Zwei Monate

Hinterhof
Hinterhof
Coole Jungs
Coole Jungs
Verkauf
Verkauf

Genau vor zwei Monaten sind wir hier in Indien angekommen. Ein kurzes Fazit unserer „EinsteigerZeit“: es ist anders hier, wir erleben viele Dinge, die zum einen Spaß machen und zum anderen Nerven kosten. Unseren Alltag haben wir eigentlich sehr schnell in den Griff bekommen. Den Kindern gefällt es in der Schule/Kindergarten, wir haben schon viele Freunde kennengelernt. Die Ferne der Heimat lässt die Kontakte schneller entstehen. Mit unserem Fahrer und der Hilfe im Haus haben wir bis jetzt großes Glück gehabt. Hoffen wir die beiden bleiben auf diesem Level. Manchmal fühlt es sich an, als wenn wir hier schon ewig wohnen, dabei sind erst zwei Monate vergangen. Unsere Erwartungen haben sich bestätigt, nichts geht hier schnell, jeder Tag bringt neue Erkenntnisse, es hat sich gelohnt die Mühen auf sich zu nehmen. Wir sind gespannt, was sich in den nächsten Wochen so ergibt. Ab nächsten Dienstag steht der erste längere Ausflug auf dem Programm. Für 1 knappe Woche geht es nach Kerala (Süd-Osten). Dort wollen wir uns die Teeplantagen anschauen, eine Backwater-Tour auf dem Hausboot machen und ein paar Tage das Meer genießen.
Wenn es die Zeit erlaubt gehe ich auf Fotosafari. Hier ein kleiner Vorgeschmack; mehr Fotos im Bereich India auf www.ella-thoss.de

Indisch aussehen …

Am vergangenen Samstag stand das erste große Partyevent auf dem Programm, der OWC hatte zur Indian Night ins Hotel Leela eingeladen. Da wir uns auch Tickets besorgt hatten musste vorab die Kleiderfrage geklärt werden. Formal Indian stand dort geschrieben, was bedeutet: Damen im Sari und Herren in einer langen Kurta mit passender Hose, Schuhen und Schal.
Eine Woche vorher war ich zusammen mit einer Freundin zum Sari-Kauf in der Commercial Street verabredet. Bangalore´s größter Einkaufsmeile. Im Mysore Sari Shop wurden wir dann auch fündig. Allein der Einkauf war ein Event, der Laden bietet auf zwei Etagen Saris und indische Kleider in allen Farben und Preisklassen an. Nach einigen Anproben entschied ich mich dann für ein klassisches Modell mit kleinen goldenen Glitzersteinen. Der Sari ist ein ca. 8 m langes dünnes Tuch, welches um den Körper gewickelt und über die Schulter drapiert wird.

Eine einfache Variante kann man sich hier anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=Z1XbPDqF0GQ&noredirect=1

Für festliche Anlässe wird der Sari natürlich etwas aufwändiger drapiert und mit Nadeln festgesteckt. Eigentlich ist das verboten, denn die indische Religion verbietet, dass der Saristoff durchstochen wird. Aber ich habe schon viele Inderinnen gesehen, die ebenfalls kleine Nadeln benutzen. Ist auch praktischer, besonders im Alltag. Nachdem Sarikauf muss dieser zum Schneider gebracht werden. Dort wird das passende Oberteil aus dem Stoff genäht und man bestellt sich einen Pettikot (Unterrock), an dem der Sari festgemacht wird. Ich hatte mich für ein zusätzliches Oberteil entschieden, das aufwendig mit kleinen Perlen und Edelsteinen verziert war. Zu guter Letzt brachte ich noch passende Schuhe und Armbänder. Für die Handtasche blieb keine Zeit mehr :-)

Auch Steffen staffierte sich entsprechend aus und ist nun Besitzer einer Kurta und lustiger „Sandmannschuhe“. Zum Ankleiden bekamen wir Hilfe von Karla, die meinen Sari perfekt wickelte und feststeckte. Er hielt den ganzen Abend inklusive 2 h Autofahrt und Besuch der Toilette. Und eigentlich fühlt es sich richtig schön an, einen Sari zu tragen. Sehr luftig und für die tropischen Temperaturen genau das richtige Outfit. Vielleicht sollte ich mir später einen weiteren Sari zulegen.

