Flucht in die Ruhe

Fast vier Wochen sind vergangen, bis ich die Ruhe gefunden habe, über meinen zweiten Workshop bei Antje (http://www.antjekroeger.de/) zu berichten. Eine Zeit, die ich wohl gebraucht habe, um diese zwei intensive (und stürmische) Tage in Leipzig zu reflektieren und in passende Worte zu fassen. Es ist im Herbst üblich, dass Körper und Geist zur Ruhe kommen, sich zurückziehen und Kraft tanken, genau wie die Natur ein Pause einlegen sollen. In meinem mir sicher selbst gemachten hektischen Leben zwischen Beruf, Familie und intensivem Hobby Fotografie keine einfache Aufgabe und so war das Thema, dass mit unser Model Philine nach 15 Minuten Interview stellte genau passend: Flucht in die Ruhe.
Ich sollte eine Serie mit ihr fotografieren, Akt und gerne mit Requisiten und keine 24 Stunden nach Bekanntgabe der Aufgabe.

Flucht in die Ruhe – was fällt mir dazu ein: wer flieht? wohin? warum? Ruhe bedeutet für den Fliehenden was? Nachdem ich mir diese Fragen beantwortet habe entstand eine Geschichte, die ich versuchte darzustellen. Ob es gelungen ist kann der Betrachter selbst entscheiden. Ich selbst bin jetzt zufrieden mit der Umsetzung, die Ruhe in meinem Leben zu finden, die mir im letzten Jahr abhanden gekommen ist wird länger dauern. Aber das macht nichts, ich bin ein aktiver Mensch, liebe Veränderungen und bin neugierig, Neues zu erfahren.

Was ich bei Antje neben den vielen unbezahlbaren Tipps rund um das Thema Fotografie & Leben gelernt habe sind drei Dinge, die seit diesem Wochenende in meinem Kopf festgebrannt sind:

Akzeptieren – Reduzieren – Fokussieren

Daran arbeite ich und erste kleine Erfolge geben mir Hoffnung, dass es gelingt meine Zukunft anders zu gestalten. Ich werde nicht fliehen, ich werde versuchen die Ruhe in mir zu finden, die das Leben für mich und meine Lieben lebenswerter macht.

„Hohe Ziele bedürfen langer Geduld.“ – Heinrich Lhotzky

Ich möchte „Danke“ sagen an Antje und ihre unbeschreibliche Art, einen sofort in den Bann zu ziehen und die Seele für zwei Tage loszureißen von Alltagsthemen. An Philine, die eine wunderbare junge Frau voller Esprit und der richtigen Lebenseinstellung ist und an Daniela, mit der mich jetzt nicht nur ein gemeinsames sehr trauriges Erlebnis in unseren Leben verbindet, sondern die Magie des Workshops „Beseelte Nacktheit“.

Philines Flucht in die Ruhe:

Nachdenklich

Gedankenfäden spinnen

Tüte

Verstecken spielen

Ausbruch

Ausbruch versucht

Begehren

Begehren erweckt

Aufbruch

Aufbruch erkämpfen

Traum

Wunschtraum gefunden

Koffer

Hoffnung erwartet

Brille

Durchblick erschwert

Seil

Seiltanz gewagt

Ausweg

Ausweg gefunden

Analogpunk

Judith Holofernes hat auf ihrem neuen Album „Ich bin das Chaos“ einen sehr schönen Song Namens „Analogpunk 2.0“. Die anderen Lieder sind ebenfalls sehr hörenswert, aber dieser eine geht mir speziell durch den Kopf, wenn ich mich in letzter Zeit immer wieder mit Hingabe der analogen Fotografie widme. Mit Instax von Fuji und Polaroid habe ich die alte Technik für mich wieder entdeckt. Einen Film mit der Praktika meines Opas bereits belichtet und jetzt sollte endlich die Weltaflex aus dem Jahr 1956 zum Einsatz kommen.

