Kosmonautin – Erkundungen

Die Nacht war so kurz wie der unerwartet ausgelassene Abend lang war. Intuition führt die kleine Gruppe in eine Pianobar, unweit des quirligen Times Square in einer ruhigen Straße. Im Souterrain eines dieser typischen Backsteinhäuser gelegen. Im Laufe der Nacht entpuppt sich dieser Ort als das seit langem beste Erlebnis.

Musik – erst ruhig, dann laut, wild und schräg. Der Entertainer gibt alles, spielt das Klavier im Stehen. Vollster Körpereinsatz. Und eine gesangsfeste Barcrew mischt während des Singens Cocktails für die ausgelassenen Gäste, unter denen ebefalls Gesangsfreude herrscht und sich das eine oder andere Talent outet. Es wird gelacht, gefeiert und geflirtet. Was für einen Spaß für alle, die es erleben durften. Wer den Ort findet wird ihn lieben.

Nach dem Fest ist vor dem Frühstück. Sie liebt so einiges hier, Bagels zum Beispiel. Auf dem Weg zur Brooklyn Bagel Factory ziert Weihnachtsdekoration so manchen Eingang der Häuser. Der erste Kaffee wird geschlürft, Hunde ausgeführt, zur Arbeitsstelle gehastet. Ihr fällt ein Deckenberg mitten auf dem Gehweg auf, der sich plötzlich bewegt. Wer musste die kalte Nacht darunter verbringen? Wärmestuben oder Kältebusse – gibt es so etwas hier?

Gesang des Lebens Gross ist das Leben und reich! Ewige Götter schenkten es uns, lächelnder Güte voll, uns den Sterblichen, Freudegeschaffenen. Aber arm ist des Menschen Herz! Schnell verzagt, vergisst es der reifenden Früchte. Immer wieder mit leeren Händen sitzt der Bettler an staubiger Strasse, drauf das Glück mit den tönenden Rädern leuchtend vorbeifuhr.

Otto Erich Hartleben

Hoch hinaus will sie heute, dem Welt(t)raum näher sein, sich einen Überblick verschaffen. Von unten entdeckt sie Menschen auf einem angeseilten Steg an einer Hausfassade arbeiten und ein bisschen wie Ameisen wirken. Sie kleben dort ein neues Plakat, auf dem am Ende stehen wird „There’s Magic in All of Us“.

„The Edge“ ist die höchste Aussichtsplattform der westlichen Hemisphere und scheint über den anderen Häusern der Stadt zu schweben. Unter ihr sieht es wie ein nicht endend wollendes Zugbrett aus. Dicht gedrängt ist jeder Quadratmeter bebaut, dazwischen schneiden Straßen tiefe Schluchten zwischen die Wolkenkratzer. Jetzt wie ein Vogel die Flügel ausbreiten und dahingleiten über die Dächer dieser Sehnsuchts-Metropole.

Die Kinder hier oben sind von Natur aus erstaunt, drängen an die übermannshohen Scheiben, um den besten Platz zu erhaschen. Oder sind zögerlich und trauen dieser erstaunlichen Höhe nicht, dem unfassbar weiten Blick oder erschrecken, als sie auf dem kleinen Stück Glas stehen, dass den direkten Blick nach unten freigibt. Wäre da ein kleines Loch, könnten sie einen Kaugummi auf die unter ihnen vorbeifahrenden Autos spucken.

Leider hat für die anderen Besuchern der teure Ticketpreis nur einen Wert – Selbstinszenierung! Für Freunde, sich selbst, für die „sozialen“ Medien wird posiert, gesprungen oder sich auf dem Boden gewälzt. Keinen Augenblick nehmen sie sich die Zeit, in die Ferne zu schweifen. Die Miniatur der Freiheitstatue zu suchen oder die Größe des Central Parks zu erkennen. Wohin sind wir gekommen? Sie konnte einfach nicht anders und musste das für die Nachwelt mit der Kamera festhalten.

der Platz eines Außenseiters ist nicht schlecht man hat einen viel bessern Überblick

Anke Maggauer-Kirsche

Sie verschwindet in den Untergrund der Stadt. Tiefer Fall sozusagen, vom Himmel in die Hölle. Es ist heiß, staubig und laut. Auch einige seltsame Gestalten sind anzutreffen, die meisten harmlos – fragen gar nicht erst nach Geld. Wer hat und will, kann hier den ganzen Tag Dollarscheine oder Quatermünzen verschenken. Aber sicher wird keiner damit gerettet, nur getröstet vielleicht. Brooklyn – Stadt in der Stadt – die Metro führt unter dem Fluss auf die andere Seite. Noch nie war sie hier.

