Analogpunk

Judith Holofernes hat auf ihrem neuen Album „Ich bin das Chaos“ einen sehr schönen Song Namens „Analogpunk 2.0“. Die anderen Lieder sind ebenfalls sehr hörenswert, aber dieser eine geht mir speziell durch den Kopf, wenn ich mich in letzter Zeit immer wieder mit Hingabe der analogen Fotografie widme. Mit Instax von Fuji und Polaroid habe ich die alte Technik für mich wieder entdeckt. Einen Film mit der Praktika meines Opas bereits belichtet und jetzt sollte endlich die Weltaflex aus dem Jahr 1956 zum Einsatz kommen.

Welta

Die Rolleiflex der DDR nannte sich Weltaflex.

Mir war es gelungen ein sehr schönes Modell bei Ebay Kleinanzeigen zu erstehen, inklusive Ledertasche, Bedienungsanleitung und einem anschließbarem Blitz (sehr nostalgische zum Auffächern) sowie des Originalkartons. Lediglich ein Trageriemen fehlte, da habe ich kurzer Hand einen aus meiner Sammlung montiert.

Blitz

In alte Zeiten versetzt.

Sogar die Glühbirne am Blitz sah noch funktionstüchtig aus, die Batterie bauten wir aus und stellten fest, das es diese sogar heute noch zu kaufen gibt. Falls ich den Blitz irgendwann einmal ausprobiere werde ich berichten. Irgendwie kommen bei mir immer Gedanken auf, welche Lebensgeschichten diese alten Kameras wohl hatten. Wem hat sie damals gehört, was und wer fotografierte damit. Leider werde ich es wohl nie erfahren, vielleicht hätte ich die Verkäuferin fragen sollen, ob sie näheres dazu weiß. Immerhin lässt die Seriennummer auf das Baujahr 1956 schließen.

Blitz

Aufgeklappt sieht es aus wie eine Vorrichtung zum Abhören des Weltalls.

Mittelformat, 6×6 cm, Rollfilm. Soweit war alles klar, Rollfilme werden zum Glück wieder bzw. immer noch produziert und gibt es sowohl in der farbigen als auch der Schwarz-Weißen Version. Vor dem ersten Shooting wollte ich die Kamera etwas reinigen, was leicht möglich ist, es lässt sich alles öffnen und man kann den Spiegel im Lichtschacht herausnehmen. Leider hat dieser mein Putzmittel nicht vertragen und mit einem Wisch war die ganze Spiegelbeschichtung ab. So ein Missgeschick aber auch. In einer Kosmetikbox fand ich einen Ersatzspiegel, den ich Dank meiner Fotofreundin Simone mit dem Glasschneider in die passende Form brachte und wieder in die Kamera einbauen konnte.
Den ersten Film brachte meine weitere Fotofreundin Birgit aus München mit und ich hatte sogar Glück, das in der Kamera noch eine leere Spule eingelegt war. Auf diese wir dann der Anfang des Films gezogen und bis zum ersten Bild aufgerollte. Wer lesen kann ist klar im Vorteil oder auch „read the f… manual“ – am Vorabend der ersten Einsatzes wollten wir zusammen unsere Kameras mit den Schwarz-Weißfilmen der Marke Ilford bestücken. Birgits Weltaflex hatte schon das modernere Zählwerk eingebaut und stoppte automatisch bei Nr. 1 des Films, bei meiner war noch das alte Zählwerk eingebaut, was bedeutet, dass man beim Einlegen des Films das Panschutzfenster hinten auf der Rückwand öffnen muss, um auf dem Filmpapier zu erkennen, wann die Nr. 1 erreicht ist. Wenn wir das vorher nachgelesen hätten, würden jetzt 12 Bilder auf dem Film belichtet sein, statt nur der folgenden fünf. Ich drehte einfach viel zu weit und als wir es bemerkten war schon Bild Nr. 8 angezeigt, natürlich lässt sich der Film nicht wieder auf der Spule zurückdrehen. Pech gehabt!

