In China ist man nie allein!

Winter

Schlittschuhlaufen auf dem Hohai See

Als ich im bereits überfüllten Bangalore erfahren habe, das die nächste Station Peking sein wird, ahnte ich was mich dort erwarten wird. Schließlich leben hier nicht unbedingt weniger Menschen, wenn auch in einer gepflegteren und moderneren Umgebung. Was es dann schließlich bedeutet, das Leben in einer Millionenstadt (über 20 Millionen) erfahre ich nun quasi täglich am eigenen Leib. Man ist nie allein, egal wo man sich außerhalb der eigenen 4 Wände aufhält, ständig sind Menschen um einen herum. Und nicht etwa nur 2 oder 3, wie im gemütlichen Altdorf auf dem Weg zur Bäckerei Laib damals, nein es sind immer viele. Meistens komme ich mir vor wie in einem Ameisenhaufen, überall wuselt es um mich herum. Einfach vor sich hinträumend auf dem Gehweg oder Fahrrad, keine Chance, da läuft man Gefahr auf jemanden aufzulaufen oder anzufahren. Oder selbst umgefahren zu werden. Im Januar konnten wir dann gleich einen ersten Eindruck gewinnen, als wir uns mit der gefühlt halben Stadt auf die Eisflächen des Hohaisees wagten. Ein beliebtes Ausflugsziel zu jeder Jahreszeit, Eislaufen am Wochenende gehört nicht nur bei uns zu einer netten Abwechslung. Platz ist dann dort nicht unbedingt und eigentlich könnte man sich lieber an den Rand setzen und dem Treiben der Massen belustigt zuschauen.

Transport

Dongzhimen – Umschlagplatz Metro / Bus

Was in Indien für mich eher nicht in Frage kam war die Benutzung öffentlicher Transportmittel. Eine „Metro“ gab es dort nur auf einer sehr kurzen Strecke, weit ab von unserem Wohnort und die Busse sahen weder von innen noch von außen vertrauenswürdig aus, um damit auch nur eine Station zu fahren. Außer dem Flughafenzubringer hätte ich das nur widerwillig getan. Hier in Peking benutze ich dagegen öfters die gut ausgebaute Metro, auch Busfahren ist ziemlich einfach, wenn man einmal herausgefunden hat, welche Nummer zum Ziel fährt. Und selbst die Taxifahrer sind meistens nett und ehrlich. Passagiermäßig kann Peking auch locker mithalten mit Bangalore, außer das hier niemals Leute auf den Dächern sitzen. Angenehm ist es trotzdem nicht, wenn man zu den Stoßzeiten in die Metro steigen muss. Da hilft nur Ellenbogen ausfahren und mitdrängeln, den Kindern tun wir das gar nicht erst an, da fahren wir lieber zu angenehmeren Zeiten.

Einsteigen

Achtung gleich geht die Tür zu.

Enge

Drin braucht man sich eigentlich gar nicht mehr festhalten. Umfallen unmöglich.

Massenandrang herrscht logischerweise auch an beliebten touristischen Sehenswürdigkeiten in der Stadt (Verbotete Stadt, Himmelstempel, Platz des himmlichen Friedens) oder außerhalb (Große Mauer, Drachenschlucht), wie auch unsere erste Besucherin aus dem Vogtland feststellen konnte. An einem sonnigen Dienstag (kein Feiertag) wagten wir uns zur Great Wall Badaling und erlebten dort unser blaues Wunder: nicht nur in Bezug auf die Farbe des Himmels. Unglaubliche Menschenströme folgten dem Weg auf der Mauerkrone, an einigen Stellen wurde es sehr eng und man musste anstehen, um diese zu passieren. Definitiv werde ich diesen Abschnitt der Mauer nicht mehr besuchen, Genießen der Natur war dort nur schwer möglich, was allerdings auch an den lustigen Outfits der Chinesen lag, die ich lächelnd bestaunen musste.

Massenwanderung

Andrang auf der Großen Mauer

Touristengruppe

Feiertage sollte man meiden, um sich z.B. den Konfuziustempel anzuschauen.

