Neuland betreten

Leere Räume, selten zu sehen, schwer zu finden, himmlisch, diese Ruhe, Klarheit, einfach Nichts. Ich sollte mich hinsetzten und einfach nur versinken darin. Die Gedanken werden in solchen Räumen nicht unbedingt ruhiger. Eben weil es keine Ablenkungen gibt, es einen eben gerade deshalb sogar aufgewühlt. Aber es fällt leichter, sich auf das Wenige im Raum zu konzentrieren. Das Licht, die Stille, die Oberflächen – kahle Wände bedeuten nicht, dass sie keine Geschichten zu erzählen hätten. Die Sonne schickt Strahlen herein, gebrochen an den Ecken und Kanten der Fenster, den Gardinen, den Wänden. Auf dem Boden sind Spiegel angebracht. Zum hineinblicken und sich finden. Oder um andere neue Perspektiven zu entdecken. Die ausgestellte Kunst wurde für mich zweitrangig an diesem Ort. Wie gerne hätte ich hier eine menschliche Serie fotografiert. Nur heimlich erlaubte ich mir zwei Aufnahmen, die am Ende zu einem Bild verschmolzen.

Neue Wege suchen

Es gibt ein Bleiben im Gehen,
ein Gewinnen im Verlieren,
im Ende einen Neuanfang.

Aus Japan
Geistesblitz
Spiegel der Erkenntnis?
Spiegel ohne Inhalt
Darbietungen im Raum
Verführendes Licht

Wir werden bald selbst neue Wege beschreiten, Neuland betreten, Abschiede feiern und hoffentlich warm aufgenommen werden am neuen Ort. Ein Wagnis, das unsere Gedanken, Gespräche und Nächte beeinflusste. Ein Risiko, dem wir uns stellen, ein Glück, diese Chance noch einmal im Leben zu bekommen. Spannende und aufregende Stunden, Tage und Wochen liegen jetzt vor uns, bis auch wir den leeren Räumen im Haus ein letztes Adieu zuraunen werden und ein neues Kapitel in unerer Lebenrolle beginnt.

Blaudruck
Kunst am Bau
Die Zukunft liegt ostwärts.

Stumme Zeugen

Falkenstein liegt im Vogtland, südwestliches Sachsen, direkt an der Grenze zu Bayern, Thüringen und Tschechien. Er ist einer der drei größeren Orte im Göltzschtal neben Auerbach, meiner Heimatstadt und Rodewisch, meiner Geburtsstadt. Ich muss also ein wenig ausholen für diese Serie an Bildern, die bei meinem letzten Besuch dort entstanden sind. Mit dem Ort Falkenstein verbinden mich gleich mehrere Gegebenheiten. Meine Namensvetterin lebte dort (Yvonne Sandra), deren Eltern sich mit meinen die verrückte Idee ausgedacht hatten, den Kindern nahezu selbe Namen zu geben. Mein zweiter Vorname ist Ivonne (der eine Buchstabe macht den Unterschied) und ich bin etwas eher geboren als sie. Wir haben viel zusammen gespielt in unserer Jugend, gemeinsame Ausflüge zum FFK gehörten auch dazu, die Eltern hatten eine Eisdiele in Auerbach, wie wunderbar für uns Kinder – DDR-Leben, es war eine unbeschwerte Zeit. Jetzt lebt sie in der Schweiz, hat die Heimat verlassen, wie ich und 1,5 Millionen andere nach der Wende, auf der Suche nach Arbeit, die es im Göltzschtal für uns nicht gab. Mein Mann stammt aus Falkenstein und ein paar Jugendlieben vor ihm auch 😉 – Falkenstein kenne ich also gut, es gab ein Kino (jetzt wieder Veranstaltungsort für unterschiedliche Kulturangebote), eine Disco (da steht jetzt ein Supermarkt), ein Stadion, ein Freibad und die Talsperre, an der wir viele Sommer verbrachten. In Falkenstein gab es einen Plattenladen, in dem wir unzählige LPs und CDs gekauft haben.