Welta

Die Rolleiflex der DDR nannte sich Weltaflex.

Mir war es gelungen ein sehr schönes Modell bei Ebay Kleinanzeigen zu erstehen, inklusive Ledertasche, Bedienungsanleitung und einem anschließbarem Blitz (sehr nostalgische zum Auffächern) sowie des Originalkartons. Lediglich ein Trageriemen fehlte, da habe ich kurzer Hand einen aus meiner Sammlung montiert.

Blitz

In alte Zeiten versetzt.

Sogar die Glühbirne am Blitz sah noch funktionstüchtig aus, die Batterie bauten wir aus und stellten fest, das es diese sogar heute noch zu kaufen gibt. Falls ich den Blitz irgendwann einmal ausprobiere werde ich berichten. Irgendwie kommen bei mir immer Gedanken auf, welche Lebensgeschichten diese alten Kameras wohl hatten. Wem hat sie damals gehört, was und wer fotografierte damit. Leider werde ich es wohl nie erfahren, vielleicht hätte ich die Verkäuferin fragen sollen, ob sie näheres dazu weiß. Immerhin lässt die Seriennummer auf das Baujahr 1956 schließen.

Blitz

Aufgeklappt sieht es aus wie eine Vorrichtung zum Abhören des Weltalls.

Mittelformat, 6×6 cm, Rollfilm. Soweit war alles klar, Rollfilme werden zum Glück wieder bzw. immer noch produziert und gibt es sowohl in der farbigen als auch der Schwarz-Weißen Version. Vor dem ersten Shooting wollte ich die Kamera etwas reinigen, was leicht möglich ist, es lässt sich alles öffnen und man kann den Spiegel im Lichtschacht herausnehmen. Leider hat dieser mein Putzmittel nicht vertragen und mit einem Wisch war die ganze Spiegelbeschichtung ab. So ein Missgeschick aber auch. In einer Kosmetikbox fand ich einen Ersatzspiegel, den ich Dank meiner Fotofreundin Simone mit dem Glasschneider in die passende Form brachte und wieder in die Kamera einbauen konnte.
Den ersten Film brachte meine weitere Fotofreundin Birgit aus München mit und ich hatte sogar Glück, das in der Kamera noch eine leere Spule eingelegt war. Auf diese wir dann der Anfang des Films gezogen und bis zum ersten Bild aufgerollte. Wer lesen kann ist klar im Vorteil oder auch „read the f… manual“ – am Vorabend der ersten Einsatzes wollten wir zusammen unsere Kameras mit den Schwarz-Weißfilmen der Marke Ilford bestücken. Birgits Weltaflex hatte schon das modernere Zählwerk eingebaut und stoppte automatisch bei Nr. 1 des Films, bei meiner war noch das alte Zählwerk eingebaut, was bedeutet, dass man beim Einlegen des Films das Panschutzfenster hinten auf der Rückwand öffnen muss, um auf dem Filmpapier zu erkennen, wann die Nr. 1 erreicht ist. Wenn wir das vorher nachgelesen hätten, würden jetzt 12 Bilder auf dem Film belichtet sein, statt nur der folgenden fünf. Ich drehte einfach viel zu weit und als wir es bemerkten war schon Bild Nr. 8 angezeigt, natürlich lässt sich der Film nicht wieder auf der Spule zurückdrehen. Pech gehabt!