Voll

Ein Sonntag in einem der Parks – nicht sehr entspannend

Vielleicht kann der eine oder andere jetzt nachvollziehen, das es manchmal doch recht anstrengend sein kann, unter so vielen Chinesen zu wohnen. Gerade mit Kindern sind Ausflüge am Wochenende eher anstrengend als erholsam. Nicht nur die Menschenmassen und der damit verbundene Geräuschpegel nerven einen nach einer gewissen Zeit, wenn dann noch jeder 2. ein Foto von den Mädchen haben möchte und noch nicht mal vorher fragt, driftet so ein Ausflug leicht in Gereiztheit ab. Besonders schlimm war es dann an unserem Wochenende in der Weltkulturerbestadt Pingyao. Dort fand ausgerechnet ein Fotowettbewerb statt, als wir dort waren, und nicht nur ich versuchte schöne Bilder einzufangen, unsere kleine Tochter war heißbegehrtes Fotomotiv. Am Ende ist sie wieder mit Jacke über dem Kopf herum gelaufen. So ähnlich muss sich Lady Diana gefühlt haben, als dauernd Paparazzis Fotos von ihr machen wollten.

Altstadt

Touristen- und Fotografenhochburg Pingyao

Tanzshow

Allein unter vielen. Zuschauer der Tanzshow.

Nan Luo Gu

Beliebte Shoppingmeile in Peking

Zum Einkaufen nehme ich die Kinder so gut wie gar nicht mehr mit. Auf den Märkten herrscht oft dichtes Gedränge und auch in beliebten Einkaufsstraßen. Neulich traute ich mich mit der Großen an einem Sonntag (außerdem noch mitten in der Feiertagswoche) zu IKEA, weil sie sich einen Teppich aussuchen sollte. Wie erwartet hatten nicht nur wir die Idee, zumal noch fette Luftverschmutzung herrschte und Aktivitäten außerhalb der Wohnung nicht möglich waren. Unser Fahrer schaffte es nicht einmal bis ins Parkhaus, wir wählten dann die Variante zu Fuß den Möbelladen zu erreichen. Wenigstens mussten wir an der Kasse nicht lange anstehen, dafür gab es kein Eis oder Hotdog am Bistro, denn dort war nur eine Kasse geöffnet zur Mittagszeit für geschätzte 1000 hungrige IKEA-Besucher.

Bistro

Bistro bei IKEA an einem Sonntag

Zebrastreifen

Straßenszene in Peking

Singen

Ein Montagvormittag in einem der Parks – der Chor trifft sich zum Üben. Jeden Tag übrigens.

Anstehen

Anstehen für den Bus – Rückkehrer nach den Feiertagen

Forbidden City

Warten oder Durchboxen um einen Blick in den Tempel zu erhaschen.

Ausblick

Für ein gutes Foto muss man warten können in Peking. Z.B. Ausblick auf die Verbotene Stadt

Ich könnte noch unzählige weitere Erlebnisse berichten. Wenn wir die Stadt erkunden wollen bleibt uns nichts anderes übrig, als diese Menschenmassen in Kauf zu nehmen und zu ertragen. Wahrscheinlich ziehen wir dann zurück in Deutschland in den tiefen Wald :-).
PS: Die Fotos lassen sich vergrößern, in dem man sie anklickt.

Andere Länder – andere Sitten – Teil 1

Air

Tief durchatmen, der Smog ist weg!

Wolken

Wolken – lange nicht gesehen, entweder es war sonnig oder Smog.

Der erste Blick geht Morgens immer aus dem Fenster, denn richtigen Smog sehe ich schon daran, das die Nachbargebäude nicht gut zu erkennen sind. Danach wird gleich der Wert im Internet gecheckt. Erst dann heißt es Daumen hoch oder runter. Heute hatten wir endlich wieder Glück, der Wind scheint über Nacht alles weg gepustet zu haben. Der Wert lag bei unglaublichen 39, was für uns alle hier richtig super ist nach den Werten der letzten beiden Wochen. Endlich konnten wir die Fenster wieder zum Lüften öffnen und auf den Spielplatz gehen, auch die Schüler dürfen wieder im Pausenhof spielen und wir alle atmeten tief durch. Gerüchte, das eine große Fabrik hier in Peking abgebrannt sei machten heute die Runde, der Auslöser für den Smog? Von den Medien hier werden wir es wohl nicht erfahren, es wird zwar über die schlechte Luftqualität berichtet, Maßnahmen wie Schließen von schadstoffausstoßenden Fabriken in der Stadt oder Reduzierung der Autozulassungen scheinen nur ein kleiner Anfang zu sein, gegen dieses wirklich große Problem hier zu sein. Ich hoffe, das es in nächster Zeit nicht noch einmal so schlimme Werte über so lange Zeit gibt, sicherheitshalber habe ich jetzt doch Atemmasken bestellt, die allerdings momentan nicht auf Lager sind (gut verständlich).

