Tradition vs. Tierschutz

Meine für mich beste Arbeit dieses Jahres möchte ich in diesem Artikel vorstellen. Lange habe ich überlegt, ob ich diese Fotos überhaupt veröffentlichen soll, bis ich mich an die Bearbeitung machte und dabei festgestellt habe, dass es nicht richtig wäre, sie im Archiv verschwinden zu lassen. Es ist eine recht umfangreiche Reportage zu einem Ereignis, dem wir in unserem Sommerurlaub beiwohnten. Eher zufällig hatten wir davon erfahren, als uns am Abend vorher der Barbesitzer davon erzählte. Wahrscheinlich hätten wir dieses Event verschlafen und uns nur über die Kanonenschüsse um acht Uhr morgens im Bergtal gewundert.

Hätte ich über unseren Urlaubsort Fornalutx vorab einmal bei Wikipedia nachgelesen, wäre mir sofort dieser Text ins Auge gesprungen: Alljährlich um den 8. September herum, zur Zeit des Dia Novitat de la Mare de Deu, wird in Fornalutx, vermutlich am einzigen Ort auf Mallorca, noch das Fest Correbou gefeiert. Hierbei handelt es sich, wie bei ähnlichen Festen um ein bis in die Frühzeit reichendes Stieropfer. Ein Stier wird von einer jungen Frau mit einem Blumenkranz geschmückt, um anschließend durch den Ort getrieben zu werden. Am Ende wird er geschlachtet und das Fleisch wird unter den Spendern des Stiers aufgeteilt. Seit einigen Jahren protestieren zeitgleich verschiedene Tierschutzorganisationen gegen diesen alten Brauch.
Es ist neben einer kurzen Beschreibung des Ortes der einzige Eintrag dort.

Wir wussten nicht genau, was uns am Morgen im Ort warten würde, da der Barbesitzer nur sehr dürftiges Englisch sprach und wir nur in Erfahrung bringen konnten, das am nächsten Tag ab 8 Uhr etwas los ist mit einem Stier und wir zum Markplatz kommen sollen. Die Kinder malten sich eine blutige Hetzjagd des Tieres durch die schmale Hauptstraße aus und wollten eigentlich gar nicht mitgehen. Auch eine vor Ort Schlachtung auf dem Marktplatz lief im Kopfkino der beiden ab. Ich beruhigte und glaubte nicht an eine blutige Aktion. Da wir kein Internet im Ferienhaus hatten, blieb uns nur abzuwarten und mit einem etwas mulmigen Gefühl hinzugehen. Da wir nicht genau wussten was uns erwartete nahm ich natürlich meine Kamera mit, in der Annahme es würde sicher ein paar spannende Aufnahmen geben.
Ich sollte nicht enttäuscht werden. Der gesamte Ort war schon vor acht Uhr auf den Beinen, so wie es aussah waren nicht nur Einheimische hier, Freunde und Schaulustige aus den Nachbarorten schienen extra angereist zu sein. Im Ort wurde schon eine ganze Woche Fiesta gefeiert, dieses Ereignis, sowie ein Konzert auf dem Sportplatz waren die Höhepunkte der Festwoche. Viele der Leute trugen extra für das Event gedruckte T-Shirts und strömten zusammen mit uns in Richtung Ortsausgang. An allen Balkonen und Mauern standen oder saßen bereits Urlauber, Familien mit Kindern – Fotografen standen mit Teleobjektiven parat und sogar ein Kamerateam konnte ich entdecken. Nicht zu übersehen war das Aufgebot der Polizei, die mit etwa 15 Leuten auf der Hauptstraße standen.

Wir fanden einen für uns geeigneten Platz und mischten uns unter die Leute, ein sehr netter Brite, der schon ein paar Jahre hier im Ort lebte, erklärte uns dann das Spektakel. Es ist eher eine Mutprobe für die Jugend, die vor einem an Seilen festgebunden Stier herlaufen. Der Stier wird von mehreren Männern gehalten und angestachelt, so das er immer wieder versucht sich loszureißen und durch die Menge zu jagen. Okay, also die Kinder lieber auf die Mauer oberhalb der Straße gesetzt, erschien mir vernünftig. Es würde auch kein Blut fließen, eine Schlachtung erfolgt dann wohl eher im Schlachthof und nicht auf dem Marktplatz.

