{"id":5333,"date":"2019-07-20T15:44:00","date_gmt":"2019-07-20T09:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/lebenrolle.de\/?page_id=5333"},"modified":"2019-09-25T00:48:07","modified_gmt":"2019-09-24T18:48:07","slug":"ost-projekt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/lebenrolle.de\/?page_id=5333","title":{"rendered":"Ostfrauen"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Wenn wir geblieben w\u00e4ren &#8211; Nr. 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Julia durfte ich am 22. Mai 2019 interviewen. Sie lebt seit dem Jahr 2000 in Baden-W\u00fcrttemberg und stammt urspr\u00fcnglich aus Halle an der Saale. Verheiratet ist sie mit einem Italiener und hat zwei Kinder.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"843\" src=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Julia.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5178\" srcset=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Julia.jpg 718w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Julia-256x300.jpg 256w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Julia-341x400.jpg 341w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>S: Julia, du wei\u00dft ja worum es geht. Hast du mein erstes Interview schon gelesen? <\/p>\n\n\n\n<p>J: Ja. Am interessantesten fand ich die Stelle, als es darum geht, dass die Ostdeutschen oft mit Ausl\u00e4ndern oder Ostdeutschen verheiratet sind. Das ist so typisch bei uns dann. Und dann habe ich \u00fcberlegt, wen ich noch kenne. Caro ist auch mit einem Ostdeutschen verheiratet. Ich habe aber auch zwei Freundinnen, die mit einem &#8222;Wessi&#8220; verheiratet sind. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ausnahmen gibt es nat\u00fcrlich immer. Du bist gerade ganz frisch aus dem Osten zur\u00fcck (a.d.R. Familienfeier bei Berlin). Wie war f\u00fcr dich dort zu sein? <\/p>\n\n\n\n<p>J: Wir sind dieses Mal die A9 hochgefahren, was wir sonst nicht machen. Sonst fahren wir immer \u00fcber W\u00fcrzburg. Wenn ich dann dort \u00fcber die ehemalige Grenze fahren, zwischen den beiden Rasth\u00f6fen auf der A9 dann freue ich mich schon zur\u00fcckzukommen. Was ich diesmal sch\u00f6n fand, vor den Toren Berlins, diese vielen Seen dort. Auch bei mir zu Hause gibt es so viele Seen, das vermisse ich hier. Mir fehlt hier total das Wasser. Der Bodensee ist zu weit weg. Es war sch\u00f6n, die Menschen waren sehr offen, das empfinde ich hier in der Region nicht so. Hier sind sie eher verschlossen. Ich habe mich wohlgef\u00fchlt. <\/p>\n\n\n\n<p>S: F\u00fchlst du dich in der alten Heimat wohler als hier? Komische Frage, ich wei\u00df. Oder anderes gefragt, w\u00fcrdest du dich dort jetzt wieder wohler f\u00fchlen? <\/p>\n\n\n\n<p>J: Dar\u00fcber habe ich nie nachgedacht, weil das f\u00fcr uns nie zur Debatte stand. Ich glaube aber, dass ich mit den Menschen dort besser klarkomme. Wahrscheinlich, weil sie dem entsprechen, wie ich aufgewachsen bin, wie ich selbst bin. Ich bin offen und gehe auf Menschen zu. Ob ich mich wohler f\u00fchle? Ich bin damals aus Halle weggegangen, weil es f\u00fcr mich ein Kaff war. Muss ich ganz klar sagen. Ob ich dort einen Job bekommen h\u00e4tte, denke ich nicht, ich w\u00e4re wahrscheinlich sowieso weggegangen. Ich wollte nach Berlin und im Osten bleiben. Das Schicksal hat mich dann hierher in den S\u00fcdwesten verschlagen. Aber ich habe auch gedacht, ich bleibe nicht lange. Ich wollte immer wieder zur\u00fcck. Dann kam mein Mann und wir sind hier geblieben. <\/p>\n\n\n\n<p>S. Wann bist du hier hergezogen?<\/p>\n\n\n\n<p>J: 2000. Da hatte ich meine Ausbildung in Halle abgeschlossen und wurde dort nicht \u00fcbernommen. Dann hat man mir angeboten, nach Stuttgart in die Hauptverwaltung zu gehen, um zu schauen, ob ich dort eine Job bekomme. Und dort wurde ich sofort genommen. Und so bin ich innerhalb von zwei Monaten umgezogen. Da war ich noch allein hier. Ich bin mit meinem damaligen Freund umgezogen, wir sind aber kurze Zeit sp\u00e4ter getrennte Wege gegangen. Ich wollte aus Halle weg, in eine Gro\u00dfstadt. Wo das dann war, war mir zum damaligen Zeitpunkt eigentlich egal. <\/p>\n\n\n\n<p>S. Sicher bist du mit einer anderen Erwartung hier her gekommen, endlich im Westen oder?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Das habe ich nicht gedacht, mir war nur wichtig, dass es eine Gro\u00dfstadt ist. Das Stuttgart quasi ein Dorf ist, habe ich erst mitbekommen, als ich dann hier war. Das die Schwaben wirklich schwierig sein k\u00f6nnen, und in Teilen sind, da denke ich mir heute immer noch, ob ich das f\u00fcr immer m\u00f6chte? Glaube ich eher nicht. Die ersten vier Jahre habe ich in Stuttgart gewohnt. Danach bin ich in Richtung B\u00f6blingen gezogen mit meinem Mann zusammen. Wir hatten dort eine Wohnung gekauft und damals dachte ich bereits, um Gotteswillen sind die schwierig hier. Ich kann das gar nicht beschreiben. Einfach nicht so offen, wie wir, wie ich das eben kenne. Ich habe auch wenige Freunde gehabt und die, mit denen ich mich am besten verstanden habe, kamen alle aus dem Osten oder aus dem Ausland. Tats\u00e4chlich. Und ob ich zur\u00fcckgehen wollen w\u00fcrde, heutzutage, wei\u00df ich gar nicht. Inzwischen bin ich auch kein richtiger &#8222;Ossi&#8220; mehr. Ich bin irgendwo dazwischen. Ich bin dort nicht mehr zu Hause, aber hier f\u00fchle ich mich auch nicht richtig zu Hause. Das finde ich so schwierig. Mein Mann als Italiener hat das gleiche Problem. Er ist in Italien der Deutsche und hier der Italiener. Und ich bin eben hier der Ossi und dr\u00fcben bin ich schon der Wessi. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Am Anfang, als du hier ankamst, wurdest du da auch als &#8222;Ossi&#8220; wahrgenommen? Wurden da Unterschiede gemacht? Sind dir damals Ignoranz oder Ablehnung begegnet? Wurde dir nichts zugetraut? Oder war das keine Diskussion?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Das war nie eine Diskussion. Meine Chefin kam selber aus dem Osten und ich glaube sie hat mich ganz bewusst eingestellt, eben weil ich aus dem Osten komme. Insofern war das kein Thema und die Leute, die ich um mich hatte, waren auch fast alle aus dem Osten. Der Kontakt zu den Einheimischen (Schwaben) war nicht so eng. Man hat sich nicht miteinander unterhalten, ein kurzes &#8222;Hallo&#8220; in der B\u00fcrok\u00fcche. Mit den Ostdeutschen bin ich dann eher ins Gespr\u00e4ch gekommen, vielleicht auch weil wir eben diese Gemeinsamkeit hatten. Du kamst aus einem anderen Land, das hat es dann einfacher gemacht. Ich glaube ein Kumpel von meinem Mann, hat einmal etwas Negatives \u00fcber die Ostdeutschen gesagt. Dass ich ein Ossi bin, daran erinnere ich mich dunkel.<\/p>\n\n\n\n<p>S. Hast du Heimweh gehabt?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Am Anfang hatte ich gro\u00dfes Heimweh. Bin jedes Wochenende nach Hause gefahren. Immer die A 9 hoch, ich stand immer im Stau. Genau wie alle anderen. Freitags und sonntags, es war die H\u00f6lle. Heimweh hatte ich weniger nach meinen Eltern, eher nach meinen Freunden. Nach dem Leben, welches ich in Halle hatte. Am Anfang wohnte ich in Stuttgart in einem katholischen M\u00e4dchenwohnheim (f\u00fcr zwei Wochen) mit Dusche auf dem Gang, und ich habe mich dort so unwohl gef\u00fchlt. Ich fand es so furchtbar da. Stuttgart habe ich dann auch nicht kennengelernt wie zum Beispiel Berlin im Urlaubsmodus, ich musste mich dann erstmal zu Recht finden. Das fand ich extrem schwierig. Ich bin mit Stuttgart die ersten Jahre nicht warm geworden. Obwohl ich dort gewohnt habe und alles hatte, dachte ich nur, du musst hier wieder weg. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ich denke das ist ein typisches Problem, f\u00fcr Leute wie uns, die dort nicht aufgewachsen sind. Ging mir ja genauso. Ich habe auch sehr lange gebraucht, bis ich sagen konnte, Stuttgart ist auf seine Art sch\u00f6n und sehenswert. Wir sind trotzdem selten dort, immer noch. Ich bin gef\u00fchlt \u00f6fters in Leipzig als in Stuttgart. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Inzwischen sind wir jetzt \u00f6fters in Stuttgart. Weil wir dort so sch\u00f6ne Orte entdeckt haben, das wir uns sogar wieder vorstellen k\u00f6nnten, dort zu leben. Nicht direkt in der City, aber Randlage am Kessel. Aber am Anfang habe ich Stuttgart gar nicht gemocht. Es war dreckig und laut, die Leute waren unfreundlich. Ich erinnere mich an eine Situation am Hauptbahnhof. An den Rolltreppen nach oben stand immer &#8222;recht stehen und links gehen&#8220;. Das habe ich nicht gesehen und stand dann links. Da wurde ich rabiat zur Seite geschupst. Ein halbes Jahr bin ich gependelt, jedes Wochenende nach Halle. Dann habe ich zwei, drei Freunde in Stuttgart gefunden und dann wurde es besser.  Dann habe ich mich nicht mehr ganz so einsam gef\u00fchlt. Und nach einem Jahr hatte ich dann zwei Kollegen, mit denen ich viel unterwegs war. Das war der Zeitpunkt, wo ich hier &#8222;angekommen&#8220; bin. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Sind von deinen Bekannten aus Halle welche in den Westen gegangen? <\/p>\n\n\n\n<p>J: Eine Kollegin, die mit mir gelernt hatte, ist auch mit nach Stuttgart gekommen. Und meine Tante ist nach Hamburg gegangen, die lebt dort seit Jahren und will gar nicht mehr zur\u00fcck. Sie ist dort total gl\u00fccklich. Sonst sind alle im Osten geblieben. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Es war schon eine gigantische Abwanderungswelle. Und als ich neulich nach Jahren mal wieder in Halle war, sah ich schon, wie viele dort fehlen.  <\/p>\n\n\n\n<p>J: Allein Halle-Neustadt war eine eigene Stadt mit \u00fcber 100.000 Menschen. Damals extra f\u00fcr die Chemiewerke gebaut. Jetzt sind mehr als die H\u00e4lfte dort weg, viele Wohnungen wurden schon abgerissen. Meine Schule steht nicht mehr. Mein Wohnblock wird demn\u00e4chst platt gemacht, wenn die letzte Bewohnerin dort (eine \u00fcber 90j\u00e4hrige Frau) ausgezogen ist. Einerseits sch\u00f6n, die Neustadt wird wieder offener, andererseits sehr traurig, weil so viele Menschen dort weggegangen sind. Aus meiner Abiturklasse ist bestimmt die H\u00e4lfte weggezogen und auch nicht zur\u00fcckgekommen. Wenn du dir einmal woanders ein Leben aufgebaut hat, wird es schwierig wieder zur\u00fcck zu gehen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Kennst du jemanden, der es gewagt hat?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Ja. Katie, die ehemalige Kollegin ist mit ihrem Freund\/Mann nach Neubrandenburg gezogen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wann sind die zur\u00fcck gegangen?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Das ist bestimmt schon 5 oder 6 Jahre her. Sie leben und arbeiten jetzt dort. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hast du mal mit ihr dar\u00fcber gesprochen, warum sie zur\u00fcck gegangen sind?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Ich glaube das hatte viel mit der Familie zu tun. \u00dcber die genauen Gr\u00fcnde k\u00f6nnte ich nur spekulieren. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wenn die Familie krank wird. Viele Eltern sind ja auch den Kindern hier her nachgefolgt, um die Enkel n\u00e4her bei sich zu haben. Dann m\u00fcssen die Kinder nicht mehr so oft in die alte Heimat fahren. Das ist f\u00fcr alle Ostdeutschen im Westen ein Problem, wenn die Familie auseinander gerissen ist. Wenn dann keiner da ist, der sich k\u00fcmmert im Ernstfall.<\/p>\n\n\n\n<p>J: Das wird f\u00fcr mich auch ein Problem. Momentan bin ich froh, dass meine Eltern noch so gesund sind, aber ich denke schon dar\u00fcber nach, was wird, wenn das nicht mehr so ist. Wir k\u00f6nnten nicht hinziehen, schon wegen der Jobs hier nicht. F\u00fcr die Kinder w\u00e4re es eine riesige Umstellung. Ob sie hier herkommen w\u00fcrden, mag ich bezweifeln. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Das wird die n\u00e4chste Aufgabe sein unserer Generation von Ostdeutschen im Westen. Das betrifft viele von uns. Wir hatten zwar das Gl\u00fcck, dass unsere Eltern relativ jung waren, als sie uns geboren haben. Meine Kollegen k\u00f6nnen das immer gar nicht glauben, wie jung meine Mama noch ist. Und ich dann erkl\u00e4rt habe, dass es in der DDR nur eine Wohnung gab, wenn man verheiratet war und Kinder erwartete. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Genau. Und Geld vom Staat bekam man dann auch noch f\u00fcr die Geburt der Kinder. Wir hatten damals in Halle eine sch\u00f6ne Altbauwohnung. Mit Kachelofen, meine Mutter hat morgens immer Feuer gemacht. Und ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch war nach Neustadt zu ziehen. Als ich vier Jahre alt war sind wir dann umgezogen, und ich war gar nicht gl\u00fccklich. Ich hatte eine Freundin und wollte nicht umziehen, es war ja quasi eine Weltreise bis nach Neustadt. Und meine Mama war total gl\u00fccklich, dass sie nicht mehr heizen musste. Endlich Zentralheizung. 56qm zu viert, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wie alt warst du, als die Mauer fiel? Hast du das bewusst mitbekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>J: 11 Jahre.  Ich kann mich noch an den Morgen nach dem Mauerfall erinnern. Ich wei\u00df nicht mehr viel; meine Oma ist kurz vorher gestorben. Das war auch gut, dass sie das nicht mehr mitbekommen hat, sie war lange krank. Meine Mama hat mich geweckt und hat gesagt: &#8222;Du, wir k\u00f6nnen in den Westen!&#8220; Und da habe ich sie angekuckt und gedacht: Was soll ich denn da? Da habe ich ja gar keine Freunde. Ich kannte den Westen ja nur aus dem Intershop, wenn wir mal eine Westmark bekommen hatten. Mein Papa war Taxifahrer und hat ab und zu mal Westgeld oder Forumschecks bekommen. Und dann durften wir uns dort etwas aussuchen. Ich habe heute noch den Geruch dieses Ladens in der Nase, wie die Waschmittel-Abteilung im Edeka heute. Nach Fa-Seife.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Mir geht es immer in Tankstellen-Shops so. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Und dann dieses Gef\u00fchl, sich dort etwas kaufen zu d\u00fcrfen. Das werde ich wohl nie vergessen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wann warst du dann das erste Mal &#8222;dr\u00fcben&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Kurz danach sind wir nach G\u00f6ttingen gefahren. Haben dort unser Begr\u00fc\u00dfungsgeld abgeholt. Alle vier! Das wurde dann damals im Ausweis vermerkt. Ich wei\u00df noch, dass ich dann bei McDonalds war. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Habt ihr dort jemanden gekannt in G\u00f6ttingen?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Nein, wir sind morgens hin- und abends wieder zur\u00fcck. Einfach mal zum Gucken, wie es da so ist. Kurze Zeit sp\u00e4ter sind wir dann nochmal nach Hof gefahren, weil es in Bayern noch 40,- Mark extra gab (meine ich). Da habe ich mir eine Uhr von gekauft. Ich war irgendwie total \u00fcberfordert, weil es so viele Sachen zu kaufen gab. Diese vielen Schokoladen, f\u00fcr mich als Kind war das einfach unvorstellbar. In der Kaufhalle im Osten war das Angebot doch begrenzt. Das hat mich echt erschlagen. Und ich glaube, dass nach der Wende viele mehr gekauft haben, als ihnen gut tat. Weil es eben nicht alles gab und dann waren viele im Kaufrausch. Ich denke das machen heute immer noch zu viele Leute. Fr\u00fcher war mehr Tauschhandel unter den Ostdeutschen. Vitamin B war ebenfalls gut, wenn man etwas brauchte. Meine Mutter hat bei der Post gearbeitet und mein Vater beim Waggonbau. Wir hatten eigentlich alles. Ich kann mich nicht bewusst erinnern, dass es uns an etwas gefehlt hat damals. Als Kind habe ich das auch nicht mitbekommen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Haben deine Eltern ihre Arbeit nach der Wende behalten?