Aber nun zum eigentlichen Thema heute:

Schlitzhose

Ausgabe Nido 11/2012

Das erste Kleinkind hatte Steffen im IKEA entdeckt, ein weiteres pullerte direkt vor uns auf dem Tianmenplatz durch den Schlitz auf die Straße, den dritten bestaunten wir in einem der vielen Märkte und den vierten Knirps in einer sogenannten Kaidangku-Hose sah ich diese Woche beim Einkaufen. Ein wenig geschockt war ich dann schon als ich es mit eigenen Augen sehen konnte. Dabei hatte ich zufällig diesen Artikel in einer Familienzeitung gelesen und war mir danach sicher, so etwas gibt es in der Hauptstadt bestimmt nicht mehr, vielleicht auf den Dörfern ringsum. Weit gefehlt wie sich herausstellt. Viele scheinen diese wohl für Asien beliebte Methode der Sauerkeitserziehung weiterhin zu nutzen und auf Windel zu verzichten. Die Hosen haben einfach einen langen Schlitz, so dass die Kinder ohne Mühen große und kleine Geschäfte verrichten können.

Selbst bei Minustemperaturen haben die Kleinkinder, eingepackt in dicke Jacken und Mützen, einen freiliegenden Popo. Die Mama trägt das Kind meistens auf dem Arm und merkt dann wohl, wenn es Pipi machen muss. Dann wird es einfach nach unten gehalten (so fern auf der Straße) und verrichtet sein Geschäft. Was die Mamas machen, wenn es in einem Shop oder Restaurant passiert, weiß ich nicht. Mädchen in solchen Hosen habe ich auch noch nicht gesehen. Auf der einen Seite sollen die Kinder dadurch wohl viel schneller sauber werden als Kinder, die Windeln tragen, auf der anderen Seite finde ich es irgendwie gemein den Kindern gegenüber, wenn jeder die Geschlechtsteile bewundern kann. Dafür muss man wohl hier geboren und vielleicht selbst in so einer Hose rumgelaufen sein, um das mit seinen eigenen Kindern dann ebenfalls zu praktizieren.

Die Windelfirmen haben es anscheinend etwas scherer auf dem chinesischem Markt, allerdings wird sich der Trend zur Windel sicher langfristig nicht aufhalten lassen. Dann kann man weiter streiten, ob diese Kaidangku-Hosen aus Umweltgesichtspunkten nicht besser sind. In Deutschland fallen lt. den Bericht in der Nido jährlich 340.000 Tonnen Windelmüll an, in China wären es dann 27-mal so viele.

Baby

Zum Schutz des Kindes ein nur unscharfes Foto.

Aber nicht nur das Verhältnis zur Kinderaufzucht ist hier eigenartig, auf der Tierschutz schein wie schon fast vermutet bereits in jungen Jahren abgelegt zu werden.“Tiere sind zum Essen da“! Das lernt man schon in der Spielecke der Shopping-Mall. Dort konnte ich beobachten, wie die Kinder aus einem Becken voller lebender Fische kleine Plastikfische angeln sollten. Der Köcher wurde dann natürlich wie wild auf die Wasseroberfläche geschlagen und die armen Fische versuchten sich verzweifelt zu verstecken. Das „Vergnügen“ kostete auch noch Geld, meiner Tochter habe ich das nicht erlaubt, sie durfte eine Runde mit dem elektrischen Plüschelefanten fahren, der die ganze Zeit lustige chinesische Lieder trällerte.

Fahrt

Lustige Fahrgeschäfte locken die Kinder an.