Schwarzer Wald in hellem Licht

Wer an den Schwarzwald denkt, dem kommen vermutlich Bilder von tief dunklen Tannenwäldern, engen Schluchten und einsamen Dörfern in den Sinn. In Teilen stimmt dieses Bild auch heute noch, wer genau hinschaut findet dort aber ebenso zauberhaftes Licht, Helligkeit und eine Natur, die einem immer wieder den Atem nimmt, vor Staunen, Entzücken und Leuchten.
Wer würde nicht dahinschmelzen beim Anblick eines Sees, verhangen von zartem Morgennebel, der über das glasklare Wasser zieht, als wollte er es streicheln. Die Sonne steigt langsam über dem Waldrand empor, wärmt die ersten Zuschauer und lässt einen Tag voller Licht erwarten. Die mystisch dunklen Tannen geben dieser märchenhaften Kulisse den nötigen Kontrast.

Tage und Stunden auf einsamen Wegen, hohen Gipfeln und an rauschenden Wasserfällen. Dazwischen ein kurzes Eintauchen in die quirligen Städte des Südschwarzwaldes, wie Freiburg, das die Freiheit bereits im Namen trägt. Sich treiben lassen im Tumult der Bewohner, Studenten und Besucher, den Straßenkünstlern zuschauen, einen köstlichen Kaffee genießen, flanieren wie zu alten Zeiten. Herrlich, diese Stunden – verrinnen in der Sanduhr und es fühlt sich trotzdem ewig an. Die Momente, wenn eine anstrengende Tour ihrem Ziel entgegenführt, der Gipfel zum Greifen nah, schwitzend und zufrieden die Füße hochlegen zu können. Ein Glück auf Erden, das nicht selbstverständlich ist und darum so kostbar.

Immer wieder die Stille genießen, Gedanken sortieren, die letzten Monate Revue passieren lassen, Gespräche führen oder eine Runde mit den Töchtern um die Tischtennisplatte sausen. Auf dem Nachbarbauernhof der alten Frau eine Geschichte vom letzten Gewitter entlocken, bei dem der Blitz mehrere Kühe auf den Wiesen dort oben am Hang erschlagen hat. In der kleinen Kapelle nebenan die Ahnentafeln lesen und mit dem Gedanken verlassen, wie schrecklich und schön das Leben sein kann.
Der Kioskbesitzerin am See eine halbe Stunde Plauderzeit schenken, weil die Gäste noch auf sich warten ließen an diesem sonnigen Morgen und sie berichtet, das ihr verkauftes Eis unterschiedlich besteuert werden muss, je nachdem wo es verspeist wird. Irrwitzige Bürokratie im deutschen Urlaubsparadies, wahrscheinlich fliegt sie deshalb immer in die Ferne, wenn der Kiosk Ferien macht.
Im Bootshaus am Campingplatz bedienen sehr freundliche junge Leute, die nicht aus Deutschland stammen. Die vegetarische Pizza ist mit Schinken belegt, aber nie würde ich mich jetzt bei dem jungen Mann beschweren, der am Abend vorher meine Wäsche aus dem Trockner genommen und sehr ordentlich zusammengelegt hatte.
Dem interessierten Fotografen-Wanderer in der Schlucht die eigene Kamera erklären und eine App am Telefon zeigen, mit der er die Belichtung messen kann – große Freude.
Es sind die kleinen Lichtstrahlen, die das Leben immer wieder wirft und eine Zufriedenheit erzeugen, die lange nachhält. Hier eine Auswahl meiner Glücksmomente.

