Funkstille vorbei!

Vier Monate war nun Funkstille, der Sommer und Herbst einfach zu schön, um vor dem Computer zu sitzen. Wir haben die Natur in vollen Zügen genossen und alles in uns aufgesaugt, was Deutschland landschaftlich zu bieten hat: Berge, Wald, Seen, Meer, Strand, Städte und Wiesen. Mir fehlte nichts, das Fernweh wurde gestillt mit kleinen und großen Reisen nach Dänemark, Nürnberg, Leipzig, Erlangen, Zürich und Amsterdam. Was will man mehr?

Am Böhler Strand bei St. Peter Ording
Am Böhler Strand bei St. Peter Ording

Amsterdam war ein lang ersehnter und jetzt wahr gewordener Traum von mir, immer schon wollte ich die Stadt der Fahrräder und Grachten besuchen. Dank einer Konferenz der Fa. SUSE klappt es nun, dass ich ganz ohne Kinder und meistens auch ohne Mann (der auf der Konferenz war) durch die Gassen streifen konnte. Die verspätete Landung aufgrund des dichten Nebels verzieh ich der schönen Stadt sofort am nächsten Morgen, als die Sonne vom strahlend blauen Himmel lächelte und ich nach einem köstlichen Frühstück im „Toastable“ aufbrechen durfte.
Nach einer geführten Radtour gleich am ersten Tag entschied ich mich für die komplette Woche ein Fahrrad zu mieten. So konnte ich die ganze Stadt erkunden und schließlich bin ich schon weitaus gefährlicher in Peking mit dem Rad unterwegs gewesen.

Fahrrad
It’s all yellow in Amsterdam – Auf zur Radtour

Die Stadt verzaubert einen von Anfang an, abgesehen von den beiden Hunde-Stinkbomben an meinen Füßen, kann ich nur positives berichten. Freundliche Menschen, Restaurants & Cafés an jeder Ecke, wenig Autoverkehr in der Innenstadt, weil wirklich jeder hier mit einem Fiets unterwegs ist. Mit Kamera ausgerüstet zog ich durch die Straßen, besuchte Museen, den Flohmarkt und die Portugiesische Synagoge, radelte sogar auf Java-Eiland (einer kleinen Insel mit modernen Wohnhäusern vor den Toren der Stadt), stöberte durch Antiquitätenläden, kaufte natürlich einen Vintage-Rock (in Blau) und am Ende gab es die obligatorische Bootsfahrt durch die Grachten.

Grachten
Unvergleichlich schön – die Grachten

Wer Amsterdam noch nicht bereist hat, dem rate ich dringend es zu tun. Übrigens braucht man sich nicht unbedingt mit Hasch voll dröhnen, wenn man durch die Straßen läuft riecht man es an fast jeder Ecke, scheint dort neben Fahrrädern wohl auch jeder zu nutzen ;-) – mich macht das Zeug nur müde.

Beeindruckend fand ich die Fotoausstellung „Magnum Contact Sheets“ im FOAM, die ich mir anschaute. Fotografien der Magnum Organisation wurden dort ausgestellt und der Prozess der Fotografen anschaulich erklärt vom Entstehen der Aufnahmen, der Auswahl „des Fotos“ auf dem Negativ bis zum fertigen Druck in den verschiedensten Medien. Dort konnte ich zum Beispiel die Geschichte des Fotos von Inge Morath „Llama, Times Square, New York.“ aus dem Jahr 1957 bestaunen, sogar die Tageszeitung mit dem Foto war im Original dort zu sehen. Wer näheres erfahren möchte kann sich gern diesen Film dazu anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=rAQRZTRAM-E
Die Ausstellung inspirierte mich dazu mir ein Originalfoto aus der Sammlung der Magnum-Fotografen zum Geburtstag schenken zu lassen. Die Organisation verkauft in unregelmäßigen Abständen Drucke mit Signatur. Dieses Mal gab es intime Fotos aus teilweise privaten Archiven einiger der Mitglieder zu einem relativ günstigen Preis. Für das Lama-Foto muss ich noch etwas sparen, diese würde mit ca. 2000 $ zu Buche schlagen.

Außerdem bin ich gerade dabei ein neues kleines Projekt auf die Beine zu stellen. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Und dann trat in diesem Sommer noch BOY in mein Leben, zwei Frauen aus Hamburg und Zürich, die einfach wunderbare Musik machen. Wer die beiden noch nicht kennt, unbedingt anhören und genießen. Beim Streaming-Dienst Spotify findet man beide Alben der sympathischen Band. Das Konzert in Stuttgart, welches ich mit meiner großen Tochter besuchte wird uns wohl lange Erinnerung bleiben.

