Langes Warten

Tempel in Bangalore
Tempel in Bangalore
Geduld zu haben ist in einem Land wie Indien wichtige Lebensvoraussetzung. Denn Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
so habe ich mir sagen lassen sind keine Stärken der indischen Bevölkerung. Unsere Geduld wird momentan ebenfalls
auf eine harte Probe gestellt, wir können also üben. Die Genehmigung für unseren Indienaufenthalt ist noch immer
nicht erteilt, was bedeutet, dass nichts geplant werden kann. Weder ein Look-and-See-Trip noch die Kündigung der
Wohnung oder die Mitteilung bei meinem Arbeitsgeber. Alles ist offen und die gesamte Organisation liegt auf Eis.
Dabei wollten wir eigentlich Ende Juni Deutschland verlassen, um noch einige Zeit der Eingewöhnung in Indien zu haben,
bevor die Schule dort Mitte August startet.

Dafür ist Indien in unseren Köpfen schon richtig real geworden. Die Entscheidung das Angebot anzunehmen haben wir getroffen,
die Pro-Liste war einfach länger. Auch unsere große Tochter konnten wir nach anfänglicher Ablehnung davon überzeugen, dass
dieses Abenteuer für uns alle richtig ist. Sie freut sich jetzt auch darauf und möchte am liebsten gleich losfliegen. Wahrscheinlich
liegt es daran, dass ich ihr eine große Abschiedsparty mit allen ihren Freunden hier in Deutschland versprochen habe.

Momentan bereite ich mich bildlich und geschmacklich auf das Abenteuer vor. Der Besuch eines guten indischen Restaurants in Stuttgart
(Ganesha) war dabei sehr hilfreich. Die Gerichte, Einrichtung und das Personal waren sehr authentisch und eine neue Erfahrung für mich.
Wir wählten ein Vier-Gänge-Menü um möglichst viele verschiedene Sachen auszuprobieren und bis auf einige sehr scharfe Soßen schmeckte
einfach alles köstlich. Besonders vom knusprigen Nan-Brot werde ich wohl Fan in Indien. Das nächste Mal möchte ich auf alle Fälle die
vegetarischen Gerichte ausprobieren, denn indische Küche basiert eigentlich nicht auf Fleisch.

Außerdem haben wir begonnen alle Dokumentationen und Filme über Indien, die das Fernsehen uns bietet, anzuschauen. Ich finde bewegte
Bilder und Geräusche können schon einen ersten Eindruck vermitteln. Auch wenn mein Mann immer sagt: „Du kannst es dir nicht vorstellen,
es ist einfach komplett anders als Europa.“ Wir schauen also Filme über indische Städte, Naturdokus oder Menschen aus Indien an und lernen
dabei eine Menge über dieses vielfältige Land.

Im Internet habe ich einige interessante Seiten gefunden, z.B. Bangalore Daily Photo oder den Blog einer anderen Familie, die als Expats in
Bangalore leben. Ich bin neugierig geworden und kann es kaum erwarten, endlich die Genehmigung für unsere Reise zu sehen. Auch wenn ich
bisher noch nie in Asien war reizt es mich sehr, diesen Teil der Welt kennenzulernen.

Sandra (09.03.2011)

Von Altdorf nach Bangalore (Indien)

Von A(ltdorf) nach B(angalore)
Von A(ltdorf) nach B(angalore)

Eine neue Kategorie findet sich nun auf dieser Seite. Denn es wird ein neues Kapitel in unserem Leben geben.
Expat ist eine Abkürzung für das englische Wort „expatriate“ und bedeutet ausbürgern / Ausgebürgerte.
Ich kannte dieses Wort bis vor kurzem nicht. Nun werden wir wahrscheinlich bald selbst sog. Expats sein.

Indien – ein fremdes Land für mich, denn bisher war ich dort noch nie. Ich kenne es nur aus dem Fernsehen,
Büchern oder Erzählungen. Indien, mit einer Fläche von 3.287.590 km² der siebtgrößte Staat der Erde, ist
Heimat von 1,2 Milliarden Einwohnern (Zahl aus dem Jahr 2009). Die Zahlen sind gewaltig, besonders wenn
man in einem kleinen Dorf in Deutschland wohnt.