Kirche
Idylle am Wegesrand
Wolken
Wolkengigant über dem Titisee
Haus
Typische Schwarzwald-Architektur
Pferdekoppel
Pferden am Berg
Steine
Hochstapelei
Holz
Natürliche Kunststücke
Brücke
Kein Weg zurück
Wutach
Im Rausch des Wassers
Kirche
Schwarzwald?
Hochfirst
Hoch oben blickt man tief.
Wolken
Schauspiel am Himmel
Freiburg
Bücherzelle neu entdeckt
Brille
Stadtkind
Zeitung
Tagesgeschäft
Schuhe
Spitzentanz in den Gassen
Taube
Stadtvogel
Kirchenplatz
Aus nah und fern
Fahrrad
Ortsansässige
Wald
Aus der Reihe tanzen
Pause
Rastplatz
Mohn
Vom Regen in die Traufe
Uhr
Stillstand der Zeit
Fenster
Privatsphäre
Feldberg
Alter Glanz in immer neuem Licht
Feldbergturm
Wo bitte ist das Meer geblieben?
Blumen
Blütezeiten gehen und kommen wieder.

Leer gezogen

Morgenlicht
Glanz vergangener Jahre

Halle-Neustadt, im Volksmund auch Ha-Neu genannt, war eine Stadt im Bezirk Halle der Deutschen Demokratischen Republik und bezeichnet heute die halleschen Stadtteile Nördliche Neustadt, Südliche Neustadt, Westliche Neustadt und das Gewerbegebiet Neustadt.

Sie wurde am 12. Mai 1967 zur eigenständigen und kreisfreien Stadt erklärt, nachdem sie ursprünglich als neuer Stadtteil von Halle (Saale) erbaut worden war. Die Einwohnerzahl betrug 1972 51.600 und 1981 mehr als 93.000. Am 6. Mai 1990 wurde Halle-Neustadt wieder nach Halle eingemeindet. Die Bevölkerungszahl hat sich seitdem etwa halbiert und betrug Ende 2017 46.280 Einwohner.

Die eigentliche Stadtgeschichte begann 1958 mit einer Konferenz des Zentralkomitee der SED zum Thema „Chemieprogramm der DDR“, auf der die Ansiedlung von Arbeitskräften in der Nähe der Chemiestandorte der Buna-Werke in Schkopau und der Leunawerke in Leuna beschlossen wurde. Nach umfangreichen Standortuntersuchungen und Planungen im Bezirk Halle beschloss das Politbüro der SED am 17. September 1963 den Aufbau der „Chemiearbeiterstadt“, wobei die Stadt in größerer Entfernung von den Chemieanlagen errichtet wurde.

Quelle: Wikipedia

Das Zentrum von Halle-Neustadt: die 1970 bis 1975 erbaute und 2005/06 sanierte Neustädter Passage zog meine Aufmerksamkeit am 13. Mai 2018 in ihren Bann. Fünf Hochhäuser entlang der Magistrale in Mitten dieser Passage gelegen, sind alle leer gezogen. Wie eine Geisterstadt zwischen kleinen Geschäften und Imbissbuden, streben sie in den stahlblauen Himmel an diesem sonnigen Morgen. Kein Mensch ist hier unterwegs, es ist Sonntag und um 7 Uhr schläft auch Halle noch. Die einzigen letzten oder neuen Bewohner sind zahlreiche Tauben, die es sich auf den Balkonen, Betonvorsprüngen und Fenstersimsen gemütlich machen. Sie kreisen durch die Häuserschluchten und gurren einem neuen Tag entgegen. Ihre neugieren Blicke flogen mir auf Schritt und Tritt. Überall auf dem Boden findet sich Taubendreck und Gefieder, trotzdem verleihen sie dieser Szenerie etwas Schönes. Sie stören sich nicht daran, dass hier keiner mehr wohnen will. Sie haben eine Heimat hier gefunden und trotzen dem Treiben, das hier wohl an den Wochentagen herrscht.

Abgerissene Plakate, sogar eins aus dem Jahr 1994 zieren die Wände, die den Grafittimalern ideale Bedingungen bieten, sich hier auszutoben. Pandabären, Schriftzüge, Drachen und viele andere Motive lassen sich finden und bringen ein bisschen Farbe ins Spiel zwischen all dem Beton, der hier verbaut wurde.

