Wenn es Nacht wird in Singapur, leuchtet so ziemlich alles, außer den Sternen. Straßenlaternen über die ganze Stadt verteilt erhellen auch die abgelegensten Wege. Gebäude werden von außen angestrahlt, aus den Fenstern dringt Licht ins Freie, sogar die Treppenhäuser in den Hochhäusern kennen keine Bewegungsmelder und leuchte die ganze Nacht. Werbeanzeigen, Warnleuchten auf den Dächern und Funkmasten. Unzählige Autos ziehen ihre Lichtspuren in den Straßen, dazwischen ab und an ein Rennradler mit Blinklicht. Die Stadt ist so hell, dass die Wolken von unten angestrahlt werden und immer als weiße Schäfchen am Nachthimmel prangen. Zum Glück haben wir Vorhänge in den Schlafräumen, denn die Nachbarn lassen gerne das Licht brennen. Kein warmweißes, sondern das extra helle Krankenhauslicht. Obwohl die Energiekosten nicht gerade günstig sind, Stromsparen ist wohl nicht so populär in der City. Zum Sternegucken müsste es eine lichtfreie Zone geben, die hier eher nirgends zu finden sein wird. Dafür kann ich mich nur auf die einsame Alm in Tirol träumen, wo wir in klaren Nächten ungehindert die Milchstraße bewundern konnten.
Den Vorteil der vielen Lichter nutze ich für ein paar Aufnahmen meiner geliebten bewegten Bilder. Damit lassen sich zumindest die künstlichen Lichtspuren perfekt einfangen. Die immer warmen Nächte machen Nachtaufnahmen etwas leichter, keine Jacke, dicke Handschuhe oder Mütze beim Einsatz erforderlich. Und irgendwann werde ich auch die Milchstraße mit ihren Milliarden Sternen wiedersehen.
Was nicht gesehen werden kann und jenseits des Denkens ist, was ohne Ursache oder Teile ist, was weder wahrnimmt noch handelt, was unwandelbar ist, alldurchdringend, allgegenwärtig, feiner als das Feinste, das ist das Ewige, von dem die Weisen wissen, dass es die Quelle von allem ist. So wie eine Spinne ihren Faden ausspinnt und ihn in sich zurücknimmt, so ist die ganze Schöpfung aus dieser Kraft heraus gewoben und kehrt in sie zurück. So wie Pflanzen in der Erde wurzeln, so werden alle Dinge aus dieser allgegenwärtigen Energie unterhalten. So wie ein Haar aus eines Menschen Kopf wächst, so entsteht alles aus dieser unendlichen Intelligenz!
Upanishaden auch Upanischaden, Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda, im Sanskrit bedeutet upaniṣad wörtlich „das Sich-in-der-Nähe-Niedersetzen“, gemeint ist „sich zu Füßen eines Lehrers (Guru) setzen“, aber auch eine geheime, belehrende Sitzung; niedergeschrieben zwischen 700 und 200 v. Chr.
Wenn wir unsere Erde mit offenen Augen betrachten: Welch ein herrlicher Planet mit seinen Tieren, Pflanzen, Bergen, Seen, Meeren… Fast alles, was uns betrübt, kommt nicht von der Erde, sondern von den Menschen. In der Natur können wir – und unser Herz und die Seele – frei aufatmen. Geht mehr in die Natur, lernt sie lieben! Dann hat Betrübnis nur noch wenig Platz in Euren Herzen.
Werner Braun
Bilder eines Morgenspaziergangs im Botanischen Garten Singapur im Oktober 2020.
Abend wards und wurde Morgen, Nimmer, nimmer stand ich still, Aber immer bliebs verborgen, Was ich suche, was ich will
Friedrich von Schiller (1759 – 1805)
Das Übervollsein des Tages ist der völligen Leere gleichzusetzen.
Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)
Ergreife den Augenblick, damit er dich gefangen nehmen kann.
Siegfried Wache
Was ist Geschichte? Der Nagel, an dem ich meine Romane aufhänge.
Alexandre Dumas der Ältere (1802 – 1870)
Wer keine fremde Moral kennt, kennt seine eigene nicht – gleichwie, wer keine fremde Sprache, keine fremde Religion kennt, seine eigene Sprache und Religion nicht kennt.
Paul Rée (1849 – 1901)
Die Halle der Wissenschaft ist der Tempel der Demokratie.
Henry Thomas Buckle (1821 – 1862)
Wer zu lange gegen Drachen kämpft, wird selbst zum Drachen.
August Strindberg (1849 – 1912)
Ein klar denkender Mensch fand noch nie daran Vergnügen, seine Gedanken in Symbole zu kleiden.