Den Niederländern verdankt dieser Bezirk seinen Namen. 1634 als Breuckelen gegründet (nach der Stadt Breukelen bei Utrecht), wurde er 1898 nach New York eingemeindet. Ein bisschen eigenständig mögen er und seine Bewohner heute immer noch sein. Bunt und quirlig scheint es hier wohl zuzugehen, wenn es wärmer draußen ist und nicht alle wie heute in die warmen Häuser, Shops, Cafés oder Restaurants flüchten.

Alle strömen nach Dumbo, einem Stadtteil, mit ehemaligen Lagerhäusern und teilweise sogar noch Kopfsteinpflaster. Auch sie möchte einen Blick werfen auf die zum greifen nah wirkende imposante Manhattan Bridge, die sich zwischen den roten Häusern in stahlblau erhebt. 1901 begann der Bau und dauerte 8 Jahre, bis er die beiden Stadtteile Lower Manhattan und Downtown Brooklyn über den Eastriver miteinander verband. Vielleicht sollte sie einmal des nachts hier herkommen, wenn kein Trubel in den Gassen herrscht, und dann ganz alleine dem Rauschen des Verkehrs zuhören.

Kleine Seelen wollen Wolkenkratzer Wolken kratzen sehen.

Andreas Tenzer

Im Bluestone Lane Café muss sie sich aufwärmen und trifft sie zwei junge Mädchen. Sie sprechen ihre Sprache, ein schöner Zufall. Sie sind über die Brooklyn Bridge gelaufen und trauen sich nicht die Metro zu benutzen. Nur Mut gibt sie ihnen mit für den Heimweg. Sie selbst lässt sich von den Beiden den Zugang zur Brücke erklären und macht sich auf den Weg. So ganz allein diese Stadt zu erkunden hat irgendwie etwas. Den Gedanken kann sie ihren Lauf lassen, genau beobachten, verweilen und vom Weg abkommen. Aber ein bisschen Gesellschaft vermisst sie dann doch ab und zu.

Einmal war sie die Brücke von Manhattan aus abgeschritten und am Ende direkt wieder umgekehrt. Heute also der Weg mit dauerndem Blick auf die Skyline, die schon millionenfach abgelichtet wurde. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu jeder Jahreszeit und aus so vielen verschiedenen Perspektiven. Aber das stört sie nicht, denn jedes Individuum hat seinen eigenen Blick.

Es hat sich viel verändert, seit dem letzten Besuch. Damals gab es ein paar wenige Souvenierstände an beiden Enden der Brücke. Überschaubar. Jetzt ist die Brücke zu einer wahren Einkaufsmeile verkommen. Der Blick soll nicht über Fluss und Stadtsilhouette gehen, sondern auf die Auslagen der Händler mit allem was der Tourist als Andenken braucht.

Dazwischen bieten alle fünfzig Meter Stände die neuest Art der Selbstinszenierung an. Eine mit rotem Samt bespannte runde Platte, auf die sich gestellt werden kann. Das Smartphone wird an einer Stange befestigt, die Platte dreht die Person dann eine Minute und das perfekte Video wird sofort produziert, fertig zum Versenden an alle Daheimgebliebenen. Dazu läuft in Dauerschleife ein Ausschnitt aus dem berühmten Alicia Keys Song „Empire State of Mind“ – wohlgemerkt übrigens bei allen Anbietern auf der Brücke.

Für die Nostalgiker gibt es noch echte Polaroids im Angebot und daneben übervolle Mülleimer am Ende eines jeden Tages. Immer wieder fallen ihr kleine durchsichtige Minizelte auf, in denen ein Stuhl steht. Hier wärmen sich die Händler ab und zu auf, wenn der Wind die Temperaturen in den Keller sinken lässt. In einem sitzt ein kleiner Junge und schau ein Video auf dem Smartphone an. Es ist verständlich, dass hier jeder Geld verdienen muss, der in dieser Stadt leben will. Trotzdem kauft sie nichts und produziert kein Video auf der drehenden Platte.