Falkenstein verbinde ich mit positiven Erinnerungen und doch blutet mir seit Jahren das Herz, wenn ich durch die im Schachbrettmuster abgelegte Stadt fahre oder laufe. Viele Häuser sind nach dem Zusammenbruch der DDR wieder hergerichtet worden, hatten Geschäfte, die eine lange Zeit gut funktionierten. Jetzt stehen an sehr vielen Fenstern Schilder „Zu verkaufen“ „Zu vermieten“ „Geschlossen“. Andere Häuser sind schon seit Jahrzehnten verlassen und wohl nicht mehr zu retten. Sie wurden verlassen, verkauft, nicht wieder bewohnt oder die Besitzer interessieren sich nicht mehr dafür. Mittlerweile gibt es zwei Varianten dieser stummen Zeugen. Natürlich gibt es noch Geschäfte und sehr viele bewohnte Häuser und trotzdem erkennt jeder, der mit offenen Augen durch die Straßen läuft, dass hier soviel Potential verloren gegangen ist und gehen wird. Einst prachtvollen Fassaden bröckeln vor sich hin, kunstvoll gezimmerte und geschmiedete Türen verrotten, Reliefs und Verzierungen aus Stein lösen sich auf und die Risse in den Gemäuern wirken wie Wunden verletzter Seelen.

Es werden schon sehr lange keine Geschichten mehr erzählt in diesen Häusern, die einst voller Leben, Liebe, Gesprächen und Kultur waren. Erinnerungen an die ehemaligen Bewohner verblassen langsam. Wenn sie verschwinden, bleiben nur die Archive und Zeitzeugen, die sich wage an diese Bauwerke und der Nutzung erinnern können.

In letzter Zeit befällt mich oft der Gedanke, ob nicht auch ich daran Schuld trage, dass es diese Häuser nicht geschafft haben. Schließlich habe ich meine Heimat verlassen und bin bis heute nicht zurückgekehrt. Was wäre, wenn ich geblieben wäre, wenn alle geblieben wären, wenn die Wiedervereinigung anders verlaufen wäre, wenn es Jobs im Osten gegeben hätte, wenn sich Industrien und „blühende Landschaften“ in einem schnelleren Zeitrahmen entwickelt hätten, wenn es Perspektiven gegeben hätte, die junge Leute zum Bleiben veranlasst hätten oder zur Rückkehr bewegen würden. Es gibt diese Rückkehrer, sogar in einer wachsenden Zahl. Aber für die „Flüchtigen“ meine Generation haben wohl mittlerweile ihre Zelte woanders aufgebaut, ein neues Zuhause gefunden. Die Heimat bleibt trotzdem im Herzen immer „drüben“. Und den Verfall ehemals schöner Ecken zu beobachten tut mitunter ziemlich weh. Keine Frage, Regionen wie Dresden, Leipzig, Potsdam, Erfurt, Jena, Berlin oder Rostock haben sich entwickelt, waren aber auch schon bevor es die DDR gab große Zentren von Wirtschaft, Kultur und Politik. Es ist viel Gutes im Osten entstanden in den letzten 30 Jahren. Es wurde investiert in Infrastruktur und Sanierungen vieler Orte. Es sind Jobs entstanden. Es gibt Kultur. Nur in manchen Ecken fruchteten die Bemühungen eben doch nicht, wie geplant. Der ersten Welle von Neugründungen und Selbstständigkeit machen jetzt wohl wie in der gesamten Republik der globale Handel und der Konsum im Internet zu schaffen. Geschäfte schließen, Gaststätten ebenso. Ja es ist einfach den Verfall zu beklagen und selbst nicht dort zu wohnen, seine Ideen und seine Energie nicht dort einzubringen. Aber mit dieser Schuld wird letztlich jeder der 1,5 Millionen leben müssen, die gegangen sind. Und die Geschichte kann und wird sich beliebig oft wiederholen, was sie tut, angesichts der weltweiten Migration aus politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder kriegerischen Gründen.

Ich habe ganz bewusst auch bewohnte Häuser in diese Serie aufgenommen. Sie zeigen, welche Schönheit diese Stadt einst prägte. Das sich lohnt die alten Mauern zu sanieren, das Leben in ihnen zu bewahren und die Geschichten weiterzuerzählen. Meine Hoffnung gebe ich nicht auf. Abbruchhäuser gibt es auch im Westen der Republik und spätestens die Generation meiner Kinder und Enkelkinder, wird Deutschland nur nach Bundesländern aufteilen. Von Ost und West erzählen wir ihnen dann, wie unsere Großeltern vom Krieg oder dem Leben in der DDR. Vielleicht schaffen es bis dahin noch einige dieser Häuser, liebevolle neue Besitzer zu finden, die ihnen wieder Leben einhauchen.

