NY – Faszination oder Ernüchterung?

NY Regen
Mit Schirm, Charme und Kamera

Flughafen Amsterdam, 08.08.2014:
Der junge Mann mit dem Besen kehrt die Reste vom Boden auf, die er in der Lounge von Mc Donalds findet, wo ich mir einen Frappuccino genehmige. Seine braune Hautfarbe verrät, das er wohl Eltern ausländischer Abstammung hat. Als seine afrikanische Kollegin ihm etwas sagt, schüttelt er auf eine ganz spezielle Art den Kopf. Nur wer schon einmal Indien bereist hat, weiß nun ganz genau wo er seine Wurzeln hat.
In Leipzig am Gate saß hinter mir eine junge Chinesin, die wie zu erwarten war, telefonierte. Laut und ohne sich zu kümmern, das jeder mithören könnte, vorausgesetzt man kann chinesisch. Lustig, wenn man einige Brocken doch versteht, obwohl die Sprache für mich immer noch so fremd klingt. Die anderen Fluggäste murmeln sich leise Gespräche zu, nur die Kinder toben unbeschwert durch die fast leeren Gänge. Ich erinnere mich an die vielen chaotischen und übervollen Abflughallen der unzähligen Flughäfen in den letzten drei Jahren. Peking, Shanghai, Hanhoi, Delhi, Bangalore, …
Das Reisefieber hat mich also wieder gepackt, kaum das 4 Wochen in Deutschland die Koffer ausgepackt waren nach dem turbulenten China. Mit der ganzen Erfahrung aus drei Jahren in Asien und auf dem indischen Kontinent, bin ich sehr gespannt, was mich in New York erwartet. Schon lange hatte ich diese Reise geplant, der Wunsch zum nächsten runden Geburtstag dort zu sein erfüllte sich dann sogar noch etwas vor dem eigentlichen Termin. Faszination oder Enttäuschung? Viele Millionenstädte haben sich in meine Erinnerungen eingebrannt, als ich die Stadt das letzte Mal bereiste standen die Türme des World Trade Centers noch. Wie wird sich die Metropole verändert haben, welche Menschen werden meinen Weg kreuzen und vor allem wie sieht die Stadt durch mein „gereiftes“ Kameraauge aus?
Vielleicht schaffe ich es meine Gefühle und Gedanken zu fokussieren und den besonderen Blick zu entwickeln für die vielen kleinen Abenteuer, die diese Stadt sicher zu erzählen hat. Reisen ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens und ich bin gespannt.

NY
Chinesen und Hot Dog Buden an jeder Ecke
NY Streets
Eine lebendige Stadt auf allen Wegen
Thanks
„What a beautiful woman you are“ made my day!
Streets
Ich liebe einfach diese Schluchten

Als Straßenfotograf ist New York eine Goldgrube und man kann einfach nicht mehr stoppen Motive zu sammeln. Ab und zu musste ich die Kamera ruhen lassen, um das New York Gefühl einwirken zu lassen bei einem Bagel und Kaffee. Nach einer Woche waren nicht nur die Füße erschöpft, Augen und Kopf waren sicher ebenfalls dankbar, das es eine Pause gab.

Flughafen New York, 16.08.2014:
Die Tage sind verflogen, der Kopf voll mit Eindrücken, die Kamera voll mit Fotos. Gerüche in der Nase von zuckersüß bis fettig-salzhaltig. Wie in einem der unzähligen Filme, die in der City spielen fühlte ich mich oft und konnte wieder einmal intensiv spüren was die Faszination ausmacht, in dieser Metropole zu leben. Am Ende bin ich mir nicht 100% sicher, ob es mein Platz wäre. Für immer hier zu leben auf keinen Fall, da würde ich wohl ab und zu die ruhigen Momente vermissen, die es sehr selten gibt in dieser hektischen Stadt. Der Schmelztigel so vieler Kulturen zeigt mir zwar, das friedliche Coexistenz möglich ist, er löst aber auch irgendwie Spannungen aus. Zwischen Indern, Chinesen, Arabern, Afrikanern, Europäern, Amerikanern und den tausenden Touristen wirkte das Leben der New Yorker angespannt, hektisch und sehr modern. Gerade die junge Generation versuchte ständig cool und hipp zu sein. Selbst am Wochenende in den vielen Ruhezonen der Stadt wurde telefoniert, getippt, gejoggt, mit dem Personal Trainer geboxt oder der Hund Gassi getragen werden. Alles mit den neusten Geräten und trendigsten Klamotten. Die New Yorker Coolness mag viele beeindrucken, mich erschreckte sie eher. Zu selten kommt man ins Gespräch und selbst der „Taubenflüsterer“ im Washington Square Park erwartet dann nach einem lehrkundigen Gespräch über sein Hobby der Taubendressur noch ein Trinkgeld. Vielleicht ist es aber auch einfach nur sauteuer in dieser Stadt und jeder versucht sein Geschäft zu machen. Die eine Woche hat wahrscheinlich auch nicht ausgereicht, das wahre Leben in „Der Großstadt“ im Osten der USA zu beurteilen. Wir haben zum Beispiel auch einen sehr charmanten Gastgeber für unser Apartment kennengelernt, der mit Tips und Zuvorkommenheit nicht so typisch „New York“ rüberkam.
Man kann in dieser Stadt ganz unproblematisch ein völlig anonymes Leben führen, ob man das möchte muss jeder selbst entscheiden. Der Puls schlägt schneller dort, den Takt bestimmen Job, Termine, das liebe Geld und der Freizeitstress. Tausende Möglichkeiten liegen einem zu Füßen und nicht nur in kulinarischer Hinsicht hat man tagtäglich die Qual der Wahl. Ein Konsumverzicht wird auch hier zur echten Herausforderung und ich denke viele rennen dem Leben zwischen den vielen Wolkenkratzern irgendwie hinterher.
Nichtsdestotrotz bleibt es meine Lieblingsstadt, auch in fotografischer Hinsicht und es wird sicher nicht mein letzter Besuch dort sein. Die Große Tochter hat schon angemeldet, ebenfalls einmal New York sehen zu wollen. Und irgendwie muss man dort wenigstens einmal im Leben gewesen sein. Zum 45. wollen wir dann allerdings das Burning Man Festival besuchen, schließlich ist das ebenso eine Veranstaltung, die im Leben nicht fehlen sollte. Hier man ein kleiner Vorgeschmack:

