Puppenspiel

Sie starren mich an, aus Schaufenstern, vor Geschäften, hinter Verkaufsständen, mit ihren aufgemalten Augen, sie schauen sogar, wenn keine Augen mehr zu sehen sind oder der Kopf gänzlich fehlt. Manchen gelingt ein Schmunzeln oder vertsohlenes Grinsen. Es scheint so, als beobachten sie mich genau, unweigerlich muss ich selbst schmunzlen oder ein Schauer läuft mir über den Rücken. Unbelebt, tot, anziehend, nackt, modern, aus einer vergangen Zeit, behaart, geschminkt, anzüglich, lebendig. Schaufensterpuppen sind alles und immer wieder anders.

Frühsport

Sie tanzen, machen Yoga, liegen, sitzen, stehen, allein, zu zweit. Vielleicht sind sie nicht gerne alleine. Haben sie eine Seele? Eine Persönlichkeit? Eine Meinung? Mögen sie den Platz, an dem sie aufgestellt wurden? Sind sie gerne nack? Finden sie sich hübsch in der übergestülpten Kleidung?

Abhängigkeit
In Cognito
Wir sind vom selben Stern.
Schulterstand

Die ersten Schaufensterpuppen stammen aus der Zeit der Industriellen Revolution. Etwa zur selben Zeit als Kaufhäuser, Nähmaschinen und Straßenbeleuchtung Einzug in die Städte hielten, wurde auch das erste Mannequin geboren. Um 1870 begann es, dass der Einkauf von der Notwendigkeit zum Vergnügen wurde. Der Schaufensterbummel war für viele Städter das Highlight ihrer Woche. Damals noch aus Wachs, mit falschen Zähnen, echtem Haar und Glasaugen gefertigt, gab es die leblosen Vorführ-Damen in drei Varianten: Rechter Fuß vorne, linker Fuß vorne oder beide Beine zusammen. Um die Unschuld der teils lebensecht aussehenden Figurinen zu bewahren, wurde gar ein Gesetz erlassen, laut dem vor dem Umziehen der Puppen die Schaufenster bedeckt werden mussten.

Linkshänderin
Kopflos
Star der Woche
Torso

Die Wachsfiguren hatten weitere Nachteile: Sie schmolzen bei hohen Temperaturen und waren sehr schwer. Abhilfe schuf in den 1920er Jahren die französische Firma Siegel & Stockman mit der Erfindung der Papiermaché-Puppe, die gute hundert Pfund weniger wog als ihre wächsernen Kolleginnen. Außerdem wandelte sich die Figur des Mannequins vom viktorianischen, vollbusigen Ideal mit Wespentaille hin zum knabenhaften Garçonne-Typ.

Käthe Kruse ist vielleicht einigen ein Begriff in der Puppenherstellung. Dass sie in den 1930ern auch die Erfinderin eines Metallskeletts war, welches das Bewegen der Schaufensterpuppengelenke ermöglichte, ist aber in Vergessenheit geraten.

Der Puppenmacher Lester Gaba kreierte in den 1930er Jahren eine lebensecht wirkende Schaufensterpuppe namens Cynthia, die er mit auf Events nahm. Die beiden wurden zu Berühmtheiten; Cynthia zum beliebten Testimonial — Tiffany’s schickte ihr beispielsweise Schmuck — und LIFE Magazine bringt eine Strecke über die beiden. Ein tragisches Ende erreicht die Beziehung, als Cynthia von einem Stuhl fällt und in tausend Stücke zerbricht. 1987 erscheint der Film ‚Mannequin’ mit Kim Cattrall als zum Leben erwachte Schaufensterpuppe – teils inspiriert von dieser Episode, teils den Mythos des Pygmalion zitierend, aber in 80s-Klamotten.

Vernetzt
Die Diva
Schnatterinchen
Ziggy Stardust

Während des zweiten Weltkrieges nehmen Schaufensterpuppen laut einer Studie von Minna Rintala and Pertti Mustajoki weltweit mehrere Zentimeter an Umfang ab, nach Ende des Krieges durften sie diese aber wieder zunehmen. Auch das Lächeln kehrt in die Gesichter der vorher ernst dreinschauenden Damen zurück. Nachdem die Firma Wolf & Vine eine erste Schaufensterpuppe aus Plastik kreiert hatte, musste sie leider feststellen, dass diese unter den besonderen Bedingungen im Schaufenster grün anlief, und nahmen sie vom Markt. Plastik wurde dennoch schnell das neue Material für Mannequins, bis es in den 60ern in Fieberglas abgelöst wurde.