Ernest Renan (1823 – 1892)
Arbeitslose wissen am besten, was harte Arbeit ist: Arbeitssuche.
Peter F. Keller
Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen.
Ein Geist geht um in der Stadt, unsichtbar und aller Orten. Sie kann ihn nicht sehen und spürt ihn dennoch auf Schritt und Tritt. Er verfolgt sie und alle anderen, die draußen unterwegs sind. Warnschilder überall, geklebt, aufgestellt oder hingehängt. Sie schützt sich wie alle mit einer Maske im Gesicht und hat das Gefühl, damit ein Stück ihrer Identität zu verstecken. Keine Reaktion in den Gesichtern mehr zu sehen. Nur die Augen verraten ab und an die Stimmungslage ihres Gegenübers.
Es herrscht Angst, nicht mehr nur vor Ansteckung und den Folgen einer Krankheit, die global alles verändert hat. Existenzen stehen auf dem Spiel. Es ist oft so ruhig, dass es wie eine Geisterstadt wirkt. Leere Straßen, Plätze, Räume, wo einst Handel getrieben oder Essen serviert wurde. Dieses wird jetzt noch öfter von den motorisierten Reitern abgeholt und in die sicheren Wohnungen geliefert. Dort wo Menschen auswärts essen beobachtet sie viele einsame Gestalten, die allein an einem der Tische sitzen. In die Luft starren oder auf das Display des Telefons. Geselligkeit, Unbeschwertheit, Lachen? Wo seid ihr, der Geist der Pandemie hat euch vertrieben.
Auf Abstand bleiben, nicht reden während die Metro durch den Untergrund braust. Check-In, Check-Out. Routine mittlerweile für sie und alle anderen. Wie lange noch? Für immer? Hoffentlich nicht. Alles fliegt heute an ihr vorbei, kein Innehalten möglich. Möglichst schnell das Wichtige erledigen, um zurück in die sicheren vier Wände zu gelangen. Sie ist auf der Suche nach ein wenig innerer Wärme, Hoffnung, Zuversicht, einem Gespräch.
Im dritten Stock des Einkaufszentrums tritt sie ein in die vielleicht 30 qm Oase des kleinen Glücks. Neben zwei Ständern mit Postkarten und einer kleinen Auslage von handgemalten Karten steht sie hinter der Theke. Sie nennt sie Estelle, weil sie ihren richtigen Namen noch nicht kennt. Die betagte Dame ist immer ordentlich gekleidet und frisiert. Sie trägt Perlenohrringe zur passenden Kette. Vor ihr steht eine alte grüne Waage, ein Notizblock und ein Taschenrechner liegen bereit. Ihr Mann steht vor der Theke, sie trinken Tee zusammen. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Im hinteren Teil des Ladens soll ein kleines Fotostudio für weitere Einnahmen sorgen. Niemand braucht gerade Postkarten. Sie kauft immer welche und heute noch einen Stapel Briefmarken dazu. Estelle verpackt alles gewissenhaft, wiegt die Briefe ab und klebt die Marken sorgfältig darauf. „My dear“ sagt sie immer, da schmilzt ihr das Herz, wenn sie es hört. Sie verwickelt Estelle in ein Gespräch. Seit 47 Jahre betreibt sie dieses kleine Geschäft, steht immer außer Sonntags hinter der engen Theke. Kaum zu glauben, dass sie schon 76 Jahre alt sein soll. Im Juli 1945 wurde sie geboren, ihre Schwester ein Jahr vor ihr. Und als sie ihre Maske absetzt, staunt sie über das frische Gesicht und die glatte Haut. Schwere Zeiten momentan, ohne die Hilfe ihrer Tochter könnte sie den Laden nicht halten. Aber zu Hause sitzen und dunklen Gedanken nachzuhängen liegt nicht in Estelles Natur. Sie kämpft weiter und hofft, dass es bald wieder mehr Menschen in ihr kleines Geschäft zieht, um Postkarten zu kaufen und vielleicht einen Bogen Geschenkpapier.
Beseelt von diesen Minuten voller Worte macht sie sich auf den Rückweg. Die Geister werden noch eine Weile durch die Gassen ziehen, Halloween lockt Kameraden an, die sich vor den Geschäften in Stellung bringen. Vorsicht ist geboten.
Zum Glück gibt es in Asien jede Menge guter Geister, denen reichlich Gaben und Opfer erbracht werden. Die Hoffnung auf bessere Zeiten gibt hier so schnell keiner auf.
Nicht starke Mittel, sondern starke Geister ändern die Welt.