Es dauerte nicht lange, als wir laute Rufe vom anderen Ende der Straße (Richtung Marktplatz) hörten und ich eine kleine Gruppe von Menschen ausmachen konnte, die sich mitten auf die Hauptstraße gesetzt hatten, um ihren Unmut über diese Aktion kundzutun. Im Kreis versammelt und untergehackt schrien die Tierschützer lautstark ihr Parolen, auf spanisch natürlich. Polizisten schirmten sie ab, allerdings war es weder für die Presse noch Fotografen schwierig an die Leute heranzukommen. Es ging keine Gefahr von ihnen aus, sie demonstrierten einfach gegen diese für sie unsinnige Tradition. Den Schaulustigen schien das Spektakel vor dem Spektakel zu gefallen, es gab eher verhaltene Widerworte auf deren Reihen. Als die Presse und Kamerateam ihre Fotos hatten griff die Polizei ein, um die Demonstranten von der Straße zu räumen. Einzeln wurden sie ohne Widerstand zu leisten von der Straße geführt oder getragen und in einer kleinen Gasse sofort von den Reportern für ein Interview umringt.

Das eigentliche Spektakel konnte nun beginnen, kurze Zeit später setzte sich der Pulk an Menschen vom Ortseingang aus zusammen mit dem Stier in Richtung Marktplatz in Bewegung. Die Jugend sprang immer wieder in schnellen Schritten vor dem Tier davon, die auserwählten Männer hielten den Stier im Zaum und einige andere versuchten ihn mit Tüchern wild werden zu lassen. Das gelang nur teilweise, als er auf unserer Höhe war hatte ich das Gefühl, er hatte keine Energie für dieses Spiel. Weißer dicker Speichel tropfe aus seinem Maul, ich meine in seinen Augen den Stress zu sehen, der gerade in seinem Körper herrscht. Die Menge jubelt, einige sind ängstlich und einige auch entsetzt. Ich versuche die Blicke und Stimmungen aller Beteiligten einzufangen. Mir tut das Tier nur leid und eigentlich will ich in diesem Moment gar nicht dort sein. Irgendwann hat er es geschafft, wird in eine große Box verladen und weggefahren. Wohin weiß ich nicht.

Ich habe nichts gegen Traditionen und finde diese wichtig, Menschen drücken ihre Identität damit aus und weltweit gibt es die verschiedensten bunten Feste und Ereignisse. Die Welt wäre um soviel ärmer ohne sie. Aber andere Lebewesen dafür leiden zu lassen ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr notwendig. Ich kann die Tierschützer gut verstehen und bewundere ihren Mut sich gegen diese Stierjagd zu stellen. Vermutlich wird es auch im kommenden Jahr wieder dazu kommen im kleinen beschaulichen Fornalutx, dass ich als einen so idyllischen Ort mit sehr liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten möchte. Vielleicht haben die Bewohner irgendwann den Mut, mit dieser Tradition zu brechen und keinen lebenden Stier mehr durch den Ort jagen zu wollen. Eine farbenfrohe Prozession mit Kindern als Stiere verkleidet würde sicher ebenso viele Touristen und Fotografen anziehen. Aber vielleicht bleibt das nur meine idealistische Traumvorstellung. Ich hoffe nicht.

Meine Reportage ist in vier Teile gegliedert, die Bilder lassen sich mit einem Klick darauf größer anschauen.

1. Die Vorbereitung:

Schilder
Fornalutx liegt nordöstlich von Sóller im Gebirgszug der Serra de Tramuntana
Zuschauer
Die ersten Zuschauer warten schon.
Mauer
Eine Zigarette geht noch.
Balkone
Jeder Balkon ist heute besetzt.
Lesung
Friedlich – Mutter liest ihrem Kind vor.
Fragender Blick
Wer bist du? Und warum fotografierst du mich? – Ein Blick sagt alles.
Polizei
In Position gebracht, noch ohne wirkliche Aufgabe.
Jugend
Voller Erwartung und mit speziell gedruckten Shirts zum Spektakel unterwegs.
Stock
Alle sind heute gekommen – mit Stock zum Haltgeben.

