Fernweh oder Heimweh?

Vor ein paar Tagen habe ich dieses Zitat entdeckt:
Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte,
wo kämen wir hin und keiner ginge,
um zu sehen,
wohin wir kämen,
wenn wir gingen.
– Kurt Marti
Gefunden hatte ich es auf der Webseite eines jungen Paares, das sich momentan auf einer Weltreise befindet und darüber einen kleinen aber feinen Blog schreibt, wer mitlesen möchte: http://weitumdiewelt.de/ kann das hier tun.

Einmal wieder bin ich fasziniert von Menschen, die große Abenteuer wagen, jeder auf ganz eigene Weise. Diese beiden sind bisher quasi nur per Anhalter durch die Welt gezogen und haben versucht mit 5 € pro Tag und Person auszukommen. Mit Begeisterung habe ich auch das Buch von Meike Winnemuth „Das große Los“ verschlungen, die darin über ihre 1jährige Weltreise berichtet und gerade in den Kapiteln über Indien und China mir quasi aus der Seele geschrieben hat. Bei beiden Projekten waren die Leute ohne Kinder unterwegs, was die Sache natürlich vereinfacht, besonders wenn die Kinder schulpflichtig sind. Das Pärchen aus Freiburg hat nun allerdings Nachwuchs bekommen und ich bin gespannt, wie lange die Reise mit Kind noch dauern wird.

Zurück in die Heimat und den Wurzeln zieht es momentan die Schauspielerin Natalia Wörner, die ein spannendes Buch zum Thema geschrieben hat. „Heimatlust“ vereint ganz persönliche Erlebnisse mit der Geschichte Stuttgarts und Baden-Württembergs, ihrer Heimat, die sie schon zeitig aus beruflichen Gründen verlassen hatte. Bei einer Gesprächsrunde im Alten Schloss in Stuttgart konnte ich ihren Erlebnissen lauschen und merkte einmal mehr, das nicht nur für mich das Thema Heimat & Fernweh eine wichtige Rolle spielt. Auf ihre neuen Projekte werde ich sicher ein Auge werfen.

Ich habe schon sehr viele Reisen unternommen und das ständige Fernweh kann teilweise richtig nerven, zumal es immer davon ablenkt, den Blick in die nähere Umgebung zu richten. Auch wenn das Meer zum Beispiel nicht gleich um die Ecke liegt und diese Grundsehnsucht nach Strand und Wasser immer mitschwingt, ein Meer aus weichen Gerstenhalmen im Sonnenuntergangslicht kann ein bisschen darüber hinweg trösten.

Mir ist auch aufgefallen, das Reisende oder Menschen, die momentan fern der Heimat wohnen, doch immer gern wieder zurück kommen und es genießen die alte Heimat zu spüren. Die Wurzeln bleiben also bestehen, egal wie lange man unterwegs ist oder wie weit entfernt. Heimatweh vielleicht? Ich kann meine eigene Heimat gar nicht so richtig definieren. Nach gut 24 Jahren hatte ich damals die Heimat verlassen, um hier im Süden Deutschlands vielleicht eine neue zu finden. Die Zeit im Ausland entfernte mich wieder nicht nur körperlich von dieser „neuen Heimat“. Seit einem Jahr zurück in der alten-neuen Heimat entdecke ich bisher unbekannte aber auch vertraute schöne Seiten der Umgebung. Es ist eine Gradwanderung der Gefühle, die einen immer wieder wegzieht und wiederkommen lässt. Das Weggehen hat nicht nur neue Freunde und Erlebnisse in mein Leben gespült, es hat das Zurückkommen in ein anderes Licht gerückt. Ich bin dankbar so viele Seiten der nicht mehr fremden Welt erlebt zu haben und gleichzeitig dankbar für mich nicht festlegen zu müssen, was und wo Heimat für mich ist. Vielleicht brauche ich dafür noch einige Zeit des Weggehens und Ankommens.

Wikipedia: Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Für mich ergänzen sich Heimat (egal ob dort wo man geboren wurde, oder später seinen Lebensmittelpunkt wählt) und Fernweh sehr gut. Viele Menschen verlassen ihre Heimat, sehr viele nicht unbedingt freiwillig und sicher nicht aus dem Antrieb Fernweh. Wer einmal Fremder in einem Land war, kann gut nachvollziehen, wie sich diese Menschen fühlen, wenn sie ihre Heimat vermissen. Vielleicht wäre es daher gut, wenn alle einen Funken Fernweh hätten und diesem nachgehen. Wo kämen wir sonst hin?

Heute daher ein paar Bilder aus der „neuen alten“ Heimat:

Fachwerk

Historie gespiegelt

Lavendel

Zauber des Sommers – Lavendel

Fenster

Eingemauert?

Waage

Waghäusle

Rosen

Zaungäste

Gräser

Wer das Gras wachsen hört.

Feldblume

Feldblumen

Maisblätter

Auch Mais hat seinen Reiz.

Wiese mit Baum

Sommerwiese

Katze im Fenster

Fensterplatz bitte

Blüten

Blütenzauber