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Meine Mutter ja, bis zur Rente hat sie gearbeitet, die Post ist in die Telekom \u00fcbergangen. Mein Vater hat gek\u00fcndigt. Es gab eine gro\u00dfe Abfindungswelle und da ist er gegangen, weil es sich ein Taxiunternehmen aufbauen wollte. Das hat er dann in einem Jahr geschafft und ist bis heute in der Selbstst\u00e4ndigkeit geblieben. Der gro\u00dfe Einbruch mit Verlust der Arbeit kam bei uns nicht. 2003 sind sie dann aus Halle Neustadt weggezogen, an den Rand von Halle. Sie leben dort heute noch und sind zufrieden.   <\/p>\n\n\n\n<p>S: F\u00fcr deine Eltern gab es also keinen Grund wegzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Nein. F\u00fcr sie war es schwer, dass ich nach meinem Bruder auch gegangen bin. Und dann auch so weit weg, dass man nicht schnell auf Besuch kommen kann. Meine Eltern wollten Halle nie verlassen. Bis heute nicht. Wenn ich meine Mama frage, was sie gerne noch einmal sehen m\u00f6chte in Deutschland, dann sagt sie: Harz, Potsdam und Dresden. \u00dcber den Westen hat sie sich keine Gedanken gemacht. F\u00fcr mich war diese Reisefreiheit das gr\u00f6\u00dfte Geschenk gewesen. Als typisches DDR Kind war ich an der Ostsee, in Tschechien oder in Polen zum Ferienlager. Aber selbst als wir dann reisen durften, sind meine Eltern sehr wenig gereist. Ich war einmal mit meiner Mama in Paris zu meinem 16. Geburtstag und das war es. 2003 war ich dann mit meinem Mann das erste Mal in Italien. Das war ein Gef\u00fchl, als ob ein Tor aufgesto\u00dfen wurde. Von da an war Reisen f\u00fcr mich oberste Priorit\u00e4t. Wir waren mit den Kinder vor ein paar Jahren in Berlin und standen dort, wo die Mauer damals stand und haben versucht ihnen begreiflich zu machen, dass wir uns nie kennengelernt h\u00e4tten, wenn die Mauer nicht gefallen w\u00e4re. Das haben die nicht verstanden. Ich glaube sie waren noch zu jung, um das zu begreifen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Meine Kinder fragen mich auch immer, warum ich das so emotional finde, wenn im Fernsehen die Bilder vom Mauerfall gezeigt werden oder von den Einheitsfeiern. Ich glaube das ist immer ein Generationen-Problem, wir k\u00f6nnen uns auch nicht in die Kriegszeiten unserer Gro\u00dfeltern versetzen. Wahrscheinlich werden wir dann unseren Enkeln erz\u00e4hlen, wir haben damals in der DDR gewohnt, einem Land, das es heute nicht mehr gibt. Und sie werden staunen, \u00fcber Kohle in die Wohnung schleppen und Kittelsch\u00fcrzen im Kindergarten. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Meine Omas hatten immer Kittelsch\u00fcrzen an, beide Omas. Immer! <\/p>\n\n\n\n<p>S: Deine Jugend hast du dann noch im Osten verbracht. Und der Osten ist ja weiterhin gepr\u00e4gt von seiner DDR Vergangenheit. Beeinflusst dich deine ostdeutsche Vergangenheit heute noch, zum Beispiel bei der Erziehung deiner Kinder?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Definitiv. Wobei ich sagen muss, dass ich da offener geworden bin. Aber viele Sachen, die ich von meinen Eltern beigebracht bekommen habe, finde ich heute noch extrem wichtig. Sei es, dass man zum Bespiel mit geschlossenem Mund kaut und uns das wirklich auch damals im Kindergarten vermittelt wurde, was ich heute gar nicht mehr sehe. Ich hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck bei meiner Tochter eine Erzieherin gehabt zu haben, die darauf auch Wert legt. Ich wei\u00df nicht, ob das ein &#8222;ostdeutsches&#8220; Ding ist, aber viele Kinder machen das nicht. Auch die W\u00f6rter &#8222;Bitte&#8220; und &#8222;Danke&#8220; scheinen aus der Mode gekommen zu sein. \u00c4rgerlich ist auch, dieses r\u00fcde Durchdr\u00e4ngeln mit der Ansage &#8222;Vorsicht&#8220;. Verabredungen, wie &#8222;Wollen wir uns treffen und ins Kino gehen?&#8220;. Der Ostdeutsche sagt dann, &#8222;Klar gerne!&#8220; und hier dann eher &#8222;K\u00f6nnen wir machen.&#8220;. Einfach klar sagen, wenn man keine Lust hat, f\u00e4nde ich besser. Die meinen das hier wahrscheinlich nicht so, aber bei mir kommt es so anders an. Mir sagt man auch, dass man meinen Dialekt so gut wie gar nicht mehr h\u00f6rt, wenn ich hier mit jemanden spreche. Komme ich nach Halle oder Berlin, dann falle ich ganz schnell wieder in meinen Dialekt. Meine Kinder sagen dann meisten: Mama jetzt hast du wieder voll den Dialekt. In Halle behaupten sie ich w\u00fcrde schw\u00e4bisch sprechen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Im Osten gab es eben bestimmte Einstellungen. Sachen nicht gleich wegzuwerfen, Bescheidenheit auf eine gewisse Weise, nicht Protzen mit seinem Status. Das verliert man dann eher auch nicht mehr, diese Einstellung oder?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Genau. Ich versuche meistens Dinge die ich brauche selbst herzustellen oder gebraucht zu kaufen. Wenn das nicht geht, kaufe ich erst neu. Ich hebe auch Sachen auf, die nicht mehr sch\u00f6n aussehen. Oder wir verwenden alte T-Shirts, um Haargummis daraus zu machen. Die n\u00e4ht meine Tochter selbst. Ich repariere auch Kleidung. Bei uns gibt es immer Reste-Essen. Ich mag kein Essen wegwerfen. Das haben wir fr\u00fcher auch schon nicht gemacht. Da wurde aus altem Brot eben noch eine Bratschnitte gemacht. Das handhabe ich heute eben auch so, finde ich wichtig. Ich denke, dass diese Einstellung, die gerade wieder popul\u00e4r ist, bei uns schon immer vorhanden war. Kennst du den Witz: Was hat der Handwerker gefragt, wenn du ihn angerufen hast und ihn dringend gebraucht hast? Forum geht&#8217;s denn?<\/p>\n\n\n\n<p>S: Den verstehen aber nur Ossis. &#8211; Du f\u00fchlst dich hier jetzt angekommen oder?<\/p>\n\n\n\n<p>J: Angekommen, mmmhhh? &#8211; Also ich finde die Umgebung sehr sch\u00f6n. Ich habe tolle Freunde hier. Ossis halt. Oder Ausl\u00e4nder. Aber angekommen? Nein. Diese Freundschaften, die ich im Osten hatte, das gibt es hier einfach nicht. Es ist unheimlich schwierig an die Schwaben heranzukommen. Ich wei\u00df nicht, ob das ein regionales Problem ist oder ob es woanders im Westen auch so ist. Meine Freundin ist weggezogen. Die hatte in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd gewohnt, sie m\u00f6chte auch nicht mehr zur\u00fcck. Sie wohnt jetzt in W\u00fcrzburg und sie kommt dort mit den Leuten besser klar. Der typische Schwabe bruddelt eben und lobt auch nicht. Am Anfang dachte ich echt, das ist ein Klischee, aber es ist so! Da wird eben samstags wirklich das Auto gewaschen, die M\u00fclltonne ausgesp\u00fclt, der Gehweg gekehrt. Unseren kehrt manchmal der Nachbar mit, weil wir das nicht machen. Das ist echt schwierig. Die kommen auch nicht einfach mal vorbei. Das gibt es hier nicht. Selbst als ich dann Erwachsen im Osten war, erlebte ich das dort noch anders. Da wird einfach geklingelt, wenn man in der N\u00e4he ist. Und dann war der Besucher immer willkommen, egal wie es zu Hause aussah. Du bist ja nicht wegen der Wohnung gekommen, sondern wegen der Menschen. Und hier ist das schon anders. Es herrscht einfach eine andere Mentalit\u00e4t hier. Angekommen ist das falsche Wort. Ich lebe derzeit hier. W\u00fcrde ich eher sagen. Aber angekommen bin ich nicht. Dazu hadere ich noch mit zu vielen Dingen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1800\" height=\"1276\" src=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-1800x1276.