)

APRIL

Schwan auf dem Neckar im Tübingen – der Frühling lockt nach draußen.

MAI

Die jüngere Tochter wird in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Jugendweihe, ein wichtiger Tag in ihrem Leben. Ella, wir wünschen dir das Beste für deine Zukunft. Mögen viele deiner Träume und Wünsche in Erfüllung gehen.

JUNI

Oostende in Belgien – ein kleines Land, das wir noch nicht kannten. Es überraschte mit seinen zugwandten Menschen. Landschaft und Ortschaften zu erkunden bei bestem Wetter, was braucht es mehr für das kleine Glück zwischendurch. Das Meer mit Wind und Wellen – iTüpfelchen.

JULI

ABI 2023! – Wir feiern mit Stolz das Abitur der großen Tochter. An sechs Schulen in vier Ländern mit viel Fleiß und Tränen, aber auch mit vielen Freundinnen und Erlebnissen war diese Schulzeit eine ganz besondere. Geh deinen eigenen Weg liebe Charlotte, die Welt steht dir offen.

AUGUST

Norwegen – Sehnsuchtsort seit langer Zeit. Dieses Jahr haben wir uns diesen Wunsch erfüllt. Wir sind begeistert von diesem Land (zumindest von dem kleinen Teil, den wir erleben konnten) und werden sicher nicht zum letzten Mal hier gewesen sein. Das Foto entstand am Ende der Welt.

Verdens Ende liegt am Ende des Oslofjords und bildet die Südspitze der norwegischen Insel Tjøme in der Kommune Færder, Provinz Vestfold og Telemark. Anfang des 20. Jahrhunderts tauften Sommergäste aus der Region den Ort Verdens Ende, was im Deutschen „Ende der Welt“ bedeutet. Davor war das Gebiet mit Blick auf den Skagerrak vor allem als Aussichtspunkt für Lotsen bekannt, die auf der Jagd nach Aufträgen waren. Quelle: Wikipedia

SEPTEMBER

Montafon im Spätsommer. Wieder unbekanntest Terrain, die Wanderungen zum Teil sehr herausfordernd, die Kulisse atemberaubend schön. Moderne Architektur trifft hier auf traditionellen Charme.

OKTOBER

Und dann gab es Tage und Wochem erfüllt von Schmerzen für Ella. Da bedurfte es viel an Liebe, Mitgefühl und Zuspruch. So tapfer ging sie durch eine heftige OP in diesem jungen Alter. Im nächsten Sommer steht die nächste auf dem Programm. Dann hoffen wir, dass alle Sporarten wieder ohne Probleme möglich sein werden.

NOVEMBER

Das beste Geburtstagsgeschenkt seit langem – eine Woche New York. Mit Mann, Fotos und vielen Eindrücken kam ich beseelt zurück. Jetzt kann das 50. Lebensjahr starten. Ich bin gespannt, was 2024 bereit hält. Einige Ideen habe ich bereits. Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr wahrhaftige Begegnungen und die eine oder andere Überraschung ist natürlich ebefalls willkommen.

DEZEMBER

Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen, der findet nie, was ihm genügt. Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden, der sich an seine Seele schmiegt.


Christoph August Tiedge (1752 – 1841)

Das Beste kommt zum Schluß. DANKE für 365 Tage voll mit allem was Herz & Seele brauchen, um diese Welt auszuhalten.

Montafon – eine erste Annäherung

Jede Zeit glaubt sich auf der Höhe des Berges, den menschliche Kultur langsam ersteigt und jede folgende sehnt sich zurück nach dem heimlichen Tal, das jene für das Ende ihres Weges gehalten hatte.

August Pauly (1850 – 1914)

Landschaft – Szenerie – Stille – Ausblicke – Tradition – die Bergwelt fasziniert und ohne sie wäre die Welt irgendwie leer, flach und anders. Welches Glück, dieses Schauspiel der Natur nicht weit entfernt zu finden und tatsächlich immer neue Gegenden entdecken zu können. Aus dem engen Tal erheben sich mit aller Kraft die Gipfel und wenn die Sonne am Morgen die ersten Strahlen auf die Flanken der Gesteine wirft, zieht es einen nach Draußen und in die Höhe.

Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.

Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Durchs Silbertal führte einer unserer Wege, die wir gingen. Früher für den Silberabbau bekannt, beherrschen heute der Tourismus und die Landwirtschaft die Geschäfte der knapp 900 Personen zählenden Gemeinde. Die Litz fließt stetig das Tal hinunter und gibt uns Wanderern Kühlung im nicht enden wollenden Sommer.

Lerne Laufen und du enteilst der Zeit.

Volkmar Frank (*1962)

Trügerisch die Idylle – die Alpen werden sich verändern – das Klima lässt die Kühe bis spät in den September hinein auf den Almen grasen. Die Touristen suchen ganzjährig, was sie in den Bergen für sich erhoffen. Ruhe oder Trubel liegen hier nicht sehr weit auseinander. Abgelegene Pfade kennen wohl nur die Einheimischen.

Der Mensch ist zur Vollkommenheit nur bei der Zerstörung fähig.

Erhard Blanck

Unwissend falsch abgebogen sind wir am letzten Tag dieser kurzen Reise. Der steile Pfad führte uns auf einen alpinen Steig, der unsere Ausdauer, Geduld und auch ein bisschen Mut herausforderte. Das „Hohe Rad“ erreichten wir letztendlich nicht, die Hütte darunter zum Glück vor Schließung und totalem Ausverkauf. Es waren anstrengende Stunden, die uns dennoch als besondere in Erinnerung bleiben werden. Der Zauber des Alpenglühens, wenn die letzten Sonnenstrahlen alles in ein magisches Licht tauchen, entschädigte für die Mühen.

Der Silvrettagletscher ist auch hier fast verschwunden. Seit 1956 ist er um mehr als 300 Meter geschrumpft. Falls es in meinem Leben Enkelkinder geben sollte, werden diese wahrscheinlich nur noch die kümmerlichen Reste des Gletschers erleben können.

Meine erste Reise nach der Öffnung der Mauer ging übrigens auch in die Berge. 1990 bestaunten wir die Gipfel, Gletscher und Täler der Dolomiten in Italien, damals war ich nur wenige Monate älter, als meine Tochter heute. So konnte ich ihr berichten, dass es damals eine sehr emotionale Reise für unsere Familie war. Zusammen mit den Verwandeten aus Rheinland-Pfalz, die uns jahrelang in der DDR besuchen kamen, konnten wir jetzt gemeinsam vereisen. Im geliehenen Auto und mit geborgten Geld feierten wir damals die Wiedervereinigung und den Sieg der Deutschen Fußballer bei der gerade dort stattfindenden Weltmeisterschaft in Italien.

Berge kommen nicht zusammen, aber Menschen.

Jüdisches Sprichwort