2. Der Protest

Sitzstreik
Sitzblockade auf der Hauptstraße
Protestler
Sofort ein Anziehungspunkt
Straßenbesetzung
Freiwillig gehen sie nicht weg.
Anwohner
Die Zuschauer lassen ihren Unmut ebenfalls raus.
Rufe
Abgeschirmt durch die Polizei brüllen sie ihre Parolen in die Menge.
Schaulustige
Protest und Schaulust treffen aufeinander
Räumung
Schließlich beginnt die friedliche Räumung durch die Polizisten.
Verzweiflung
Verzweiflung – sie können es nicht verhindern.
Applaus
Fast würde dieser Herr gerne noch applaudieren.
Abtransport
Der ältere Herr mit Bart muss gehen.
Warten
Hier freuen sich einige über die Räumung.

3. Die Stierjagd

Kinder
Es scheint etwas zu passieren dort oben.
Ausblick
Sie entdecken das Tier als Erste in der Menge.
Jagd
Wer nicht auf die Hörner genommen werden will, rennt.
Fernsehen
Das Fernsehteam steht für die besten Bilder in Position.
Leinen
An der langen Leine – der junge Stier ist zu sehen.
Jagd
In vollem Gang – Stier jagt Mensch – oder eher umgekehrt.
Am Seil
Eine echte Chance hat er nicht.
Einheizen
In Szene gesetzt für die Zuschauer.
Fertig
Objekt der Begierde – Draufhalten!
Ende
Die Karawane zieht weiter.

4. Danach

Kameramann
Bilder vom Randgeschehen einfangen.
Augenblick
Augenblicke eingefroren – was diese beiden über das Gesehene denken.
Anhängerin
Traditionen bewahren?
Musiker
Versöhnlich erklingt Dudelsackmusik in den Ohren
Musiker
Alt und Jung könnten auch anders feiern.
Familie
Nachdenklichkeit in den Gesichtern meiner Familie
Kinder
Was geben wir unseren Kindern mit für die Zukunft?
Interview
Sie finden Gehör!

Wir haben dieses Ereignis in unserer Familie besprochen und waren uns alle einig, dass es eine solche Stierjagd nicht mehr geben sollte. Ich bin immer noch gespalten, ob meine Fotos der richtige Weg sind, auf der anderen Seite finde ich es wichtig, dass diese Ereignisse dokumentiert werden. Die Welt besteht nicht nur aus friedlichen Urlaubsfotos, hinschauen und diskutieren, aufstehen und sich wehren. Oft sind gerade solche Reportagen wichtig, um ein Umdenken einzuleiten oder auf Missstände aufmerksam zu machen. Für mich war es eine Erfahrung, die mir moralische Grenzen aufgezeigt hat, ich würde es aber wieder tun.

Von Sonnenanbetern & Nachtschattengewächsen

Strahl
Nachmittagssonne in der Cala Figuera

Gleißendes Licht, harte Schatten, hohe Temperaturen, optimale Bedingungen für Fotografen sehen anders aus, die Trauminsel vieler Deutschen stellte diesen August eine echte Herausforderung dar, nicht nur der unglaublichen Anzahl an Touristen wegen, für stimmungsvolle Fotos ebenso. Morgenstund hat Gold im Mund, sowie das bezaubernde Abendlicht zusammen mit etwas Abkühlung nach 12 Sonnenstunden täglich waren die besten Zeiten für mich, um einige Aufnahmen auf die Speicherkarte zu bannen.
Die Zeit dazwischen gehörte den unersättlichen Sonnenanbetern und Nachtschattengewächsen. Entweder direkt in der Sonne brutzeln, bis die Haut gegerbt und braun trotz Sonnencreme irgendwann runzelig glänzt – oder im Schatten der Dinge ausharren, die um einen herum geschehen. Ich mag die kleinen Geschichten, die sich in den Gedanken spinnen, oft sogar erst nach dem Betrachten der Bilder zu Hause.

Cala Lombards
Ein letzten Foto von der Bucht.

Die kleinen Strände der idyllischen Buchten im Südosten waren chronisch überfüllt, wer ein Plätzchen ergatterte, rechnete spätestens nach elf Uhr am Vormittag nicht mehr mit Meerblick, einige saßen immer direkt an der Wasserkante.

Strandschild
Zum Strand bitte hier entlang.

Der Mittagshitze entflieht man am besten in eine ausgedehnte Siesta. Gönnt sich eine Stunde Schlaf, ein gutes Buch im Schatten der Bäume im Garten, ein kühles Glas Wein oder lauscht der Plattensammlung des Nachbarn, der die Fenster seines kleinen Hauses immer weit geöffnet hatte.