Ein internationales Assignment hatten wir uns schon lange als Ziel gesetzt. Nun bietet uns die Fa. meines
Mannes die Möglichkeit für 2 Jahre in Bangalore (Bengaluru) zu arbeiten und zu wohnen. Ein wichtige Entscheidung,
die unser Leben verändern wird.

Sollen wir das machen? Mit zwei kleinen Kindern? Ist das nicht gefährlich? Warum denn nach Indien?
Fragen, die wir uns seit den ersten Informationen fast täglich stellen. Aber warum nicht? Die Welt von heute
ist kleiner geworden. Mit den neuen Kommuikationsmitteln würden wir der alten Heimat immer verbunden
bleiben. Der Aufenthalt ist zeitlich begrenzt und das Land bietet unzählige Möglichkeiten. Auf der anderen
Seite stehen Einwände, wie: Kulturschock, Gesundheitsgefährdung, mörderischer Verkehr, ungewöhnliches
Essen, fremde Sprachen, Aufgabe der Wohnung in Deutschland, Heimweh nach Familie und Freunden.

Dennoch sind die Chancen, die sich durch diese zwei Jahre allen Familienmitgliedern bieten größer und die
Risiken lassen sich mit Vorsicht hoffentlich eindämmen. Andere haben das auch geschafft und sind um viele
Erfahrungen reicher wieder zurück gekommen. Warum also nicht? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Über unsere Entscheidung, alle weiteren Vorbereitungen und den eventuelle Umzug nach Indien werde ich
hier berichten. Seid also gespannt, genau wie wir es sind…

Sandra (09. Februar 2011)

Straßenszene in Bangalore
Straßenszene in Bangalore

Älter werden

altJedes Jahr im Dezember habe ich Geburtstag. Ausgerechnet in der hektischen Vorweihnachtszeit und dann auch noch am Nikolaustag. So richtig feiern kann man dann eigentlich nicht mehr, denn die Kinder stehen an diesem Tag im Mittelpunkt. Darüber Nachsinnen, das wieder ein Jahr verflogen ist, schaffe ich aber meistens. Ich habe kein „großes“ Problem damit, älter zu werden, ein kleines vielleicht schon manchmal. Liegt möglicherweise daran, dass man als Frau heutzutage gern jung bleiben möchte. Nicht mal nur dem Aussehen wegen (eigentlich aber doch) sondern weil man sich irgendwie so schnell von seiner Jugend entfernt hat. Neulich habe ich zusammen mit meiner Tochter gemeinsam ein Lied gesungen, was eindeutig „Erwachsenenmusik“ ist. Da merkt man gleich wie schnell die eigenen Kinder groß werden. Und das man selbst keins mehr ist.
Dabei ist es ja richtig toll endlich erwachsen zu sein, denn da lassen sich die meisten Wünsche verwirklichen und das Leben nach seinem Geschmack gestalten.
Man sollte das Leben ja immer genau in dem gegenwärtigen Moment genießen, im dem man sich gerade befindet. Ein bisschen sentimental werde ich dennoch jedes Jahr, wenn wieder eine neue Runde Lebensalter eingeläutet wird. Jetzt bin ich bereits so alt, wie ich es mir als Kind nie vorstellen konnte. Als meine Mutter 30 geworden ist, war das für mich unvorstellbar. Jetzt wartet schon die 40 auf mich. Aber was soll`s, ich werde nicht jammern, sondern auf einen großen Wunsch sparen, den ich mir dann erfüllen möchte. Eine Reise nach New York muss einfach noch einmal sein oder die Ballonfahrt. Wir werden sehen. Und die Feier meines Geburtstages verlege ich auch gern mal in den Sommer, das umgekehrte Datum verspricht dann meistens warmes Wetter, eindeutig besser für eine Grillparty mit Freunden.