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5547\" srcset=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-1800x1276.jpeg 1800w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-300x213.jpeg 300w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-768x545.jpeg 768w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-940x667.jpeg 940w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Julia_Kind-564x400.jpeg 564w\" sizes=\"auto, (max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><figcaption>Mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg ins Leben. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>S: Dem Gl\u00fcck auf der Spur oder auf der Suche nach dem Gl\u00fcck? Die Frage des Gl\u00fccks kann jeder nur selbst beantworten. Die meisten die ich kenne, sind gl\u00fccklich. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Zufrieden. Dankbar. Gl\u00fccklich bin ich tats\u00e4chlich, wenn ich nicht hier bin.  Wir gehen auch nicht umsonst so viel auf Reisen. Letzten Sonntag haben wir am See Yoga gemacht, Lagerfeuer &#8230; da war eine tiefe Zufriedenheit. Am n\u00e4chsten Morgen im See baden, das war so sch\u00f6n, da m\u00f6chte ich mehr davon. Und dann sind wir wieder hier angekommen, und der erste Spruch, wenn wir hier in den Ort fahren ist immer: &#8222;Wir sind wieder im Kaff.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>S: Da geht es uns genauso. Fr\u00fcher, wenn man nach Hause gekommen ist von den Reisen, dann hatte man immer diese L\u00e4cheln im Gesicht am Ortseingang. Wir spielen heute immer noch &#8222;Wer sieht zuerst den Turm der Stadt?&#8220; Und hier sagt keiner etwas, wenn wir in den ersten Kreisverkehr einfahren. Die Kinder freuen sich schon, auf ihre Freundinnen und ihr zu Hause. Ich kann auch nicht genau sagen, ob es meine Kinder beeinflusst, das hier nicht unsere Heimat ist. Und wir da auch immer wieder dar\u00fcber reden, in den Osten zur\u00fcck zu gehen. Um aber auch immer wieder festzustellen, dass es eben doch nicht so einfach ist. Jobs dort f\u00fcr uns beide zu finden. Die Leute dort haben sich auch ver\u00e4ndert in den letzten 20 Jahren. Es w\u00e4r ja kein Zur\u00fcckkommen in die gleiche Heimat wie 1998. Wir w\u00fcrden sicher nicht in dieser Region leben wollen, wo wir damals gelebt haben. Die gr\u00f6\u00dferen Ballungszentren wie Leipzig, Dresden, Berlin k\u00f6nnten wir uns eher als Lebensort vorstellen. Ich denke sehr Wenige schaffen das jetzt noch nach so langer Zeit im Westen. Auch wenn die Zahl der R\u00fcckkehrer steigt. Ich denke es gehen jetzt einfach weniger weg aus dem Osten, als in den letzten 30 Jahren. Weil die Chancen dort immer besser werden, eine gute Ausbildung und einen Job zu bekommen. Denkst du auch, dass es eine verfehlte Politik damals war, die diese Abwanderung provoziert hat?<\/p>\n\n\n\n<p>J: JA. Ich finde auch es war keine Wiedervereinigung sondern eine Angliederung. Wir wurden angegliedert an das bestehende System. Kleines Beispiel, ist der ostdeutsche Abbiegepfeil, der nach der Wende gro\u00df abgeschafft und dann als neue Errungenschaft wieder eingef\u00fchrt wurde. Gerecht war die Wiedervereinigung auf keinen Fall. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Eine Angliederung mit gleichwertigen Chancen f\u00fcr alle war es jedenfalls nicht.  Eher ein Ausverkauf der DDR. So viele Betriebe mussten schlie\u00dfen, so viele Menschen wurden arbeitslos. Neue Stra\u00dfen und Telefonleitungen reichten da eben nicht, um eine gesunde Struktur aufzubauen. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Der Meinung bin ich auch. Das h\u00e4tte anders laufen m\u00fcssen. Wie wei\u00df ich nicht, aber so war es nicht richtig. Vielleicht h\u00e4tte man beide Systeme l\u00e4nger parallel bestehen lassen m\u00fcssen. Ich kann es nicht sagen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Der Druck von den Ostdeutschen war schon da, das alle Freiheiten sofort bestehen sollen. Reisen, W\u00e4hlen, Demonstrieren, Redefreiheit. Ich denke das war schon besser so, das alles sofort zu bekommen. Die meisten hatten glaube ich eine andere Vorstellung von der Wiedervereinigung. Wie es dann sein wird. Das es so gekommen ist und sehr viele ihre komplette Existenz verloren haben, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Auch nicht, dass viele ihre Kinder und jetzt Enkelkinder an den Westen verlieren w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Das stimmt. Was ich in Halle auch beobachte, sind diese vielen alten Geb\u00e4ude, die verfallen, weil die Besitzverh\u00e4ltnisse nicht gekl\u00e4rt sind oder kein Geld f\u00fcr die Renovierung vorhanden ist. Oder es schlicht verrotten lassen. Das ist so schade, so etwas zu sehen. Halle war nicht so schwer getroffen im Krieg, es gab noch alte sch\u00f6ne H\u00e4user, die jetzt nicht mehr zu retten sind. Da h\u00e4tte ich mir auch gew\u00fcnscht, dass die Stadt eingreift und sagt, wer sich 25 Jahre nicht k\u00fcmmert, der verliert sein Eigentum. Ich habe mir schon \u00f6fters \u00fcberlegt, was w\u00e4re gewesen, wenn ich dort geblieben w\u00e4re. Wahrscheinlich h\u00e4tte ich nicht meine Fortbildung zur Ern\u00e4hrungsberaterin gemacht. Wahrscheinlich w\u00fcrde ich auch meine Yogalehrerausbildung nicht machen. Vielleicht h\u00e4tte ich dort einfach nur eine Familie gegr\u00fcndet, zwei Kinder bekommen und das wars. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Warum? Ich glaube nicht, dass du dort ein ganz anderer Mensch geworden w\u00e4rst. Dein Gehalt w\u00e4re nicht so hoch gewesen wie hier, h\u00e4ttest du vielleicht auch nicht gebraucht dort. Ich glaube der Mensch \u00e4ndert sich nicht so sehr, nur weil er in einem anderen Teil der Republik lebt. Ich w\u00e4re mit Sicherheit zur Fotografie gekommen, auch wenn ich dort geblieben w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Ich wei\u00df es nicht. Ich habe hier schon sehr viele Impulse bekommen. In Halle w\u00e4ren die Eltern gewesen, die alten Freunde. Ich glaube hier f\u00fchren wir schon ein etwas anderes Leben. Ich wei\u00df nicht, ob ich mich das dort dann getraut h\u00e4tte, das so zu machen. W\u00e4re vielleicht nicht so selbstbewusst geworden. Ich bin momentan froh, so wie es gekommen ist. Wie es sp\u00e4ter sein wird, wei\u00df ich nicht. Mein Mann w\u00fcnscht sich ein Boot an einem See. Da w\u00e4re der Osten nat\u00fcrlich super daf\u00fcr geeignet. Als Rentner dann vielleicht. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Die Rentnerwelle schwappt dann wieder zur\u00fcck in den Osten. Das werden wir erleben. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Glaube ich auch, das da einige wieder weggehen werden hier. Das kann gut sein.