Frohen Mutes machten wir uns an einem sehr sonnigen Sonntag auf ins Kloster Bebenhausen, der perfekten Kulisse für schwarz-weiße Aufnahmen. Altes Gemäuer, Kirche, Klostermauern, Pflastersteine und zum Glück nicht sehr überlaufen an diesem herrlichen Morgen. Es machte auf jeden Fall richtig Spaß mit der Weltaflex zu fotografieren, etwas gewöhnungsbedürftig ist es am Anfang schon, durch den Verschluss von oben zu schauen, die Kamera (ca. 1kg) gerade zu halten und das im Sucher seitenverkehrte Bild richtig auszurichten. Es braucht Zeit und gerade das macht es spannend. Man überlegt genau, welches Motiv ist gut, gerade wenn man wie ich nur fünf Aufnahmen hat. Blende und Belichtungszeit lassen sich vorne einstellen, die Schärfe am Drehrad an der Seite. Für einige der Belichtungen nutze ich meine Belichtungsmesser App, bei einigen war ich mir sicher, die richtigen Einstellungen gewählt zu haben.

Fachwerk

Erste Aufnahme – Fensterblick

Die Ergebnisse des Fotoausflugs konnte ich schon sehr bald bestaunen, denn einer meiner Fotofreunde Matthias (ich bin gesegnet mit Fotofreundinnen/-freunden) bot mir an den Film zu entwickeln und einzuscannen. Das Entwickeln übernahm dann wohl seine Frau, der ich hiermit ebenfalls danken möchte. Die Bilder sind also schon in dieser Hinsicht etwas ganz besonderes, bei den vielen Mitstreitern. 😉

Bebenhausen

Aufnahme 2 – Turmblick

Türrahmen

Aufnahme 3 – Tunnelblick

Fachwerk

Aufnahme 4 – Durchblick

Turm

Aufnahme 5 – Fest im Blick

Ich freue mich sehr über die Bilder und werde demnächst Abzüge bestellen. Und neue Filme natürlich auch! Jetzt heißt es erste einmal Ferien für die Kinder und ab Mitte August Urlaub für die Eltern. Wenn es hier ein bisschen ruhiger wird, ich bin dann mal weg. Am Meer ;-). Bis bald Sandra

Schwarzwaldmärchen

Hermann Hesse – Schwarzwald

Seltsam schöne Hügelfluchten,
Dunkle Berge, helle Matten,
Rote Felsen, braune Schluchten,
Überflort von Tannenschatten.
Wenn darüber eines Turmes
Frommes Läuten mit dem Rauschen
Sich vermischt des Tannensturmes,
Kann ich lange Stunden lauschen.

Dann greift wie eine Sage,
Nächtlich am Kamin gelesen,
Das Gedächtnis mich der Tage,
Da ich hier zu Haus gewesen.

da die Fernen edler, weicher,
Da die tannenforstbekränzten
Berge seliger und reicher
Mir im Knabenauge glänzten.

Spiegel

Geheimnisvoller See – Spiegel am Waldrand

Beschützerin – Glaube an Märchen und Sagen!

Hinweis

Begleiter – Lass dir den Weg weisen!

Felsen

Felsschlucht – Schau in die Lüfte!

Wildwuchs – Jeder Halm ist ein Wunder!

Brücke

Die Brücke – entscheide dich!

Wasser

Der Quell des Lebens.

Blumen

Düfte am Weg – Inspiration zum Träumen.

Fluss

Am Fluss – treiben lassen für immer.

Zauberfeen – wünsch dir was!

Sonne

Kraftvoll bleiben

Steine

Gute Geister – sei freundlich!

Baum

Mit dem Wind wachsen.

Wasserlauf

Dem Lauf des Lebens folgen.

Blattwerk

Bedecke und Öffne dich.

Ufer

Am Ufer – vergeude Zeit!

Baumkronen

Gut behütet.

Wurzel

Lass Wurzeln und Flügel wachsen.

Schild

Ankommen.

Mühle

Die Mühlen sollten langsam mahlen.

Seeblick

Weite – oft ganz nah.

Dia-Abend herrlich nostalgisch

Diaprojektor

Alt und Analog – funktioniert sogar ohne App!

Sicher rümpfen einige sofort die Nase, Dia-Abend – wie altmodisch, wer macht denn so etwas heutzutage noch? Ich, zum Beispiel. Und mit Hingabe und Begeisterung. Schon einige Zeit geisterte die Idee in meinem Kopf herum, alte Dias aus der Kindheit anzuschauen, die mein Opa damals immer gezeigt hat an seinen berühmten Dia-Abenden (inklusive Bowle für die Erwachsenen und Erdnussflips für die Kinder). Die Dias sind längst eingescannt und wir könnten diese bequem am Fernseher anschauen, aber das fühlt sich irgendwie nicht so an wie früher.