Video of the Week – Burning Man 2014

Bruecke
Sunset on Brooklyn Bridge

Wieder zurück und wieder weg

Nachdem ich von vielen Seiten bereits angesprochen wurde, wann und ob ich überhaupt noch Beiträge hier schreibe: JA!!
Es gibt eigentlich auch keine richtige Entschuldigung für das lange Warten (Danke an alle die ausharren) außer: Umzug ins neue Haus, Urlaub, 140 Kisten shipment auspacken, Schulanfang inkl. Feier, Bürostart, Fotokurse anschieben, … es war nicht ganz so einfach in den letzten Monaten und trotz gottseidank sauschnellem Internet blieb einfach keine Zeit, Kraft und Muse für einen Update hier. Dafür aber jetzt und ich hoffe wieder regelmäßiger.

Zurück in Deutschland stürzten am Anfang alle bekannten Dinge auf uns ein, die ein Umzug mit sich bringt. Das Haus sollte eingerichtet werden mit unseren eingelagerten Sachen, die Kinder in der Schule angemeldet und sämtliche Behörden-, Versicherungs- und andere bürokratischen Dinge erledigt werden. 10 Wochen Ferien erschienen wie eine Ewigkeit und sind dann doch ziemlich schnell vorüber gegangen. Das Haus ist in einem annehmbaren Zustand, einige Kisten müssen noch ausgepackt werden und Bilder an die Wände. Ich sollte über die Eröffnung einer kleinen Privatgallerie nachdenken, die Wände im Haus reichen nicht aus für alle. Es war sicher einfacher als in Indien und China einen Alltag zu organisieren, aber irgendwie auch nicht. Auf der einen Seite genießen wir sämtliche Annehmlichkeiten und die himmliche Ruhe, die saubere Luft und den geordneten Verkehr. Auf der anderen Seite vermissen wir unsere Freunde, die wir zurück lassen mussten. Und ich vermisse auch irgendwie das Chaos der asiatischen Welt. Hier höre ich nichts außer der Kirchturmglocke, wenn ich im Garten sitze ;-) und interessante Fototouren bieten sich momentan nur selten. Da heißt es jetzt kreativ werden und bekannte Orte in einen anderen Fokus zu rücken. Immerhin durften wir im August bereits an einer Chinaparty teilnehmen, die Freunde und ebenfalls Rückkehrer aus China in der Nähe veranstaltet hatten. Und das Reisefieber wird uns wohl nie verlassen.

Boxen
Und das Kistenauspacken beginnt wieder.
Indien
Auch die Möbel aus Indien erreichen endlich ihren Bestimmungsort.
China ruft
Die erste Chinaparty bei Freuden.
Feld
Landliebe genießen
Wilder Kaiser
Bergluft schnuppern
Tirol
Begegnung in freier Wildbahn
Ella
Schulstart für die Jüngste

Zur Reise nach New York gibt es im nächsten Artikel mehr.

Von B nach B oder N zu N

Wer nur Bahnhof versteht, hier die Auflösung des Rätsels:
Von Bangalore nach Beijing und von Namaste zu NiHao. China is calling!