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Es ist ja teilweise jetzt schon so. Das Rentner, die sich das Leben hier nicht mehr leisten k\u00f6nnen, wieder in den Osten gehen und noch weiter (Bulgarien, Kroatien usw.). Und vielleicht haben dann auch die alten H\u00e4user noch eine Chance. Ich denke,  das viele der H\u00e4user erst durch die zweite Welle betroffen waren, nachdem ein kleiner Aufbruch direkt nach der Wende gescheitert war und die Leute dann doch aufgeben mussten. Trotz F\u00f6rderung und Anstrengungen hat diesen Menschen der Onlinehandel und die Globalisierung den Rest gegeben und zum Aufh\u00f6ren gezwungen. Im Vogtland ist das auch sehr deutlich zu sehen. Da wurden die H\u00e4user nach der Wende teilrenoviert, Gesch\u00e4fte er\u00f6ffnet und dort stehen jetzt viele leer. Die Kaufkraft wurde immer weniger, nur wenige Selbstst\u00e4ndige k\u00f6nnen dann \u00fcberleben. <\/p>\n\n\n\n<p>J: Ich finde gut, dass es einige Firmen aus der DDR doch geschafft haben und immer noch bestehen. Rotk\u00e4ppchen-Sekt, Kathi-Backwaren oder Halloren zum Beispiel. Von Merseburg nach Halle-Neustadt kommt ein Ort namens Rockendorf und da gab es immer schon eine super Eisdiele. Da haben wir immer angehalten, wenn wir aus dem Garten zur\u00fcck nach Hause gefahren sind. Die gibt es heute noch, die haben ein tolles Angebot und sind einfach mit der Zeit gegangen. Da hat es funktioniert. Aber viele andere mussten eben schlie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Traditionsunternehmen haben es da auch einfacher, die Marke war bekannt und die Qualit\u00e4t gut. Da konnte auch die Wende dann nicht zum Untergang f\u00fchren.    <\/p>\n\n\n\n<p>J: Mittlerweile werden ja Care-Pakete aus Osten in den Westen geschickt. Wenn wir in Halle sind, gehen wir gezielt einkaufen, um die Sachen zu kaufen, die wir hier nicht bekommen. Senf, S\u00fc\u00dfigkeiten usw. Als wir jetzt wieder in der Heimat waren. sind wir erstmal beim B\u00e4cker vorbeigefahren und haben Kuchen gekauft, Eierschecke, Papageienkuchen, Butterkuchen, Spritzringe. Ich bin schon sehr gerne im Osten. Ich wei\u00df aber nicht, ob es deshalb ist, weil ich mich dort wohler f\u00fchle oder weil es so viele Erinnerungen sind, an die Zeit meiner Kindheit dort. Halle hat sich auch gemausert, als ich dort weggegangen bin, war es dreckig und grau. Jetzt ist so viel neu gebaut und renoviert worden. Es ist eine tolle Stadt. Universit\u00e4t und Innenstadt &#8211; alles top. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ich habe auch die Hoffnung, dass meine Kinder vielleicht im Osten studieren. Ella findet die Uni in Leipzig ganz toll. Mal schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>J: Wir haben vor n\u00e4chstes Jahr Pfingsten eine Osttour zu machen. Harz, Mecklenburger Seenplatte, Spreewald. Es gibt so viele sch\u00f6ne Orte. Bis jetzt war immer das Ausland Ziel unserer Reisen. Jetzt wollen wir den Kindern meinen Teil der Republik zeigen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Danke Julia f\u00fcr deine Offenheit und das Vertrauen in mein Projekt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1800\" height=\"1198\" src=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-1800x1198.jpg\" alt=\"Statue\" class=\"wp-image-4393\" srcset=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-1800x1198.jpg 1800w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-300x200.jpg 300w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-768x511.jpg 768w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-940x626.jpg 940w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_8025-Bearbeitet-601x400.jpg 601w\" sizes=\"auto, (max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><figcaption>Halle Neustadt im Mai 2018<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Meine Bilderserie aus Halle-Neustadt findet sich \u00fcbrigens hier: <a href=\"https:\/\/lebenrolle.de\/?p=4378\">https:\/\/lebenrolle.de\/?p=4378<\/a><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Meine Wurzeln, mein Revier  <br>Mein Osten, mein Osten  <br>Hab Bescheidenheit von dir  <br>Mein Osten, ich steh zu dir  <br><br>Ich vergess nicht, wo ich herkomm  <br>Vergess nicht, wo ich herkomm  <br>Ich vergess nicht, wo ich herkomm  <br>Vergess nicht  <br><br>Ich kenn doch dein&#8216; freundlichen Blick  <br>Mein Osten, mein Osten  <br>Ruppig, herzlich, wie du bist  <br>Mein Osten, mein Osten  <br>Wir kriegen irgendwas hin  <br>Dass deine \u00c4ngste nicht gewinnen  <br>Mein Osten  <\/p><cite>Silbermond: &#8222;Mein Osten&#8220;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>______________________________________________________________________________<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Wenn wir geblieben w\u00e4ren &#8211; Nr. 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer meine letzten Blogeintr\u00e4ge gelesen hat wei\u00df, dass ich mich momentan wieder etwas intensiver mit meiner Vergangenheit und im speziellen meiner Kindheit und Jugendzeit in der ehemaligen DDR befasse. Das Thema besch\u00e4ftigt mich nicht erst seit diesem Jahr, sondern immer wieder in meinem bisherigen Leben. <\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere die Frage, was w\u00e4re aus mir geworden, wenn ich nicht 1998 meine Heimat im Vogtland verlassen h\u00e4tte, um in den S\u00fcdwesten der Republik zu ziehen.  Und damit auch mit der Frage, was w\u00e4re aus meiner Heimat und damit meine ich das gesamte Gebiet der ehemaligen DDR geworden, wenn alle der ca. 1,5 Millionen geblieben w\u00e4ren. Nun sind solche &#8222;Was w\u00e4re wenn Fragen?&#8220; immer eine  schwierige Angelegenheit, weil sie einfach nie richtig beantwortet werden k\u00f6nnen, denn keiner kann die Zeit zur\u00fcck drehen und sein Leben noch einmal leben. Trotzdem reifte in den vergangenen Jahren, auch durch die st\u00e4ndigen Reisen zur\u00fcck in die Heimat, der Wunsch mich damit auseinanderzusetzen. Auch der l\u00e4ngere Auslandsaufenthalt meiner Familie trug sicher dazu bei, sich mit der Sicht auf die Welt und meinem Platz darin etwas intensiver zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die daraus logische Frage f\u00fcr mich lautete daher: Wie gehe ich das an? B\u00fccher und Filme, Reportagen und Podcast zum Thema gibt es sehr viele. Ein Fotoprojekt habe ich bisher noch nicht richtig entdeckt. Sicher, der Buchmarkt h\u00e4lt Dokumentationsb\u00fccher \u00fcber das Leben in der DDR bereit, da stehen auch einige in meinem B\u00fccherregal und helfen ab und zu, den eigenen Kindern etwas aus meiner Kindheit zu erkl\u00e4ren. Eine Statistik zur Migration der Ostdeutschen in den Jahren nach der Wende zeigt, dass die Mehrheit Frauen waren, die ihre Heimat verlassen haben. Sei es aus Liebe, sei es aus beruflichen Gr\u00fcnden, sei es weil sie vielleicht mutiger waren und es wagten ihr Gl\u00fcck in die Hand zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Daher wird mein Projekt nur von den Frauen leben, die hier zu Wort kommen d\u00fcrfen und aus ihrem Erfahrungsschatz berichten, wie es war  zu gehen und ob es vielleicht anders gekommen w\u00e4re, wenn wir alle geblieben w\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Den Anfang macht Antje.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1447\" height=\"1686\" src=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5062\" srcset=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019.jpg 1447w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019-257x300.jpg 257w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019-768x895.jpg 768w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019-940x1095.jpg 940w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antje_2019-343x400.jpg 343w\" sizes=\"auto, (max-width: 1447px) 100vw, 1447px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Antje (geb. 1983) ist die Frau meines Cousins und stammt aus dem Erzgebirge. Sie verlie\u00df ihre Heimat 2003 nach der Ausbildung, fand einen Job in M\u00fcnchen, heiratete (einen Ostdeutschen) und wohnt noch immer dort mit der mittlerweile auf vier K\u00f6pfe angewachsenen Familie. Wir f\u00fchrten das Interview am 31.03.2019.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>S: Hat dich das kurze Leben in der DDR gepr\u00e4gt?