Hier einige Fotos meiner Vorbereitungen auf dem indischen Abend:

Sari_2
Sari_2
Sari_1
Sari_1
Sari_3
Sari_3
Sari_4
Sari_4
Sari_5
Sari_5

Unsere erste Puja

Wikipedia: Puja bedeutet in etwa „Verehrung“ oder „Ehrerweisung“. Die Puja gehört – als ein im Idealfall täglich praktiziertes Ritual – im Hinduismus und Buddhismus zu den wichtigsten Bestandteilen des religiösen Alltags. Die gläubigen Hindus halten mehrmals Pujas in ihren Häusern ab, dort werden an einem kleinen Altar, der in jedem Haus steht und auch in vielen Geschäften, Gebete gesprochen, Opfer für die Götter erbracht, Räucherstäbchen abgebrannt. Auch in den Tempeln kann man Pujas erhalten von den Priestern. Überall gibt es die Dinge zu kaufen, die für eine Puja benötigt werden.
Der Oktober ist hier in Indien für die Hindus ein besonderer Monat. Dann gibt es sehr viele religiöse Feiertage und Feste. Zum Beispiel Dasara und am Ende des Monats Diwali (Lichterfest). Eine wichtige Tradition ist das Abhalten der Puja für Fahrzeuge und Haus, was einmal im Jahr gemacht wird. Die Fahrzeuge erhalten die Segnung, damit im nächsten Jahr keine Unfälle passieren und das Haus immer voller Glück ist. Viele Hindus gehen dafür zu einem Priester, einige machen die Puja auch selbst. Unser Fahrer ist zwar Moslem und Sonia eine Christin, aber als Inder glauben sie trotzdem an die Kraft der Puja. Also organisierte unser Fahrer für gestern unsere erste Puja.
Hier im Wohngebiet konnten die Kinder am Morgen bereits bei den Nachbarn zuschauen und schwups veranstalte Charlotte ihre eigene Puja. Sie verstreute Blumen um ihr Fahrrad, räucherte es mit Rauch ein, legte Obst auf den Teller davor und verteilte an die Zuschauer danach Schokolade. Sonia und ich haben uns sehr amüsiert.

Fahrrad-Puja
Fahrrad-Puja

Gegen 11 Uhr erreichte unser Fahrer das Haus und brachte alle Dinge mit, die wir für die Puja brauchen würden. Obst, Farben, Räucherstäbchen, einen Kürbis, Zitronen, Kokosnuss, Schnur, Blumen. Als erstes wurde das Fahrzeug gereinigt. Dann wurden in unserem Garten zwei Bananenblätter abgeschnitten und am Kühler des Autos angebunden. Die Blumen verzierten das Auto und die Eingangstür.

Einkäufe
Einkäufe
Autowaschen
Autowaschen

Anschließend wurde eine weiße Farbpaste angerührt und alle wichtigen Teile des Auto mit drei Fingern voll Farbe verziert. Rote und Gelbe Farbtupfer folgten danach, auch die Fensterscheiben wurden besprenkelt.

Dekoration
Dekoration
Farbe
Farbe
Fahrzeuge
Fahrzeuge

Auch die Fahrzeuge der Kinder wurden verschmückt und erhielten den Farbanstrich. Inzwischen gesellten sich ein paar Freunde aus der Nachbarschaft zu uns, um dem Ereignis beizuwohnen. Die Kinder waren alle aufgeregt.

Geschenkegaben
Geschenkegaben

Als nächstes wurden die Gaben vor dem Fahrzeug bereitgestellt. An die vier Räder des Autos werden kleine Zitronen gelegt. Früchte und Süßigkeiten, eine Kokosnuss und ein Kürbis liegen nun vor dem Auto. Der Kürbis wird etwas eingeschnitten und ein kleines Loch darin wird mit Farbe und Geldmünzen gefüllt. Auf den Kürbis kommen brennbare Tabletten. Imteaz entzündete dann die Räucherstäbchen und hüllte den Fahrzeuginnenraum mit Rauch ein, ging einmal um die Fahrzeuge und sprach dabei ein Gebet. Danach werden die Zitronen überfahren, als Symbol, dass der Fahrer nächstes Jahr keine Personen im Straßenverkehr umfährt. Vier Leben sind damit also gerettet :-).

