Andere Länder – andere Sitten – Teil 1

Air

Tief durchatmen, der Smog ist weg!

Wolken

Wolken – lange nicht gesehen, entweder es war sonnig oder Smog.

Der erste Blick geht Morgens immer aus dem Fenster, denn richtigen Smog sehe ich schon daran, das die Nachbargebäude nicht gut zu erkennen sind. Danach wird gleich der Wert im Internet gecheckt. Erst dann heißt es Daumen hoch oder runter. Heute hatten wir endlich wieder Glück, der Wind scheint über Nacht alles weg gepustet zu haben. Der Wert lag bei unglaublichen 39, was für uns alle hier richtig super ist nach den Werten der letzten beiden Wochen. Endlich konnten wir die Fenster wieder zum Lüften öffnen und auf den Spielplatz gehen, auch die Schüler dürfen wieder im Pausenhof spielen und wir alle atmeten tief durch. Gerüchte, das eine große Fabrik hier in Peking abgebrannt sei machten heute die Runde, der Auslöser für den Smog? Von den Medien hier werden wir es wohl nicht erfahren, es wird zwar über die schlechte Luftqualität berichtet, Maßnahmen wie Schließen von schadstoffausstoßenden Fabriken in der Stadt oder Reduzierung der Autozulassungen scheinen nur ein kleiner Anfang zu sein, gegen dieses wirklich große Problem hier zu sein. Ich hoffe, das es in nächster Zeit nicht noch einmal so schlimme Werte über so lange Zeit gibt, sicherheitshalber habe ich jetzt doch Atemmasken bestellt, die allerdings momentan nicht auf Lager sind (gut verständlich).

Aber nun zum eigentlichen Thema heute:

Schlitzhose

Ausgabe Nido 11/2012

Das erste Kleinkind hatte Steffen im IKEA entdeckt, ein weiteres pullerte direkt vor uns auf dem Tianmenplatz durch den Schlitz auf die Straße, den dritten bestaunten wir in einem der vielen Märkte und den vierten Knirps in einer sogenannten Kaidangku-Hose sah ich diese Woche beim Einkaufen. Ein wenig geschockt war ich dann schon als ich es mit eigenen Augen sehen konnte. Dabei hatte ich zufällig diesen Artikel in einer Familienzeitung gelesen und war mir danach sicher, so etwas gibt es in der Hauptstadt bestimmt nicht mehr, vielleicht auf den Dörfern ringsum. Weit gefehlt wie sich herausstellt. Viele scheinen diese wohl für Asien beliebte Methode der Sauerkeitserziehung weiterhin zu nutzen und auf Windel zu verzichten. Die Hosen haben einfach einen langen Schlitz, so dass die Kinder ohne Mühen große und kleine Geschäfte verrichten können.

Selbst bei Minustemperaturen haben die Kleinkinder, eingepackt in dicke Jacken und Mützen, einen freiliegenden Popo. Die Mama trägt das Kind meistens auf dem Arm und merkt dann wohl, wenn es Pipi machen muss. Dann wird es einfach nach unten gehalten (so fern auf der Straße) und verrichtet sein Geschäft. Was die Mamas machen, wenn es in einem Shop oder Restaurant passiert, weiß ich nicht. Mädchen in solchen Hosen habe ich auch noch nicht gesehen. Auf der einen Seite sollen die Kinder dadurch wohl viel schneller sauber werden als Kinder, die Windeln tragen, auf der anderen Seite finde ich es irgendwie gemein den Kindern gegenüber, wenn jeder die Geschlechtsteile bewundern kann. Dafür muss man wohl hier geboren und vielleicht selbst in so einer Hose rumgelaufen sein, um das mit seinen eigenen Kindern dann ebenfalls zu praktizieren.

Die Windelfirmen haben es anscheinend etwas scherer auf dem chinesischem Markt, allerdings wird sich der Trend zur Windel sicher langfristig nicht aufhalten lassen. Dann kann man weiter streiten, ob diese Kaidangku-Hosen aus Umweltgesichtspunkten nicht besser sind. In Deutschland fallen lt. den Bericht in der Nido jährlich 340.000 Tonnen Windelmüll an, in China wären es dann 27-mal so viele.

Baby

Zum Schutz des Kindes ein nur unscharfes Foto.

Aber nicht nur das Verhältnis zur Kinderaufzucht ist hier eigenartig, auf der Tierschutz schein wie schon fast vermutet bereits in jungen Jahren abgelegt zu werden.“Tiere sind zum Essen da“! Das lernt man schon in der Spielecke der Shopping-Mall. Dort konnte ich beobachten, wie die Kinder aus einem Becken voller lebender Fische kleine Plastikfische angeln sollten. Der Köcher wurde dann natürlich wie wild auf die Wasseroberfläche geschlagen und die armen Fische versuchten sich verzweifelt zu verstecken. Das „Vergnügen“ kostete auch noch Geld, meiner Tochter habe ich das nicht erlaubt, sie durfte eine Runde mit dem elektrischen Plüschelefanten fahren, der die ganze Zeit lustige chinesische Lieder trällerte.

Fahrt

Lustige Fahrgeschäfte locken die Kinder an.