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich glaube, was mich gepr\u00e4gt hat, war die Erziehung, die ist schon ganz anders, bei den Ostkindern als bei den Westkindern gewesen. Wenn du dich mit Erwachsenen dar\u00fcber unterh\u00e4ltst, die Ansichten dar\u00fcber sind teilweise ganz anders, auch gerade dann, wenn es um die Kindererziehung auch deiner eigenen Kinder geht. Um bestimmte Werte mitzugeben, bestimmte Sachen zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>S: Bewegt dich auch, der Umstand, dass es im Osten, unserer alten Heimat sehr viele &#8222;tote&#8220; Orte gibt, die es nicht geschafft haben, nach der Wende die Menschen dort zu behalten, die nach einer Euphorie-Phase eine zweite Abwanderungswelle erleben mussten?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ja, das macht mich traurig und ich&nbsp;kenne&nbsp;das gerade auch aus dem Erzgebirge Ich glaube das viele gerne geblieben w\u00e4ren. Ich finde es traurig, dass dieses verbohrte Denken teilweise immer noch vorhanden ist. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Denkst du es liegt an den \u00e4lteren Leuten dort, die in der Heimat geblieben sind?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Man merkt es schon, dass das Denken dort immer noch sehr Ost und West behaftet ist. Da kommt dann der Westkollege vorbei. Die Vorurteile sind immer noch vorhanden, selbst wenn wie in meinem Fall, die eigenen Kinder jetzt im Westen wohnen und leben. Genauso ist es anders herum, wenn man im Gespr\u00e4ch merkt, wie \u00fcber die Ostdeutschen geredet wird, bis die Gespr\u00e4chspartner merken, dass mal selbst aus dem Osten kommt. Da hei\u00dft es dann schon mal, ach du kommst aus Sachsen, das wusste ich nicht. Bei mir verr\u00e4t der fehlende Dialekt meine Herkunft nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wann bist du in nach Bayern gezogen? Und hast du dich damals dort als Ossi gesehen?<\/p>\n\n\n\n<p>A: 2003. Am Anfang schon. Das Bewerbungsgespr\u00e4ch was schon witzig, aber mein erster Patient damals hat mich zum Umdenken angeregt, zumindest was die Sprache betrifft. Es war ein Intensivpatient und er hat mich nicht verstanden und ich ihn nicht. Er war Bayer und da stand f\u00fcr mich fest, ich muss etwas \u00e4ndern. Ich habe mich dann bem\u00fcht mehr Hochdeutsch zu sprechen, mittlerweile denken viele Leute ich komme aus Franken, weil sich der bayerische Dialekt eingeschlichen hat. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ist das eine bewusste Entscheidung, so das keiner mehr merkt, dass du aus dem Osten kommst?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Genau. Ich m\u00f6chte nicht sagen, dass ich mich daf\u00fcr sch\u00e4me, wie ich aufgewachsen bin und wie mich meine Eltern gepr\u00e4gt haben. Ich bin ihnen sehr dankbar daf\u00fcr. Aber weil eben immer noch viele Vorurteile vorhanden sind m\u00f6chte ich nicht, dass man mich sofort erkennt. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Dann war das in gewisser Weise eine Anpassung. Ich habe das f\u00fcr mich nie versucht, nur noch hochdeutsch zu sprechen, obwohl einige im Osten mittlerweile behaupten, ich rede gar kein S\u00e4chsisch mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich kann es glaube ich gar nicht mehr richtig. An bestimmte W\u00f6rter erinnere ich mich dann, wenn ich eine Woche Urlaub im Osten mache. Aber ich m\u00f6chte es eigentlich auch nicht mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Wie viele sind denn aus deiner Familie weggegangen aus der Heimat? Oder aus deinem n\u00e4heren Umkreis?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Mein Onkel noch. Und mein Papa, der weggehen musste. Weit nach der Wende erst, nach Jahren der Arbeit im Osten, weit nach 2000 dann. Es m\u00fcsste so 2009\/2010 gewesen sein, als er gegangen ist. Mein Onkel und mein Papa&nbsp;sind sehr heimatverbunden geblieben. Er steht zu seiner Heimat und vermisst sie sehr. Ich auch, ich liebe das Erzgebirge. Es ist schon  verr\u00fcckt, aber da habe ich nie dar\u00fcber nachgedacht. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hast du es je bereut gegangen zu sein?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Nein, ich habe es nicht bereut, nie. Weil ich dadurch ganz andere M\u00f6glichkeiten hatte, sich ganz andere Horizonte aufgetan haben. Ich beruflich andere Wege habe gehen k\u00f6nnen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, nein ich habe es nicht bereut. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Und wenn es die M\u00f6glichkeiten damals in Sachsen gegeben h\u00e4tte?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Dann w\u00e4re ich dort geblieben. Ich wollte dort bleiben. Ich wollte nicht weggehen (eine Tr\u00e4ne kullert). Ich habe viele Bewerbungsgespr\u00e4che gehabt, ich wusste damals schon, wenn ich nach der Ausbildung fertig bin, bin ich auf diesem Markt im Osten nichts wert (im Sinne von zu teuer). Ich habe dann sehr viele Fortbildungen gemacht, die notwendig waren f\u00fcr mein Berufsbild (Physiotherapie). Damit war ich dann schon wieder zu gut ausgebildet, viele wollten sich das dann nicht leisten. Auch die Aussagen &#8222;Sie sind jung und ungebunden, was wollen Sie denn hier am Ort? Gehen Sie doch in den Westen.&#8220; best\u00e4rkten den Entschluss. Schlie\u00dflich gab die letzte Absage dann den Ausschlag wegzugehen, als eine fest geglaubte Stelle aufgrund von Beziehungen an einen Anderen ging. Die wollen mich hier einfach nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hast du mal dar\u00fcber nachgedacht, wer daran Schuld hatte, dass der Osten seine gut ausgebildeten jungen Leute verloren hat? Es ist ein gro\u00dfer Teil einer ganzen Generation dort verschwunden und der fehlt immer noch.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Es gibt ja jetzt viele Regionen, in die wieder Leute zur\u00fcck kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Ja, aber die waren alle 20 oder 30 Jahre weg. Was h\u00e4tten wir erreichen k\u00f6nnen, wenn wir alle geblieben w\u00e4ren?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Zum damaligen Zeitpunkt habe ich da wenig dar\u00fcber nachgedacht. Ich hatte keine andere Wahl. Und wollte auch nur arbeiten und Geld verdienen.&nbsp;Ich h\u00e4tte damals einfach wenig erreichen und bewegen k\u00f6nnen. Wenn du dann einmal in diesen Regionen lebst, wo Wohlstand vorhanden ist, da denkst du nicht mehr \u00fcber Schuld nach. Ich w\u00fcrde auch keinem die Schuld geben, die jungen Leute haben ihre Chancen genutzt und sind gegangen, sie wollten etwas erreichen, Geld verdienen und ein Leben aufbauen. Auch aus meiner Schule sind zwei drei Leute weggegangen. Viele sind auch dort geblieben, haben es akzeptiert und haben relativ schnell eine Familie gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Hast du mit denen noch Kontakt?<\/p>\n\n\n\n<p>A: W\u00e4hrend der ersten Jahre in Bayern hatte ich noch Kontakt und dann viele Jahre nicht mehr. Jetzt gibt es eine WhatsApp Gruppe, aber du merkst auch da, es gibt immer noch dieses Ost \/ West Denken. Und jeder h\u00e4lt sich f\u00fcr etwas besseres, was ich ganz schlimm finde. Ich bin mit bestimmten Werten gro\u00df geworden und meinen Eltern daf\u00fcr sehr dankbar. Ich habe viele Sachen sch\u00e4tzen gelernt, was heute vielen abgeht. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Sind sie vielleicht ein bisschen neidisch auf das Erreichte von dir?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Findest du? Vielleicht! Jeder der zur\u00fcck kommt, wir mit Argusaugen beguckt. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Kennst du jemanden, der zur\u00fcck gegangen ist in den Osten?