Frohen Mutes machten wir uns an einem sehr sonnigen Sonntag auf ins Kloster Bebenhausen, der perfekten Kulisse für schwarz-weiße Aufnahmen. Altes Gemäuer, Kirche, Klostermauern, Pflastersteine und zum Glück nicht sehr überlaufen an diesem herrlichen Morgen. Es machte auf jeden Fall richtig Spaß mit der Weltaflex zu fotografieren, etwas gewöhnungsbedürftig ist es am Anfang schon, durch den Verschluss von oben zu schauen, die Kamera (ca. 1kg) gerade zu halten und das im Sucher seitenverkehrte Bild richtig auszurichten. Es braucht Zeit und gerade das macht es spannend. Man überlegt genau, welches Motiv ist gut, gerade wenn man wie ich nur fünf Aufnahmen hat. Blende und Belichtungszeit lassen sich vorne einstellen, die Schärfe am Drehrad an der Seite. Für einige der Belichtungen nutze ich meine Belichtungsmesser App, bei einigen war ich mir sicher, die richtigen Einstellungen gewählt zu haben.

Fachwerk

Erste Aufnahme – Fensterblick

Die Ergebnisse des Fotoausflugs konnte ich schon sehr bald bestaunen, denn einer meiner Fotofreunde Matthias (ich bin gesegnet mit Fotofreundinnen/-freunden) bot mir an den Film zu entwickeln und einzuscannen. Das Entwickeln übernahm dann wohl seine Frau, der ich hiermit ebenfalls danken möchte. Die Bilder sind also schon in dieser Hinsicht etwas ganz besonderes, bei den vielen Mitstreitern. 😉

Bebenhausen

Aufnahme 2 – Turmblick

Türrahmen

Aufnahme 3 – Tunnelblick

Fachwerk

Aufnahme 4 – Durchblick

Turm

Aufnahme 5 – Fest im Blick

Ich freue mich sehr über die Bilder und werde demnächst Abzüge bestellen. Und neue Filme natürlich auch! Jetzt heißt es erste einmal Ferien für die Kinder und ab Mitte August Urlaub für die Eltern. Wenn es hier ein bisschen ruhiger wird, ich bin dann mal weg. Am Meer ;-). Bis bald Sandra

Schwarzwaldmärchen

Hermann Hesse – Schwarzwald

Seltsam schöne Hügelfluchten,
Dunkle Berge, helle Matten,
Rote Felsen, braune Schluchten,
Überflort von Tannenschatten.
Wenn darüber eines Turmes
Frommes Läuten mit dem Rauschen
Sich vermischt des Tannensturmes,
Kann ich lange Stunden lauschen.

Dann greift wie eine Sage,
Nächtlich am Kamin gelesen,
Das Gedächtnis mich der Tage,
Da ich hier zu Haus gewesen.

da die Fernen edler, weicher,
Da die tannenforstbekränzten
Berge seliger und reicher
Mir im Knabenauge glänzten.

Spiegel

Geheimnisvoller See – Spiegel am Waldrand

Beschützerin – Glaube an Märchen und Sagen!

Hinweis

Begleiter – Lass dir den Weg weisen!

Felsen

Felsschlucht – Schau in die Lüfte!

Wildwuchs – Jeder Halm ist ein Wunder!

Brücke

Die Brücke – entscheide dich!

Wasser

Der Quell des Lebens.

Blumen

Düfte am Weg – Inspiration zum Träumen.

Fluss

Am Fluss – treiben lassen für immer.

Zauberfeen – wünsch dir was!

Sonne

Kraftvoll bleiben

Steine

Gute Geister – sei freundlich!

Baum

Mit dem Wind wachsen.

Wasserlauf

Dem Lauf des Lebens folgen.

Blattwerk

Bedecke und Öffne dich.

Ufer

Am Ufer – vergeude Zeit!

Baumkronen

Gut behütet.

Wurzel

Lass Wurzeln und Flügel wachsen.

Schild

Ankommen.

Mühle

Die Mühlen sollten langsam mahlen.

Seeblick

Weite – oft ganz nah.

Dia-Abend herrlich nostalgisch

Diaprojektor

Alt und Analog – funktioniert sogar ohne App!