Sensation ist das Bedürfnis der Menge – die Persönlichkeit sucht das Erlebnis.

Salomon Baer-Oberdorf

So schnell sind die Stunden verstrichen, sie wird das Gefühl nicht los, dass die Zeitdimension in dieser dauernd hektischen Stadt eine andere ist als auf ihrem Heimatplaneten. Die Rush Hour wurde wahrscheinlich hier erfunden. Ab spätem Nachmittag schlendern nur noch die Touristen, die Metro saugt viel mehr Menschen in den Untergrund, alle versuchen schnellstmöglich an ihr Ziel zu kommen. Vermutlich tauscht sich die Menge jeden Tag aufs Neue von West nach Ost und von Nord nach Süd aus.

Menschen sind wie Mücken – sie sammeln sich um das Licht. Leider verstehen sie oft nicht künstliches Licht von wahrem zu unterscheiden.

Irina Rauthmann

Kosmonautin – eine Ankunft

Sonne! Es blendet sie sofort beim unweigerlichen Blick nach oben, entlang der Häuserfassaden, die sich endlos dem Himmel entgegen zu strecken scheinen. Schatten und Licht im Wechsel. Die Anreise anstrengend, Raumanzug und Helm behält sie lieber an, es laufen ihr ungeschützte Wesen vor die Füße. Hektisch und wohl mit einem Ziel im Sinn. Gemalte Fische schwimmen an Hauswänden, ein pinker Baum inmitten der futuristischen Gebäude. Faszinierend.

Soviel hat sich verändert, seit ihrem letzten Besuch hier. Ein kleiner fremder Planet, der zu tagelangen Erkundungstouren einlädt. Durch den Helm des Raumanzuges wirkt jeder Blick an den Rändern verschwommen. Lichter vermehren sich zu kleinen und größeren Formen, ein bisschen wie Disco im Kopf.

… Wie wenig Menschen verstehen überhaupt richtig, zu sehen. Sie gehen durch die Welt mit einem ganz oberflächlichen Blick auf die Dinge, und die Bilder, die ihr Auge aufnimmt, sind so schwach und verschwommen, daß alle Einzelheiten verloren gehen und ihr Geist gar keine kräftigen Eindrücke erhält.

Orison Swett Marden

Zeit! Was für ein schönes Gut hast sie im Gepäck, kann sich den Ausblicken hingeben, die sich in alle Richtungen zu vermehren scheinen. Niemand erkennt sie. Freie Auswahl für eine Woche. Gruppen ziehen vorbei, die tatsächlich einen Plan einhalten werden. Wie schön ist es, einfach nur die Umgebung aufzusaugen und die Stimmung dieses frühen Tages in sich zu spüren. Jeder Augenblick wie ein kleiner kostbarer Diamant am Wegesrand.

Haie schweben über ihrem Kopf, welchen Song sie wohl spielen? Einige der Gebäude erkennt sie wieder, und freut sich darüber, das sie erhalten geblieben sind. Geldrausch der Immobilienhaie abgesagt, zumindest für den Moment.

Andere sind neu, blitzblank geputzt und locken mit Attraktionen, öffnen Konsum und Kommerz bereitwillig Türen und Tore.

Das Surrogat Konsum hält die Illusion der Freiheit aufrecht.

Michael Brombeis

Von einer neuen Insel hat sie gehört, die am Uferkai des Hudson Flusses künstlich errichtet wurde. Neugierig, ob ein solches Wagnis auch künstlerisch ansprechend umgesetzt werden kann, entschließt sie sich zu einem kleinen Abstecher. Immerhin locken dort wieder neue Aussichten und Einsichten.

Hunger kennt man überall – die Tische werden hier reich gedeckt sein, wenn Konto und Geldbörse es hergeben. Speisen, die sie noch nie gekostet hat, aus fernen Ländern von den Menschen mitgebracht. Um der alten Heimat nah zu sein, um Abwechlung auf die Teller der Hunrigen zu bringen. Den Ziegelbau gegenüber nennen sie Chelsea Markt. Hier wurden Oreakekse hergestellt in der damaligen National Biscuit Company. Im Ofen geschmorte Honig-Süßkartoffeln, stundenlang gegartes Fleisch, Fladenbrot, Hummus, scharfe Peperoni … mit Gewürzen verfeinert, dass ihr schon beim Duft der Speisen das Wasser im Mund zusammen läuft. PAUSE!