Die 50er und frühen sechziger orientierten sich an der Sanduhr-Silhouette Marilyn Monroes, die sich auch im Puppendesign niederschlug, bis sie in den 60ern von Twiggy-Lookalikes abgelöst wurden. In den 70ern wurden die Mannequins abstrakter und gesichtsloser und ihr Idealgewicht näherte sich wieder einer gesünderen Ästhetik an. Diese setzte sich in den 80er Jahren mit dem Aerobic-Trend fort und Mannequins bekamen Bauchmuskeln. Die 90er markieren einen Trend zu superdünnen Mannequins à la Kate Moss, später kamen Plus-Size Schaufensterpuppen auf den Markt, die mit der amerikanischen Größe 14 (einer deutschen 42) näher an der Durchschnittsgröße der Konsumentin lagen.

Im Körbchen
Gruslekabinett
Familienbande

Wie Cornel Klugmann vom niederländischen Schaufensterpuppen-Hersteller Hans Boodt erklärt, geht der aktuelle Trend seit Jahren langsam, aber stetig zurück zu realistischeren Gesichtszügen. „Lange Zeit war ein abstraktes Design gefragt, jetzt sehen wir langsam, wie die Gesichtszüge wieder deutlicher ausgeprägt sind. Diese semi-abstrakte Schaufensterpuppe deutet darauf hin, dass das Zielgruppen-Targeting wieder stärker im Vordergrund steht.“ Auch technische Gadgets sind eine neue Entwicklung im Design der Mannequins. „Bisher sind iBeacons und Scanner noch eine optionale Spielerei, die nicht von vielen Kunden gewünscht wird. Wir nehmen diese ‚Spielerei’ aber durchaus ernst. Sie kann helfen, Zielgruppendaten zu sammeln.“ Quelle: https://fashionunited.de/nachrichten/mode/schaufensterpuppen-geschichte-trends-und-zahlen/2016111521232

ES

Wer weiß schon genau, was uns in der Zukunft erwarten wird, wahrscheinlich wird den Puppen mit Hilfe der Robotik Leben eingehaucht. Sie könnten dann vielleicht sprechen und Gefühle zeigen. Seltsam wäre das, aber nicht unrealistisch. Schließlich erfindet die Menschheit auf vielen Gebieten immer wieder Neues und Spannendes. Fotografen könnten zum Shooting Roboter-Puppen anmieten, ob das allerdings gefällt muss jeder für sich herausfinden. Ich mag die Puppen sehr und fühle mich ihnen irgendwie verbunden. Darum fotografiere ich sie gerne und in letzter Zeit öfter. Und vielleicht findet eine von ihnen irgendwann den Weg zu mir.

Wunderliches Menschenvolk, so groß und so klein in demselben Augenblick! Welch‘ eine Tragödie, welch‘ ein Kampf, welch‘ – ein Puppenspiel jedes Leben!

Jakob Corvinus

Ein Film – Fünf Städte

Diese Woche war ich spontan in Tübingen, um den letzten Film entwicklen zu lassen, den ich mit meiner Olympus Pen Halfframe Kamera aufgenommen hatte. Im Fotomarkt Tübingen kostet das nur knapp 10 €, egal wie viele Bilder auf dem Film sind und dauert nur eine Stunde. Das finde ich sehr cool. Also Bummeln, Kaffee schlürfen, neue Fotos machen und dann die DVD und Negative wieder abholen. Der Mann an der Kasse fragte, ob ich nicht kurz auf die DVD schauen wollte und war etwas verwundert, als ich dankend ablehnte mit der Begründung „Ich lasse mich gerne überraschen“. In der Tat wusste ich nicht mehr ganz genau, was ich alles fotografiert hatte. Der Film war seit Januar in der Kamera und reiste durch fünf Städte mit mir. Aus den 24 Bildern macht die Halfframe 48 und es dauerte etwas länger, da ich eine „Rot-Serie aufnehmen wollte. Fast ist es mir gelungen.