Sicher rümpfen einige sofort die Nase, Dia-Abend – wie altmodisch, wer macht denn so etwas heutzutage noch? Ich, zum Beispiel. Und mit Hingabe und Begeisterung. Schon einige Zeit geisterte die Idee in meinem Kopf herum, alte Dias aus der Kindheit anzuschauen, die mein Opa damals immer gezeigt hat an seinen berühmten Dia-Abenden (inklusive Bowle für die Erwachsenen und Erdnussflips für die Kinder). Die Dias sind längst eingescannt und wir könnten diese bequem am Fernseher anschauen, aber das fühlt sich irgendwie nicht so an wie früher.

Der Projektor und die Dias meines Opas stehen im Haus meiner Mutter und werden irgendwann zu mir gelangen, bis dahin wollte ich nicht warten und erstand einen ziemlich alten Pentax Aspector 150 und konnte nicht widerstehen gleich noch einige alte Dias zu kaufen, um den Projektor auszuprobieren. So bin ich nun im Besitz der kleinen Sammlung: Rügen, Berlin-Ost, Stuttgart, Schwarzwald, Mongolei, China, Meißen-Albrechtsburg und demnächst Erfurter Dom. Einige dieser Serien stammen aus der ehemaligen DDR, alle sind teilweise älter als ich und zeigen die Städte in den 1970/1980er Jahren oder noch früher.

Ostberlin

Ein Wahrzeichen – immer noch.

Mit Besuchern im Haus (mein Cousin mit Familie) wollten wir einige der Dias anschauen. Den Projektor reinigten wir noch vorher, was etwas Aus- und Zusammenbau des Gerätes bedeutete, aber sich gelohnt hat. Ein großes Bild wurde von der Wand genommen, die Fenster verdunkelt und los ging es. Allein schon die nostalgischen Fahrzeuge und Klamotten der Personen auf den Aufnahmen waren die ganze Mühe wert. Teilweise waren Beschriftungen direkt auf den Dias aufgeklebt oder eine Beschreibung lag der Sammlung bei. So konnten wir zu jedem Foto genau nachlesen wo es aufgenommen wurde. Wir hatten viel Spaß und beamten uns für ein paar Stunden zurück in die Vergangenheit. Die Zeit verging, da ich jedes Dia einzeln einlegen musste. Der Projektor hat keine Kassette für mehrere Dias. Stundenlang hätten wir weitermachen können, es wird sicher nicht die letzte Runde gewesen sein.

Ostsee

Stralsund in den 70ern.

Ländle

Stuttgart in den 60ern

Eine weitere Idee, die ich mit den Dias verbinde, habe ich am Wochenende mit einer Freundin hier aus dem Ort umsetzen können. In einem alten unbewohnten Haus bauten wir den Diaprojektor auf, um einige der Bilder als Hintergrund zu benutzen. Die Idee stammt von einer Fotografin aus Leipzig, die allerdings ein spezielles Gerät dafür benutzt, um diese Art von Fotos zu machen (Light-Blaster). Ich wollte es mit dem Projektor versuchen, den wir dafür ziemlich weit entfernt von der Wand aufbauen mussten, um das Motiv auf die gesamte Fläche zu projektieren. Das Shooting hat richtig Spaß gemacht, selbst Model zu sein fühlte sich für mich sehr fremd an und es dauerte eine Weile bis ich den Dreh raus hatte. Dank meiner Freundin sind ein paar sehr schöne Aufnahmen entstanden. Hier ein kleiner Vorgeschmack.

Altes Haus

Was für eine herrliche Location für Fotografen.

Meißen

Das erste Motiv ein Dia aus der Albrechtsburg in Meißen.

Dance

Tanz zwischen den Wänden.

Mit dem zweiten Hintergrund waren wir dann zufrieden und ich durfte als Geist durch das Bild tanzen. Mit der Albrechtsburg in Meißen verbinde ich eine schöne Studienzeit und bin glücklich die alten Gemäuer und das alte Dia in einem alten Haus zu einer neuen Welt zusammenzufügen. Danke Simone für das Bild.

Killesberg

Eine Spielerei – Doppelbelichtung