Sandra

Listen und Kisten

kistenLetztends wollte ich in unserer Wohnung die Kisten, Kartons, Körbe und Behälter, die wir zur Aufbewahrung aller möglichen Dinge nutzen, zählen. Beim dritten Zimmer habe ich aufgehört, ich bin ein Kistenfreak. Aber warum? Was lässt mich diese Sachen in den Kisten verstauen? Da gibt es eine für die Hausschuhe der Kinder, für Mützen, für Tücher, für Ohrringe, für Zeitungen, für DVD`s, für Bastelsachen, für Lätzchen, für Spielzeug …. Es scheint ein unbändiger Drang zu sein, möglichst viele Dinge im Leben zu ordnen und zu sortieren. Vorausgesetzt natürlich einer räumt sie immer richtig ein. Der dann meistens ich bin. Dafür fahre ich mindestens einmal im Jahr zu IKEA und decke mich mit neuen Kisten und Behältern ein. Macht ja auch Spaß, wenn dann alles wieder ordentlich verstaut werden kann.
Ich habe mal gehört, dass Leute, deren Leben ungeordnet ist, alles im Haushalt ordnen müssen. Aber mein Leben ist eigentlich nicht ungeordnet, finde ich jedenfalls. Es muss also mindestens noch einen weiteren Grund geben. Vielleicht macht es einfach auch nur die Suche leichter, wenn alles eine Kiste hat. Mit Kindern ist man einfach ständig auf der Suche nach Dingen. Wo sind die Schuhe, wo ist die Mütze, wer hat die Schere verlegt? Da kann es einem wirklich das Leben erleichtern, wenn die Sachen in der passenden Kiste zu finden sind. Darum werden auch schon die Kinder zu Kistenfreaks erzogen und haben im Kinderzimmer Unmengen davon: für Lego, Playmobil, Stifte, Murmeln, Plüschtiere, Sticker usw. Ich hoffe es schadet nicht, meistens kann mit Hilfe der Kisten schnell wieder eine gewisse Ordnung hergestellt werden. Und am Besten sind natürlich die Schatz- und Geheimkisten. Diese wechseln so alle halbe Jahr, weil immer eine neue Kiste ins Haus kommt, die sich dafür noch besser eignet.

Mit den Listen ist es ähnlich. Ich liebe Listen und habe ständig welche zu schreiben und in Gebrauch: Einkaufslisten, Wunschlisten, To-Do-Listen, Packlisten für Reisen, Namenslisten für schwangere Freundinnen usw. Mittlerweile werden diese dank moderner technischer Geräte nicht immer nur in Papierform erstellt. Denn diese sind gelegentlich verschwunden. Auch hier ist wohl die Tendenz eine Gewisse Ordnung in Gedanken und Aufgaben zu Bringen der Grund für die Listensammlung. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich einfach besser schlafen kann, wenn ich alle Dinge vorher aufgeschrieben habe, die ich nicht vergessen will. Super Tipp: Schmierzettel und Stift ans Bett legen, dann kann man vor dem Einschlafen noch Notizen machen und hat die Dinge aus dem Kopf. Auch ein kleines Notizbuch in der Handtasche begleitet mich schon seit gut zwei Jahren und da schreibe ich alles Mögliche rein. Irgendwann später fällt einem dann wieder ein, wie hieß die Webseite noch gleich? Gut zu wissen, dass es im Notizbuch steht. Mit den meisten Listen habe ich auch kein Problem, die Einkaufsliste fürs Wochenende wird sowieso jede Woche aktualisiert, die Wunschliste für Weihnachtsgeschenke ist praktisch, dann hat man Ideen, wenn alle vorher fragen. Nur die To-Do-Liste nervt gelegentlich, weil sie immer länger wird und nie ganz leer ist. Aber vielleicht packe ich es irgendwann, diese Liste einfach abzuschaffen.

Fazit: Ich muss dringend mal wieder zu IKEA neue Kisten kaufen. Eine Liste dafür habe ich schon!

Sandra