Was mir fehlt.

Momentan sind andere Dinge wichtig in meinem Leben. Was mit fehlt ist die Zeit für Fotografie, Kunst, Ausstellungen, Begegnungen mit Gleichgesinnten. Ja ich kann mir auch dafür Zeit nehmen, aber wenn der Kopf voll mit anderen Dingen ist, mag ich keine Zeit investieren. Aber ich merke, dass es in mir brodelt und die Kamera(s) schon zu lange im Schrank oder Regal liegen. Sie starren mich an, als beobachten sie mich dauernd, wann kommen wir endlich wieder zum Einsatz. Der Frühling steht in den Startlöchern, das Wetter spielt bald eine andere Melodie und weckt die Geister, die Lust am kreativ sein. Ich werde mir mehr Zeit nehmen!

Wo ist das Auenland geblieben

Einen kleinen Spaziergang durch die Heimatstadt konnte ich mir dann doch abringen. Mit einer für mich eher als Spielzeugkamera wirkenden kleinen Canon. Eigentlich zum Videos drehen angeschafft von meinem Mann, testete ich diese für einige Aufnahmen des morbiden Charmes, den ich immer wieder entdecke. Es gibt ihn hier noch. Vielen sind diese Bilder zu trostlos, zeigen den Verfall, das Verlassene, die Unschönheit einer Stadt. Ich mag gerade diese Ecken hervorzuheben, zu zeigen, nicht wegzuschauen.

Hausgemachte Stabilität
Weinkeller?
Gegen Abrutschen gesicherter Olymp.
Treffen wir uns an der alten Laterne?
Haus mit langer Geschichte
Patriotischer Schweizer oder Ostdeutscher?
Hier steht sie noch – die Mauer.


Nur, wie alles seine Zeit hat, so hat auch alles seinen Ort. Wo der Unfug bis auf einen gewissen Grad gestiegen ist, da hat Schweigen und Vergessen seine Bedeutung verloren.


Matthias Claudius
(1740 – 1815)

Neuland betreten

Leere Räume, selten zu sehen, schwer zu finden, himmlisch, diese Ruhe, Klarheit, einfach Nichts. Ich sollte mich hinsetzten und einfach nur versinken darin. Die Gedanken werden in solchen Räumen nicht unbedingt ruhiger. Eben weil es keine Ablenkungen gibt, es einen eben gerade deshalb sogar aufgewühlt. Aber es fällt leichter, sich auf das Wenige im Raum zu konzentrieren. Das Licht, die Stille, die Oberflächen – kahle Wände bedeuten nicht, dass sie keine Geschichten zu erzählen hätten. Die Sonne schickt Strahlen herein, gebrochen an den Ecken und Kanten der Fenster, den Gardinen, den Wänden. Auf dem Boden sind Spiegel angebracht. Zum hineinblicken und sich finden. Oder um andere neue Perspektiven zu entdecken. Die ausgestellte Kunst wurde für mich zweitrangig an diesem Ort. Wie gerne hätte ich hier eine menschliche Serie fotografiert. Nur heimlich erlaubte ich mir zwei Aufnahmen, die am Ende zu einem Bild verschmolzen.

Neue Wege suchen

Es gibt ein Bleiben im Gehen,
ein Gewinnen im Verlieren,
im Ende einen Neuanfang.

Aus Japan
Geistesblitz
Spiegel der Erkenntnis?
Spiegel ohne Inhalt
Darbietungen im Raum
Verführendes Licht

Wir werden bald selbst neue Wege beschreiten, Neuland betreten, Abschiede feiern und hoffentlich warm aufgenommen werden am neuen Ort. Ein Wagnis, das unsere Gedanken, Gespräche und Nächte beeinflusste. Ein Risiko, dem wir uns stellen, ein Glück, diese Chance noch einmal im Leben zu bekommen. Spannende und aufregende Stunden, Tage und Wochen liegen jetzt vor uns, bis auch wir den leeren Räumen im Haus ein letztes Adieu zuraunen werden und ein neues Kapitel in unerer Lebenrolle beginnt.

