Palast der Bäume

Über alles hinaus!

Ich bin ein Fremdling auf Erden
Und wandere ein und aus,
Und kann nicht heimisch werden
In meinem eigenen Haus.

Der Sehnsucht wunde Schwingen,
Gezwängt in Gefangenschaft,
Schlagen in blutigem Ringen,
Flattern in lechzender Kraft!

Paläste aus Marmorquadern
Sind leichtes Wandergezelt;
Tief in des Herzens Adern
Glüht eine andere Welt.

Emil Claar (1842 – 1930)

01
Licht an im Palast
02
Gefunden und Genommen
03
Auftritt
04
Festhalten
05
Zweifeln erlaubt
06
Leichtigkeit des Seins
07
Kopflos verwurzelt
09
Zeitreisende
10
Sinne schärfen
11
Ende der Vorstellung
12
Loslassen

Im Palast der Bäume wurden Träume wahr. Ich danke ganz besonders Simone für ihre Arbeit hinter der Kamera. Ihre Skepsis zu meiner Idee der „Superwoman“ im Wald dürfte sich mit diesen Bildern endgültig in Luft aufgelöst haben. Das herrliche Licht, ein betörender Duft, die kräftigen Farben, die vielen kleinen Krabbeltiere und die meditative Stimmung im von Gezwitscher und Pollen durchfluteten Wald machten diesen Abend zu etwas sehr Besonderem. „Tief in des Herzens Adern Glüht eine andere Welt.“ – Sandra

Verlassen im Wald

Die Volksheilstätte, idyllisch in einem kleinen Tal im Osten der Republik gelegen, diente von 1899 bis 1965 zur Behandlung lungenkranker und an Tuberkulose leidender Patienten. Eingeweiht wurde der heute unter Denkmalschutz stehende Komplex durch Carola, Prinzessin von Wasa, die als Gemahlin von König Albert I. die letzte Königin von Sachsen war. Bis zur Schließung der Heilstätte verfügte das Hauptgebäude über fünf Stationen – darunter eine für schwerste Tuberkulosefälle – mit insgesamt 155 Betten ab Eröffnung und 205 Betten ab 1925. Weiter waren auf dem Gelände Laboratorien und spezielle Behandlungsräume, Liegeflächen und Versorgungseinrichtungen wie Wäscherei, Küche und Speisesaal angeschlossen.

1966/67 bis in das Jahr 1994 wurde ein Großteil der Gebäude zur Behandlung und Pflege geistig behinderter Kinder und Jugendlicher umfunktioniert. Hierfür entstand auch eine kleine Sporthalle, für die die ehemalige, aber entweihte Kapelle umgebaut wurde. Einige Jahre später erweiterte man das Gelände um zwei Wohnbauten, um das Personal unterzubringen. Von 1996 bis einschließlich 2000 diente die ehemalige Heilstätte als Wohnpflegeheim. 2004 kaufte ein ausländischer Investor das Gelände, ließ die Substanz jedoch weiter verfallen. In 2013 wurden im Haupthaus neue Fenster eingesetzt, das Dach wetterfest gemacht und der Glockenturm mit neuem Kupfer versehen. Seitdem ist nichts weiter geschehen. Die beiden Wohnblocks sowie kleinere Wohngebäude sind heute von Privat bewohnt. (Quelle: http://www.rottenplaces.de/)

Fenster mit Stuhl
Einstieg
Hinteransicht
Freigang

Im April machte ich mich an einem kalten und nebeligem Morgen in den Wald auf, um mich in der ehemaligen Lungenheilanstalt umzuschauen. Der dem Verfall preisgegebene und fast komplett leer geräumte Gebäudekomplex zog mich sofort in seinen Bann. Etwas unheimlich und mulmig war es mir dann doch zumute, als ich allein durch die langen Flure und Zimmer streifte, die Stimmung dort für mich in Bildern festhielt und mich in die Kinder und Jugendlichen hinversetzte, die hier zu DDR Zeiten wohl auch über einen längeren Zeitraum lebten. Abgeschirmt von der Außenwelt, in absoluter Ruhe irgendwo im Nirgendwo. Sicher war dort trotzdem Leben, Lachen und Musik in den Räumen und ich hege die Hoffnung, dass viele von ihnen die Krankheiten überwunden haben.