Entwirf deinen Reiseplan im großen – und laß dich im einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.

Kurt Tucholsky

Diese Stadt erstaunt sie mit jedem Schritt, immer wenn sie um die nächste Ecken bog. Peking, Shanghai, Hongkong – mitten unter Asiaten, das Gewusel in diesen Straßen, fremde Sprachen, interessante Gerüche. Alle schienen versunken in ihrem Treiben, Tun, Tamtam. Einfach mitschwimmen im Strom der Geschäftigen, der hektischen Jungen und stoischen Alten. Oder in eine Ecke stellen und dem Nachmittagsspektakel in China Town beobachten. Einfach nur sein.

Ihr unbekannte Künstler hinterlassen Spuren an Türen, Wänden, auf allem was sich bemalen oder besprühen lässt.

Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen, alle zieht es nach Hause oder in die Geschäfte. Nichts ist dieser Stadt fremd. Stille kann nicht erwartet werden. Pausen scheinen weder die Bewohner noch die Besucher zu kennen. Im brasilianischen Café läuft passende Musik, der Inhaber serviert gut gelaunt einen Wachmacher für sie.

Über das berühmte Katz’s Deli stolperte sie quasi. Welch ein schöner Zufall. Seit 135 Jahren wird hier jüdisches Essen serviert. Wie es hier wohl 1888 ausgesehen haben muss? Welche Menschen sich damals das Lokal leisten konnten und ob es heute noch Speisen gibt, die damals serviert wurden? Einmal wenigstens einen Blick ins Schaufenster werfen. Heute gab es keinen freien Platz, sie wird wiederkommen, mit Freunden und dann in großer Runde schmausen, was die Küche hergibt.

Die Jugendlichkeit Amerikas ist seine älteste Tradition. Dreihundert Jahre alt.

Oscar Wilde

Sie mag die blaue Stunde in dieser Stadt, langsam zieht die Nacht heran, die ersten Lichter tauchen alles in ein wärmendes Licht. Auch wenn nicht alle hier ein gemütliches Heim bewohnen dürfen. Auf harten Bänken oder gar dem noch kalten Boden der Straße schlafen sie und wärmen sich manchmal gegenseitig. Das wenige Hab & Gut im Klammergriff beschützend vor einem nächtlichen Raub. Sie sollte sich dringend etwas Kleingeld besorgen.

Die Nacht ist die Königin der Schatten.

Aus dem Senegal

Für Demokratie

Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass die letzte Demonstration, an der ich bewusst (nicht zufällig) teilgenommen habe, 1989 war. Damals (noch sehr junge fast 15 Jahre alt) wusste ich, dass es wichtig ist, genau jetzt die anderen Demonstrierenden zu unterstützen. Wenn auch etwas abseits der Massen und mit mulmigen Gefühl im Bauch, standen wir am Rand der Veranstaltung auf dem Neumarkt meiner Heimatstadt. Die Gerüchte über Festnahmen in anderen Städten machten uns Angst. Aber wenn die eigenen Eltern hingehen … und es um die Zukunft geht, war die Angst kleiner als der Mut.

Es gab danach viele Gründe an Demonstrationen teilzunehmen. Gegen Atomkraft, gegen Pegida, für Klimaschutz, für Tierwohl, für Israel, die Liste lässt sich fortführen. Als die Umfragen für Sachsen immer mehr in Richtung „rechts“ zeigten, machte mich das fassungslos. Die Gründe zu verstehen oder die Argumente auszuhalten, die ich lesen konnte oder in Gesprächen hörte, ließen mich oft verzweifeln. Echt jetzt? Warum wollt ihr solchen Menschen eure hart erkämpfte Wahlstimme geben? Freiheit und Demokratie versprechen sie nicht. Abschottung, Ausgrenzung, das hatten wir doch jahrelang. Gegen Pegida zu demonstrieren erwieß sich als sinnlos, wenn man zu weit entfernt lebt. Es blieb also dabei, meine Stimme für Freitheit und Demokratie denen zu geben, denen ich die Wahrung dieser Rechte zutraute. Als Wahlhelfer mitzuhelfen, dass alles seine Richtigkeit hatte. Artikel zu lesen, die alle Seiten beleuchteten. Eine Ausbildung in Interkultureller Kompetenz zu machen, um bessere Argument und Hilfmittel an der Hand zu haben, Menschen davon zu überzeugen, dass es nur Miteinander geht und nicht Gegeneinander. Das Lösungen, die eine Mehrheit überzeugen, gefunden werden können.