Ein kurzer Satz zur momentanen Terrorsituation in Deutschland und Europa. Die Anschläge von Paris hätten uns genauso in Amsterdam oder beim Konzertbesuch in Stuttgart treffen können, ich bin dankbar dafür, dass es nicht dazu gekommen ist, ich bin traurig, dass viele Menschen dort ihrem jungen Leben beraubt wurden. Am Tag der Anschläge hatten wir diskutiert über Pfingsten nach Paris zu fahren (mit den Kindern) und wurden dann mit den Live-Berichten im Fernsehen am späten Abend konfrontiert. Die Reise ist in Gedanken immer noch präsent und warum sollten wir sie absagen? Es kann immer und überall passieren und wohl jeden treffen egal wo in Europa. Ein weiteres Risiko, welches wir in Kauf nehmen müssen, wenn wir uns weiterhin die Welt anschauen wollen. Humboldt hat es ganz treffend formuliert:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

Alexander Freiherr von Humboldt
(1769 – 1859), deutscher Naturforscher, Begründer der physischen Geographie

Loveboat
Love & Peace Amsterdam

Smart im Herbst

VHS
Mein erster VHS Kurs

Das Volk braucht Bildung, daher gibt es schon seit 1844 die Volkshochschulen in Deutschland. Auch ich habe dort schon Kurse besucht, gerade zum Thema Fotografie konnte ich dort einiges lernen und bin dankbar, das es diese Möglichkeit der Fortbildung gibt. Demnächst stehe ich nun selbst vor den Lernwilligen und werde mein Bestes geben zum Thema Fotografieren mit dem Smartphone. Ich bin gespannt, wer sich für das Thema interessiert. Auf alle Fälle freue ich mich auf diesen Tag und die auf die Ergebnisse, die dort entstehen.

Ein paar Anregungen, die in den letzten Tagen mit meinem Smartphone entstanden sind:

Schiffsschaukel
Schwindelig wird es einem ganz gerne in einer Schiffsschaukel.
Kind im Wasser
Bei Gegenlicht sieht man jeden Wassertropfen.
Schattenspiel
Beine bis zum Himmel – wer hätte die nicht gerne.
Haare
Kopfüber im Sonnenlicht
A
Schatten & Licht zaubern Motive

Fernweh oder Heimweh?

Vor ein paar Tagen habe ich dieses Zitat entdeckt:
Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte,
wo kämen wir hin und keiner ginge,
um zu sehen,
wohin wir kämen,
wenn wir gingen.
– Kurt Marti
Gefunden hatte ich es auf der Webseite eines jungen Paares, das sich momentan auf einer Weltreise befindet und darüber einen kleinen aber feinen Blog schreibt, wer mitlesen möchte: http://weitumdiewelt.de/ kann das hier tun.

Einmal wieder bin ich fasziniert von Menschen, die große Abenteuer wagen, jeder auf ganz eigene Weise. Diese beiden sind bisher quasi nur per Anhalter durch die Welt gezogen und haben versucht mit 5 € pro Tag und Person auszukommen. Mit Begeisterung habe ich auch das Buch von Meike Winnemuth „Das große Los“ verschlungen, die darin über ihre 1jährige Weltreise berichtet und gerade in den Kapiteln über Indien und China mir quasi aus der Seele geschrieben hat. Bei beiden Projekten waren die Leute ohne Kinder unterwegs, was die Sache natürlich vereinfacht, besonders wenn die Kinder schulpflichtig sind. Das Pärchen aus Freiburg hat nun allerdings Nachwuchs bekommen und ich bin gespannt, wie lange die Reise mit Kind noch dauern wird.

Zurück in die Heimat und den Wurzeln zieht es momentan die Schauspielerin Natalia Wörner, die ein spannendes Buch zum Thema geschrieben hat. „Heimatlust“ vereint ganz persönliche Erlebnisse mit der Geschichte Stuttgarts und Baden-Württembergs, ihrer Heimat, die sie schon zeitig aus beruflichen Gründen verlassen hatte. Bei einer Gesprächsrunde im Alten Schloss in Stuttgart konnte ich ihren Erlebnissen lauschen und merkte einmal mehr, das nicht nur für mich das Thema Heimat & Fernweh eine wichtige Rolle spielt. Auf ihre neuen Projekte werde ich sicher ein Auge werfen.

Ich habe schon sehr viele Reisen unternommen und das ständige Fernweh kann teilweise richtig nerven, zumal es immer davon ablenkt, den Blick in die nähere Umgebung zu richten. Auch wenn das Meer zum Beispiel nicht gleich um die Ecke liegt und diese Grundsehnsucht nach Strand und Wasser immer mitschwingt, ein Meer aus weichen Gerstenhalmen im Sonnenuntergangslicht kann ein bisschen darüber hinweg trösten.