Siesta
Halbschatten-Siesta

Die Innenstädte der kleinen Gemeinden waren selbst am Nachmittag oft leergefegt. Lediglich in den Bars, Cafés unter den Sonnenschirmen hielten sich Gleichgesinnte auf, die neben Strand ein wenig Kultur suchten. Jegliche Besichtigungstouren wurden kategorisch verweigert, Eis und Kaltgetränke dienten als Lockmittel für unsere Kinder, um nicht nur im Meer zu tauchen und etwas von der Insel zu sehen.

Schattenspiele
Seilhüpfen mit den Schatten der Girlanden
Se Vende - zum Verkauf
Se Vende – zum Verkauf

Mir gefielen die Schattenspiele mit der Kamera, das Auge gewöhnt sich schnell an das grelle Licht und nutzt die Möglichkeit, harte Gegensätze zu finden und einzufangen. Inspirationen kommen ganz automatisch durch Bäume, Dachbedeckungen oder einfach die Architektur der Umgebung.

Palmen
Mittagshitze unter Bäumen
Streifen
Kleines Zebra in der Strandbar
Dorfplatz
Er versteckt sich gut. Siesta in Fornalux

In den Bergen gefiel es mir richtig, dem Massentourismus kann man hier zwar ebenfalls nicht ganz entfliehen, eine traumhafte Kulisse von der Terrasse der kleinen Finca und der nächtliche Sternenhimmel mit Blick in die Milchstraße lassen einen versöhnt die Zeit dort genießen. Für Wanderungen war es freilich zu heiß, da hätten wir einen Esel mit Wassertank mitführen müssen, um einen der vielen Gipfel zu erklimmen. Die engen Passstraßen sind mit dem Auto Herausforderung genug, besonders dann wenn die Reisebuskarawane sich durch die Kurven schlängelt. Traumbuchten ziehen alle in ihren Bann, jeder möchte sich für ein paar Stunden als Pirat fühlen, die es in damaligen Zeiten sicher bedeutend einsamer dort hatten.

Soller
Passagiere in der Historischen Straßenbahn
Leseratte
Leseratten finden man oft im Schatten.
Sonne satt
Sonnenanbeter par ex­cel­lence

Manchmal frage ich mich, wer kauft eine pinke Luftmatratze mit Totenköpfen darauf, oder wer produziert diese, und wer designt sie? Vielleicht hätte ich auch eine gekauft, wenn ich sie in einer der unzähligen Strandboutiquen gefunden hätte. Sollér verzaubert mit seinen engen Gassen, köstlicher Eiscreme und Läden, die echte Handwerkskunst anbieten. Es gibt sogar einen Laden für Stickereien, deren Besitzerin die Ware sorgfältig in Zeitungspapier wickelt und sich mit einem fröhlichen „Gracias Madam“ für den Einkauf bedankt. Die bestickten Lavendelsäckchen duften die Mädchen noch jetzt in ihre Träume.

Steinmann
Urgesteine Palmas

Zum Abschied bummelten wir einen ganzen Tag durch die Hauptstadt, Palma boomt in jeder Hinsicht, wir verschmolzen wieder mit der Masse und ließen uns treiben bis das Flugzeug in Richtung Heimat uns schließlich verschluckt, um uns im nächsten Augenblick wieder zu entlassen. In eine angenehm kühle Nacht, leider ohne Milchstraßenanblick.

Absprung
Der Augenblick

„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“

Johann Wolfgang von Goethe
(1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Projekt Nr. 4 – Back in Beijing

Da macht mir ein Flashback nach Peking einen Strich durch das Projektthema Nr. 4, dann wird es einfach geändert, als freier Mensch darf ich das entscheiden. 🙂
Im Vorfeld der kurzen Reise habe ich mir den Kopf zermartert, welches Thema wäre etwas, 5 Tage sind nicht wirklich lang. Zumal ich nicht alleine dorthin gereist bin und ein gut gefülltes Programm bevorstand. Radtour, Kochkurs, Mauerwanderung, Freunde treffen, … was könnte ich fotografisch umsetzen zwischendurch???