Ich verstand aber auch, dass zu wenig zugehört wurde. Sorgen, Ängste, Probleme der Menschen nicht ernst genommen wurden.

Endlich wachen die Menschen im Land auf, es brauchte erst dieses eine Ereignis. Endlich fassen sie Mut und gehen auf die Straße für Freiheit und Demokratie. Endlich auch hier in der „neuen“ Heimat. Überall in Deutschland. So Viele. Mein Herz hüfpt vor Freude. In Herrenberg kommen an diesem Sonntag über 6.000 Menschen zusammen, um ein Zeichen zu setzen, zu zeigen, dass diese Gesellschaft bunt, vielfältig und offen ist. Das wir die Gedanken der Rechten Parteien nicht teilen und sie keine Macht bekommen dürfen.

Es war ein Anfang und ich werde dieses Mal nicht wieder 35 Jahre warten. Am 24.02. gibt es eine große Veranstaltung in Stuttgart, wir sind dabei.

wintersonnenwonne

Wintersonne

Noch ist der Morgen mehr Gefangener der Nacht als Bote des nahenden Tages.

Schweigen umhüllt die Landschaft tief und ruhig im Grau.

Um die träumenden Bäume und ihr Gezweige, die letzten Trotzschatten der Nacht – ein seidener Schleier aus Lila…

Da erhebt die Sonne, selbstverzaubert flimmerndes Orange, Anfangs noch blutleer im Meer der Nebel,

sucht sie dennoch am Himmel ihre Macht über den Tag – und wärmt sich langsam an den Bäumen empor.

Aus dem Reif der Wiesen funkeln Silberfäden überwältigt zu ihr hinauf.

Ihre immer stärker glutende Kraft trägt den Morgen in die Welt und verklärt ihn in einem neuen Licht…

Elmar Kupke

Draußen zwitschert es früh am Morgen, die Vögel im Garten scheinen den Frühling zu riechen oder freuen sich einfach, dass ihnen ein sonniger Tag bevorsteht. Sonn-Tag eben, wie passend.

Die nahen Wege führen direkt in die Natur, hoch hinauf, um den Blick über die weite Landschaft zu öffnen. Nebeldunst hängt noch an den Bergen der Alb. Pure Stille wäre das iTüpfelchen, doch das stete Autobahnrauschen legt einen Grundton unter die Gespräche der Wanderer. Es fühlt sich richtig an, zu gehen.

Das erste zarte Grün bricht aus dem noch leicht gefrorenen Boden, kraftvoll muss es sich wohl dem Licht empor gereckt haben. Irgendwann wird es vielleicht selbst ein stabiler Baum sein, der Schatten spendet und Kraft versprüht. Duftend ohne Wagnis auf Gewinn einfach nur wächst, um Sauerstoff zu produzieren. Und Holz natürlich. Oder einfach nur um schön und wild dazustehen.

Die Sonne küßte seine Zweige,

Ihm wurde wunderlich zu Mut.

Die Winde sagen: Neige, neige,

Neig dich zur Erde, junges Blut.

Er aber bog mit schlichter Geste

Wie hundert Arme sonnenwärts

Die lichtverhärmten nackten Äste

Und zog den Himmel an sein Herz.

Heinrich Leberecht Fleischer

Immer höher geht es hinauf, der Sonne noch ein Stückchen näher sein. Schmale gewundene Treppenstufen führen auf den modernen Turm, der sich ganz sachte bewegt. Das Schwingen der Körper, nicht der Wind, ist dafür heute verantwortlich.

Weit über das Land reicht der Blick, die Stadt liegt zu Füßen, die Dörfer darum trappiert wie eine Perlenkette.

So friedlich, als könnten einfach alle Sorgen, Nöte, Ängste und Ahnungen wie Konfetti in alle Himmelsrichtungen gestreut werden. Davonfliegen, sich auflösen. Sich ein paar Minuten trösten am Glück des Tages, der Gemeinschaft, dem Lachen und der Freude.

Was kalt und still gefroren ist, besitzt den Reiz der Ruhe, verbirgt den Zustand des Wahren, und ist Herausforderung an unser Licht.

Eberhard Schuy