Zugemauert! An dieser Ecke war ich nach gut zwei Stunden in den Straßen unterwegs und durchgefroren. Ein Café wäre jetzt prima gewesen, leider war keins offen. Und dann spielte König Zufall wieder einmal mit, Yvonne stupste mich von hinten an. Sie war sich sicher, die Frau mit der Kamera konnte nur ich sein. Wie schön, sich hier wieder zutreffen. Wir plauderten eine Weile und freuten uns über den Moment. Nächstes Mal sollten wir das besser planen und einen Kaffee zusammen trinken. Der alten Zeiten wegen und der heutigen Zeiten natürlich auch, es gäbe viel zu erzählen.

Ein Haus steht in der Finsternis.
Finsternis steht ringsrum.
Ein Fenster leuchtet.
Einer sagt: Verzweiflung.
Einer sagt: Hoffnung.
Und eine Waage ist nicht zur Hand.
Nur Entscheidung.


Johannes Trojan (1837 – 1915)

https://de.wikipedia.org/wiki/Falkenstein/Vogtl.

Meeresblicke

Welle
Wellen formen das Meer.

„In jedem Blick suchen wir das Meer. Und in jedem Meer den einen Blick.“ Zitat aus dem Buch von Nina George ‚Die Schönheit der Nacht‘

Darßblick
So weit das Auge reicht.

Die Tage am Meer sind ein Innehalten, den üblichen Alltag ausblendend. Die Tage geben mir Energie, die Sonne wärmt noch immer in diesem Herbst, die Augen genießen die unendlich scheinende Weite, die Nase schnuppert jede Brise der Salzluft, die Füße werden nicht müde, endlos am Strand zu laufen.

Licht
Das Licht am Meer hat eine besondere Kraft.

Jeder Kuss schmeckt hier besonders, jedes Lachen hat diesen besonderen Klang, jede Minute ist kostbar. Zweisamkeit, Einsamkeit, Begegnungen – alles hat seinen eigenen Reiz und wird aufgesogen im Herz, bewahrt für die Zeit nach dem Meer. Zum Sehnsucht stillen, bis man die Wellen wieder hören kann, beim ersten Ausflug an den Strand. Ich halte alles fest in meiner Seele und in Bildern, die meine Erinnerungen an diese besondere Zeit immer wieder aufs Neue werden auffrischen lassen.

Kuss
Ein bisschen Meer ist in jedem.

„Es gab sie, diese aus einem unbekannten Nichts emporschnellende, die Seele mit fester Hand packende Sehnsucht, sich einfach fallen zu lassen und in der Tiefe des Meeres zu versinken. Ohne Gegenwehr, immer tiefer, und sich selbst und sein Leben wegzuwerfen wie einen Kiesel, so als sei man aus den Schluchten des Meere gekommen und gehöre eines Tages genau dort wieder hin.“ Zitat aus ‚Die Schönheit der Nacht‘ von Nina George.

Muscheln
Kleine Schätze des Meeres.
Sandbuhnen
Natur in seiner schönsten Form.
Seegras
Meeres-Spaghetti

„Vertigo marée, so nannten die alten bretonischen Fischer diese aus dem Nichts kommende Lust, sich selbst auszulöschen, frei zu sein, frei von allem. Es geschah meist in den schönsten der Nächte, gerade dann, deswegen sahen die Fischer ungern in die Tiefe, und an Land hängten sie die Fenster zur Meerseite mit dichten Vorhängen ab.“ Zitat aus ‚Die Schönheit der Nacht‘ von Nina George.

Baumriesen
Gigantische Kulisse
Dünengras
Erinnerungen an einen langen Sommer.
Bäume
Vom Winde verweht und doch standhaft.
Kronen
Sie dürfen eine Krone tragen.

Die Tage am Meer werden bleiben, immer wieder und gerne spontan. Freiheit spüre ich dort auch ohne ein Vertigo marée.

Welle
Jeder Augenblick eine Glückswelle.

Mein Schiff hielt in Hamburg.

Schiffslicht
Schiff Ahoi

Vier volle Tage, Abstand vom Alltag, nahezu Seeluft schnuppern und sich den Stunden nur der Freundin, der Muse und der Sonne hingeben, ein Traum. 