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ja ich kenne welche und die werden manchmal dann als &#8222;Gescheiterte im Westen&#8220; dargestellt. Das finde ich schade, denn das ist meistens nicht so. Viele gehen zur\u00fcck, weil die Familie dort noch lebt. Gerade wenn eigene Kinder geboren werden, wollen sie die Gro\u00dfeltern in der N\u00e4he haben oder sich auf ihre alte gute Heimat zu besinnen. Ein Bekannter aus dem Osten erz\u00e4hlte mir, er hat beobachtet, es gibt wohl zwei Arten von Ostdeutschen, die im Westen leben. Die einen die sich dort nie wohlf\u00fchlen und sich den Gegebenheiten dort nicht anpassen k\u00f6nnen. Die suchen sich oft auch keine Freunde und gehen dann doch wieder zur\u00fcck. Die kommen dort eben nie an, sehen es nicht als Heimat. Und die anderen, die sich wohlf\u00fchlen und bleiben. Ich hatte eine Kollegin, die wieder zur\u00fcckgegangen ist und der Bekannte dann auch. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Kannst du die verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Doch schon. Die sind sehr heimatverbunden. F\u00fcr mich kann ich sagen, ich bin sehr neugierig gewesen, ich w\u00e4re auch woanders hingegangen, zum Beispiel nach \u00d6sterreich, ich wollte immer nach Wien. Oder in die Schweiz. Wenn sich heute die M\u00f6glichkeit auftun w\u00fcrde, w\u00fcrde ich auch noch weiterziehen. Weil ich neugierig bin und Neues kennenlernen m\u00f6chte. Aber ich wei\u00df trotzdem wo ich aufgewachsen bin.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Deine Heimat ist&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich sag mal, mein zu Hause ist M\u00fcnchen, <\/p>\n\n\n\n<p>S: &#8230; und deine Heimat wird das Erzgebirge bleiben. Das geht ja vielen so. Auch Leute, die in Bayern aufgewachsen sind und jetzt in Hamburg leben, werden ihre Heimat wohl immer in Bayern sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Im Osten ist es mittlerweile auch ganz anders, da kannst du auf dem Land am Wochenende um 2 Uhr Nachmittags nicht mehr zum Einkaufen gehen, weil alles geschlossen hat. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied zu meinem Leben in der Gro\u00dfstadt.   <\/p>\n\n\n\n<p>S: Das liegt eben auch daran, dass viele Leute weggegangen sind. Wo keine Kunden mehr vorhanden sind, machen die Gesch\u00e4fte dicht. Die jetzige j\u00fcngere Generation im Osten, die dort wohnen und ihre Familie gr\u00fcnden, die orientieren sich wahrscheinlich schon daran, in Sachsen zu bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Das habe ich auch gemerkt. Viele junge Leute bauen auch wieder H\u00e4user dort, haben gute Jobs oder sind selbst\u00e4ndig. Bauen Firmen auf und sind erfolgreich. Ich finde das super. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hat es f\u00fcr dich eine Traurigkeit oder einen Verlust gegeben, dein Leben nicht in der Heimat zu verbringen? Der Arbeit wegen weggehen zu m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Verlust nat\u00fcrlich, das ich meine Familie nicht um mich habe. Und traurig bin ich an Weihnachten. Das ist in Bayern nicht so heimelig und gem\u00fctlich wie ich es aus meiner erzgebirgischen&nbsp;Heimat. Als ich die Stelle bekommen hatte damals, war der Plan das f\u00fcr 1-2 Jahre dort zu machen. Und mein Papa hat gleich gesagt: Du wirst bleiben. Das habe ich nicht geglaubt, ein Dirndl werde ich nie anziehen. Dann habe ich Oli kennengelernt und&nbsp;mein Papa&nbsp;war sich sicher, dass ich bleibe. Als die Probezeit nach 2 Jahren beendet war und der Vertrag verl\u00e4ngert wurde, bin ich geblieben und habe meine eigene kleine Familie bekommen. Im Hinterkopf hatte ich in den ganzen Jahren&nbsp;immer das Gef\u00fchl, ich gehe zur\u00fcck. Ich wollte eigentlich schon gerne in der Heimat bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Aber in eine gr\u00f6\u00dfere Stadt, wo Jobs vorhanden gewesen w\u00e4ren, zur\u00fcckzuziehen w\u00e4re eine Option gewesen?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Der Verdienst dort ist schon sehr viel niedriger als in M\u00fcnchen. Wenn man den anderen Lebensstandard kennengelernt hat, was ich durch das Weggehen eben habe, dann ist es sehr schwierig, wieder anders leben zu wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>S: War das eigentlich f\u00fcr dich interessant, dass du mit jemanden zusammen gekommen bist, der ebenfalls aus dem Osten gekommen ist? War das eher Zufall oder gezielt gesucht?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Gesucht nicht. Die Schwiegermama hatte daf\u00fcr einen gewissen Einfluss (lacht). Nein gar nicht, ich glaube ich h\u00e4tte auch jemanden aus dem Westen genommen. Das hat sich so ergeben. Es ist sch\u00f6n, dass es jemand aus dem Osten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Ich frage nur, weil es die Beobachtung gibt, dass Leute aus dem Osten, die in den Westen gegangen sind, selten Leute aus dem Westen heiraten. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ehrlich?<\/p>\n\n\n\n<p>S: Ist es vielleicht eher der Grund, unter Gleichen zu bleiben oder das sie sogar eher Ausl\u00e4nder heiraten. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Da habe ich gar nicht dr\u00fcber nachgedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Kennst du andere P\u00e4rchen? Die gemischt sind?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich kenne ein Paar, das ist auch Ostdeutsch und Ausl\u00e4nder. Ein anderes Paar, die sind auch beide aus dem Osten. Stimmt, wenn man es so betrachtet. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Es hat wahrscheinlich schon mit gleichen Werten, gleicher Heimat, gleiche Lebenssituation, von zu Hause weggegangen, zu tun. Man hatte Gespr\u00e4chsstoff f\u00fcr die Beziehung. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich glaube schon, dass die Werte eine Rolle spielen. Was hat zum Beispiel Geld f\u00fcr eine Stellung. Auch das Thema Kindererziehung&nbsp;oder m\u00fcssen Anschaffungen sein und brauchen wir bestimmte Sachen,&nbsp;kann man nicht das alte kaputte Sieb noch&nbsp;weiter benutze.&nbsp;Wir k\u00f6nnen uns schlecht von Sachen trennen, ich mag diese Wegwerfgesellschaft nicht, hebe Sachen gerne auf. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Gibst du das jetzt auch an deine Kinder weiter? Du wirst ihnen sicher erz\u00e4hlen, wo du aufgewachsen bist und herkommst. Aus einem Land, was es so in seiner Struktur von damals nicht mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ja, sicher. Was ich echt sch\u00f6n finde, ist zum Beispiel das Spielzeug von fr\u00fcher. Mit der Kindheit in der DDR verbinde ich den Brummkreisel oder die Mosaikw\u00fcrfel. Die sind mit sch\u00f6nen Erinnerungen verbunden. Bereut habe ich nie, vermissen tu ich es schon, besonders meine Eltern.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Was ich mich oft frage, ist wenn die politischen Umst\u00e4nde und Folgen damals anders gelaufen werden, ohne die Abwicklung der Betriebe in der DDR und die dazu f\u00fchrende Arbeitslosigkeit in dieser Masse. Und der Jugend dadurch keine Chancen aufzuzeigen dort zu bleiben. Wenn diese Umst\u00e4nde anders gewesen w\u00e4ren, wie viele Leben w\u00e4ren dann wohl anders verlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich wei\u00df es nicht, ich wei\u00df es nicht. Wenn ich dort geblieben w\u00e4re, h\u00e4tte ich Oli nicht kennengelernt. Ich h\u00e4tte vielleicht auch viele Reisen nicht gemacht, die ich unternommen habe, weil ich im Westen gearbeitet habe. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Man kann das Ganze auch andere herum betrachten, die vielen jungen Leute, die weggegangen sind,  mussten dann relativ schnell auf eigenen Beinen stehen. Die mussten sich allein durchbei\u00dfen, die Familie war oft weit entfernt, Besuche nicht so oft m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich merke, dass ich mich dadurch ver\u00e4ndert habe. Ich bin vielleicht ein St\u00fcck weit noch selbstbewusster geworden. Kann mich besser durchsetzen. Ich war anders bevor ich die Heimat verlassen hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hattest du auch den Anspruch: Wir d\u00fcrfen jetzt nicht scheitern? Unsere Eltern waren meistens dann schon zu alt, um noch einmal von vorne anzufangen, sich etwas Neues aufzubauen. Die wollten lieber in ihrer Umgebung versuchen, das neue Leben zu meistern. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Einmal das. Und viele, die ich in Bayern kennengelernt habe und aus dem Osten kommen, sind echte Durchhalter und Arbeitstiere. Die beschweren sich auch eher selten und sitzen nicht da und w\u00fcrden nicht arbeiten. Es ist wohl eine ganz andere Arbeits- und Lebenseinstellung.  Das pr\u00e4gt uns auch noch sehr. Es muss eben gehen, es muss weitergehen. Zum Beispiel auch das Thema nach den Kindern nur noch in Teilzeit zu arbeiten. Das hat sich f\u00fcr mich nicht gestellt. Ich kenn das nicht anders. Meine Mama hat immer gearbeitet. Und das ist glaube ich schon noch so etwas Ostdeutsches. Auch wenn ich mich mit M\u00fcttern auf dem Spielplatz unterhalte. Das regt mich echt auf. Ich mag mich da auch nicht mehr rechtfertigen, warum ich wie arbeite und es eben so mache. Viele k\u00f6nnen das nicht nachvollziehen. Diese These dann, ob ich dadurch nicht meine Kinder vernachl\u00e4ssige. Ich denke, dass ich trotz Vollzeit eine gute Mutter sein kann und mich gut um meine Kinder k\u00fcmmere. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Hast du dir die Frage gestellt, was aus dir geworden w\u00e4re, wenn du in der DDR gelebt h\u00e4ttest und die Wende nicht gekommen w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>A: Lange hatte ich mir diese Frage nicht gestellt.  Aber tats\u00e4chlich jetzt erst als der Film &#8222;Der Ballon&#8220; in die Kinos kam. Und ich dachte, Oh Gott, noch so ein Ossi-Film. Wieder jemand, der versucht, den Osten darzustellen. Ich muss sagen, der Film spiegelt sehr viel wieder und mich sehr nachdenklich gemacht. Ich hatte Tr\u00e4nen in den Augen, weil ich diese Dankbarkeit empfunden habe, dass die Wende kam. Ich weggehen konnte und durfte, reisen darf. Wenn man wieder einmal gesehen hat, wie krank dieses System eigentlich war. Der Film spiegelt das wirklich sehr gut wieder. Er ist sehr gut recherchiert. Wir haben den im Osten gesehen. Im Kino mit vielen Ostdeutschen um uns herum. Es war teilweise lustig, weil die sehr viel kommentiert haben w\u00e4hrend des Films. Und ich w\u00e4re am liebsten aufgestanden und h\u00e4tte applaudiert und das ging mir bei keinem Film bisher so. Und das Schlimme ist, es gibt heute nach Gegenden, die genauso aussehen wie sie im Film dargestellt werden. Wir sind beide sehr nachdenklich nach Hause gefahren und haben beide gesagt: Eigentlich m\u00fcssen wir wahnsinnig dankbar sein, was uns an M\u00f6glichkeiten geboten wurde und ich glaube so h\u00e4tte ich nicht dort weiterleben wollen. Ich bin auch niemand, der sich gerne unterordnet, eher jemand der gerne mitdenkt, der gerne etwas ver\u00e4ndert, der etwas bewegen m\u00f6chte. Den Film fand ich wirklich beeindruckend, der hat mich nachdenklich gemacht. Zu beobachten, was sich eigentlich f\u00fcr mich getan hatte. Und ich w\u00e4re dann ja genau in diesem System erwachsen geworden. Und du merkst, wie krank das war. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ich stelle mir manchmal die Frage, h\u00e4tten wir es nicht versuchen m\u00fcssen, wieder in den Osten zur\u00fcckzugehen. Unsere Energie dort zu lassen. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich kenne viele dort, die wollen sich dort gar nicht ver\u00e4ndern, die w\u00fcnschen sich das alte System zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ich denke, f\u00fcr bestimmte Regionen, w\u00e4re es sicher gut gewesen, wenn einer\/eine dort gewesen w\u00e4re, die den Stein ins Rollen gebracht und etwas bewirkt oder angesto\u00dfen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Da habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Ein Kumpel von Oli wollte sich dort etwas aufbauen. Aber die Leute sind einfach nicht gekommen. Warum soll ich zu dem gehen und dem mein Geld geben? Diese Mentalit\u00e4t ist verbreitet. F\u00fcr meine Berufsbranche gilt das genau so. Wer leistet sich dort einfach so eine Massage, wer g\u00f6nnt ich das? Wer macht aus eigener Tasche einen Gesundheitskurs? Viele sagen, warum soll ich das machen, es gibt doch die Krankenkasse, ich zahle doch schon meine Beitr\u00e4ge. Das ist schon ein Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Aber das wird sich wahrscheinlich auch \u00e4ndern, mit der n\u00e4chsten Generation dort. In den Gro\u00dfst\u00e4dten ist das jetzt bestimmt schon so. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Aber im l\u00e4ndlichen Bereich wird dieses Denken noch lange nicht da sein. Ich wei\u00df auch nicht, ob ich h\u00e4tte etwas bewegen k\u00f6nnen. Und wenn dann auch nur, weil ich es vorher anders erlebt habe und eben nicht dort geblieben bin. Vielleicht gehe ich im Alter auch wieder zur\u00fcck. Ich wei\u00df es nicht. Wenn ich mir die Gro\u00dfstadt dann nicht mehr leisten kann. Das ist schon paradox. Erst geht man weg, um Geld zu verdienen und dann wirst du wieder gehen m\u00fcssen, weil es nicht reicht, um dort zu bleiben. In der Region, die du dann eigentlich als deine neue Heimat betrachtest. Du bist immer zerrissen zwischen den beiden Welten. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Immer auch der Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Im wahrsten Sinne des Wortes. Man ist immer am Reisen, man reist immer Etwas hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>S: Dem Gl\u00fcck vielleicht? Ich finde es zum Beispiel gut, wenn es Ver\u00e4nderungen im Leben gibt. Das liegt sicher an meinem Typ. Viele meiner Kollegen hier, die w\u00fcrden nie ins Ausland gehen und dort leben wollen. Oder schon in eine andere Stadt ziehen ist undenkbar. <\/p>\n\n\n\n<p>A: Ich w\u00fcrde schon noch einmal weggehen. F\u00fcr Oli w\u00e4re das schwieriger, seine Eltern sind mittlerweile auch hier in die N\u00e4he gezogen. Ich w\u00fcrde das meinen Kindern schon gerne erm\u00f6glichen wollen. Aber ich blicke lieber nach vorn als nach hinten. Und ich bin gl\u00fccklich da, wo meine Familie ist. Ich bin nicht ungl\u00fccklich, dort wo ich ich jetzt lebe. Ich bin f\u00fcr vieles dankbar, und auch daf\u00fcr, dass ich ein Kind vom Osten bin. <\/p>\n\n\n\n<p>S: Ein sch\u00f6nes Schlusswort. Danke Antje!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich erz\u00e4hl dir mein Geheimnis, und noch mehr, wenn du mich danach fragst.&#8220; Auszug aus dem Lied &#8222;Gr\u00f6nland&#8220; von Herbert Gr\u00f6nemeyer. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"418\" height=\"641\" src=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antja_Baby.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5130\" srcset=\"https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antja_Baby.jpeg 418w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antja_Baby-196x300.jpeg 196w, https:\/\/lebenrolle.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Antja_Baby-261x400.jpeg 261w\" sizes=\"auto, (max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><figcaption>Der gro\u00dfe Lauschangriff oder abgeh\u00f6rt?<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir geblieben w\u00e4ren &#8211; Nr. 2 Julia durfte ich am 22. Mai 2019 interviewen. 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