Der Projektor und die Dias meines Opas stehen im Haus meiner Mutter und werden irgendwann zu mir gelangen, bis dahin wollte ich nicht warten und erstand einen ziemlich alten Pentax Aspector 150 und konnte nicht widerstehen gleich noch einige alte Dias zu kaufen, um den Projektor auszuprobieren. So bin ich nun im Besitz der kleinen Sammlung: Rügen, Berlin-Ost, Stuttgart, Schwarzwald, Mongolei, China, Meißen-Albrechtsburg und demnächst Erfurter Dom. Einige dieser Serien stammen aus der ehemaligen DDR, alle sind teilweise älter als ich und zeigen die Städte in den 1970/1980er Jahren oder noch früher.

Ostberlin

Ein Wahrzeichen – immer noch.

Mit Besuchern im Haus (mein Cousin mit Familie) wollten wir einige der Dias anschauen. Den Projektor reinigten wir noch vorher, was etwas Aus- und Zusammenbau des Gerätes bedeutete, aber sich gelohnt hat. Ein großes Bild wurde von der Wand genommen, die Fenster verdunkelt und los ging es. Allein schon die nostalgischen Fahrzeuge und Klamotten der Personen auf den Aufnahmen waren die ganze Mühe wert. Teilweise waren Beschriftungen direkt auf den Dias aufgeklebt oder eine Beschreibung lag der Sammlung bei. So konnten wir zu jedem Foto genau nachlesen wo es aufgenommen wurde. Wir hatten viel Spaß und beamten uns für ein paar Stunden zurück in die Vergangenheit. Die Zeit verging, da ich jedes Dia einzeln einlegen musste. Der Projektor hat keine Kassette für mehrere Dias. Stundenlang hätten wir weitermachen können, es wird sicher nicht die letzte Runde gewesen sein.

Ostsee

Stralsund in den 70ern.

Ländle

Stuttgart in den 60ern

Eine weitere Idee, die ich mit den Dias verbinde, habe ich am Wochenende mit einer Freundin hier aus dem Ort umsetzen können. In einem alten unbewohnten Haus bauten wir den Diaprojektor auf, um einige der Bilder als Hintergrund zu benutzen. Die Idee stammt von einer Fotografin aus Leipzig, die allerdings ein spezielles Gerät dafür benutzt, um diese Art von Fotos zu machen (Light-Blaster). Ich wollte es mit dem Projektor versuchen, den wir dafür ziemlich weit entfernt von der Wand aufbauen mussten, um das Motiv auf die gesamte Fläche zu projektieren. Das Shooting hat richtig Spaß gemacht, selbst Model zu sein fühlte sich für mich sehr fremd an und es dauerte eine Weile bis ich den Dreh raus hatte. Dank meiner Freundin sind ein paar sehr schöne Aufnahmen entstanden. Hier ein kleiner Vorgeschmack.

Altes Haus

Was für eine herrliche Location für Fotografen.

Meißen

Das erste Motiv ein Dia aus der Albrechtsburg in Meißen.

Dance

Tanz zwischen den Wänden.

Mit dem zweiten Hintergrund waren wir dann zufrieden und ich durfte als Geist durch das Bild tanzen. Mit der Albrechtsburg in Meißen verbinde ich eine schöne Studienzeit und bin glücklich die alten Gemäuer und das alte Dia in einem alten Haus zu einer neuen Welt zusammenzufügen. Danke Simone für das Bild.

Killesberg

Eine Spielerei – Doppelbelichtung

Milano ti amo!

Für meine ökologische Lebensbilanz ist ein 3-Nächte-Trip nach Mailand mit dem Flugzeug sehr ungünstig. Einem geschenkten Gaul … – wie sollte ich ein solches ausschlagen, ich erleichtere mein Gewissen damit, dass ich in der Stadt nur zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war und fast das ganze Jahr über immer mit dem Fahrrad ins Büro düse. Zusammen mit einer Freundin aus dem Dorf hier machten wir uns also am späten Karfreitag auf in die Modestadt südlich der Alpen. Wir wurden schon beim Anflug mit einem spektakulärem Ausblick auf die wieder schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen belohnt. Einfach nur wundervoll dieses Gebirgsmassiv aus der Luft betrachten zu dürfen.