Ein neues Abenteuer liegt vor uns mit allen seinen Facetten: Abschied in Indien, neuer Job, neue Schule, neue Wohnung, neue Sprache, anderes Essen, neue Bekanntschaften, Smog und eiskalte Temperaturen im Winter. Dafür hoffen wir auf saubere Straßen, bessere Einkaufsmöglichkeiten (was die westlichen Produkte angeht), spannende Fotomotive und wieder viele neue Eindrücke. Ein genauer Zeitplan für unsere Umsiedlung steht noch nicht fest, aber wahrscheinlich ist ein Umzug mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres. In Peking gibt es eine deutsche Schule, die wir uns anschauen werden. Die ganze Familie freut sich schon auf das neue Abenteuer, auch wenn es hier sicher viele Tränen geben wird bei unserem Abschied. Aber das ist eben der Preis, den alle Expats zahlen müssen. Die meisten Bekannschaften, liebgewonnene Freunde, Lehrer, Nachbarn usw. bleiben einem nur für 1, 2 oder 3 Jahre, bis man in sein Heimatland zurück oder ins nächste Land weiterzieht. Auch wir haben schon einige fare well partys gefeiert, die nächste wird am Samstag stattfinden. Dann verlassen uns wieder sehr gute Freunde in Richtung Deutschland zurück. Zum Glück ist die Welt dank Internet, E-mails und Skype etwas näher zusammen gerückt und das Kontakthalten einfacher geworden.
Anbei ein paar Schnappschüsse aus unserer neuen Heimat Beijing, die Steffen während einer Dienstreise letztes Jahr gemacht hatte. Mehr Berichte und Fotos dann demnächst hier zu sehen bzw. auf www.ella-thoss.de

Drache
Chinesischer Drache
Hochhaus
Peking bei Nacht
Food
Sieht lecker aus.
Straße
Saubere Straßen dank Müllsammler

Auf ins 2. indische Jahr!

Habe ich es vermisst? Dieses Indien? Nach sechs Wochen zurück aus der westlich zivilisierten Welt ins Chaos, ins indische Leben mit all seinen Facetten. In den Moloch von Bangalore, erdrückt von Verkehrschaos, Baustellen, den vielen Menschen, der Armut und des Reichtums Tür an Tür. Ein Kulturschock war es diesmal nicht mehr, aber fasziniert schaue ich doch wieder aus dem Fenster, wenn ich durch die Straßen fahre. Es ist eben eine andere Welt und die Zeit in Deutschland hat mir die krassen Gegensätze erneut deutlich gemacht. Ein völlig anderes Leben auf beiden Seiten, wo das wahre Leben spielt? Pur ist es auf alle Fälle hier. Die für uns wichtigen Probleme in Deutschland sind hier noch völlig unbekannt oder total unwichtig. Während sich die deutsche Welt Sorgen um den Ausstieg aus der Atomenergie macht oder Streit über die Einführung einer PKW-Maut diskutiert wären hier alle froh, wenn es Strom einfach immer geben würde und der Verkehrsinfarkt irgendwie aufzuhalten wäre. Die Zeit wird wohl auch in Indien dafür sorgen, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist. Momentan steht in vielen Familien aber die Finanzierung des täglichen Lebens und der Schulgebühren an erster Stelle. Mehrere zehntausend Menschen haben Bangalore verlassen und sind in ihre Heimat im Norden Indiens bzw. nach Bangladesh zurückgekehrt. Es wurde Jagd auf diese Minderheit gemacht, der Konflikt kommt alle paar Jahre aufs Neue hervor.

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag in Indien, du gehtst doch gar nicht arbeiten?“ Die wohl meist gestellte Frage in Deutschland. Zur Wiederholung, hier mein gestriger Tagesablauf in Kurzfassung:
06:30 Uhr – Aufstehen, Frühstück für die Familie
07:30 Uhr – Teig für Brötchen und Brot herstellen
(vorher Waage bei der Nachbarin holen, da bei meiner die Batterie leer war)
08:30 Uhr – Ella erwacht und will auch frühstücken, dann gemeinsames Backen
10:15 Uhr – Fahrt zum Supermarkt, Bankautomat, Geschenke- und Fischeladen
11:45 Uhr – Bürokram erledigen
13:00 Uhr – Mittag essen / kurze Pause
14:00 Uhr – Fahrt zur Schule, Lotte abholen
15:00 Uhr – Kinder mit Essen versorgen, Computer (E-mails beantworten)
17:00 Uhr – Freunde kommen vorbei, Bericht über die Erlebnisse bei der FFRO (Registrierung) austauschen
18:30 Uhr – Abendessen vorbereiten
20:00 Uhr – Kinder ins Bett bringen
20:30 Uhr – letzte Dinge am PC klären (Krankenversicherung, Steuererklärung)
Feierabend!

Wir freuen uns auf das zweite Jahr hier mit hoffentlich vielen neuen Erlebnissen und Eindrücken. Es ist nicht das Land unserer Träume und für immer könnten wir hier sicher nicht bleiben, aber die Erfahrungen werden wohl für immer im Gedächtnis bleiben.

Morgen
Das Abschiedsfrühstück in Deutschland.
Food_germany
Deutsche Köstlichkeiten für ein neues Jahr.
Stau
Erster Tag hier und gleich dicker Stau.
Baustelle
Wie die Affen klettern die Bauarbeiter am neuen Flughafenzubringer herum.