Mich erschlägt die Größe und die Masse an Wohnungen beim wiederholten Blick nach oben. So viele Menschen haben hier Jahre ihres Lebens verbracht; Alltag, Nachbarschaft, Feiern, Abschiede, … Auszug.
Man kann sagen was man will, die 1990 Jahre brachten dem Osten nicht nur neue Währung und Freiheit. Gerade meine Generation „flüchtete“ weil es einfach zu wenige Arbeitsplätze gab. Auch eine gute Freundin zog weg aus Halle-Neustadt und lebt seit vielen Jahren im Südwesten der Republik. Oft führen Gespräche über unsere verlassene Heimat und die Chancen, die wie dort vielleicht gehabt hätten.

Die Zahl der Rückkehrer hat zwar mittlerweile wieder zugenommen, ob sie diese Massenflucht jemals ausgleich können, bleibt fraglich. Auch wir wagten den Schritt bisher nicht, die Chancen sind für uns nach 20 Jahren im westlichen Teil der Republik wohl auch eher gering. Es stimmt mich denoch traurig und oft auch enttäuscht, dass dazu der Mut fehlte oder die Umstände einfach nicht passten. Ich würde mir wünschen, dass die nächste Generation es angeht und den Osten als das sieht und begreift was er ist. Lebenswert, voller Energie und ein Platz für gute Ideen.

Wer in Halle vorbei schaut sollte sich unbedingt auch die schöne Altstadt anschauen und einen Ausflug in die Dölauer Heide unternehmen, Natur vor der Haustüre.

Dokumentation der Platte Halle-Neustadt ist für mich ein gewisser Teil Aufarbeitung der Vergangenheit, auch meiner eigenen. Der Rückbau wird wie in vielen Neubaugebieten wohl die einzige Option sein.

Eingang
Bio
Blockhaus
Blauer Streifen
Taube auf dem Blechdach
Wächter(in)
Sonne
Sonnengruß
Fenster
Fensterfront
Panda
Brandwunden
Hinterhof
Hinterhofgeschichten
Laterne
Auf der Laterne
Herren
Haushaltswaren
Pizza
Pizzahaus
Balkon
Balkonien
Eis
Kein Eis in Neustadt
Leer
Menschenleer
Statue
Haltloser Verfall
Profi
Profi Flieger
Taube
Abflug
Beobachter
Beobachtungsposten
7
Keine Sieben mehr hier.
Netz
Fallnetz
Markt
Mix-Markt
Abstieg
Blauer Abstieg
Block 009
Blockschrift
14
Hoch gebaut und tief gefallen.
Plakat
1994 – Gysi sprach.
Panda
Tanzender Bär.
Wohnbau
Das ist nicht wohnen!
Abgerissen
Nichs mehr los.
Tauben
Neue Bewohner!
Badewanne
Freibad
Balkon
Balkonien hat ausgedient.
Vogel
Einsamer Vogel.
Durchzug
Auf Durchzug
Kante
Abrisskante
Sammler
Lumpensammler
Taubenpaar
Paarlauf
Spruch
Jung und billig
Mülleimer
Natürlich im Eimer

Schwarzwaldmärchen

Hermann Hesse – Schwarzwald

Seltsam schöne Hügelfluchten,
Dunkle Berge, helle Matten,
Rote Felsen, braune Schluchten,
Überflort von Tannenschatten.
Wenn darüber eines Turmes
Frommes Läuten mit dem Rauschen
Sich vermischt des Tannensturmes,
Kann ich lange Stunden lauschen.

Dann greift wie eine Sage,
Nächtlich am Kamin gelesen,
Das Gedächtnis mich der Tage,
Da ich hier zu Haus gewesen.

da die Fernen edler, weicher,
Da die tannenforstbekränzten
Berge seliger und reicher
Mir im Knabenauge glänzten.