Tübingen – Roter Schal
Tübingen – Rote Vespa
Tübingen – Rote Tür
Tübingen – Rotes %
Tübingen und Leipzig – Rote Kuh
Leipzig – Rote Jacken
Leipzig – Rote Tonne
Leipzig – Roter Schuh
Leipzig – Rote Feuerwehr
Meißen – Rote Flitzer
Stuttgart – Rote Kunst
Stuttgart – Roter Bus
Stuttgart – Rote Gitarre
Stuttgart – Rotes Herz
Stuttgart – Rotes Kleid
Stuttgart -Roter Drahtesel
Karlsruhe – Rote Werbung
Karlsruhe – Ohne Rot

Seit gut einer Woche ist mein Beast (Pentacon six TL) wieder im Haus. Frisch aufgemöbelt, repariert und gereinigt vom Fotoservice Hoffmann in Stuttgart. Beast habe ich sie getauft, denn sie ist es wirklich. Ein echtes Schwergewicht, dass satt in der Hand liegt und allein das Öffnen des Lichtschachtes klingt so richtig herrlich mechanisch. Als erstes habe ich mir einen Gurt bestellt, den es Dank Internet für diese Art der Befestigungsösen immer noch gibt. Den ersten Film habe ich mit Hilfe eines YouTube Videos eingelegt und mir auch das Handling noch einmal angeschaut. Das erste Motiv musste ich dann gleich im Garten aufnehmen, ein weiteres in Karlsruhe, noch eins in Tübingen und den blühenden Mohn hinter dem Haus. Also habe ich jetzt noch 8 Bilder, die dann wahrscheinlich auf der schönen Insel Rügen belichtet werden. Ich mag die Kamera jetzt schon sehr, das Auslöse-Geräusch klingt wie Musik in meinen Ohren. Ich überlege mir bei einem 120er Rollfilm sehr genau, was ich fotografieren möchte. Das macht es aber irgendwie auch sehr besonders. Drei Filme habe ich im Gepäck, ich bin wirklich sehr gespannt auf die Resultate.

Das Beast! (Hier noch mit Prisma-Aufsatz)

Grenzerfahrungen

Über das Oberthema zum 5. Stuttgarter Fotomarathon musste ich erst eine Weile nachdenken, bevor sich meine Ideen zu einer Serie aus 10 Bildern zusammensetzen ließen. Für mich war es der erste Fotomarathon, an dem ich meiner Freundin Simone zuliebe teilnahm. Mit 100 anderen Fotobegeisterten trafen wir uns gestern am Karl-Benz-Platz in Untertürkheim, um genau 10:00 Uhr die 10 Einzelthemen in Empfang zu nehmen, die wir innerhalb der nächsten sechs Stunden fotografisch umsetzen sollten.

Ausgang – Ausdehnung – Behinderung – Sperre – Grenzgebiet
Gegensatz – Abbruch – Rand – Rahmen – Ende

Die 10 Bilder mussten am Schluss in genau dieser und ebenso in zeitlicher Reihenfolge auf der Speicherkarte sein, durften nur mit Voreinstellungen in der Kamera „bearbeitet“ sein und nur als JEPG fotografiert werden. Im ersten Bild musste außerdem die Startnummer ersichtlich sein.

Eine gewisse Aufregung herrschte demnach bei allen Teilnehmern. Die ersten fünf Themen gab es gleich zu Beginn, für die weiteren durften die Teilnehmer zur Sternwarte auf die Uhlandshöhe wandern (in Stuttgart heißen diese lustigen Steigen „Stäffele“. Danach war uns dann warm und wir konnten einen kurzen Blick in den Talkessel werfen, um uns danach wieder hinein zu stürzen.

Wir nutzten fast die gesamte Zeit aus und arbeiteten beide sehr konzentriert. Hatten richtig Spaß, uns gegenseitig bei der Auswahl der Bilder zu helfen oder diese umzusetzen (gegenseitige Model-Einlagen inbegriffen). Irgendwie hatten wir das Glück immer zu den richtigen Orten zu gehen, um die Motive zu finden. Obwohl uns Stuttgart beiden nicht besonders innig vertraut ist, gelang das Projekt zu unserer beider Zufriedenheit.

Am Ende gönnten wir uns eine verdiente Auszeit in einem der Cafés am Hans-Im-Glück-Brunnen. Jetzt heißt es auf die Auswertung der Jury warten. Die besten 10 Fotoserien werden zur Vernissage am 05. Mai ausgezeichnet, alle anderen dürfen auch ohne Auszeichnung in der Ausstellung im Haus der Wirtschaft einen Monat lang bewundert werden.