Kürbis
Kürbis

Die Kokosnuss wird ebenfalls entzündet und nach einem kurzen Gebet auf der Straße zerschlagen. Mit dem Kokoswasser wird das Auto besprenkelt und gesegnet. Als nächstes geht es dem Kürbis an den Kragen. Auch er wird unter lauten Gelächter vor dem Auto auf die Straße geworfen. Die Kinder müssen schnell sein, um ein Geldstück zu erhaschen. Das bring dann Glück und muss gespart werden.
Damit ist die Puja eigentlich beendet. Alle Anwesenden erhalten Süßigkeiten und es ist sehr unhöflich nichts davon zu essen. Auch einige Puffreiskörner werden verteilt. Ein richtiger Priester macht so eine Puja natürlich noch viel ausführlicher und spricht mehr Gebete. Aber ich hoffe unsere Puja bringt uns für das nächste Jahr Glück im Haus und Sicherheit im Straßenverkehr. Hier in Bangalore können wir das gut gebrachen. Eine tolle Erfahrung war das Ganze auf jeden Fall.
Auf unserem Weg durch die Stadt sind uns an diesem Tag viele geschmückte Fahrzeuge entgegen gekommen. Auch Polizeistationen, Blitzgeräte, Geschäfte, Banken waren geschmückt. Überall wurden Pujas abgehalten und viele Geschäfte, Behörden und Fabriken blieben an diesem Tag geschlossen.

Hilfsprojekt

Am Dienstag folgte ich der Einladung einer Schweizerin, die schon etwas länger in Bangalore als Expat wohnt, um eine Schule für sehr arme Kinder zu besichtigen. Die MEG School wurde aus Spendengeldern finanziert und bietet ca. 350 Kindern die Möglichkeit vom Kindergarten bis zur 10. Klasse eine Schulausbildung zu bekommen. Neben der Ausblidung erhalten die Kinder dort zwei Mahlzeiten am Tag, was der Hauptgrund dafür ist, dass ihre Eltern die Kinder überhaupt zur Schule schicken. Zusätzlich wird dort die medizinische Versorgung der Kinder gewährleistet, es ist jeden Tag ein Arzt vor Ort.

Die Schule liegt in einem Stadtteil von Bangalore, genannt Fraser Town. Die Umgebung ist geprägt von Wohnhäusern, die von der Regierung errichtet wurden und Wellblechhütten. Es liegt sehr viel Müll in den Straßen. Zur Wasserversorgung der Menschen dort dient ein Brunnen, der nur sehr unsauberes Wasser zur Verfügung stellt. Die Kinder kommen aus sehr armen Verhältnissen und erleben zu Hause oft die Hölle auf Erden. Neben Hunger und Enge stehen dort Misshandlungen und sexuelle Übergriffe, Alkohol und Drogen auf der Tagesordnung.

In der Schule wird neben dem normalen Unterricht auch ein Kunst-/Handwerksprojekt angeboten. Einmal pro Woche erhält jede Klasse die Möglichkeit sich kreativ zu betätigen, sei es nun mit Malen, Basteln, Handarbeit oder Musik. Dieses Projekt wird ausschließlich durch freiwillige Helfer organisiert, die dort unentgeltlich eine oder zwei Klassen betreuen. Die Kinder sind sehr dankbar für dieses Angebot, denn zu Hause gibt es keine Möglichkeit für solche Beschäftigungen. Um das Projekt am Leben zu erhalten werden immer wieder neue Helfer gesucht. Über den OWC (mehr dazu in einem nächsten Artikel) wurde ich angesprochen und werde ab November einmal in der Woche in dieser Schule aushelfen. Ich bin sehr gespannt, was mich dann dort erwartet und welche Erlebnisse ich mit nach Hause nehme. Ich finde, dass alle Kinder eine Chance verdient haben, auch wenn sie nicht auf der „Sonnenseite“ unserer Welt geboren wurden. Und wenn es nur einer von den Schülern dort schafft, einen guten Job zu finden, hat sich die Mühe gelohnt.

MEG School
MEG School
Slum
Slum
Klasse
Klasse
Kindergarten
Kindergarten
Wohnviertel
Wohnviertel