Blaudruck
Kunst am Bau
Die Zukunft liegt ostwärts.

Planet Winter

Wer bis jetzt in dieser Saison den Winter erleben wollte, musste hoch hinaus, gefühlt auf einen anderen Planeten reisen, um ihn zu sehen. Die Schneedecke begann auf etwa 1000 m Höhe nach Winter auszusehen. Sobald ich angekommen war, versprühte diese Landschaft sofort diesen bannenden Zauber, das Knirschen unter den Füßen erinnerte mich an meine Kindheit, welches Kind liebt nicht diese Geräusch beim Laufen auf frischem Schnee. Weiß verschneit lagen die Wiesen und der Wald vor mir, unberührt, nur der Weg zum Gasthaus auf 1260 m zeigte Spuren anderer Lebewesen.

Die Sonne strahlte, ein herrlicher Tag versprach ungetrübte Stunden und zog uns magisch hinaus aus der wohlig warm geheizten Hütte in Tirol. Fotografenherzen schlagen bei diesem Wetter gleich schneller und auch ich wollte diese Lichtstimmung nutzen, um einige Motive festzuhalten. Für mich fühlte es sich an, als ob es solche Winter in Zukunft wohl noch seltener zu erleben geben wird. Spät zog er dieses Jahr ein in den Bergen, die Skigebiete warteten sehnsüchtig auf den Schnee für die Touristen, die das ersehnte Geld für viele Menschen in dieser Region bringen würden. Frisch verschneite Wälder bekomme ich in den letzten Jahren nur in dieser Region vor die Kamera. Die Reise zum Planet Winter ist schon ein Luxus geworden, wenn es vor der eigenen Haustüre diese Naturschauspiele nicht mehr zu bestaunen gibt. Die Erderwärmung macht auch vor Europa keinen Halt, die Sommer viel zu heiß, die Winter spät und kurz. Manchmal viel zu heftig, wie im letzten Jahr, da lag die Hütte nach unserer Abreise unter knapp zwei Metern Schnee begraben.

Zwei Schlitten im Schlepptau machten wir uns auf den Weg und jeder Schritt brachte uns höher hinauf, dem Licht des Tages entgegen. Es waren nur wenige Wanderer unterwegs, die mussten erst vom Tal herauf auf unsere Höhe, um weiterzugehen auf das Almplateau am Langkampfen.

Der Moment, wenn man aus dem Wald tritt und sich der Blick über dieses ganz wundervolle Fleckchen Erde ausbreitet – unbeschreiblich schön. Die Schneedecke weich wie Watte, der Himmel in einem überschwänglichen Blau, Schattenspiele der kahlen Bäume, Stille und eisige Luft. So stelle ich mir Winter vor, ja es ist natürlich sehr kitschig, aber wer braucht diesen Kitsch nicht hin und wieder in seinem Leben?

Nach einer zünftigen Stärkung erkundeten wir das weitläufige Plateau. Tief in den Schnee getrampelte Wege zogen uns in ihren Bann. Im Sommer sind wir hier schon gewandert, im Winter ist es beschwerlicher, aber die Ausblicke um so beeindruckender. Ich konnte mich nicht satt sehen.