Hafen
Hafenblick
Elbphilharmonie
Elfie von unten
Blue Sky
Blau soweit das Auge reicht.
Ausblicke
Elfi Ausblicke
Hafenrundfahrt
Alle Mann an Bord bitte!
Down under
Elfi von oben

Die neu eröffnete Elbphilharmonie schauten wir uns natürlich an, trotz Touristenmassen ein Erlebnis, der Ausblick ist einfach umwerfend und die Architektur des Gebäudes einmalig schön. Die gebogenen Glasflächen zaubern immer neue Reflexionen und Spiegelungen.  

Glaswellen

Anschließend zog es uns Richtung Universität, die am Freitag Nachmittag allerdings ziemlich leer gefegt war, das schöne Wetter regte wohl keine Studenten mehr zum Lernen an. Die U-Bahn-Station erscheint mit ihren Farbwechsel-Würfeln wie ein Ort auf einem anderen Stern. 

Camper
City Camping
UBahn
Farbwürfel
Autorennen
Auf die Plätze – fertig – los!
Camper2
Zuviel Koffein in der Stadt.

Eine inspirierende Ausstellung erwartete uns in den Deichtorhallen: SPACE STREET LIFE PHOTOGRAPHY mit Bildern aus sieben Jahrzehnten und Künstlern rund um den Globus. Ich hätte noch zwei Stunden länger schauen und staunen können.  https://www.deichtorhallen.de/ausstellung/space

Musik im Ohr
Musik liegt in der Luft.
Tattoo
Sonnenkind
Rote Schuhe
Rot-Weiß
Touristen
Wegweisende Bilder
Bahnhof
Bahnhofsgeflüster

Und dann die Elbe … breit und tief … Einfahrt und Ausfahrt in die weite Welt … es fühlte sich nach Meer an, dort zu sitzen, die Schiffe zu bestaunen und der Sonne ade zu sagen … Junge komm bald wieder!

Sonnenuntergang
Sag zum Abschied leise Servus.
Möwe
Weiße Tauben nennt man hier Möwen. 😉
Anleger
Kleine Freiheit für alle.
Vogel
Werft im Vorbeiflug
Boot
Zauberlichtglitzer
Taue
T(r)au Dich!
Industrie-Romantik
Kran
Dock mit Kran

Mit der Fähre ging es ans andere Ufer, Cranz liegt an der südlichen Spitze Hamburgs – hier beginnt das Alte Land. Die Elbe ist so breit, dass es sich anfühlt als überquere man einen See. In russischer Hand ist die Werft und es wird auch am Samstag gearbeitet. Leider gab es keine Äpfel auf den Höfen zu kaufen und der gemütliche Bäcker mit dem leckeren Zuckerkuchen hat dicht gemacht, ein Wohnhaus entsteht stattdessen – das Alte Land wird modern und verliert wie so viele Orte ein Stück seines Charmes. Das nächste Mal muss ein Fahrrad mit, das Hinterland ist eine Erkundungsreise wert.  

Kreuzfahrer
Aida verdreht vielen den Kopf
Haus mit Pflanzen
Gewächshaus
Altes Haus
Schattenspiele
Fenster
Einblick
Baum
Baumriesen im Sonnenlicht
Café
Ungewöhnlich unbelegt
Feigenbaum
Sei nicht Feige!

Blankenese – Treppenviertel, Elbblick, Süllberg, Café Schuldt – das schönste Viertel von Hamburg – gehörte sogar einmal nach Dänemark. Wer hier nicht die Zeit verliert, dem ist nicht zu helfen. Mehr zum Lesen: https://www.zeit.de/entdecken/reisen/2016-06/blankenese-hamburg-ausflug-treppenviertel-falkensteiner-ufer-camping

Der Kaffee mit Kuchen im Café Schuldt war Pflichtprogramm, außerdem schmecken die Fischbrötchen und ein Alsterwasser am Elbstrand bei Sonnenuntergang am besten. 

Leuchtturm
Leuchtturm
Bunt
Grafitti macht es bunt.
Schhlösser
Es war zauberschön!
Romantiker kommen auf ihre Kosten.

Altona zog uns am letzten Morgen in den Bann, die Straßen waren für einen Montagmorgen recht belebt. Das letzte Polaroid entstand nach äußerst lustigen Regieanweisungen des sehr aufgeregten Mitarbeiters im Café Reise Bar. Alle anderen Fotos entstanden ebenfalls analog und warten auf ihre Entwicklung.  

Danke liebe Birgit für die schöne Zeit mit Dir.