Mir ist auch aufgefallen, das Reisende oder Menschen, die momentan fern der Heimat wohnen, doch immer gern wieder zurück kommen und es genießen die alte Heimat zu spüren. Die Wurzeln bleiben also bestehen, egal wie lange man unterwegs ist oder wie weit entfernt. Heimatweh vielleicht? Ich kann meine eigene Heimat gar nicht so richtig definieren. Nach gut 24 Jahren hatte ich damals die Heimat verlassen, um hier im Süden Deutschlands vielleicht eine neue zu finden. Die Zeit im Ausland entfernte mich wieder nicht nur körperlich von dieser „neuen Heimat“. Seit einem Jahr zurück in der alten-neuen Heimat entdecke ich bisher unbekannte aber auch vertraute schöne Seiten der Umgebung. Es ist eine Gradwanderung der Gefühle, die einen immer wieder wegzieht und wiederkommen lässt. Das Weggehen hat nicht nur neue Freunde und Erlebnisse in mein Leben gespült, es hat das Zurückkommen in ein anderes Licht gerückt. Ich bin dankbar so viele Seiten der nicht mehr fremden Welt erlebt zu haben und gleichzeitig dankbar für mich nicht festlegen zu müssen, was und wo Heimat für mich ist. Vielleicht brauche ich dafür noch einige Zeit des Weggehens und Ankommens.

Wikipedia: Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Für mich ergänzen sich Heimat (egal ob dort wo man geboren wurde, oder später seinen Lebensmittelpunkt wählt) und Fernweh sehr gut. Viele Menschen verlassen ihre Heimat, sehr viele nicht unbedingt freiwillig und sicher nicht aus dem Antrieb Fernweh. Wer einmal Fremder in einem Land war, kann gut nachvollziehen, wie sich diese Menschen fühlen, wenn sie ihre Heimat vermissen. Vielleicht wäre es daher gut, wenn alle einen Funken Fernweh hätten und diesem nachgehen. Wo kämen wir sonst hin?

Heute daher ein paar Bilder aus der „neuen alten“ Heimat:

Fachwerk
Historie gespiegelt
Lavendel
Zauber des Sommers – Lavendel
Fenster
Eingemauert?
Waage
Waghäusle
Rosen
Zaungäste
Gräser
Wer das Gras wachsen hört.
Feldblume
Feldblumen
Maisblätter
Auch Mais hat seinen Reiz.
Wiese mit Baum
Sommerwiese
Katze im Fenster
Fensterplatz bitte
Blüten
Blütenzauber

Abgeben macht glücklich – vielleicht

Ich habe extra noch einmal nachgezählt. Es sind genau 120 Blogeinträge in unserem Auslangsaufenthalt innerhalb von drei Jahren entstanden. Eine nicht zu verachtende Anzahl und im Rückblick für mich schon eine Leistung, zusammen mit den passenden Fotos wird sich daraus wohl irgendwann ein kleines Buch entwickeln müssen (Wink mit dem Zaunpfahl, endlich anzufangen damit). Aber bevor ich dieses Projekt starte möchte ich mich und unser Haus ein bisschen erleichtern und von dem angesammelten Ballast einiges abgeben.

Dafür habe ich mir überlegt, 12 Monate lang jeweils 10 Dinge wegzugeben (verschenken, verkaufen, spenden, entsorgen, recyceln). Ergibt dann nach genau einem Jahr 120 Dinge weniger im Haus. Die Aktion wird hier ab 01.06. starten und die ersten Dinge mit Foto erscheinen. Mal sehen ob ich das durchhalte und konsequent bin. Im Ort gibt es eine sogenannte Give-Box, in die jeder Sachen stellen kann, die er nicht mehr benötigt. Andere Leute können dort dann nachschauen und Dinge herausnehmen. Eine super Idee, die regen Zulauf hat.

Außerdem überlege ich gerade ein neues Fotoprojekt zu starten, mir fehlt aber noch eine gute Idee / Inspiration. Momentan fotografiere ich quasi nur private Fotos auf Reisen oder widme mich der Natur an den bereisten Orten. Für mich etwas zu langweilig und ich hoffe mit fällt bald etwas Neues ein.

Hier nun die ersten 10 Dinge für den Monat Juni:

Pullis
Zwei blaue Pullover, sind zu klein geworden, verschenke ich an meine Schwägerin.
Kinderpullis
Noch zwei Pullover, die keiner je angezogen hatte, gehen in den Kleidercontainer.
Buch
Zeit für Wellness habe ich nur selten, daher ab in die Give-Box im Ort.
Mickey
Ein Sweatshirt für unser Patenkind in Afrika.
Spielzeug
Ein Kind wird sich freuen, wenn es diese in der Give-Box findet.
Fliegen
Dieser bunte Fliegenvorhang landete ebenfalls in der Give-Box.
Putzen
Diese alte Küchenschürze darf jetzt als Putzlappen herhalten.
Schuhpaar
Schuhe, die zwar eine Geschichte haben, aber nie getragen wurden. Wandern in die Give-Box.
Plastik
Plastikkanne ist durch Glas ersetzt, wer möchte sie haben? Ansonsten geht sie ins Ferienhaus meiner Mutter.