Toilette
Waschplatz
Fenster Blick
Fenster ohne Aussicht
Dschungelbuch
Türen-Dschungel
Matrose
Kunst am Fenster

Immer wieder fand ich noch Spuren der Kinder, bemalte Türen, kleine Bastelarbeiten, ein Puzzle auf dem Fensterbrett, Plakate von beliebten Musikbands an den Wänden, die Zeit schien stehengeblieben zu sein. In Gedanken bin ich in der Zeit und stelle mir vor, wie der Tagesablauf hier gewesen ist, Düfte aus der Küche ziehen durch die Flure. Hätten ich hier Heimweh gehabt – sicher doch.

Grafitti
Küchendekoration
Fließen
Alles fließt davon.
Küche
Leerraum
Dachboden
Dachbodenfund

Ich bin keine „Lost Places“ Jägerin, nicht ständig auf der Suche nach diesen Orten. Dennoch üben sie immer wieder eine gewisse Faszination auf mich aus, der ich nicht widerstehen möchte. Ich sehe eher eine Spurensuche darin, die Vergangenheit festzuhalten, bevor sie ganz verschwunden ist. Diesen Ort kannte ich nur vom Hören Sagen, nie war ich während meiner Kindheit dort und trotzdem gehört er zu meiner Heimat. Ein Grund genug, einen Blick zu wagen und wenn auch nur zu Dokumentationszwecken diesem Bauwerk und den Menschen, die hier arbeiteten und lebten eine Erinnerung zu bewahren.

Zeitung
Osterlektüre
Fenstermalerei
Sterntaler
Waschbecken
Zwischen den Türen
Saal
Traumwelten
Lampen
Lichtblick
Fenster
Mauerwerk

Den großen Saal entdeckte ich erst am Ende meiner Tour, da ich den Hintereingang gewählt hatte, um kein Aufsehen in der kleinen Siedlung zu erregen, was natürlich schief ging, weil ich auf einer privaten Wiese mit einem Auto und auswärtigem Kennzeichen parkte. Der einzige nette Nachbar hat mich dann mit Rufen ausfindig gemacht (Schreck noch immer in den Knochen) und mich gebeten das Fahrzeug zu entfernen, bevor die aufgeregten Eigentümer die Polizei rufen würden (Kleinbürgertum lasst grüßen). Als hätte ich dort noch Stunden geparkt und die Wiese zerstört. Die Polizei hätte vermutlich den Ort gar nicht gefunden, denn an diesem Tag gab es eine Umleitung, und wir hatten schon Mühe überhaupt dorthin zu gelangen.

Im Saal reichten die Fenster an beiden Seiten bis unter die Decke und sogar die Gardinen hingen noch flatternd im Wind. Ein paar andere Fotografen hatten vermutlich für authentische Bilder alle Pflegebetten im Saal aufgereiht. Ich muss zugeben, so wirkte der Raum noch größer und ich bekam einen Eindruck, wie hier wohl früher die Patienten ihre Mahlzeiten einnahmen oder den Raum als gemeinsamen Aufenthaltsort nutzen. Er strahlte jedenfalls immer noch herrliche Ruhe aus. Die Architekten hatten ganze Arbeit geleistet, ein Platz zum Wohlfühlen.

Saal
Flutlichter
Betten in Reihe
Bettreihe
Gardine
Vorhang auf
Bettgestell
Gitternetz
Wind
Luftzug

Im oberen Stockwerk zeigten sich dann erste Wasserschäden, Moos bedeckte den Boden eines Raumes. Wenn der Eigentümer nichts dagegen unternimmt, wird dieses Gebäude sicher irgendwann total zerstört sein, abgerissen werden müssen – es wäre nicht das erste in dieser Region, die seit der Wiedervereinigung viele Gebäude verloren hat. Vielleicht findet sich eine Idee und ein Liebhaber, der dieses Ensemble rettet, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein Trauerspiel mit offenem Ausgang.

