Eine Reise in 10 Akten

Prolog – Leipzig

Das Haus der Entscheidungen

Wo sprudeln dir frischer
die Quellen des Lebens
als auf Reisen,
wenn im Bilderstrom der Welt du
selig dahintreibst.

© Carl Peter Fröhling
Passagen-Bild
Das Haus des springenden Pferds

Eine Reise mit meinen Lieben, die uns am Ende 3600 km durch drei Länder führte, drei Fähren verhalfen uns über die Ostsee, nach gut zwei Wochen voller Eindrücke und Gedanken landeten wir wieder an. Wer mag kann ein wenig im Bilderstrom mitreisen, der durch zehn Schauplätze strömt, uns stetig weitertrug einmal quer durch das Schwedenland. Am Anfang streifte meine Kamera mit mir durch Leipzig, dass ich jedesmal auf Neue entdecke und nicht müde werde, auf der Suche nach den kleinen Schätzen dieser Stadt.

Das Haus des blauen Fischs
Am Brunnen der Nikolaikirche
Das Haus der Unbekleideten
Pädagogikerin von hinten
Spannung am Fotoautomaten
Herr Schiller in Marmor
Spiegelbild

Ein letzter Tanz

Heimlich hatte sie sich davon gestohlen, hastig einige Sachen in die Tasche geschmissen, die schweren Boots angezogen und war losgefahren. Ein letztes Mal wollte sie dem alten Haus Leben einhauchen. Abschied nehmen von jedem einzelnen Zimmer. Über die Böden laufen, die bald nur noch Staub und Sand sein werden. Aus allen Fenstern in die Ferne blicken und dabei den Wind in ihren Haaren spüren an diesem warmen Sommertag.

Du bist in mein Herz gefallen
wie in ein verlassenes Haus.
Hast die Türen und Fenster weit aufgerissen.
Das Licht kann rein und raus.
Ich hatte doch schon meinen Frieden,
aber du bist so ne laute Braut.
Du hast mich wieder ausgeschnitten
aus meiner dicken Haut…

„Linda“ von Gerhard Gundermann

Das Kleid streifte sie sich schnell über und schaute ein letztes Mal in den schon verblassten Spiegel des winzigen Bades. Wie liebte sie diese hellblauen Fliesen noch immer, der Duft ihrer Seife stieg ihr in die Nase. Hier wird keiner mehr im heißen Dampf der Dusche stehen, sich keiner mehr in der Wanne für ein paar Minuten ans Meer träumen. Noch einmal tauchte sie den Raum in ein sinnliches Licht.



Es gibt keine Türen mehr, die Tapete hängt in Fetzen herunter, ein paar Vögel haben sich hier ihr Sommerquartier eingerichtet, es ist leise – keine Stimmen sind zu hören, nur die Wände sprechen noch. Geschichten, die hier spielten, die nun in den Erinnerungen der Menschen weiterleben.

Wir fliegen beide durch die Nächte,
segeln durch den Tag
Am Anfang war ich sicher,
daß ich sie nicht mag
Sie hat so breit gegrinst,
doch ihr Blick war wie durch Glas
Ihre Sätze wie Torpedos,
und jedes Lachen saß
Du bist die Tänzerin im Sturm
Du bist ein Kind auf dünnem Eis
Du schmeißt mit Liebe nur so um dich
Und immer triffst du mich .

„Die Tänzerin“ von Ulla Meinecke

Die Lieder im Ohr, die hier gesungen und zu denen getanzt wurde bis spät in die Nacht. Die Lichter der Nacht sollten ein letztes Mal leuchten, auch wenn sie keiner mehr sieht. Auf der alten Treppe, die zum Dachboden führte, fielen jetzt Sonnenstrahlen. Früher traute sie sich selten in die Dunkelheit dort oben. Versöhnte sich dieser Platz in diesen Stunden mit ihr?