Spiegel
Geheimnisvoller See – Spiegel am Waldrand
Beschützerin – Glaube an Märchen und Sagen!
Hinweis
Begleiter – Lass dir den Weg weisen!
Felsen
Felsschlucht – Schau in die Lüfte!
Wildwuchs – Jeder Halm ist ein Wunder!
Brücke
Die Brücke – entscheide dich!
Wasser
Der Quell des Lebens.
Blumen
Düfte am Weg – Inspiration zum Träumen.
Fluss
Am Fluss – treiben lassen für immer.
Zauberfeen – wünsch dir was!
Sonne
Kraftvoll bleiben
Steine
Gute Geister – sei freundlich!
Baum
Mit dem Wind wachsen.
Wasserlauf
Dem Lauf des Lebens folgen.
Blattwerk
Bedecke und Öffne dich.
Ufer
Am Ufer – vergeude Zeit!
Baumkronen
Gut behütet.
Wurzel
Lass Wurzeln und Flügel wachsen.
Schild
Ankommen.
Mühle
Die Mühlen sollten langsam mahlen.
Seeblick
Weite – oft ganz nah.

Tradition vs. Tierschutz

Meine für mich beste Arbeit dieses Jahres möchte ich in diesem Artikel vorstellen. Lange habe ich überlegt, ob ich diese Fotos überhaupt veröffentlichen soll, bis ich mich an die Bearbeitung machte und dabei festgestellt habe, dass es nicht richtig wäre, sie im Archiv verschwinden zu lassen. Es ist eine recht umfangreiche Reportage zu einem Ereignis, dem wir in unserem Sommerurlaub beiwohnten. Eher zufällig hatten wir davon erfahren, als uns am Abend vorher der Barbesitzer davon erzählte. Wahrscheinlich hätten wir dieses Event verschlafen und uns nur über die Kanonenschüsse um acht Uhr morgens im Bergtal gewundert.

Hätte ich über unseren Urlaubsort Fornalutx vorab einmal bei Wikipedia nachgelesen, wäre mir sofort dieser Text ins Auge gesprungen: Alljährlich um den 8. September herum, zur Zeit des Dia Novitat de la Mare de Deu, wird in Fornalutx, vermutlich am einzigen Ort auf Mallorca, noch das Fest Correbou gefeiert. Hierbei handelt es sich, wie bei ähnlichen Festen um ein bis in die Frühzeit reichendes Stieropfer. Ein Stier wird von einer jungen Frau mit einem Blumenkranz geschmückt, um anschließend durch den Ort getrieben zu werden. Am Ende wird er geschlachtet und das Fleisch wird unter den Spendern des Stiers aufgeteilt. Seit einigen Jahren protestieren zeitgleich verschiedene Tierschutzorganisationen gegen diesen alten Brauch.
Es ist neben einer kurzen Beschreibung des Ortes der einzige Eintrag dort.

Wir wussten nicht genau, was uns am Morgen im Ort warten würde, da der Barbesitzer nur sehr dürftiges Englisch sprach und wir nur in Erfahrung bringen konnten, das am nächsten Tag ab 8 Uhr etwas los ist mit einem Stier und wir zum Markplatz kommen sollen. Die Kinder malten sich eine blutige Hetzjagd des Tieres durch die schmale Hauptstraße aus und wollten eigentlich gar nicht mitgehen. Auch eine vor Ort Schlachtung auf dem Marktplatz lief im Kopfkino der beiden ab. Ich beruhigte und glaubte nicht an eine blutige Aktion. Da wir kein Internet im Ferienhaus hatten, blieb uns nur abzuwarten und mit einem etwas mulmigen Gefühl hinzugehen. Da wir nicht genau wussten was uns erwartete nahm ich natürlich meine Kamera mit, in der Annahme es würde sicher ein paar spannende Aufnahmen geben.
Ich sollte nicht enttäuscht werden. Der gesamte Ort war schon vor acht Uhr auf den Beinen, so wie es aussah waren nicht nur Einheimische hier, Freunde und Schaulustige aus den Nachbarorten schienen extra angereist zu sein. Im Ort wurde schon eine ganze Woche Fiesta gefeiert, dieses Ereignis, sowie ein Konzert auf dem Sportplatz waren die Höhepunkte der Festwoche. Viele der Leute trugen extra für das Event gedruckte T-Shirts und strömten zusammen mit uns in Richtung Ortsausgang. An allen Balkonen und Mauern standen oder saßen bereits Urlauber, Familien mit Kindern – Fotografen standen mit Teleobjektiven parat und sogar ein Kamerateam konnte ich entdecken. Nicht zu übersehen war das Aufgebot der Polizei, die mit etwa 15 Leuten auf der Hauptstraße standen.