Mooszimmer
Wiesengrund
Stuhl
Kein Platz zum Verweilen
Türen
Farbenspiel
Plakate
Wandbilder
Badezimmer
Schönheitskur
Musik
Take That
Baujahr
1900
Gebäude
Ausgang offen

Grenzerfahrungen

Über das Oberthema zum 5. Stuttgarter Fotomarathon musste ich erst eine Weile nachdenken, bevor sich meine Ideen zu einer Serie aus 10 Bildern zusammensetzen ließen. Für mich war es der erste Fotomarathon, an dem ich meiner Freundin Simone zuliebe teilnahm. Mit 100 anderen Fotobegeisterten trafen wir uns gestern am Karl-Benz-Platz in Untertürkheim, um genau 10:00 Uhr die 10 Einzelthemen in Empfang zu nehmen, die wir innerhalb der nächsten sechs Stunden fotografisch umsetzen sollten.

Ausgang – Ausdehnung – Behinderung – Sperre – Grenzgebiet
Gegensatz – Abbruch – Rand – Rahmen – Ende

Die 10 Bilder mussten am Schluss in genau dieser und ebenso in zeitlicher Reihenfolge auf der Speicherkarte sein, durften nur mit Voreinstellungen in der Kamera „bearbeitet“ sein und nur als JEPG fotografiert werden. Im ersten Bild musste außerdem die Startnummer ersichtlich sein.

Eine gewisse Aufregung herrschte demnach bei allen Teilnehmern. Die ersten fünf Themen gab es gleich zu Beginn, für die weiteren durften die Teilnehmer zur Sternwarte auf die Uhlandshöhe wandern (in Stuttgart heißen diese lustigen Steigen „Stäffele“. Danach war uns dann warm und wir konnten einen kurzen Blick in den Talkessel werfen, um uns danach wieder hinein zu stürzen.

Wir nutzten fast die gesamte Zeit aus und arbeiteten beide sehr konzentriert. Hatten richtig Spaß, uns gegenseitig bei der Auswahl der Bilder zu helfen oder diese umzusetzen (gegenseitige Model-Einlagen inbegriffen). Irgendwie hatten wir das Glück immer zu den richtigen Orten zu gehen, um die Motive zu finden. Obwohl uns Stuttgart beiden nicht besonders innig vertraut ist, gelang das Projekt zu unserer beider Zufriedenheit.

Am Ende gönnten wir uns eine verdiente Auszeit in einem der Cafés am Hans-Im-Glück-Brunnen. Jetzt heißt es auf die Auswertung der Jury warten. Die besten 10 Fotoserien werden zur Vernissage am 05. Mai ausgezeichnet, alle anderen dürfen auch ohne Auszeichnung in der Ausstellung im Haus der Wirtschaft einen Monat lang bewundert werden.

Meine Serie wollte ich von Beginn an in schwarz-weiß aufnehmen, außerdem hatte ich den Zylinderhut meines Opas dabei, der irgendwie eine Rolle spielen sollte, wenn es das Thema zulässt. Da er gleich im ersten Bild zum Einsatz kam und ich kein weiteres Foto „Ausgang“ fotografiert hatte, war er dann gesetzt für die anderen neun Bilder.

Jetzt bleibt es dem Betrachter überlassen, die Umsetzung der Themen zu interpretieren und gerne auch zu kommentieren.

No. 1
Nr. 1 – Ausgang
No. 2
Nr. 2 – Ausdehnung
No. 3
Nr. 3 Behinderung
No. 4
Nr. 4 – Sperre
No. 5
Nr. 5 – Grenzgebiet
No. 6
Nr. 6 – Gegensatz
No. 7
Nr. 7 – Abbruch
No. 8
Nr. 8 – Rand
No. 9
Nr. 9 – Rahmen
No. 10
Nr. 10 – Ende

Schwesterherz, wo bist Du?

Das Leben läuft nicht immer in geraden Linien – zum Glück, denn besonders die Umwege sind spannend. Seelen trennen sich und finden trotz rauher Umstände eines Tages wieder zusammen. Suchende begeben sich auf Reisen, trotzen allen Widerständen und werden am Ende belohnt. Sich wiederzufinden, Gefühlen Raum geben, die lange verborgen waren. Sich nicht vom Weg abbringen lassen, seinen Zielen folgen, den Niederlagen trotzen, die Zweifel verstehen – unvergessliche Momente erleben. Was braucht es mehr für das Glück und Zufriedenheit?