Meine Serie wollte ich von Beginn an in schwarz-weiß aufnehmen, außerdem hatte ich den Zylinderhut meines Opas dabei, der irgendwie eine Rolle spielen sollte, wenn es das Thema zulässt. Da er gleich im ersten Bild zum Einsatz kam und ich kein weiteres Foto „Ausgang“ fotografiert hatte, war er dann gesetzt für die anderen neun Bilder.

Jetzt bleibt es dem Betrachter überlassen, die Umsetzung der Themen zu interpretieren und gerne auch zu kommentieren.

No. 1
Nr. 1 – Ausgang

No. 2
Nr. 2 – Ausdehnung

No. 3
Nr. 3 Behinderung

No. 4
Nr. 4 – Sperre

No. 5
Nr. 5 – Grenzgebiet

No. 6
Nr. 6 – Gegensatz

No. 7
Nr. 7 – Abbruch

No. 8
Nr. 8 – Rand

No. 9
Nr. 9 – Rahmen

No. 10
Nr. 10 – Ende

Alle raus!

Sari Frau
Flashback India

Im Radio kam neulich ein sehr guter Beitrag, der in etwa so ging: … sagt im … Linke raus, Rechte raus, Lesben raus, Schwule raus, Juden raus, Flüchtlinge raus, Terroristen raus, Nazis raus, Deutsche raus … auf die Straße, die Sonne scheint, macht was Schönes zusammen. Ich habe mit meiner Tochter geschmunzelt und ihr danach erklärt, dass diese Worte ohne den Schluss ganz anderes klingen würden, das man bis zum Ende zuhören sollte und das manchmal bewusst Worte weggelassen oder sogar umgeschrieben werden, dann würde dieser Witz keinen Sinn machen und der Verfasser gleich als Rassist dastehen. Letztendlich freuten wir uns aber auch darüber, das endlich der Frühling Einzug hält und es wieder wärmer wird, alles grünt und blüht und die Töchter wieder mehr draußen spielen können.

Endlich hatte ich zum VHS Kurs Smartphone Fotografie bestes Wetter und konnte sechs Teilnehmern an einem Samstag Vormittag Tipps und Tricks für das Fotografieren ohne echte Kamera geben. Sie waren alle begeistert und sehr interessiert, besonders schön finde ich immer die schon etwas betagten Teilnehmer, die sich vier Stunden Zeit nehmen und am Ball bleiben mit der neuen Technik. Die Freude über gut eingefangene Motive auf den Gesichtern ist der beste Lohn für diese „Arbeit“, die mir wirklich viel Spaß bereitet.

Schloss
Eine ewige Liebe – Fotografie

Mit dem schönen Wetter kommt auch die Lust am Fotografieren wieder zurück. Die Kamera war jetzt drei Wochen zum Service, jetzt runderneuert und mit sauberem Sensor wieder einsatzbereit. Bis dahin hielten mich die Polaroids, die analoge Praktika und eben das Telefon bei Laune. Die Polaroid-Sammlung wurde um ein weiteres Modell erweitert: SX-70. Ich drücke die Daumen, das sie noch funktioniert. Sobald ich Filme bestellt habe, werde ich sie testen. Der analoge schwarz-weiß Film in der alten Praktika ist noch nicht voll, ich bin jetzt aber schon auf die Abzüge gespannt.
Die nächste kleine Fotoausstellung wird gerade vorbereitet und am Samstag findet in Holzgerlingen ein Wettbewerb des Landesverbandes statt, an dem ich mit viel Bildern teilnehmen werde. Da unser Verein die Veranstaltung ausrichtet werde ich den ganzen Tag dort beschäftigt sein und sicher viele tolle Bilder sehen. Der nächste Fotoausflug findet dann am Sonntag statt, die Lost Places Tour im Hotel Waldlust in Freudenstadt steht schon seit Jahresbeginn auf der Liste.

Sonnenschein
Ab – raus in die Sonne!

Und dann wird mich Mailand bestimmt verzaubern und viele spannende Motive bieten, drei volle Tage in der schönen Stadt, die ich zum ersten Mal erleben darf. Danke schon jetzt an meine Familie, die ohne mich die Osterfeiertage verbringen wird. Das Frühjahr ist einfach immer wieder zauberhaft und ich freue mich auf die Sonne, das Licht, die Wolken, den Regen und den Duft der Natur.

Doppel
Aus Kindern werden Teenager.

Die neue Doppelbelichtungsfunktion vom Snapseed war längst überfällig, danke dafür.