Wir fanden einen für uns geeigneten Platz und mischten uns unter die Leute, ein sehr netter Brite, der schon ein paar Jahre hier im Ort lebte, erklärte uns dann das Spektakel. Es ist eher eine Mutprobe für die Jugend, die vor einem an Seilen festgebunden Stier herlaufen. Der Stier wird von mehreren Männern gehalten und angestachelt, so das er immer wieder versucht sich loszureißen und durch die Menge zu jagen. Okay, also die Kinder lieber auf die Mauer oberhalb der Straße gesetzt, erschien mir vernünftig. Es würde auch kein Blut fließen, eine Schlachtung erfolgt dann wohl eher im Schlachthof und nicht auf dem Marktplatz.

Es dauerte nicht lange, als wir laute Rufe vom anderen Ende der Straße (Richtung Marktplatz) hörten und ich eine kleine Gruppe von Menschen ausmachen konnte, die sich mitten auf die Hauptstraße gesetzt hatten, um ihren Unmut über diese Aktion kundzutun. Im Kreis versammelt und untergehackt schrien die Tierschützer lautstark ihr Parolen, auf spanisch natürlich. Polizisten schirmten sie ab, allerdings war es weder für die Presse noch Fotografen schwierig an die Leute heranzukommen. Es ging keine Gefahr von ihnen aus, sie demonstrierten einfach gegen diese für sie unsinnige Tradition. Den Schaulustigen schien das Spektakel vor dem Spektakel zu gefallen, es gab eher verhaltene Widerworte auf deren Reihen. Als die Presse und Kamerateam ihre Fotos hatten griff die Polizei ein, um die Demonstranten von der Straße zu räumen. Einzeln wurden sie ohne Widerstand zu leisten von der Straße geführt oder getragen und in einer kleinen Gasse sofort von den Reportern für ein Interview umringt.

Das eigentliche Spektakel konnte nun beginnen, kurze Zeit später setzte sich der Pulk an Menschen vom Ortseingang aus zusammen mit dem Stier in Richtung Marktplatz in Bewegung. Die Jugend sprang immer wieder in schnellen Schritten vor dem Tier davon, die auserwählten Männer hielten den Stier im Zaum und einige andere versuchten ihn mit Tüchern wild werden zu lassen. Das gelang nur teilweise, als er auf unserer Höhe war hatte ich das Gefühl, er hatte keine Energie für dieses Spiel. Weißer dicker Speichel tropfe aus seinem Maul, ich meine in seinen Augen den Stress zu sehen, der gerade in seinem Körper herrscht. Die Menge jubelt, einige sind ängstlich und einige auch entsetzt. Ich versuche die Blicke und Stimmungen aller Beteiligten einzufangen. Mir tut das Tier nur leid und eigentlich will ich in diesem Moment gar nicht dort sein. Irgendwann hat er es geschafft, wird in eine große Box verladen und weggefahren. Wohin weiß ich nicht.

Ich habe nichts gegen Traditionen und finde diese wichtig, Menschen drücken ihre Identität damit aus und weltweit gibt es die verschiedensten bunten Feste und Ereignisse. Die Welt wäre um soviel ärmer ohne sie. Aber andere Lebewesen dafür leiden zu lassen ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr notwendig. Ich kann die Tierschützer gut verstehen und bewundere ihren Mut sich gegen diese Stierjagd zu stellen. Vermutlich wird es auch im kommenden Jahr wieder dazu kommen im kleinen beschaulichen Fornalutx, dass ich als einen so idyllischen Ort mit sehr liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten möchte. Vielleicht haben die Bewohner irgendwann den Mut, mit dieser Tradition zu brechen und keinen lebenden Stier mehr durch den Ort jagen zu wollen. Eine farbenfrohe Prozession mit Kindern als Stiere verkleidet würde sicher ebenso viele Touristen und Fotografen anziehen. Aber vielleicht bleibt das nur meine idealistische Traumvorstellung. Ich hoffe nicht.

