Der erste Film!

Nein, natürlich ist es nicht der erste Film, den ich je belichtet habe. Die Anzahl zu ermitteln wäre eine spannende Angelegenheit. Aus meinen analogen Urzeiten liegen noch unzählige Negativstreifen in einem Karton. Der Titel bezieht sich auf den ersten Film, den ich mit der neu eingeweihten Pentacon Six TL fotografiert habe. Nach gefühlt ewiger Zeit beim Reparaturservice kam das gute Stück jetzt zum Einsatz. Da ich schon einige schwarz-weiß Filme mit der Weltaflex im 6×6 Format belichtet habe, wollte ich jetzt endlich den ersten Farbfilm in dieser Größe testen. Den FUJI PRO 400 H hatte ich im Fotomarkt Tübingen mitgenommen. Um die Kamera zu bestücken bedurfte es eines You-Tube-Videos. Ich mag es, wenn ich in Echtzeit kleine Problemlösungen anschauen und sofort umsetzen kann.

Das Beast (meine Bezeichnung für die Pentacon, da sie so schwer ist und sich unter allen meinen Kameras wie ein Biest anfühlt) war damit einsatzbereit. Das erste Foto gehörte meiner kleinen Tochter, die noch gerne Model steht. Weitere Aufnahmen entstanden in Karlsruhe und Tübingen. Der Rest auf der Insel Rügen und im heimischen Garten.

Bambusmädchen
Drachentöter
Europafan
Kein Raum Für Fragen
Mohnliebe

Die Entwicklung des Films überließ ich einmal mehr dem Labor „MeinFilmLab“, mit denen ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Diese bieten neben der Entwicklung auch gleich Scans der Fotos (Größe M – XL) und Druck (13×13 cm) an. Alles in allem bezahlt man dann zwas knapp 30,- € mit Versand pro Film, aber mir ist es das wert. Ich mag das Format, die Drucke haben eine sehr schöne Qualität und der Service ist super.

Analoges Potpourri
Grabsteinwiese
Kreidefelsenblick
Fels in der Brandung
Überflug der Möwe
Altlasten
Umaii

Ich muss sagen, man bringt diesen Fotos eine ganz andere Wertschätzung entgegen, wenn sie nicht einfach nur digital mit der Kamera oder dem Smartphone aufgenommen wurden. Ich freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich die richtige Belichtung eingestellt, den richtigen Ausschnitt gewählt und das für mich stimmige Motiv eingefangen habe. Manchmal stehe ich an den Orten länger als 10 Minuten, um endlich den Auslöser zu drücken. Das Bild prägt sich dadurch besser ein und die Stimmung in jenem Augenblick an jenem Ort. Die Temperatur und Geräusche, der Duft und das Licht. Alles klebt an mir und wird beim Anblick der Bilder sofort abbrufbar.

Wolkenpoesie

Das letzte Foto war eigentlich ein Portrait meiner großen Tochter zusammen mit ihrer Freundin. Leider war das Film vorher schon voll und somit rückte die Wolkenpoesie auf den letzten Platz. Ein neuer Film ist bereits eingelegt. Dieses Mal wieder in schwarz-weiß. Farbe gibt es wohl wieder in Dänemark und Schweden, auf der nächsten Reise für das Beast.

Genuss ist das Vergnügen an der Langsamkeit.

© Matthias Scharlach

Der Fasan ist tot. Es lebe der Pfau! Paradiesvögel

Der Goldfasan

Es war eins eine Hungersnoth

Im Thierreich, alles schrie nach Brod;

Die Vögel fielen aus der Luft

Wie Mücken in die weite Gruft.

Ein Goldfasan schlich schlich matt und schwer

Und ächzend durch den Hain umher;

Im sah ein Specht von Ferne zu

Und sagte: Freund, ächzest du?

An deiner Stelle hätt`ich bald

Den fettsten Tisch im ganzen Wald;

Verkaufe nur dein reiches Kleid,

So hast du Brod auf lange Zeit.

Dem Goldfasan gefiel der Rath,

Er setzte seinen ganzen Staat

Bei einem alten Hamster ab,

Der ihm zehn Scheffel Korn drum gab.

Nun pflegt er sich bey Fürstenkost:

Doch plötzlich viel ein Winterfrost

Un plötzlich war der arme Narr

Am nackten Leibe blau und starr.

Oh, weh mir! Sprach er nun zum Specht,

Mein guter Freund, dein Rath war schlecht;

Ich weißs man stirbt aus Hungersnoth,

Doch wer erfriert, ist gleichfalls todt.

Sammlung der vorzüglichsten Werke deutscher Dichter und Prosaisten XXI. Band, Konrad Gottlieb Pfeffel

Im Mäntelchen mit viel Besatz
und seidener Kapotte,
im Spitzenkragen und Seidenlatz,
so steht hier die Charlotte.
Da kommt daher ein stolzer Pfau,
mit Federn, vielen hundert,
der sieht die kleine Menschenfrau, –
und beide steh’n verwundert.
Die Lotte beugt sich staundend vor,
der Pfau beugt sich zurücke
und spreizt den blauen Federflor; –
so kreuzen sich die Blicke.
„Was ist das für ein schönes Tier!“
so denken alle beide.
Er deucht ihr ganz von Golde schier,
sie deucht ihm ganz von Seide.
– Sie seh’n sich fast die Augen blind
am Kleid und an den Daunen –
und wenn sie nicht gegangen sind,
steh’n sie wohl noch und staunen.

Erich Mühsam

Paradiesvögel
Er ist nur mal kurz durch mein Zimmer geflogen
da wurden die Poster blaß.
Da wußt ich, die haben schon immer gelogen
und gab sie dem Ofen zum Fraß.
Ich zeigte ihm meine heimliche Liebe
da hat er mich ausgelacht.
Und ist selber auch nicht bei mir geblieben
in dieser kaputten Nacht
Paradiesvögel fängt man nicht ein.
Paradiesvögel fliegen dir zu von ganz allein.
Paradiesvögel sperrt man nicht ein.
Sie brauchen den Himmel ganz ein Stück ist zu klein
Er hat meine Freunde gesehn
und grinste mich an
Da wußt ich, wenn die Winde sich drehn,
ich alle vergessen kann
Ich habe ihn durch mein Traumreich geführt,
er ging umher fremd und kühl.
Und er hat keine Hand gerührt,
als es in Scherben fiel
Paradiesvögel…
Ich frag nicht mehr:

Wo kam er her, wo ging er hin.
Und fragt mich heut irgendwer
was ich fürn Vogel bin
Paradiesvögel…

Silly – Paradiesvögel

Danke an meinen schönen Paradiesvogel. Komm mich bald wieder besuchen vor meiner Kamera.