Über mich hab‘ ich heut‘ schon viel nachgedacht
Über mich, über mich, über mich
Ich kann nicht behaupten, es hätte mir
Erkenntnis gebracht
Quer über die schneeweiße Decke
Geht ein Riss wie ein Haar so fein
Den habe ich da nie bemerkt
Soll er mir ein Zeichen sein
Dann greif ich a-Moll, das Klavier ist verstimmt
Ich bin es wohl auch
Meine Küsse sind bitter, mein Lächeln verlogen
Und kalt ist der Abendhauch

„Abendhauch“ von Tom Schilling & The Jazz Kids

Dem Himmel wird sie heute nicht näher sein können als hier oben. Das Wolkenspiel, der Wind und das Gefühl von Freiheit lassen eine Gänsehaut auf ihrem Körper entstehen. Abbruch, Aufbruch. Sprung ins Neue. Keine schlechte Idee. Der letzte Tanz hier war einer der Schönsten.

Model: Lara (Dankeschön!)

Der erste Film!

Nein, natürlich ist es nicht der erste Film, den ich je belichtet habe. Die Anzahl zu ermitteln wäre eine spannende Angelegenheit. Aus meinen analogen Urzeiten liegen noch unzählige Negativstreifen in einem Karton. Der Titel bezieht sich auf den ersten Film, den ich mit der neu eingeweihten Pentacon Six TL fotografiert habe. Nach gefühlt ewiger Zeit beim Reparaturservice kam das gute Stück jetzt zum Einsatz. Da ich schon einige schwarz-weiß Filme mit der Weltaflex im 6×6 Format belichtet habe, wollte ich jetzt endlich den ersten Farbfilm in dieser Größe testen. Den FUJI PRO 400 H hatte ich im Fotomarkt Tübingen mitgenommen. Um die Kamera zu bestücken bedurfte es eines You-Tube-Videos. Ich mag es, wenn ich in Echtzeit kleine Problemlösungen anschauen und sofort umsetzen kann.

Das Beast (meine Bezeichnung für die Pentacon, da sie so schwer ist und sich unter allen meinen Kameras wie ein Biest anfühlt) war damit einsatzbereit. Das erste Foto gehörte meiner kleinen Tochter, die noch gerne Model steht. Weitere Aufnahmen entstanden in Karlsruhe und Tübingen. Der Rest auf der Insel Rügen und im heimischen Garten.

Bambusmädchen
Drachentöter
Europafan
Kein Raum Für Fragen
Mohnliebe

Die Entwicklung des Films überließ ich einmal mehr dem Labor „MeinFilmLab“, mit denen ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Diese bieten neben der Entwicklung auch gleich Scans der Fotos (Größe M – XL) und Druck (13×13 cm) an. Alles in allem bezahlt man dann zwas knapp 30,- € mit Versand pro Film, aber mir ist es das wert. Ich mag das Format, die Drucke haben eine sehr schöne Qualität und der Service ist super.

Analoges Potpourri
Grabsteinwiese
Kreidefelsenblick
Fels in der Brandung
Überflug der Möwe
Altlasten
Umaii

Ich muss sagen, man bringt diesen Fotos eine ganz andere Wertschätzung entgegen, wenn sie nicht einfach nur digital mit der Kamera oder dem Smartphone aufgenommen wurden. Ich freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich die richtige Belichtung eingestellt, den richtigen Ausschnitt gewählt und das für mich stimmige Motiv eingefangen habe. Manchmal stehe ich an den Orten länger als 10 Minuten, um endlich den Auslöser zu drücken. Das Bild prägt sich dadurch besser ein und die Stimmung in jenem Augenblick an jenem Ort. Die Temperatur und Geräusche, der Duft und das Licht. Alles klebt an mir und wird beim Anblick der Bilder sofort abbrufbar.

Wolkenpoesie

Das letzte Foto war eigentlich ein Portrait meiner großen Tochter zusammen mit ihrer Freundin. Leider war das Film vorher schon voll und somit rückte die Wolkenpoesie auf den letzten Platz. Ein neuer Film ist bereits eingelegt. Dieses Mal wieder in schwarz-weiß. Farbe gibt es wohl wieder in Dänemark und Schweden, auf der nächsten Reise für das Beast.

Genuss ist das Vergnügen an der Langsamkeit.

© Matthias Scharlach