Meine Reportage ist in vier Teile gegliedert, die Bilder lassen sich mit einem Klick darauf größer anschauen.

1. Die Vorbereitung:

Schilder
Fornalutx liegt nordöstlich von Sóller im Gebirgszug der Serra de Tramuntana
Zuschauer
Die ersten Zuschauer warten schon.
Mauer
Eine Zigarette geht noch.
Balkone
Jeder Balkon ist heute besetzt.
Lesung
Friedlich – Mutter liest ihrem Kind vor.
Fragender Blick
Wer bist du? Und warum fotografierst du mich? – Ein Blick sagt alles.
Polizei
In Position gebracht, noch ohne wirkliche Aufgabe.
Jugend
Voller Erwartung und mit speziell gedruckten Shirts zum Spektakel unterwegs.
Stock
Alle sind heute gekommen – mit Stock zum Haltgeben.

2. Der Protest

Sitzstreik
Sitzblockade auf der Hauptstraße
Protestler
Sofort ein Anziehungspunkt
Straßenbesetzung
Freiwillig gehen sie nicht weg.
Anwohner
Die Zuschauer lassen ihren Unmut ebenfalls raus.
Rufe
Abgeschirmt durch die Polizei brüllen sie ihre Parolen in die Menge.
Schaulustige
Protest und Schaulust treffen aufeinander
Räumung
Schließlich beginnt die friedliche Räumung durch die Polizisten.
Verzweiflung
Verzweiflung – sie können es nicht verhindern.
Applaus
Fast würde dieser Herr gerne noch applaudieren.
Abtransport
Der ältere Herr mit Bart muss gehen.
Warten
Hier freuen sich einige über die Räumung.

3. Die Stierjagd

Kinder
Es scheint etwas zu passieren dort oben.
Ausblick
Sie entdecken das Tier als Erste in der Menge.
Jagd
Wer nicht auf die Hörner genommen werden will, rennt.
Fernsehen
Das Fernsehteam steht für die besten Bilder in Position.
Leinen
An der langen Leine – der junge Stier ist zu sehen.
Jagd
In vollem Gang – Stier jagt Mensch – oder eher umgekehrt.
Am Seil
Eine echte Chance hat er nicht.
Einheizen
In Szene gesetzt für die Zuschauer.
Fertig
Objekt der Begierde – Draufhalten!
Ende
Die Karawane zieht weiter.

4. Danach

Kameramann
Bilder vom Randgeschehen einfangen.
Augenblick
Augenblicke eingefroren – was diese beiden über das Gesehene denken.
Anhängerin
Traditionen bewahren?
Musiker
Versöhnlich erklingt Dudelsackmusik in den Ohren
Musiker
Alt und Jung könnten auch anders feiern.
Familie
Nachdenklichkeit in den Gesichtern meiner Familie
Kinder
Was geben wir unseren Kindern mit für die Zukunft?
Interview
Sie finden Gehör!

Wir haben dieses Ereignis in unserer Familie besprochen und waren uns alle einig, dass es eine solche Stierjagd nicht mehr geben sollte. Ich bin immer noch gespalten, ob meine Fotos der richtige Weg sind, auf der anderen Seite finde ich es wichtig, dass diese Ereignisse dokumentiert werden. Die Welt besteht nicht nur aus friedlichen Urlaubsfotos, hinschauen und diskutieren, aufstehen und sich wehren. Oft sind gerade solche Reportagen wichtig, um ein Umdenken einzuleiten oder auf Missstände aufmerksam zu machen. Für mich war es eine Erfahrung, die mir moralische Grenzen aufgezeigt hat, ich würde es aber wieder tun.