Lebenslinien kreuzen sich, triften auseinander, finden wieder zusammen, verweben sich zu einem engen Tau. Vom Suchen und Finden sollte eine Geschichte erzählt werden. Die setzte sich schon eine Weile in meinen Kopf fest, die Bilder dazu kamen und blieben hängen.
Jetzt bot sich die Gelegenheit mit einem Schwesternpaar in einer Autowerkstatt, diesem Thema auf die Bühne zu helfen.

Sie haben das Glück „Schwester zu sein“, sich gefunden und leben es, verbringen gemeinsame Zeit, meistern Abendteuer – suchen müssten sie sich nicht, wahrscheinlich finden sie sich blind. Die Innigkeit der beiden ist ansteckend und erfüllt selbst einen so großen Raum mit viel Liebe und Zuneigung.

Gibt es Zwillinge, die nicht am gleichen Tag geboren werden?

Tattoo
Lebenslinien

Ich wünsche Beiden eine innige Beziehung, die nie den Kontakt verliert. Selbst wenn sich die Lebenslinien trennen, jede ihren eigenen Weg gehen wird, lasst die Fäden eurer Seelen nie zerreißen. Danke Aylin & Samara.

Samara01
Traumschleier
Samara02
Erwachen
Samara03
Kopf Hoch
Samara04
Spurensuche
Samara05
Halt Suchen
Samara06
Weitblick
Samara07
Traumtanz
Samara08
Fang Mich
Aylin01
Seelenspiegel
Aylin02
Zwischen den Zeilen
Aylin03
Kopflos
Nachdenken
Aylin05
Rückgrat zeigen
Aylin06
Verbieg Dich
Aylin07
Bei Sich Sein

Wie so eng sind wir gebunden,
Wenn der Geist in’s Freie strebt,
Und im Bann besorgter Stunden
Nebel unsern Blick umwebt!

Und wie frei, wenn überwunden
Was uns bannte, neu belebt
Wir das kleinste Glück gefunden,
Das unendlich uns erhebt!

Otto Roquette (1824 – 1896)

Gemeinsam01
Hintergrundmusik
Gemeinsam02
Gibt mir Halt
Gemeinsam03
Verwoben
Gemeinsam04
Schwesterherzen

Text und Musik: KLIMA

Ich muss es nicht sagen, weil du es schon weißt.
Wenn alles sich ändert, bist du das was bleibt.
Unter tausenden, find ich dich blind.
Egal, was sein wird, egal, was war
Meine Gedanken sind bei dir,
an jedem Tag, denn
ich seh dich immer noch so wie ein Kind.

Und, ich halt dich fest,
wenn du dich nicht mehr kennst
Ich teil mit dir deinen Schmerz
Schwesterherz
Schwesterherz

Du bist mein Spiegel, wenn ich mich nicht mehr find
Und du bist der Ausweg, aus diesem Labyrinth
Du bist die Stille, in all diesem Lärm
Und wenn du aufgibst
auf diesem Weg
dann werd ich dich tragen
solange es geht, denn
ich seh dich immer noch so wie ein Kind.

Schwester,
ich halt dich fest
wenn du dich nicht mehr kennst
Ich teil mit dir deinen Schmerz
Schwesterherz

Wir werden uns lieben und hassen
festhalten, loslassen
Alles riskier’n, uns immer wieder verlier’n
Verändern und bleiben
Geschichten schreiben
Das Leben verprassen
Und unsre Spuren hinterlassen.

Ich halt dich fest
wenn du dich nicht mehr kennst
Ich teil mit dir deinen Schmerz
Schwesterherz
Schwesterherz

Ich halt dich fest
wenn du dich nicht mehr kennst
Ich teil mit dir deinen Schmerz
Schwesterherz

Schwester,
ich halt dich fest
wenn du nicht mehr kennst
Ich teil mit dir deinen Schmerz
Schwesterherz
Schwesterherz

Gemeinsam05
Lachendes Ende