Eine sehr lustige Anfahrt in unser Designhotel ließ den Abend nicht langweilig werden, die Metro-Station „Domodossola“ stiftete Verwirrung, da es sich dabei außerdem auch um einen kleinen Ort weit außerhalb von Mailand handelt, wie uns ein charmanter junger Italiener im falschen Zug erklärte. Glücklicherweise erreichten wir mit ein paar kleinen Umwegen doch unser Hotel, nicht ohne vorher in einem irischen Pub ein etwas ungewöhnlich aussehendes aber sehr wohlschmeckendes italienisches Gericht bestellt zu haben. Es handelte sich dabei um eine Art schwarze Brötchen, die mit drei Sorten Käse serviert wurden. Auf unsere fragenden Gesichter versuchte uns der nur italienisch sprechende Kellner zu erklären, dass es sich hierbei um Kartoffelbrötchen handelt, die mit Kohlepulver gefärbt wurden. Geschmeckt haben sie köstlich trotz des ungewöhnlichen Aussehens. Zu einem erfrischendem Cider-Bier genau das richtige. Pizza und Spaghetti kann ja schließlich jeder. 🙂

Duomo

Wartende vor dem Wahrzeichen der Stadt

Wer im Frühjahr nach Mailand reist, kann nicht nur dem schlechten Wetter in Deutschland entfliehen, denn dort herrschen schon angenehmere Temperaturen, die Stadt der Mode lädt ein, seinen Kleiderschrank zu füllen mit den neusten Kollektionen der Designer aus aller Welt. Zahlreiche Boutiquen und regelmäßige stadtfindende Modemessen bieten für jeden Geschmack und Geldbeutel das Passende an.

Wachmann

Stilvolle Bewachung

Frau

Ton in Ton wenn es gefällt

Aber auch Kulturliebhaber kommen auf ihre Kosten, allein der Dom lohnt einen Besuch, das Abendmahl-Gemälde von Leonardo Da Vinci ebenfalls, allerdings muss man hierfür schon Monate im Voraus Karten reservieren. Wir begnügten uns mit einer Besichtigung im Dom und dem Aufstieg zur Terrasse auf dem Dach, wo wir mit einem herrlichen Ausblick über die Stadt bis zu den Alpen hin belohnt wurden. Die Basilika des heiligen Ambrosius bestaunten wir ebenfalls und ein absolutes Muss für Italienreisende ist wohl immer der Besuch auf dem städtischen Friedhof. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an den vielen kunstvoll gestalteten Grabstellen, Skulpturen und Gruften. Mit Hingabe lasen wir die Namen an den vielen kleinen Wandtafeln, die fast wie so ein nostalgischer Setzkasten wirkten mit den Bildchen, Blumen und Sprüchen darauf.

Wir ließen uns einfach drei Tage durch die Stadt Treiben, tauchten ein in die Menschenmassen im Zentrum, ruhten aus in einem der Parks, hatten Spaß in den zahlreichen Umkleiden der Modeboutiquen, genossen das italienische Eis und andere Köstlichkeiten, rollten am Ende alle Kleidungsstücke zusammen, damit mehr in den kleinen Koffer passte und lachten sehr viel. Etwas vermisst haben wir die im Reiseführer angepriesenen stilvoll gekleideten Menschen, die wohl alle das Osterwochenende genutzt hatten, dem Touristenansturm in der Stadt zu entfliehen. Ein paar Wenige streiften unsere Wege, meistens ältere Herrschaften, die hier Wert auf Stil legen.

Mosaik

Wand-Mosaik auf dem Zentralfriedhof

Moench

Am Domplatz treffen sich alle.

Zigarette

Dame mit Zigarette

Chinesen

Der Versuch eines Gruppenbildes.

„Der Vorteile am planlosen Reisen ist, dass man sich treiben lassen kann und keine Termine einhalten muss. Wenn einem irgendwo langweilig wird, fährt man einfach weiter.“ Recht hat er, der Oliver Helbig. Danke Britta für die schöne Zeit.