Der Winter geht nicht, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Aus Finnland

Ich wünschte die Winter würden wieder so wie in meinen Kindheitstagen sein. Mit knackigem Frost, viel Schnee, Zeit zum Rodeln und Langlauf im Wald. Es wird wohl ein Traum bleiben. Unser Planet wird wärmer, der Winter macht sich rar. Im hinterher zu reisen ist wohl eine Alternative, fühlt sich dennoch nicht so richtig gut an. Genau wie das Skifahren auf künstlich beschneiten Pisten. Einsicht, dass es der Natur nicht gut tut, dieser Wahnsinn an Pistenkilometern, Wasserspeichern für die Schneekanonen, Liftanlagen und viel zu vielen Menschen, die diesen Zirkus befeuern. Auf der anderen Seite sind diese Regionen genau auf diese Einnahmequelle angewiesen und haben noch keine Alternative parat, dieses zu ändern. Die kleineren Skibetriebe, die oft in Familienhand sind, trifft es zu erst, sie liegen zu tief und sind nicht mehr schneesicher, dass es sich lohnen würde zu investieren. Ein Dilemma, was sich früher auf viele Gebiete verteilt hat, stapelt sich jetzt in den großen Skiarenen. Verkehrschaos bei An- und Abreise inklusive.

Auf der Suche nach anderen Motiven erkundete ich die Umgebung mit der Nahlinse. Meditation mit der Kamera beruhigt Seele und Gemüt, Zeit zum Abschalten und Eintauchen in die sonst nicht so spannenden Gegenstände.

Die Hütte ist ein kleines Juwel in den Bergen, ich bin sehr gerne hier und vergesse die Zeit. Freue mich über die Abgeschiedenheit und die gemeinsamen Stunden mit meinen Lieben. In der kleinen Kapelle nebenan bestaune ich jedesmal die göttlichen Altarfiguren, die Malereien an der Decke und dieses Jahr die Eiskristalle auf der Außenmauer.

Machs gut du Zauberort, bewahre deine Schönheit, deine Reinheit und Unschuld. Wir werden uns wiedersehen, ganz bestimmt, ob mit oder ohne Schnee.

Achtung: Fotomontage!

Hoch Hinaus?

Titisee Riesenrad

Welt-Klugheit

Bleib‘ nicht auf ebnem Feld!
Steig‘ nicht so hoch hinaus!
Am schönsten sieht die Welt
Von halber Höhe aus.

Friedrich Wilhelm Nietzsche
(1844 – 1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller
Boote am Titisee
Sonnenbaden am See

Der Film schlummerte eine Weile im Biest. Jetzt wurde er freigelassen und die Erinnerungsmaschine lief an. Das Wochenende am Titisee im August – wie genossen wir das rein weibliche Zusammensein. Tankten Sonne, stürzten in den See, eroberten die Lüfte im Riesenrad. Was wären wir ohne Erinnerungen? Wie schön, dass es schon sehr lange diese wunderbaren Zaubergeräte gibt, die Momente einfrieren können.

Schaufensterdirndl Stuttgart
Kopflos in Stuttgart

In Stuttgart traf ich eine Gruppe Gleichgesinnter, analog waren wir nur zu zweit an diesem Samstag Vormittag unterwegs. Die anderen blieben beim digitalen Fotografieren. Motive finden sich immer, der Film zähmt mich trotzdem jedesmal und den Auslöser zu drücken kostet Überwindung. Begrenzung kann allerdings sehr spannend sein. Nur drei Motive waren es mir an diesem Tag wert, damit das Filmmaterial zu belichten.

Girl in town

Am Thema Portrait werde ich 2020 weiterhin üben müssen. Dabei die passende Stimmung und das Licht richtig einzufangen stellen mich immer wieder vor Herausforderungen. Die sind bekanntlich gut, um besser zu werden. Also neuen Film einlegen, komponieren und abdrücken.

Lotte in Licht und Schatten
Spiegelbild

Wir wollen uns nie sehen, wie wir sind, und wehe dem,
der einmal ein gelungenes Portrait von uns liefert!

Georg Herwegh
(1817 – 1875), deutscher Lyriker, lt. Heinrich Heine „die eiserne Lerche der Revolution“

Wer Lust und Zeit hat, vor meiner Kamera zu sein, der darf sich gerne melden. Ich suche Models aller Art und jeden Alters. TRAUT EUCH!