Peking fasziniert, erschreckt, begeistert, ermüdet, nach 2 Jahren Landleben in der Megacity einzutauchen strengt von der ersten bis zur letzten Minute an und trotzdem würde ich es immer wieder machen. Erstaunlich viel ist geblieben und erstaunlich viel hat sich verändert. Peking eben! Es wird sich jetzt sogar in der Metro angestellt zum Einsteigen in die Züge. Mein Gemüsemarkt wurde grundrenoviert. Einige neue Gebäude und Metro-Linien sind dazu gekommen. Das Café in unserem Wohngebiet gibt es noch, wurde etwas aufgehübscht. Es spucken viel weniger der Leute auf die Straße. Der Verkehr ist noch chaotischer. Und Luftwerte um die 180 erschreckten mich, bei denen ich damals nicht mal eine Maske getragen habe.

Die Stadt pulsiert, schläft nicht, ist immer in Bewegung. Wieder jede Minute von Menschen umringt zu sein, das hatte mir zwar nicht gefehlt, erstaunt mich aber immer wieder aufs Neue. Peking ohne Chinesen – nicht immer einfach, besonders an Orten, wo ich umzingelt war von Menschentrauben. Einige Aufnahmen habe ich dennoch hinbekommen und ich finde sie zeigen Peking auf eine ganz besondere Art und Weise. Ruhig ohne Hektik, menschenleer und dennoch Großstadtdschungel. Vielleicht komme ich irgendwann wieder in die Stadt und versuche mich dann wieder an den Bewohnern.

Briefkasten
Typischer Briefkasten, gefüllt, Hutong noch bewohnt.
Kekse
Bunt, süß, für alle Feierlichkeiten – Kekse gehen immer in Peking.
Teddys
In der beliebten Einkaufsstraße stehen Plüschtiere hoch im Kurs, ein Kunde scheint gerade auszuwählen.
Imbiss
Dekorativ versteckter Imbiss- spätestens zur Mittagszeit ist hier die Hölle los.
Essen
Die Großstadt ist ständig hungrig, daher werden die Verkaufsstände für Nahrhaftes bereites Morgens überall aufgebaut.
Perlenmarkt
Am Perlenmarkt wird gerade umgebaut, Altes musste weichen, Gebäude und Händler.
Mr. Shi
Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein – Weihnachten ist eben immer.
Kunst
Ist das Kunst oder kann das weg? 798 die Kunstmeile in Peking – immer wieder gut besucht. Teilweise verstauben die Kunstwerke nach kurzer Zeit.
Hochhaus
Wohnen wird immer teurer in der Millionenstadt, da wird jeder qcm genutzt.
Rote Dekorationen sind beliebte Souvenirs - wie auch hier im Jingshan Park, der an den Wochenende voller Touristen ist.
Rote Dekorationen sind beliebte Souvenirs – wie auch hier im Jingshan Park, der an den Wochenende voller Touristen ist.
Werbung
Werbeprospekte in einem Café – leider kann ich diese nicht lesen, aber immerhin die Fotos darin bestaunen.

Funkstille vorbei!

Vier Monate war nun Funkstille, der Sommer und Herbst einfach zu schön, um vor dem Computer zu sitzen. Wir haben die Natur in vollen Zügen genossen und alles in uns aufgesaugt, was Deutschland landschaftlich zu bieten hat: Berge, Wald, Seen, Meer, Strand, Städte und Wiesen. Mir fehlte nichts, das Fernweh wurde gestillt mit kleinen und großen Reisen nach Dänemark, Nürnberg, Leipzig, Erlangen, Zürich und Amsterdam. Was will man mehr?

Am Böhler Strand bei St. Peter Ording
Am Böhler Strand bei St. Peter Ording

Amsterdam war ein lang ersehnter und jetzt wahr gewordener Traum von mir, immer schon wollte ich die Stadt der Fahrräder und Grachten besuchen. Dank einer Konferenz der Fa. SUSE klappt es nun, dass ich ganz ohne Kinder und meistens auch ohne Mann (der auf der Konferenz war) durch die Gassen streifen konnte. Die verspätete Landung aufgrund des dichten Nebels verzieh ich der schönen Stadt sofort am nächsten Morgen, als die Sonne vom strahlend blauen Himmel lächelte und ich nach einem köstlichen Frühstück im „Toastable“ aufbrechen durfte.
Nach einer geführten Radtour gleich am ersten Tag entschied ich mich für die komplette Woche ein Fahrrad zu mieten. So konnte ich die ganze Stadt erkunden und schließlich bin ich schon weitaus gefährlicher in Peking mit dem Rad unterwegs gewesen.

Fahrrad
It’s all yellow in Amsterdam – Auf zur Radtour

Die Stadt verzaubert einen von Anfang an, abgesehen von den beiden Hunde-Stinkbomben an meinen Füßen, kann ich nur positives berichten. Freundliche Menschen, Restaurants & Cafés an jeder Ecke, wenig Autoverkehr in der Innenstadt, weil wirklich jeder hier mit einem Fiets unterwegs ist. Mit Kamera ausgerüstet zog ich durch die Straßen, besuchte Museen, den Flohmarkt und die Portugiesische Synagoge, radelte sogar auf Java-Eiland (einer kleinen Insel mit modernen Wohnhäusern vor den Toren der Stadt), stöberte durch Antiquitätenläden, kaufte natürlich einen Vintage-Rock (in Blau) und am Ende gab es die obligatorische Bootsfahrt durch die Grachten.

Grachten
Unvergleichlich schön – die Grachten

Wer Amsterdam noch nicht bereist hat, dem rate ich dringend es zu tun. Übrigens braucht man sich nicht unbedingt mit Hasch voll dröhnen, wenn man durch die Straßen läuft riecht man es an fast jeder Ecke, scheint dort neben Fahrrädern wohl auch jeder zu nutzen 😉 – mich macht das Zeug nur müde.

Beeindruckend fand ich die Fotoausstellung „Magnum Contact Sheets“ im FOAM, die ich mir anschaute. Fotografien der Magnum Organisation wurden dort ausgestellt und der Prozess der Fotografen anschaulich erklärt vom Entstehen der Aufnahmen, der Auswahl „des Fotos“ auf dem Negativ bis zum fertigen Druck in den verschiedensten Medien. Dort konnte ich zum Beispiel die Geschichte des Fotos von Inge Morath „Llama, Times Square, New York.“ aus dem Jahr 1957 bestaunen, sogar die Tageszeitung mit dem Foto war im Original dort zu sehen. Wer näheres erfahren möchte kann sich gern diesen Film dazu anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=rAQRZTRAM-E
Die Ausstellung inspirierte mich dazu mir ein Originalfoto aus der Sammlung der Magnum-Fotografen zum Geburtstag schenken zu lassen. Die Organisation verkauft in unregelmäßigen Abständen Drucke mit Signatur. Dieses Mal gab es intime Fotos aus teilweise privaten Archiven einiger der Mitglieder zu einem relativ günstigen Preis. Für das Lama-Foto muss ich noch etwas sparen, diese würde mit ca. 2000 $ zu Buche schlagen.

Außerdem bin ich gerade dabei ein neues kleines Projekt auf die Beine zu stellen. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Und dann trat in diesem Sommer noch BOY in mein Leben, zwei Frauen aus Hamburg und Zürich, die einfach wunderbare Musik machen. Wer die beiden noch nicht kennt, unbedingt anhören und genießen. Beim Streaming-Dienst Spotify findet man beide Alben der sympathischen Band. Das Konzert in Stuttgart, welches ich mit meiner großen Tochter besuchte wird uns wohl lange Erinnerung bleiben.

Ein kurzer Satz zur momentanen Terrorsituation in Deutschland und Europa. Die Anschläge von Paris hätten uns genauso in Amsterdam oder beim Konzertbesuch in Stuttgart treffen können, ich bin dankbar dafür, dass es nicht dazu gekommen ist, ich bin traurig, dass viele Menschen dort ihrem jungen Leben beraubt wurden. Am Tag der Anschläge hatten wir diskutiert über Pfingsten nach Paris zu fahren (mit den Kindern) und wurden dann mit den Live-Berichten im Fernsehen am späten Abend konfrontiert. Die Reise ist in Gedanken immer noch präsent und warum sollten wir sie absagen? Es kann immer und überall passieren und wohl jeden treffen egal wo in Europa. Ein weiteres Risiko, welches wir in Kauf nehmen müssen, wenn wir uns weiterhin die Welt anschauen wollen. Humboldt hat es ganz treffend formuliert:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

Alexander Freiherr von Humboldt
(1769 – 1859), deutscher Naturforscher, Begründer der physischen Geographie

Loveboat
Love & Peace Amsterdam